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Die Wahrheit · 1915-05-28 · Heft 20 (28.5.1915) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 20 (28.5.1915)
Date
1915-05-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Die Wahrheit _Nr. 20. * Einigung. Zudem Italien seine Aspirationen ans slavische Gebiete im Osten -der Adria geltend macht, hat .es auch seine Mißachtung des nationalen Bölkerprinzipes offen kundgegeben, und dadurch bereits das Mißtrauen der Balkanstaaten erregt. Wenn der Raubverband der Entente in diesem Weltkriege die Oberhand gewänne, dann hätte der Waffen Gewalt damit auch allen Glauben au Recht und Gerechtigkeit und damit auch alle Moral aus den Herzen der Menschen gerissen. Es ist daher für alle Menschen, die noch an ein gerechtes göttliches Walten glauben, die Hoffnung berechtigt, daß der gottlose Anschlag nicht gelingen werde. Die treuen, tapferen und frommen Völker Deutschlands, Oesterreich-Ungarns und des Osmairenreiches haben in den vergangenen Kriegsmonaten zum Staunen und Schrecken ihrer Widersacher gezeigt, daß Volks treue, Tapferkeit und Tüchtigkeit mehr vollbringen können als die überragende Zahl. So gehen wir denn mit unerschütterlichem Gottvertranen anch den weiteren Phasen des Weltkrieges entgegen, der hoffentlich der letzte sein wird und der der Welt auch die Befreiung der Moral und Sitte, der Gerechtigkeit und Wahrheit ans den schändlichen Fesseln bringen muß, in welche sie die berufsmäßigen Diplomaten geschlagen haben. Kopf hoch! Wir leben in einer großen Zeit, welche ganze Männer braucht. Die jüdischen österreichisch-ungarischen Staatsbürger, deren Staatstreue im gegenwärtigem Weltkriege hundertfältig erwiesen und vom geliebten Kaiserpatriarchen voll anerkannt wurde, werden auch jetzt dem Rufe desselben treu folgen und ihre waffenfähigen Männer werden so wie alle treuen Oesterreicher und Ungarn mit vollster Aufopferung und Ausdauer gegen alle übermütigen, wenn auch noch so starken Feinde wre bisher weiterkämpfen. Mtriotische Kundgebung und Zeichnung der KriegsauteiHe durch die Wiener israelitische Kuttusgemeiude. In der jüngsten Plenarsitzung des Vorstandes der Wiener israel. Kultusgemeinde kam es wiederholt zit enthusiastischen patriotischen Kundgebungen. Zunächst gedachte der Referent für den Rechnungsabschluß für das Jahr 1914, der großen Opfer, welche die Knltusgemeinde bisher für die Kriegs- und Flüchtlingsfürsorge frendigst gebracht hat und der Aufgaben, welche ihrer noch harren. Die Knltusgemeinde sei entschlossen, anch in dieser schweren Zeit nach wie vor unter äußerster Anspannung ihrer Kräfte, ihre Psticht zu erfüllen. Im weiteren Verlaufe der Sitzung wies der Vorsitzende Vize-Präsident Landesschulrat Dr. Gustav Ko hu auf das siegreiche Borrücken unseres heldenmütigen Heeres in Galizien hin und sprach die feste Zuversicht aus, daß die Monarchie in kurzer Zeit vom moskowitischen Feinde, unter dessen Schreckensherrschaft ganz besonders die Inden zu leiden hatten, endgiltig gesäubert sein werde. Der heimtückische Ueberfall Italiens sei durch das herrliche Manifest Sr. Majestät unseres erhabenen Kaisers entsprechend gekennzeichnet worden. Im Sinne dieses väterlichen Rufes wollen auch die Juden dieses Reiches bis ans Ende dieses mächtigen Ringens gegen eine Welt von Feinden Gut und Blut für Kaiser und Vaterland opfern. Redner schlägt schließlich vor, im Sinne des Beschlusses des Vertreter-Kollegiums gleichwie anläßlich der ersten Kriegsanleihe, auch für die Kriegsanleihe 191b aus ben der Gemeinde zur Verfügung stehenden Fonds, Widmungen und Stiftungen K 500.000 zu zeichnen. Dieser Antrag fand begeisterte, einhellige Annahme. Israelitische Allianz zu Wie«. Die ztveitUtdvierzigste ordentliche Generalversammlung der Zsraelitischeu Allianz zu Wien fand Montag, den 17. Mai l. I., um 6 Uhr abends, im Saale der israelitischen Knltusgemeinde statt. Den Vorsitz führte, da der Präsident, Herr Dr. Alfred Stern, von Wien abwesend war, der Vizepräsident Ministerialrat Kamill Knrauda. Unter den Anwesenden bemerkte man die Vorstandsmitglieder Dr. Katzan, Pappeuheim, Dr. Nierenstein, Dr. Breuer, Prof. Dr. Ehrmann, Prof. Dr. Josef Poüak, Generalrät Klein, Hofrät Doktor Löwner, kais. Rat L. Sachs v. Sachseuhnll, Sekretär Doktor Kaminka, ferner ats Vertreter der israel. Kultusgemeinde die Herren Vizepräsident Hofrat Dr. Rappaport, Grün-, wald, Dr. Schreiber und Sekretär Dr. Adler sowie zahlreiche angesehene Mitglieder, darunter die Gemeinderabbiner Dr. Grnnwald nnd Dr. Rosenmann, Regierungsrat Doktor Frankfurter, die Schriftsteller Dr. I. S. Bloch und Doktor M. Löwy, Inspektor Professor Kanitz, Handelskammer-Präsident Lazar Bloch aus Brody. der Rabbiner ans Sambor kais. Rat Aron Lewin, der Rabbiner ans Drohobycz Dr. B. Margnlies, Prof. Antscherl, Bernhard Hofbaner, Hugo Kadisch, Doktor A. Kapralik, Dr. Schnepp, M. Baum, Josef Beer, Karl Flandrak u. v. a. Der Vorsitzende begrüßt die Anwesenden, unter welchen sich die Rabbiner der soeben durch das siegreiche Fortschreiten unserer Truppen befreiten Städte Sambor und Drohobycz befinden und weist in seiner Altsprache darauf hin, daß der Verein im verflossenen Jahre, über seine normale Tätigkeit hiuausgehend, eine umfassende Aktion zur Linderung der Not der durch den Krieg am schwersten betroffenen galizischen Inden geleitet hat, welche im vorliegenden Berichte eingehend geschildert ist. Dr. Kapralik beantragt, daß von einer Verlesung des umfangreichen sich bereits seit mehreren Tagen in den Händen der Mitglieder befindenden Berichtes Abstand genommen werde. Die Versammlung erklärt sich damit einverstanden. Hofrar Dr. Rappaport begrüßt die Versammlung im Namen der israelitischen Kultusgemeinde, welche sich an den Hilfswerken der Allianz immer beteiligt und ans dem Gebiete der Flüchtlingsfürsorge die Aktion der Allianz zu ergänzen bestrebt war. Dr. Margnlies drückt im Namen der galizischen Inden in eiltet warmen Ansprache seine Dankbarkeit ans für die in Zeiten der größten Not von der Israelitischen Allianz gewährte brüderliche Hilfe. Die Flüchtlingsfürsorge bilde keine Verschiebung der Tätigkeit der Allianz, sonderil gehöre in ihren normalen Wirkungskreis. So wären z. B. Hunderte armer Schüler von ben provisorischen Beschäftigungskursen ausgeschlossen worden, wenn nicht die Allianz die Zahlung des Schulgeldes übernommen hätte. Der Bericht enthalte zu wenig von der vielseitigen rühmlichen Tätigkeit des Vorstandes und insbesonders des Sekretärs im Interesse der zahlreichen Flüchtlingsgruppen. Er habe oft Gelegenheit gehabt, zu bewundern, mit welcher Geduld nnd Hilfsbereitschaft Herr Sekretär Dr. Kaminka sich den notleidenden Glaubensgenossen widme. Es sei zu bedauern, daß die galizischen Jitden in früheren Zeiten nicht die Vorteile einer die gesamte Judenheit Oesterreichs umfassenden Organisation genügend gewürdigt, haben. Den zahlreichen in Wien anwesenden galizischen Kultilsvorstehern und Rabbinern müßte, wie dies bereits durch die dankenswerte Initiative des Präsidenten Dr. Alfred Stern teilweise bereits geschehen ist, Gelegenheit gegeben werden, sich zu versammeln, um gemeinsam mit der Leitung der Israelitischen Allianz über die nach dem Kriege bevorstehenden großen Aufgaben zu beraten. Kais. Rat Rabbiner Lewin aus Sambor schließt sich dem Danke für die Tätigkeit der Allianz an, welche alle Erwartungen nbertroffen habe. Insbesondere sei die so zahlreichen Rabbinern und Rabbinatsassessoren ans Galizien und der Bukowina zur Ergänzung der staatlichen Hilfe gewährte monatliche Stütze der höchsten Anerkeululttg wert. Dr. Bloch, der sich -ebenfalls dem. Dankvotum an den Borstand und den Sekretär auschließt, hebt hervor, daß die Tätigkeit der Israelitischen Allianz zur Linderung der Not

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