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Die Wahrheit · 1915-05-28 · Heft 20 (28.5.1915) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 20 (28.5.1915)
Date
1915-05-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Die Wahrheit Nr. 20 diese Sammlung zeitigte ein gutes Ergebnis. VonLen einzelnen Sammelstellen Deutschlands und der Schweiz konnten bereits weh r ere hun dert Kiste» mit Kleidungsstücken nach den Flüchlliuglnrgszeutreu abgesaudt werden. Eine besonders schwierige und kostspielige Aufgabe erwuchs der Agndo ans der g e i ft i g e 11 und religiö s en Nvtlage, in die die Flüchtlinge geraten waren. Bor allen Dingen die Jugend. Tausende und abertausende Kinder. waren plötzlich ohne jede erzieherische Einwirkung in ei» ihnen wesenfremdes Milieu versetzt. Sollten die moralischeu Schäden, die infolge monatelaugen Müßigganges und Herumlnngerns bei diesen Kindern auftraten, nicht zu einem dauerden unheilbaren Unglück für dieselben werden, mußte unverzüglich auch hier -Vorsorge getroffen werden. Nach gründlichen Vorarbeiten konnten dieser Tage in den größeren Flüchtlingslagern interimistische Schulen eröffnet werden. Zum Unterricht der Kinder wurden bis jetzt etwa 60 Lehrer angestellt. Für die Maßnahmen zur Weiterbildung der s ch u l e n t w a ch s e n e n Jugend sind die Vorarbeiten im Gange. Ebenso wurden Vorerhebungen eingeleitet zur Hilfe für die Kr i egs w a i sen, für deren Erziehung die jüdische Gesamtheit wird Sorge kragen müssen. Die Hilfsaktion für die galizischen Flüchtlinge wird in Vertretung der Gesamtorganisation von dem galizischen Landeskomitee der Agudas Jtsroel durchgeführt. Zur Beratung über, die einzelnen noch erforderlichen und nach den vorhandenen Mitteln möglichen Maßnahmen fand Donnerstag 22. April im Hotel „Continental" in Wien eine Versammlung statt, an der chmtliche in Wien weilenden Führer der galizischen Inden teilnahmen. Es waren zugegen außer etwa 50 hervorragenden Persönlichkeiten aus Laien kreisen auch die galizischen Mitglieder des „Rabbinischen Rates" und die bekannten Chassidim Rabbis von Czortkow, B oj a n, H u s i a t y n. 01 tynia und S a d a g o r a und viele andere Rabbiner. Liese Versammlung erregte sowohl durch ihre Zusammensetzung als auch durch den Beratungsgegenstand in weitesten Krefteu Aktssehen. Von dem dauernden Zusammenwirken all dieser berufenen Voklsführer unter dem Banner der „Agndos Jisroel" erwartet man allseits die besten Erfolge für die geistige und wirtschaftliche Gesundung des galizischen Judentums. Ein von den früheren Mitgliedern der galizischen Landesorganisalion gegründetes „Komitee zur Wa h r u it g der Interessen der galizischen Flüchtlinge" wird hoffentlich Hand in Hand mit anderen Organisationen dazu beitragen, bei dem künftigen Wiederaufbau Galiziens den wirtschaftlichen und religiösen Anliegen der galizischen Judenheit die gebührende Berücksichtigung zu erwirken. Russisch-Polen. Gleich Galizien bieiet auch der sich stetig vergrößernde okkupierte Teil Russisch-Polens ein zweifaches Arbeitsfeld für die Hilfsaktion der Aguda. ein geistiges und ein materielles. Die Natur der Sache erfordert es, daß ausreichende und zuverlässige Informationen über die dortige Lage der Leitung vorliegen, bevor an eine systematische Aktion geschritten wird. Zn diesem Zwecke unternehmen drei Vertrauensmänner der Agndo mit Genehmigung der zuständigen Behörden eine Informationsreise nach Russisch-Polen. In der Plenarsitzung des provisorischen Komitees, die am 13. April in Berlin stattsand, wurde sodann über diese Reise ausführlich berichtet und über die einznleitenden Schritte beraten. Es wurde für die Hilfsaktion in Russisch-Polen eine Spezialkommission gemeinsam gewählt, die gemeinsam mit den lokalen Vertranensmänuern die jeweiligen Vorschläge einer sachkundigen Prüfung zu unterziehen hat. Einstweilen wurden größere Subventionen zur .Erhaltung der Schule« und zur Fortbildung der schulentwachsenen Jugend beiderlei Geschlechts in Kali sch bewilligt und die Eröffnung von Volksküchen und Teehäusern in einer Anzahl kleineren Gemeinden ins Auge gefaßt. Zum Zwecke der Hilfsaktion in.Russisch-Polen hat sich unter dem Vorsitze des Fürsten Hatzfeldt ein interkonfessionelles Hilfskomitee gebildet. Das provisorische Komitee der Agudas Jisroel ist in diesem Komitee vertreteil und nimmt an seinen Arbeiten, die programmgemäß auch der jüdischen 'Bevölkerung z» Gnte kommen sollen, regen Anteil. / Sobald wie möglich soll eine zweite Informationsreise unternommenwerden und bereit Ergebnisse die Grundlage für weitere Hilfsaktionen bieten werden. . So l d a ten fü rsorg e. ° Ein großer Teil der Mitglieder und Anhänger der A g n d a s Jisroel I n g e n d - O r g a n i s a t i o u in beiden Bundesstaaten steht unter Waffen. Der zuhause gebliebene Teil betrachtet es als selbstverständliche Pflicht, sich mit ganzer Kraft dem Dienste des Vaterlandes und der geistigen Stärkung der im Heeresdienst stehenden Jugend-zu widmen. Es wurden an alle jüdischen Soldaten, deren Adresse der Jugendorganisation bekannt waren, wiederholt Liebesgaben abgesaudt. Die Frankfurter Zentrale der Jugendorganisation versandte auch zweckmäßige Lektüre an die jüdischen Soldaten ins Feld. Zum Teil wurden ihr die betreffenden Bücher und Hefte von befreundeter Seite zur Verfügung gestellt, zum andern Teil wurden solche von ihr eigens zu diesem Zwecke heransgegeben. Diese geistigen Liebesgaben werden von den jüdischen Soldaten mit besonders großer Freude begrüßt. Die Mäd ch eng rupp e u nahmen in allen Orten hervorragenden Anteil an der Kriegsfürsorge durch Krankenpflege, Näharbeit, Kleidersammlnngeu und Erteilung von Hilfsnuterricht an Kindern, deren Väter im Felde sind. Während in Deutschland die Versorgung der jüdischen Soldaten im Felde mit Mazzos und Pessachspeisen von der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" in mustergültiger Weise übernommen und durchgeführt wurde, gab die Agudas Jisroel vielen jüdischen Soldaten und zum Teil anch jüdischen - Gefangenen in Oesterreich die Möglichkeit, ihrer religiösen Pflicht am Pessach zu genügen. Büchersammlung. Wer das geistige Leben überhaupt und der östlichen Juden speziell kennt, weiß, wie sehr einzig und allein das Studium der Geistesschätze des Jndentnns ihnen in Zeiten der Not Trost und innere Aufrichtung zu verbieten mag. Der Schrei nach geistiger Labung drang sowohl ans den Zentren der ' galizischen Flüchtlinge, als auch ans den zerstörten Gemeinden Rilssisch-Polens an die Leitung womöglich noch dringender, als der nach materieller Hülfe. Sie sah sich infolgedessen veranlaßt, einen Aufruf zur Sammlung von Büchern aus allen Gebieten der jüdischen Literatur zu veröffentlichen. Die Sammlung ist in vollem Gange und es wird hoffentlich in allernächster Zeit möglich sein, mit der Versendung der Bücher zu beginnen. P a l ä st i n a. Ans den der Agudas Jisroel zu diesem Zwecke zur Verfügung gestellten Geldern wurde bereits ein größerer Betrag nach Palästina überwiesen. Laut Beschluß der Leitung sollten jedoch sämtliche Ortsgruppen und Vertrauensmänner der Agndo ihre Kräfte dem von der „Deutsch-Holländischen Palästina-Verwaltung" in allen Gemeinden Deutschlands auf die letzten Pessachtage angesetzten „Palästinatages" widmen. Es kann mit Genugtuung konstatiert iverden, daß die weitesten Kreise in fast allen jüdischen Gemeinden diesem Rufe Folge gegeben und zu dem schönen Erfolge dieser Veranstaltung beigetragen haben. Mit Rührung mag es verzeichnet werden, daß an der Unterstützung der notleidenden palästinensischen Brüder auch die galizischen Inden selbst inmitten ihrer eigenen Notlage vor den Juden der anderen Länder nichr znrückstehen. _ Der Krieg in der Kidei und die Kidel im Krieg. Von dem bedeutsamen Vortrag, den Herr Rabbiner Dr. D. Leimdörser in Hamburg im Rahmen der „Ernsten

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