Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1915
- Issue
- Heft 23 (18.6.1915)
- Date
- 1915-06-18
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8. Die Wahrheit. m. 23. wiederaewählt und Frau Regierungsrat Neumann, Bezirksrat Philipp B a k, Gemeinderat Ernst Neustadt!. Herr und Frau Loewen- Dein und Herr Samuel Pisk als Beiräle neu gewählt. Mir dem vom Herrn Bezirksrare Philipp Bak ausgesprochenen Wunsch?,, daß sich ünmer weitere Kreise diesem ebenso wohltätigen als beretrs unentbehrlich gewordenen Vereine als Mitglieder und Spender zumenden Möchten, wurde die Generälversammlnug geschloffen. Wie«. (Verein zur Unterstützung jüdischer Kleingewerbetreibender Wien.) In der Dienstag, den 1. fc.' Bt. in A. Barschaks Saallokalitälen stattgefnudenen ordentlichen Generalversammlung widmete der Vorsitzende Herr Saul Klausner vor allem den im abgelanfenettVereiilsjahredahliigschiedenett Mitgliedern und Gönnern des Vereines warme Worte des Gedenkens, welche zum Zeichen der Trauer von den Anwesenden stehend angehört werden. Herr Sekretär M. Apte erstattete den Bericht über die Vermögens- und Kaffagebahrnug des Jahres 1914 und teilt «m Anschlüsse hieran mit, daß der Vorstand in gerechter Würdigung der herrschenden Notlage einen besonderen Altersürsorgesond gegründet hat. Diese Mitteilung wird von der Generalversammlung beisälligst ausgenommen und der Rechnunasabschluß sohin en bloc genehmigt. Ueber Antrag der Revisoren wird dem Vorstände einstimmig das Äbsolutorium erteilt und der Dank nud die Anerkennung sür seine erfolgreiche und mühsame Tätigkeit in dieser ernsten Zeit ausgesprochen. Die Anträge der Bereuisleitung betreffend die Monatsbeilräge, Krankenunterstütznngen, Wirwenabferligungen n. s. w. wurden unverändert gleich den in der vorjährigen Generalversammlung gefaßten Beschlüffen ohne Debatte angenommen. Nach vollzogener Neuwahl des Vorstandes wurde die Versammlung geschloffen. Wien. Eine Depesche der „Kiewskaja Mysl" aus Wilna dementiert die Nachricht Petersburger Blätter von der angeblichen Zurücknahme der Verordnung über die Ausweisung der Juden aus Kurland und Kowno. Vielmehr ist dieser Depesche zufolge den Juden der.Aufenthalt im ganzen Festnngsrcyvn endgültig verboten. Die Gesamtzahl der ans dem Gouvernement Kowno und Kurland ausgewiesenen Juden erreicht 147.000. Da die Ausweisungen innerhalb 24 Stunden erfolgten, sind Hunderte von Kindern verloren gegangen. Die lettischen Zeitungen fordern die Letten auf, den Handel in allen Gegenden an sich zu reißen, aus welchen die Inden und Deutschen ansgewieseu worden sind. Kattowitz. Im' Festsaale der Synagogengemeinde fand am 6. Juni l. I. eine Generalversammlung des Oberschlesischen Knltusbeamteu-Bereines statt, die trotz der schweren Zeit glänzend besucht war. Nach langer Beratung wurde der Statutenparagraph bezüglich des korporativen Anschluffes an den deutschen Kantvrenverband gestrichen. D:e Borstaridsmit; liedir wurden sämtl'ch w edergewählt, und zwar als erster Vorsitzender Obcrkautor Singe r, Kattowitz. Peiffkretscham. Der verdienstvolle Oberkantor der hiesigen jüdischen Gemeinde, Herr Schifftau, feierte sein füufundzwanzigjähriges Dienstjubiläum. Der Jubilar erhielt von Vorstand, Gemeinde- Mitgliedern und Kollegen viele Gratulationen und Ehrungen. Literntnr. „Jüdisches Archiv.“ Unter diesem Titel gibt das vor einigen Monaten in Wien gegründete Jü d > s ch e K ri e g s a r ch i v „Mitteilungen" heraus. Wenn es deren Zweck sein soll, weiteren Kreisen einen Begriff davon zu geben, wie wertvoll das Material ist, das im Jüdischen Kriegsarchiv gesammelt wird, so ist dieser Zweck in der vorliegenden ersten Nummer erreicht. Schon die übersichtlich geführten Listen jüdischer Ausgezeichneter sind als dankenswert anzusehen. Daß in einer Anzahl von Fällen die Gründe der Auszeichnung in kurzer präziser Faffung hinzugefügt sind, wirkt besonders illustrativ. Vorzugsweise Aufmerkfamkeü verdienen aber die Beispiele russischer Barbarei und Heukerei, die die „Mitteilungen" fast durchaus nach originalen Berichten zu bringen wiffen. Einige davon, wie „Die Untat von Staßow" (in Russisch-Polen) »nd das Schicksal jener bnkowinischen Judenfamilien, von dem der Postvermerk auf dem letzten verzweifelten Briefe des Familienvaters Kunde gibt, sowie der Tod des greisen Talmudisteu in Szerzec gehören wohl zu den furchtbarsten der Art. Dabei scheinen alle diese Fakten nicht aufs Geratewohl ans der Fülle der russische» Miffetateu heransgegriffen zu sein, sondern sind wohl ausgewählt, um einerseits die furchtbarste Begleiterscheinniig der Greuel, die namenlose Berlaffenheit der ihren Peinigern ausgelieferten Opfer hervorrreren, andererseits dem Leser auch die Beweggründe, Grundgedanken und gewiffe intereffante Hilfsquellen des rnffischen Greuelsystems zumindest ahnen zu lasten. Namentlich geht ans ihnen ganz deutlich hervor, daß sich Rußland nicht ohne Grnnd an die Inden als Hauptsüudeuböcke hält, sondern, daß es in den eigenen, heimischen Juden diejenigen treffen will, die naturgemäß seiner Regierungsweise am konsequentesten widerstreben und in den galizisch-bukowinischen Juden die jedenfalls erreichbarsten unter den Trägern eines unbedingten Oesterreichertums. Das Heft, das auch einige patriotische Kundgebungen jüdischer autoritativer Stellen enthält nud mit Geschmack ausgestattet ist, stellt sicherlich einen wertvollen Beitrag zur Zeitgeschichte dar, den jeder, der sich sür diese ernstlich interessiert, zur Kenntnis nehmen sollte. Es ist im Berlage R. Löwit, L, Rotenturmstraße 22, erhältlich. Aufruf! Dank der todesmutigen Haltung unserer und der in deutscher .Nibelimgeutreue verbündeten Truppen, befindet sich Przemysl wieder •m unserem Besitze. Nach den höchst erfreulichen Berichten der letzten Tage dürfen wir mit Zuversicht darauf rechnen, daß auch Lemberg undschließlich ganz Galizien und die Bukowina in kurzer Zeit wieder Hurückerobert wird, so daß es den Flüchtlingen in absehbarer Zeit möglich sein wird, auf ihre Heimatfiche Scholle znrückzukehre». Alle Daheimgebliebeiien haben die heilige Pflicht, für die so bedauernswerten Opfer der russischen Invasion mit dem Einsätze ihrer gesamten finanziellen Kräfte zn sorgen. Da» gefertigte Konritee wendet sich daher hiemit neuerlich an die große Oeffentlichkeit und bittet dieselbe ebenso dringend als höflich um Zuwendung weiterer Spenden, da die bisher mit vieler Mühe aufgebrachten Mittel vollständig erschöpft sind, so daß wir, fall» uns nicht rasche und ausgiebige Hilfe zuteil wird, unsere Tätigkeit in de« nächsten Tagen einstellen müssen._ H&g - _ ZM, M'LL Wir bitten inständiges, daß uns jeder nach seinen Kräften helfe. Gütige Spenden wollen an den Obmann des Komitees Bezirksrat Dr. Leopold Brady, Hof- und Gerichtsadvokat. Wien, H., Praterstraße 24, tunlichst rasch gesendet werden. Jllterkoilfessjonelles Hilfskomitee zur Frühstücksnnd Jausen-Ausspeisnng an Flüchtlinge ans Galizien und der Bukowina. Wohltätigkeilsaktion des Oester r.-u n g. Ka u t o r e n - B e r e i n e s i n^W i en: Wir bitten die geehrten Herren Kollegen Sammlungen in den Gemeinden einzuleiten, damit wir in der Lage sind, alle einlanfenden Gesuche von Seite der in Not sich hier und auswärts befindendenKantoren-Familien, auch ferner berücksichtigen zu können. Es ist Pflicht der Kollegenschast, rasch und helfend einzngreisen. * Spenden erbittet mau au den Präsidenten, Oberkantor I. Bane r, II., Novaragasse 27, sowie an den Vizepräsidenten, Oberkantor I. Morgenstern, H., Ferdinandsstraße 23. >xg6x< Austritte ans dem Indentnrn. S ch w a r z Ernst, Kutscher, geb. 14. Februar 1883 in Wieu.. 111., Reinlgasse. Politzer Eugen, geb. 27. November 1888 in Wien. IV., Starhemberggaffe 26. P o p p e r Anna geb. Auböck, Börseredakteursgattin. geb. 21. Mai 1889' in Frankenburg, XIX., Sieveringerstraße 116. Zoref Adolf, Staatsgewerbeschüler, geb. 2. April 1897 in Wien^ L. Dorotheergaffe 8. Hacker Wilhelm, Privatbeamter, geb. 1. Februar 1877 in Nenkirchen. IX., Wasagaffe 26. Aigner Ella. Privat, geb. 10. August 1892 in Wien. H., Lilieubrnungaffe 7. F r i s cb Siegfried, Kadett, geb. 7. August 1886 in Zelonie. XIII., Falbigergaffe 93. Singer Bertha, Schauspielerin, geb. 7. Juli 1684 in Wien. 11., Praterstraße 66. Bene si Charlotte. Kleidermacherin, geb. 17. Mai in Wien. II., Linnögaffe 14. Bene si Fanui, Kontoristin, geb. 22. Oktober 1894 in Wien. II., Linnegasse 14. W a ch s l e r Marie, Kleidermacherin, geb. 30. Juli 1891 in Wien. II., Bolkertplatz 5.