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Die Wahrheit · 1915-05-28 · Heft 20 (28.5.1915) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 20 (28.5.1915)
Date
1915-05-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Seite 9. Nr. 20. Die Watuheit . sammlung des „Hietzinger Fraueuvereines, zum Schutze armer, verlassener Kinder" statt. Dieser so ersprießlich wirkende Verein hatte im abgelanfeuen Bereinsjahr weit über 300 Kinder in seinem Schutze. Sie wurden von den Damen des Vereines regelmäßig überwacht' und es geschah alles, was für das Wohlder Kinder erforderlich schien. Die rührige Präsidentin, Frau Dr. Laura Krenberger hatte Gelegenheit eine große Anzahl Gäste zu begrüßen, n. a. Se. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Tag« licht und Frau, Fran Direktor Regine U l l m ä n n, Herrn Knltusvorsteher Max Zirner. die Delegierten Fran Professor Roth (Franenverein I.) Sofie Waltnch (Biknr Chaulim), Professor Thenmann (Providentia). Frau Dr. Weiß und.Frau Beer (Brigittenaner Franenverein), F i s ch ler- L a n d e i s und Jda Berliner (Ansspeisuug XII—XV), Klothilde Benedikt (Franenhort) Hermine K a d i s ch (Jsr. Volksküche), Frl. Röschen D ch n r r (Weibliche Fürsorge), Frau G ru b er (Zukunft), K r ish a b e r (Frauen- Hilfs-Aktion XIX), Herrn Donath (Kinderstütze), Herrn B a r d a ch (Kaiserin Elisabeth Lehrmädchenhort), Amtsleiter Rudolf Kraus, Dr. M. Löwy, Leiter der Zentralstelle für das jüdische Armenwesen, und Rechnungsosfizial Theodor Schlag. Ihr Fernbleiben haben entschuldigt: Freifrau Charlotte von K v n i g s w a r t e r, Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Grunwald und Frau. Herr k. k. Hofsekretär Dr. Max Lederer und Frau Anica Benvenisti. Die Präsidentin erstattete eingehenden Bericht über die Tätigkeit, der Vereinsleitung im abgelanfenen Bereinsjahr, bemerkte, daß die Damen sich nach Tunlichkeit auch an allen Aktionen der Kriegsfürsorge beteiligt haben und daß der Verein auch der vom Vorstände der Israelitischen Knltnsgemeinde eingeleiteten Notstandsaktion einen Betrag von K 1000.— zngewendet habe. Ihr Hauptaugenmerk hat aber die Vereinsleitung dem eigentlichen Bereinszwecke, dem Schutze armer, verlassener Kinder gewidmet. Sie berichtet auch, daß die Umöglichkeit, geeignete Pflegeparteien für Säuglinge zu finden, den Vorstand veranlaßt habe, an die Gründung eines Säuglingsheimes zu schreiten und hofft in kurzer Zeit schon die Tatsache berichten zu können, daß dieses Heim seine Tätigkeit begonnen habe. Es sind endlich Verhandlungen im Zuge, daß dte Fürsorge für die jüdischen 'Kriegswaisen vom Vereine übernommen werde. Im Bewußtsein der Schwierigkeiten dieser Aktionen richtet Fran Dr. Kreuberger an alle Freunde, Mitglieder und Gönner, insbesondere aber an die Delegierten der Schwesternvereire die dringende Bitte, die Bestrebungen des Vereines in jeder Beziehung zu fördern. Dank zollt die Vorsitzende dem Vorstande der israelitischen Kultnsgemeinde für das dem Vereinsvorstav.de bewiesene Vertrauen und gibt der freudigen Erwartung Ausdruck, daß sich der Vorstand der israelitischen Kultnsgemeinde diesen neuen Aufgaben des Vereines, der Fürsorge für diejenigen Waisen, deren Väter für Kaiser und Vaterland ihr Leben geopfert haben, nicht verschließen werde. Mit einem dreifachen Hoch auf unseren vielgeliebten Monarchen Se. Majestät Kaiser Franz Josef I. schloß die Vorsitzende ihre Ausführungen. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Taglicht betonte in längerer Ausführung die Notwendigkeit, all diesen Kindern zn Helsen, um sie vor Verderben zu schützen und sie zu nützlichen Stützen der Menschheit und des Judentnmes heranznbilden und beantragt schließlich, der Vereinsleitung daS Absolntorinm zn erteilen. Der Antrag wurde einhellig angemommen. Fran Professor Dr. Roth dankt der Vereinsleitung dafür, - daß sie jederzeit die von den Schwestervereiuen empfohlenen Pflegebedürftigen in den Schutz des Vereines genommen hat. Sekretär Ungar bringt der Generalversammlung den vom Vorstande gestellten Antrag aus Aenderung des Vereinstitels auf „Wiener Arauenverein zum Schutze armer, verlass en e r K i n d e r" zur Kenntnis und wird Dieser Antrag von der Generalversammlung genehmigt. Herr Knltusvorsteher Max Zirner überbringt als Delegierter des KultusvorstandeS die Grüße desselben. Er müsse'über den Mut des Bereinsvorstandes stalmen, der es auf sich nehme, zn den bisherigen so schwere» Agenden noch schwierigere anzugreifen. Redner ist aber nach den bisher gemachten Erfahrungen sicher, daß diese schwierige Aufgabe in gewissenhafter Pflichterfüllung eine glückliche Lösung finden werde. Er könne die Versicherung geben, daß der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde die neuen Aktionen deS Vereines mit Freude begrüßen und der Vereinsleitung die weitgehendste Förderung gewähren werde. Er selbst stehe nach wie vor dem Vereine treu zn Seite. Frau Direktor Regiae Ullmann dankt namens der „Weiblichen Fürsorge" dafür, daß der Verein seit Gründung dieser Vereinigung als strammer Pionier au dem Aufbau dieser Organisation mitgeholfen habe. Insbesondere dankt Fran Ullmann für die Mithilfe anläßlich der Chanukafeier snr die Flüchtlingskinder und bei der Erdäpfelaktion zn Pessach. Sie wünscht dem Verein ein weiteres Gedeihen und ersprießliches Wirken. Amtsleiter Rudolf Kraus dankt den Damen snr die mütterliche Fürsorge, die sie den Schützlingen der israelitischen Kultnsgemeinde angedeihen lasse und versichert, daß er weiterhin nicht nur ein Freund, sondern auch ein Mitarbeiter des Vereines bleiben wolle. Der Leiter der Zentralstelle für das jüdische Armenwesen Dr. Moriz Löwy berichtet über das höchst ersprießliche Wirken der von der Zentralstelle dnrchgefnhrten Notstandsaktion der Wiener israelischen Kultnsgemeinde, die in vielen Fällen einsetzeu müsse, wo staatliche oder kommunale Aushilfe nicht zn erlangen sind. Unter Hinweis auf einige drastische Fälle kommt er zu dem Schluffe, daß die jüdischen Vereine, so berechtigt ihre Mitwirkung bei allgemeinen Aktionen sei, doch niemals außer Acht lassen dürfen, daß ihre Fürsorge» tätigfeit sich in erster Reihe der Bekämpfung jüdischer Not znwenden müsse. Direktor Dr. S. Krenberger berichtet sodann über alle Aktionen, die von Behörden und Körperschaften z»lr Versorgung der Kriegswaisen geplant und in Angriff genommen seien, und definiert genau und praktisch die Aufgabe, die in dieser Hinsicht dem Hietziger Franenverein anheim falle. Doch müsse der Wiener israelitische Knltnsvorstand schon jetzt die örtliche Tagung d. h. die Wiener Zentralstelle für die Wiener Kriegswaisen sein und deshalb schon jetzt diese Funktion arrogieren. Der Hietzinger Franenverein solle die l^ekntive der Knltnsgemeinde bilden. Die Bize-Präsideutiu Fran Gisela Zirner-Zwieback dankt Herrn Dr. S. Krenberger für sein so ausgezeichnetes Referat und erbittet auch fernerhin seine wertätige Mithilfe. Nachdem die Vorsitzende Frau Dr. Krenberger noch allen Gästen für ihr Erscheinen gedankt und nochmals ihre Mithilfe erbeten hatte, wurde diese so überaus schöne Versammlung geschlossen. M. U. Internationale wissenschaftliche Uereinignng israeiitischer Kantoren. Vor vielen Jahren, es dürften wohl deren mehr als drei Dezennien sein, sagte mir ein Kollege, der selige Josef Goldstein hätte den Ansspruch getan: „Das Kantor nt hat noch eine bedeutende Zukunft." Wie gesagt» es ist dies schon eine geraume Zeit her. aber eine Entwick» lnng, die im Schoße einer Körperschaft oder Fachgenossenschaft sich vollzieht, kann nur langsam vor sich gehen. Aber das Fortschreiten ist, wenn auch kaum bemerkbar, doch nach Jahren ersichtlich und kann durch eine günstige Zeitwendung sogar überraschend werden und so scheint es auch, daß bei uns Kantoren ein Wendepunkt eingetreten ist. der uns um ein Stück Weg weiter nach aufwärts bringt. Mit dem Inslebentreten obgenannter Bereinigung ist uns eben diese frohe

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