Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1915
- Issue
- Heft 22 (11.6.1915)
- Date
- 1915-06-11
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Leite j8. Polen rechtliche Garantien für ihre nationale Existenz zn gewährest, und daß diese Parteien' -ie polnische Freiheit ans nätipNaler Rechtlosigkeit und Assiinstiernng der jüdischen Wlidelcheit anfbaüeu wollen. ' Die Weigerung, den Inden nationale Pechte zu gewähren. macht .wertlos die Bereitschaft der Polen, den Juden bürgerliche Gleichberechtigung einzurämnen. Denn hie systematische" Agitation der polnischen Parteien gegen die Anerkennung der Inden als Nation Hai eine Atmosphäre des Haffes gegen die. Zuden geschaffen, nnd so 'den Boden vorbereitet für einen Vernichtungskamps gegen die drei Millionen polnischer Juden. Ein dauernder nationaler Friede zwischen Polen nnd Juden ist nur dann möglich, wenn im zukünftigen freien Polen der großen jüdischen Minderheit außer bürgerlicher Gleichberechtigung auch die nationalpolitische Gleichberechtigung bei den Wahlen in der Stadt- und Landesverwaltung gewährleistet wird, ebenso müssen anch den Inden nationale Rechte in der Gemeinde, in Schule und Sprache und die Selbstverwaltung ihrer eigenen nationalen Angelegenheiten gewährt werden." Das Mamser. Ej»e Skizze aus dem Leben. Fast noch ein Kind, hat sie den Jammer der armen, abgehärmten Mntter, die im Weinen um das eigene Leben ihre Tage verbrachte, mitangesehen, ging in ihrer rührenden Unschuld hilfeheischend unter die Menschen — nnd fiel. Die süße kleine Puppe tat die Augen uns und atmete dem Leben entgegen, aber nicht die sorgende Mutter hat sie wachgeküßt, der Ranhreif des Lebens streifte das zarte Geschöpf und statt der linbeit Mntterhand verbrachte das arme Pflegekind in fremder, kalter Umgebung ihre ersten Lebenslage. So kam das Mamser in unbewußter Schicksalstragik von einer Hand in die andere, bis es endlich in mütterlich gütige Hände geriet, wo es um seiner Lieblichkeit willen der Sonnenschein dieser Umgebung wurde. Kleinchen mit dem schier übernatürlich weißen Blnmengesichtchen, den großen, schwarzen Augen, deren ernster, weicher Ausdruck zu Herzen sprach, dem zartgeschweiften, kleinen Mund, war als das Familienkind wohl gelitten und wo es mit seiner wohltönendeu Kinderstimme um Ei,rlaß bat, taten sich die Herzen auf, streckten sich ihr liebevolle Arme entgegen. Die grazile, kleine Gestalt stand mit beiden Füßen im Leben, das ihr leuchtend wie ein Wiesenpfad im Frühling erschien. Aber es kam ganz anders. Die frühzeitige harte Lebensschnle, der unersetzliche Berlust „der Mutterliebe zarte Sorgen" bewirkten, daß der Keim eines tückischen Leidens zum Ausbruch kam und als die Blüten nnd Sträncher zu sprießen begannen, hatte das Mamser, dieses überzählige Menschenkind, in der strotzenden, jubelnden Frühlingspracht, die Augen zum ewigen Schlafe geschlossen, war das Seelchen zu seinem Schöpfer gegangen. Holdseelig wie im Leben lag es im Sarge. Drei Frauen gleich den Nornen, den Schicksalsgöttinen, gaben weinend das Geleite. Um eine Verlassene aber steht die Einsamkeit nnd keine Hand streckt sich ihr entgegen, um die Kälte, die sie umgibt zu bannen. F. Wilhelm. Verschiedene Nachrichten Wie«. (Daukeskuudg ebuug g a l izi s ch e r Flüchtling e.) Am 28. April fand im Hotel Continental anläßlich der Anwesenheit des Bertrerers der orthodox-jüdischen Weltorganisation Jisroel" in Frankfurt am Main, Grün bau m-Mürentz«rg, eine Sitzung der Vertreter der Flüchtlinge ans Galizien und der Bukowina statt, iw der Mittel nnd Wege erörtert wurden, um de« vielen Lindern der Flüchtlinge auch in den provisorischen Aufenthaltsorten eine frommreligiöse Erziehung zuteil werden zn lassen. Anwesend waren die Großrabbiner Friedmann < Bvja», Czortkow, Husiatyn und Sadagoraf, Hager (Otthvia), die Rabbiner von Lemberg, Krakau. Brody, Bnczacz, Rabbiner kaiserlicher Rat Lewiu (Sambor), Großer. 22. grilndbesitzer Th"m>m(Przemysl), Bankier .Schönbjnm (Lemberg),. -©ä)riftftiÖer 5>r. Rapapott (Stryj) n. a. Die Bersanimlnng sandte ein Huldigungstelegramm an die Kabinettskanzlei und eines an die Kämmer des Erzherzogs Karl Franz Josef, in welchem der ,besondere Dank für des Thronfolgers anerkennende Mort? über den, Patriotismus, jbter jüdischen Bevölkerung ansgedrückt war. An Bankier Thunum' kamen "folgende Antworten: „Se. Exzellenz der Herr k. k. Statthalter für Oesterreich unter der Eüns hat im Allerhöchsten Aufträge snr die vonp Kymste^ zur Errichtung von Talmud-Thoraschnlen für Kinder; dxr Flüchtlinge ans Galizien und her Bukowina am 29. April telegraphisch züm Ausdruck gebrachte alleruntertänigste' Loyalitatskundgebnng den Beiteiligten den allerhöchsten Dank bekanntgegeben usw. Der Bürgermeisteu Dr. Weiskirchner." „Se. t. u. k. Hoheit Herr Erzherzog Karl Franz Josef haben die mit Depesche vom 29. April dargebrachte Huldigung bestens dankend zur Kenntnis zu nehmen geruht. In höchsten Aufträge: Kamniervörstehung." Wien. Am 5. d. starb in Teplitz-Schönaü der langjährige Sekretär der Handels- und Gewerbekammer in Brody im Ruhestände Leo Herzberg-Fränkel in seinem 88. Lebensjahre. In jüngeren Jahren war der Verstorbene, der sich nach feiner Pensionierung nach Teplitz-Sckönau zurückgezogen hatte, als Schriftführer und als einer der Führer des Deutschtums in Galizien eine weitbekannte Persönlichkeit. Schon als Jüngling Machte er an der Seite Adolf Fi sch Hofs im Jahre 1848 die Freiheitsbewegung in Wien mit, übernahm dann die Stelle eines Sekretärs der deutschen Handelskammer in Brody, trat in freundschaftliche Beziehungen zu Llidlvig August Frankl, Leopold K o n« p e r t, Ignaz K n r a n d a, Max Friedländer und Michael E t i e» n e, auf deren Veranlassung er viele Jahrzehnte als Korrespondent der „Neuen Freie Presse" tätig war. Bis in die letzten Jahre war er literarisch tätig, alle Zeitvorgänge mit regem Interesse begleitend und auch in unserem Blatte hat er, namentlich in früheren Jahren, wiederholt zu aktuellen Fragen Stellung genommen. Durch seine Novellensammlung, auf ethnographischer Grundlage, „Polnische Juden", die in drei Auflagen erschien und in mehrere Sprachen übersetzt wurde, zog ex die Aufmerksamkeit weiterer, namentlich literarischer Kreise ans sich. Leo Herzberg-Fränkel war anch Mitarbeiter an dem von weiland Kronprinz Rudolf geschaffen Werke „Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild". Der Heimgegangene hinterläßt eine Tochter, die Frau des Apothekers Mährer in Teplitz, nnd einen Sohn, den bekannten Wiener Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Ludwig Herzberg-Fränkel. Sein älterer Sohn Dr. Siegmnnd Herzberg-Fränkel, Professor an der Universität in Czeruowitz und namhafter Historiker, starb, wie erinnerlich, während der Tagung der 13. Versammlung deutscherHsioriker in Wien, am 18. September 1913^ eines jähem Todes. Wien. Unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung aller Kresse der Bevölkerung, vornehmlich der Großindustrie nnd des Handels, wurde Sonntag, den 6. d. M. der Gesellschafter der. Hatscheiner, Ungarisch-Hradischer und Ungarisch-Ostraner Zuckerfabriken, Herr Franz von May aus Hatschein bei Olmütz, ans dem hiesigen Zentralfriedhofe in der Familiengruft zur letzten Ruhe gebettet. Mit ihm schied eine Persönlichkeit aus dem Leben, die durch ganz besondere Vorzüge des Charakters, einen eisernen Willen, seltene Bescheidenheit und Herzeusgüte, sowie außergewöhnliche Offenheit nnd Geradheit gekennzeichnet war und sich bei allen, die ihn kannten nnd mit ihm in Berührung traten. Zuneigung und Vertrauen zr, sichern verstand. Ein Wohltäter der Menschheit, Freund und Berater seiner zahlreichen Beamten und Arbeiter, war sein ganzes Leben und Trachten vor allem dem Wohle seiner Familie gewidmet und es ist nicht zuviel gesagt, wenn behauptet wird, daß es keinen fürsorglicheren Vater gab als ihn. Für jeden Armen hatte er eine offene Hand und die vielen Wohltätigkeitsveranstaltungen seiner Heimatsgemeinde Olmütz, bei denen er stets an der Seite seiner, den meisten Humanitätsvereineu präsidierenden Gattin teilznnehmen pflegte, wußten, daß sie auf ihn zählen konnten. Wohltätiglreitsnütion des O e Ü e r r.-n n g. Ka n i o r e n - B e v e i n e s in Wie n. Wir bitte» die geehrten Herren Kollegen Sammlungen in den Gemeinden einzuleiten, damit wir in der Lage sind, alle einlaufendeu Gesuche von Seite der in Not sich hier und auswärts befindendenKantoreu-Familieu, auch serner berücksichtigen zu können. Es ist Pflicht der Kollegenschaft, rasch und helfend einzngreisen. Spenden-Answeis Xi. Anonym an das Präsidium ......... 100 — Kantor Knlka, Teplitz ........... 4, 3.— Kantor Leichter, Also-Knbin „ 7.— Spenden erbittet mau an den Präsidenten, Oberkantox % Bane r, II., Novaragasse 27, sowie an den Vizepriisideuteu, Oberkantor I. M o r g e n st e r n, H., Ferdinandsstraße 23. Die Wahrhen