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Die Wahrheit · 1915-06-04 · Heft 21 (4.6.1915) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 21 (4.6.1915)
Date
1915-06-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 5. Nr. 21. Die Wahrheit Hierauf laugte von der Kabinettskanzkei das folgende Antworttelegramm herab: „Herrn Präsidenten Dr. Alfred Stern, Wien. Seine k. u. k. Apostolische Majestät haben von der patriotischen Kundgebung des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeiude in Wien mit aufrichtiger Befriedigung Kenntnis zu nehmen geruht und danken huldvollst für die im Namen der gesamten Judenschaft Oesterreichs erneuert zum Ausdruck gebrachte Versicherung stets bewährter Treue, Anhänglichkeit und opferwilliger Vaterlandsliebe. Auf Allerhöchsten Befehl: Freiherr v. Schießl na. p." Rechuimgsabschliitz der Wiener Knttusarmeinde «der das Kriegsjahr 1914. In der am 25. Mai unter dem Vorsitze des Vizepräsidenten Dr. Gustav Kohn stattgehabten öffentlichen Plenarsitzung des Knltusvorstandes, über deren patriotische Kundgebungen wir bereits in vorwöcheutlicher Nummer berichtet haben, wurde der Rechnungsabschluß für das Jahr 1914 vorgelegt, wobei Sekretär Dr. Emil Adler in Vertretung des durch Unpäßlichkeit verhinderten Budgetrefeuten Dr. Leopold Kohn folgendes Referat erstattete: Sehr geehrte Herren! Wenn wir in so hart bedrängter Zeit, in einer Zeit, wo unser ganzes Denken, Fühlen und Empfinden weit draußen bei unseren Lieben weilt, die im Dienste des Vaterlandes gegen eine Koalition von Falschheit, Gewalt, Hinterlist mib Brutalität einen schweren Kampf führen, au die Erfüllung einer so nüchternen Aufgabe schreiten, wie es die Rechnungslegung über die wirtschaftliche Gebahrung unserer Kultusgemeinde ist, so geschieht dies nicht bloß aus dem Grunde, weil wir einer statutenmäßigen Vorschrift nachzukommen haben, sondern auch deshalb, weil wir dadurch die richtigen Momente für die Beurteilung darüber gewinnen, wie sich aller Wahrscheinlichkeit nach die wirtschaftliche Gebahrmlg unserer Kultusgemeinde im laufenden Jahre gestalten wird und wir daher dementsprechend auch so weit als möglich unsere Gebahrung einzurichten haben. Zu diesem Zwecke, werden Sie es genehmigen, wenn ich mich in meinem Referate darauf beschränke, den vorliegenden Rechnungsabschluß abschnittsweise und nicht kapitelweise zn behandeln und bei den einzelnen Abschnitten das Wichtigste hervorzuheben und aufzukläreu. Dementsprechend referiere ich wie folgt: „Der Rechnungsabschluß unserer Kultusgemeiude für das Verwaltnngsjahr 1914 weist aus: An Einnahmen.K 3,569.321 29 an Ausgaben.3,538 387*56 es ergibt sich daher für das abgelaufeue Verwaltnngsjahr ein Ueberschnß von . K 20.933 73 Gegenüber den präliminierten Einnahmen per K 3,501.677 58 betragen die faktischen Einnahmen . . . „ 3,559.321*29 daher ein Plus gegen das Präliminare von El 57.643-71 gegenüber den ordentlichen Ausgaben per El 3,371.445*53 betragen die faktischen ordentlichen Ausgaben „ 3.443.349*57 denmach ein Plus ordentlicher Ausgaben von El 71.904*04 dagegen stellen sich bei den präliminierten außerordentlichen Ausgaben per ... El 126.960*— . die faktischen außerordentlichen Ausgaben mit .. 95.037*99 daher weniger als der Voranschlag um . El 31.912*01 Hieraus ergeben sich pro 1914 an Gesamtausgaben ein Plus von.K 39.992*03 Im Vergleiche zum Ergebnisse des Vorjahres mit einem Gebahrungsüberschnffe von.... El 235.623*19 gestaltet sich das Ergebnis pro 1914 ungünstiger um..„ 214,689*46 Zu dem Plusergebnisse des Jahres 1914 per K 20.933.73 gelangt man auch im Grunde der nachfolgenden Aufstellung. Die faktischen Gesamtüberschüsse betrugen im Jahre 1914.Kl 1,415.097*85 dagegen beträgt der Gesamtüberschuß im Jahre 1914.. . . „ 1,436 031*58 die ergibt einen Gebahrungsüberschuß von K ' 20.933*73 Nach Erläuterung und summarischer Zusammenfassung der Einnahme- und Ausgabeposten in den einzelnen Abschnitten gelangt der Referent zu folgenden Betrachtungen: Das Gesamtbild, welches der Rechnungsabschluß für das Jahr 1914 bietet, entspricht objektiv beurteilt ganz und gar den Verhältnissen, unter welchen die Gebahrung unserer Gemeinde seit August 1914, das ist seit Beginn des Krieges gestanden ist. Dies läßt sich klar erkennen, wenn man gruppenweise einzelne Einnahmsquellen, aus welchen wir zum großen Teile die Deckung für unsere Bedürfnisse schöpfen, ins Auge faßt. Unter dem Drucke der Kriegsereignisse sind zurückgegangen Trauungstaxen, Kultussteuer, Ueberführungen, Blumenkörbe am Friedhofe, Verpflegsgebühren im Spitale rc. Dagegen sind Mehreingänge erfolgt in der Fleischregie, in der Mikwa und auf dem Gebiete des Beerdignngsweseus, während unser Unterstützungswesen auf den verschiedendsten Gebieten nicht unwesentlich in Anspruch genommen wurde durch Flüchtlinge, Unterstützungen au Soldaten; abgesehen von den durch das Präsidium eiugeleiteten Aktionen für Flüchtlinge und Kriegsfürsorge. Ich möchte zur Hervorhebung des Umstandes, in welchem Maße der Krieg sofort nach seinem Beginne seinen Einfluß auf nufere wirtschaftliche Gebahrung geltend machte, auf folgende zwei Punkte Hinweisen. Bekanntlich geht der größte Teil unserer Kultussteuer in den ersten drei Monaten des Jahres ein. Dies war auch im abgelanfenen Jahre der Fall, so daß der weitaus größte Teil der Kultnsstenereingänge des vorigen Jahres bis zum Beginne des Krieges eingeflossen war. Von da ab sind die Kultusstenern nur sehr spärlich eingegangen, da bei den Restanten sich sohin nicht bloß die sonst übliche Trägheit im Steuerzahlen, sondern auch die Last des Krieges geltend machte. Der zweite Punkt, auf den ich Hinweisen will, ist folgender: Mit Eintritt des Krieges, speziell seit Beginn der Flüchtlingsaera hat sich die Zahl der Todesfälle in ganz bedeutender Weise vermehrt, wie Sie dies ans folgenden Daten entnehmen. Vom 1. Oktober bis 31. Dezember haben 239 Beerdigungen mehr als in der gleichen Periode des Vorjahres stattgefunden. Die Zahl der für den gleichen Zeitraum errichteten Gräber betrug in dieser Zeit um 111 mehr als in der gleichen Periode des Vorjahres und es wird gelegentlich bemerkt, daß in der Zeit vom 1. Jänner bis 31. März l. I. um 239 Beerdigungen mehr als in der gleichen Periode des Vorjahres stattgefunden haben und daß die Anzahl der errichteten Gräber in der gleichen Zeit um 169 mehr war, als in dem gleichen Quartale 1914. Hieraus erklären sich auch die Mehreingänge im Friedhofs- und Beerdigungswesen. Wenn wir sonach behaupten, daß die Erträgnisse unserer wirtschaftlichen Gebahrung im Jahre 1914 wesentlich und fast durchgehends vom Kriege und dessen Folgeerscheinungen beeinflußt waren, dann ziehen wir hieraus die weitere Konsequenz, daß wir zwar keinen Grund haben, mit den Gebahrungserträgnissen des Jahres 1914 befriedigt zu sein, daß wir aber darauf Hinweisen können, daß wir nicht bloß das Budget für das Jahr 1914 mit allem Vorbedachte ausgestellt haben, sondern, daß wir den Erträgnissen entsprechend alle überflüssigen Auslagen eingestellt und alle projektierten, jedoch aufschiebbaren Anschaffungen und Herstellungen zurückgestellt haben. . Ich verstehe selbstverständlich nicht darunter die großen Projekte, die bereits in Behandlung standen und soweit vorgeschritten waren, daß an deren Durchführung geschritten

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