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Die Wahrheit · 1915-05-28 · Heft 20 (28.5.1915) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 20 (28.5.1915)
Date
1915-05-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Mai 1915 Inhalt: Italiens Treubruch. — Patriotische Kuudgebuust und Zeichnung der Kriegsanleihe durch die Wiener israelitische Knltnsgemeinde. — Israelitische Allianz zu Wien. — Die „Agudas Jisroel" im Weltkriege. — Zur Lage tu Palästina. — Der Krieg in der Bibel und die Bibel im Kriege. — Hietzinger Franeuverein zum Schutze armer, verlassener Kinder. — Jnternakionale wisieuschasrliche Bereinigung israelitischer Kantoren. — Verschiedene Nachrichten. — Hilfsaktion des Oesterr.-Ungar. Kantoren-Bereines. — Danksagung. Italiens Trenbrnch. Nach zehn Kriegsmonaten, während welcher Deutschland, Oesterreich-Ungarn und die Türkei sich nicht nur gegen eine nahezu dreifach feindliche Uebermacht, die zudem auch noch den Vorteil der günstigeren strategischen Lage besaß, erfolgreich wehrten, sondern derselben sogar ans allen Kriegsplätzen schwere Niederlagen bereiteten, hat die italienische Regierung, die langjährige Genossin des mitteleuropäischen Dreibundes, in hinterlistiger Weise die Bnndestrene gebrochen und sich zum Kriege mit ihren ehemaligen Bundesgenossen entschlossen. Wohlgemerkt, die italienische Regierung, denn eS.ist bekannt, daß noch vor einer Woche die Mehrheit des italienischen Volkes und der Volksvertretung gegen den Krieg gesinnt und für die weitere Beobachtung der Neutralität entschlossen war. Das italienische Volk hat also in Wahrheit die blutige Fortsetzung und Verlängerung des allschädigenden Weltkrieges nicht ins Werk gesetzt. Es hatte auch nicht die geringste Veranlassung dazu, denn wie durch den ungarischen Ministerpräsidenten Grafen Tisza, durch offizielle Erklärungen im deutschen Reichstage bekannt und durch das eben veröffentlichte Rotbnch des Ministeriums des Aeußeren über die italienische Krise neuerdings erhärtet wurde, war die österreichisch-ungarische Regierung im Interesse der Aufrechthaltnng der Freundschaft mit Italien sogar zu schweren Opfer territorialer Abtretungen an Italien bereitnnd damit konnte die italienische Negierung ohne Schwertstreich und ohne Blutvergießen große territoriale und nationale Erfolge einheimsen. Aber die italienische Diplomatie arrangierte heftige Straßenknndgebuugen für den Krieg und erreichte damit nicht nur die Einschüchterung des ehemaligen Friedensministers Gioletti, sondern auch zahlreicher Deputierter und Senatoren. Dabei bediente sie sich moralisch sehr defekter Personen, wie des italienischen Dichters „d'Aununzio", den das sozialdemokratische Blatt „Avanti" folgendermaßen charakterisierte: „Er sei ein verbrecherisch Entarteter, da der Dichter bekanntlich das Volk anfforderte, sich Donnerstag (20. Mai) vor Monte Citorio aufzustelleu und alle sriedenssreundlichen Abgeordneten zn vergewaltigen". „Dies sei Aufreizung zum Verbrechen in bester Form, ohne daß die Behörde dagegen einzuschreiteu wagte". „D'Annunzio sei der Schandfleck Italiens undein französischer Söldner, der das italienische Volk für Frankreich ins Verderben hetzt". Die Entente hat für diese Erwerbung der italienischen Kriegshilfe wohl viele Rubel, Sonvereignes und Luisdors rollen lassen, zumal ihre weiteren Kriegsaussichten bereits herzlick schlecht stehen. Die Menschen- und Friedensfreunde unter welche die Juden aller Staaten nicht zuletzt zählen, müssen aber die Tatsache herzlich bedauern, daß es der fchlangenzüngigen diplomatischen Mache gelingen konnte, das italienische Volk ohne N o t in einen blutigen Weltkrieg hiueinzuhetzen, der schließlich doch nur für englische und russische Eroberungen ins Werk gesetzt wurde. Die italienische Regierung erklärt jetzt, Oesterreich- Ungarn habe durch sein im Juli 1914 an Serbien gerichtetes Ultimatum, weil es sich diesbezüglich nicht früher mit Italien beriet und auseinandersetzte, den Artikel 7 des Dreibnndvertrages verletzt, welcher die vorhergehende beiderseitige Genehmigung festsetzt, falls sich eine der beiden Mächte genötigt sehen sollte, den früheren Stand auf d e m Balkan durch eine oder zeitweilige dauernde Okkupation zu ändern. Abgesehen davon, daß selbst Großbritannien damals voll anerkannt hat, Oesterreich-Ungarn sei durch das serbische Verbrechen moralisch g e z w u n g e n, Rechenschaft zn heischen, erklärte damals Oesterreich-Ungarn in Petersburg und in Rom, es erstrebe keine Gebietserwerbungen auf Kosten Serbiens. Hat übrigens Italien vor seinem Raubkriege um Tripolis gleichfalls um die Erlaubnis Oesterreich- Ungarns gefragt? Und doch hatte derselbe für Italien bei weitem nicht die Bedeutung wie die Aktion gegen die serbische Regierung für Oesterreich-Ungarn. Nun find die Würfel gefallen und wenn das Eingreifen Italiens nach zehn fürchterlichen Kriegsmonaten den Weltbrand auch verlängert und verstärkt, wenn auch fraglos dadurch die Kriegsopfer für die Völker Deutschlands und Oesterreich-Ungarns erheblich vermehrt werden, so ist ihnen dennoch kein Opfer für das Vaterland zu groß und vertrauend auf ihre^ gerechte Sache und ihre tapferen Heere sehen sie mit vollster Zuversicht der Entscheidung durch die Waffen entgegen und der Sieg über unsere Feinde, die ans gemeiner Ranbsucht uns angegriffen haben, wird mit Gottes Hilfe nicht ausbleiben. Es ist eine dreiste Lüge, wenn die Mächte der Entente heute noch behaupten, sie kämpfen für Freiheit. Kultur und nationale Völkerbesreiung. Mit dem freiheitsmordenden und raubenden Zarismus im Bunde ist dies unmöglich. Wer das national geeinigte Deutschland wieder zerstücken will, ist der größte Gegner des natianalen Gedankens und weder das britische, noch das französiche Kolonialreich bekundet den wahren Sinn für nationale

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