Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1915
- Issue
- Heft 20 (28.5.1915)
- Date
- 1915-05-28
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10. Die Wahrheit Nr. 20 Botschaft aus dem deutschen Reiche zuteil geworden und wir begrüßen dieses Unternehmen aufs lebhafteste, indem uns gleichzeitig Gelegenheit geboten ist, uns in den Dienst dieser Vereinigung zu stellen und uns in die Arbeit mit auserwählten Kollegen zu teilen. Ja, auserwählt sind sie alle; wer kennt nicht ihre Namen, wer kennt nicht ihren Stand? Doch sei vor allem jenes Mannes zu gedenken, der jung noch an Jahren und an Fähigkeiten reich, sich schon längst dem Bestreben hingibt, eine Organisation zu schaffen, die alle Fachgenossen der ganzen Welt zu einem Bunde vereitligen soll, zum hehren Zwecke, das Wissenschaftliche und die innere Bedeutung, das eigentliche Wesen des Kautorats. den Ritnalgesang in allen seinen Formen zu kultivieren. Ich brauche den Namen dessen, der sich diese fulminante Aufgabe zur Pflicht gemacht hat, gär nicht zu nennen und nur seines hervorragenden Vaters zu erwähnen, des unvergeßlichen Josef Singer, der durch sein fachmännisches Bestreben, ein einheitliches, musikalisches System, nämlich das der sogenannten Steiger, aufzustellen, sich zum Ziele gesetzt hat. Wir sehen also im Sohne das ererbte Bestreben, das zu vollenden, was!der Vater begonnen, gleich dem guten, deutschen Sprichwort: »Was Ihr ererbt von Euren Vätern, das erhaltet, um es zu besitzen." Ueber das ererbte Gm der Väter hinaus, dessen wir uns erfreuen, dürfen wir aber der uns lieb gewordenen Epigonen nicht vergessen, die sich als vollwertig in der Kunst in unsere Herzen eingesnngen. Es war daher ein guter Gedanke, ein Register derjenigen Werke auszustellen, deren Komponisten sich in den Gotteshäusern heimisch gemacht haben und ihnen den Typus der synagogalen Form gegeben. Allein auch da können wir nicht stehen bleiben, denn unser Ziel ist ein weiteres und wie der letzte Bericht in unserem Fachblatte besagt, haben wir noch die Aufgabe, ans dem Schatze des übetkommenen Gemeindegesanges, denn in jeder Stadl gibt es prononzierte Melodien, vieles hinzuzufügen, und um mit Gölhe zu sprechen: „Wer vieles bringt, wird manchem manches bringen", schließe ich mit dem Rufe: Mit Mut ans Werk! B. S. Verschiedene Nachrichten. Wien. Samstag, den 5. Juni, 9 Uhr vormittags, findet im Tempel, IL, Tempelgaffe, die Barmizwa des Konfirmanden Stefan, des Sohnes des Herrn Professor Dr. Samuel Krauß, statt. Gaya. Am 13. d. M. wurde Herr kais. Rat Dr. Emanuel Mandl s. A., dessen Leichnam auf seinen Wunsch von Wien der heimatlichen Erde zuqeführt wurde, unter imposanter Beteiligung zu Grabe getragen. In der Zeremonienhalle trug Herr Oberkantor Israel Steiner die Trauergesänge iu bekannt würdiger und exakter Weise vor, worauf Herr Rabbiner Dr. Josef Hoff iu wirkungsvoller Grabrede iu zu Herzen gehenden Worte» die Tugenden und guten Herzenseigeuschaften des Verstorbenen schilderte. Sodann ergriff als Freund des Verklärten Herr k. u. k. Major Karl H u i l i c a das Wort, indem er in ergreifender Weise von seinem Freunde Abschied nahm, ihm dankend für seine Treue. Diese Rede übte auf alle Anwesenden einen solch tiefen und nachhaltigen Eindruck, daß kein Auge tränenleer blieb. Nach Absingung des Schewißi seitens des Herrn Oberkantors wurde der Sarg der Erde übergeben. Friede seiner Asche. Kattotvitz. Für Sonntag den 6. Juni ist in hiesiger Gemeinde die konstituierende Generalversammlung des Oberschlesischen Kantoren- Vereiues eiuberufen worden. Die Einbernfer der Versammlung sind die Kollegen Singe r—Kattowitz, Roseufel d—Gleiwitz, Spandau —Myslowitz. Der Verein, der besonders ein reiches wissenschaftliches Programm ausstellen wird, soll vollkommen selbstständig sein. Kopenhagen. (Jüdische P a l ä st i n a - H i l f s a k t i o n, Zentralstelle Kopenhagen.) Das große jüdische Hilfswerk für Palästina ist jetzt in der ganzen Welt organisiert worden. Die Hilfsaktion in Amerika, die schon un September eingesetzt hatte und sehr erhebliche finanzielle Ergebnisse zu verzeichnen hat, wird auf das energischste fortgesetzt. Sie wird von dem „Amerikanisch-Jüdischen Hilfskomitee" geleitet, das sich aus Vertretern des „Provisorischen ^ekuliv-Komitees für zionistische Angelegenheiten" und des „ American- Jewish ' Committee“ zusammensetzt. In Europa erfolgt die Organisation der Hilfsaktion durch die „Zentralstelle der Jüdischen Palästina-Hilfsaktion, Kopenhagen, Bestergade 1".Ju.fast allen Ländern beteiligen sich Juden aller Parteirichtungen .in gleicher Weise am Hilfswerk. Die gesammelten Gelder werden sowohl von New-Dork wie von Kopenhagen aus durch Vermittlung des amerikanischen. Botschafters ist Konstantinopel, Mr. Morgen t h an, an däs'Verteiluugskoittitee in,Palästina überwiesem ■■.r...; : . Kiterakür. Mo r i z Frühlings „Jüdisches Kriegsgedenkblatt! 2. Heft. Im Selbstverlag, II., Taborstaße 8,' Preis H 2. Soeben ist das zweite Heft dieses Prachtwerkes, das eine Walhalla für unsere im Krieg gefallenen und an Krankheiten gestorbenen, wackern Berufs- und Reserveoffiziere jüdischen Glaubens bilden soll, erschienen. Die treffliche Ausstattung, die wohlgetroffenen Bilder der Verstorbenen und der vielseitige Text, der uns mitten ins Kriegsgetümmel durch die eigenen Briefe der Verstorbenen und die treuen Schilderungen der Kameraden und Vorgesetzten Berufsoffiziere über den fast, in allen Fällen unter außerordentlich ehrenden Uinständeil für den Gefallenen erfolgten Heldentod führen, macht es wünschenswert, daß daS Buch nicht nur von den Freunden und Familien und Hinterbliebenen der Helden gekauft, sondern namentlich auch der jüdischen Jugend in die Hand gegeben werde. Unter den Gefeierten dieses Heftes finden sich die Wiener Aerzte Dr. Oskar Anton und Richard G r ü »f e 1 d, Advokat Dr. Richard Subak, die hochverdienten Berufsoffiziere Oberstleutnant Adolf Fleischer und Oberstabsarzt Dr. Ludwig Klein, schließlich die weit über einen engeren Kreis hinaus bekannten Dichter, der Czeche Med. Dr. Erwin Taußig und unser jüdisch-österreichischer Heldensänger Dr. Hugo Z u ck e r m a n n, von dessen Poesien das Werk eine große Anzahl enthält. Seine Weisen werden iu Deutschland von jedem Reitersmann gesungen, obwohl er aber mit seinem Heldentod seinen Sang besiegelt, ist er uns noch lange nicht genug anerkannt und bekannt. Möchten doch alle Faktoren, die sich für Ehre und Größe des Judentums interessieren, die Gemeinden, denen die Helden angehörten, Bildnngs- und Kulturvereiue sich des Werkes annehmen, damit die Ehrung der überaus bewährten jüdischen Krieger auch weiter erscheinen könne. MolstMigkeitsaktion des O e st e r r.-n n g. Ka n t o r e n --V e r e i n e s in Wien. Wir bitten die geehrten Herren Kollegen Sammlungen in den Gemeinden einzuleiten, damit wir in der Lage find, alle einlanfenden Gesuche von Seite der in Not sich hier und auswärts befindendenKantoren-Familien, auch ferner berücksichtigen zu können. Danksagmig. ' Im Namen meiner Familie spreche ich hiemit den tiefgefühltesten Dank allen verehrlichen Bertretungskörpern^ Vereinen nnd Gönnern, die mir anläßlich des Ablebens meiner teueren Iran Worte des Trostes znkommen ließen. Von den Hunderten Beileidsknndgebungen möchte ich nur die des Chewra-Kadischa-Vereines unserer Gemeinde ans dem Grunde der Oeffentlichkeit zuführen, weil sie mit besonderem Wohlwollen eine Einrichtung erwähnt, die von mir vor Jahren ins Leben gerufen und sich als die ergiebigste Einnahmsquelle des heiligen Vereines nnd fast aller großen Humanitären Institutionen der Gemeinde ergeben hat. Es ist dies die Einführung der Kranzab löse spende bei Leichenbegängnissen, eine p r a k ti.s ch e Ehrung unserer teueren Dahingeschiedeueu, wie sie idealer nicht erdacht werden konnte, so daß sie heute bereits auch in vielen nichtjüdischen Kreisen Eingang gefunden. Hochachtungsvoll S. B r o d. P. S. Das obenerwähnte Schreiben lautete: Wien, am 11. Mai 1915. Verein Chewra-Kadischa, Wien. Hochwohlgeboren Herrn S. Brod Vorstandsmitglied der israel. Knltusgemeinde rc. Der Vorstand der Chewra Kadischa beehrt sich Ihnen und Ihren werten Angehörigen rc. rc. Möge Sie der Allmächtige stärken und trösten und Ihnen Kraft verleihen, sich noch viele Jahre in so erfolgreicher Weise wie bisher — wir erinnern nur dankbarst Ihrer Verdienste u m d i e Ei n f ü h r u n g de r K r a n z a b l.ö s e-, spenden— der Erfüllung sozialer und humanitärer Ausgaben zu widmen. Mit vorzüglicher Hochachtung Der Vorstand der Chewra Kadischq. / In Abwesenheit des Präsidenten ' s Dr. M.. Spitzer L e m b e rg ex- S. Sim d.u; .