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Die Wahrheit · 1915-06-11 · Heft 22 (11.6.1915) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 22 (11.6.1915)
Date
1915-06-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 22. Die Wahrheit Seite - Hierauf ist an den Vorstand der israel. Kultnsgemeinde nachfolgende telegrafische Antwort eingelangt: „Herrn Dr. Alfred Stern, Präsident der Wiener israel. Kultnsgemeinde, Wien. . Herzlichsten Dank für die mir im Namen des Vorstandes der Wiener israelitischen Knltnsgemeindesverdolmetschten patriotischen Glückwünsche ans Anlaß der Wiedereroberung der Festung Przemysl. Im selbstlosen, treuen Znfammennrbeiten Aller, im unerschütterlichen Gottverlrauen und in der heißesten Liebe zu Kaiser nnd Reich liegt unserer Waffen Stärke, die uns den endgiltigen Sieg nnd den segensbringenden Frieden erkämpfen werden. Feldmarschall Erz- Herzog Friedrich". 4- * 4- Der Präsident der israelitischen Kultnsgemeinde S tryj, Dr. Heinrich G o l d st e r n, hat anläßlich der Wiederoberung von Stiyj an Feldmarschall Erzherzog Friedrich die nachstehende Hnldignngsknndgebnng gerichtet: „An Seine k. u. k. Hoheit den durchlauchtigsten Herrn Erzherzog Friedrich, Feldinarschall. Hochbeglückt über die Wiedereroberung unserer heißgeliebt» Stadt Stryj durch unsere heldenmütige Armee, Schulter an Schulter mit den tapferen deutschen Waffenbrüdern, gestatte ich mir zu diesem gewaltigen Siege Eurer kaiserlichen und königlichen Hoheit als glorreichen Führer die iunigstgesühlteu Glückwünsche der -immer staats- und kaisertrenen jüdischen Bevölkerung der Stadt Stryj zu unterbreiten. Für die israelitische Kultus- Gemeinde Stryj: Dr. Heinrich Goldstern, Präses". ** Dir Uew-Iorker Indische Dresse «der das Versenken der „ßnfttania" Die jüdische Presse in New-Ivrk mit einer täglichen Zirkulation von nahezu 1 Million beurteilt das Versenken der „Lnsitania" in ganz anderer Weise wie die englische Presse und bekundet dabei ein großes Verständnis für nüchterne Tatsachen nnd politische Gerechtigkeit. Das führende Organ der hiesigen jüdische Presse „Die Wahrheit", mit einer Auflage von 100.000 täglich, sagt in ihrem Leitartikel vom letzten Sonntag, 9. Mai, über die Katastrophe folgendes: „Wenn die Haltung der New-Uorker Presse zu der von der deutschen Botschaft heransgegedenen Warnung eine schmachvolle ist. ist die Haltung der Cnnard Line Co. einfach deshalb ein Verbrechen, weil sie ganz unschuldige Passagiere uns ein Schiff genommen hat, das Kriegs-Konterbande führt und Gefahr lief, versenkt zu werden. Auch die englische Regierung, die um die amerikanischen Opfer der Katastrophe so lamentiert, hätte der Cnnard Line Co. nicht erlauben dürfen, Passagiere auf ein Schiff zu nehmen, das Kriegs- Konterbande führte, aber England wollte nicht offiziell zügelten, daß es deutsche Unterseeboote fürchte. Nach alledem ist es klar: die Schuld an dem schrecklichen Tode so vieler Menschen muß der Cnnard Line Co., der englischen Regierung, nnd bis zu einem gewissen Grade anch der New-Aorker Presse Ungeschrieben werden. Unschuldige Passagiere auf ein Schiff zn nehmen, das Kriegsmaterial führt, ... ist einfach eine barbarische Tat, nnd wenn die Amerikaner nicht verblendet sind nnd die wirklich Schuldigen zur Rechenschaft ziehen ivvllen, werden sie sich an die Cnnard Line Co. und an die englische Regierung wenden." Der „Vorwärts", sozialistisch, Auflage 216.000, sagt: „Nicht ans Lust zu morden, nicht aus Rache und nicht ans Blutdurst hat Deutschland das große Schiff versenkt, sondern Deutschland hat es getan, weil es eine Kriegs-Notwendigkeit war. Zunächst hatte die „Lnsitania", wie berichtet wird, Kriegsmaterial für England geführt. Aber, selbst wenn bewiesen werden sollte, daß bie „Lnsitania" kein Kriegsmaterial an Bord hatte, hatte auch Deutschland ein Kriegs- Interesse daran, zit vollbringen, was es versprochen hatte. Es liegt in Deutschlands Interesse zu zeigen, daß es englischen Schiffen und englischen Gewässern gefährlich werden famt, es liegt in Deutschlands Interesse zn demonstrieren, wie weit seine Herrschaft zur See geht und es liegt ferner in Deutschlands Interesse zu zeigen, daß es mit der englischen See-Herrschaft zn Ende ist. Außerdem aber liegt es im Interesse Deutschlands ein ^empel zn statuieren, damit die amerikanischen Kapitalisten fürchten, ferner den Gegnern Deutschlands Kriegsmaterial zn schicken." Der „Vorwärts" schließt seine Betrachtung mit folgenden Worten: „Der amerikanische Kapitalismus hat seinen Anteil an dieser barbarischen nnd verbrecherischen Politik. Wir aber haben keine Ursache, zornentbrannt gegen Deutschland zn hetzen nnd znm Krieg aufzufordern." Das „Morgen-Journal", mit einer Auflage von über 100.000 Exemplaren, äußert sich zn der Katastrophe folgendermaßen: „Captain Turner, der Kommandeur der „Lnsitania", gehört als Offizier der Englischen Royal Navy Reserve an nnd die englische Admiralität hat ihn zum Kommandeur des unglücklichen Schiffes bestimmt, seitdem die Lnsitania in einem Hilfskreuzer nmgewandelt wurde. Das Schiff halle einige Kanonen an Bord, die bald, nachdem die Lnsitania die territoriale 3 Meilen-Zone Übeschritten hatte, an Deck postiert zn werden pflegten. Davon abgesehen aber, daß die „Lnsitania" ein Hilfskretizer war nrid große Mengen Munition für England an Bord führte, hatte das Schiff 1300 Kisten Kriegsmaterial für die englische Armee und Flotte an Bord. Deutschland hat das vollste Recht gehabt, in Kriegszeiteu ein solches Schiff zu versenken." Das „Morgen-Journal" schließt: „England hat zu sehr an seine See-Herrschaft geglaubt und daher das große Unglück. Für die vielen Opfer der „Lnsitania" ist zuerst England zn tadeln, und dann müssen die Passagiere selbst, die die deutsche Warnung nicht beachtet haben, für ihren Leichtsinn getadelt werden." In ähnlichem Sinne sprechen sich alle anderen jüdischen Blätter in New-Iork und in der Provinz ans. Die amerikanische« Inden nnd die Dolen. Am 6. Mai d. I. fand in New-Iork, in Cooper Union, eine Massenversammlung der New-Aorker Inden statt. Die Versammlung drückte ihre Sympathie für den Kampf des polnischen Volkes um seine Befreiung und Selbständigkeit ans, protestierte aber gegen die unmenschliche Behandlung der polnischen Inden und stellte die Grundsätze fest, nach denen die rechtliche Regelung des zukünftigen Gemeinwesens in Polen vorgenommen werden, sollte. Die Resolution wurde einstimmig von der Versammlung, in der ca. 4000 Juden anwesend waren, angenommen. Biele Tausende mußten, da der Saal zu klein war, draußen bleiben. Die Resolution, die eine Reihe von beachtenswerte» Anregungen enthält, hat folgenden Wortlaut: „Obgleich die feindlichen Beziehungen großer Teile des polnischen Volkes, polnischer Organisationen nnd polnischer Zeitungen zn der jüdischen Bevölkerung in Polen, die ihren Ansdruck gefunden haben in Boykotts, Unterdrückungen und Denunziationen in der Kriegszone und blutige russische Militär- Pogrome zur Folge haben, eine tiefere Verbitterung geschaffen haben bei den Inden der ganzen Welt gegen die polnische Gesellschaft, so identifizieren wir doch nicht das polnische Volk als solches mit den finsteren Kräften des polnischen Chauvinismus, und ändern nicht unsere sympathische Haltung zum Kampf des polnischen Volkes für feine Befreiung, Wiedervereinigung und Selbständigkeit. Aber zugleich müssen wir konstatieren, daß die polnischen Parteien es ablehnen, der jüdischen Bevölkerung im zukünftigen

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