Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1915-05-14 · Heft 19 (14.5.1915) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 19 (14.5.1915)
Date
1915-05-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3062972-3063862-3063881--09592-3076857
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Sette 6. Die Wavrveit "tilv 19 wie die kriegführenden Mächte haben diesem Schiffe sichere Fahrt garantiert. Bon den zur Ausrüstung dieses Schiffes gespendeten Summen seien folgende genannt: Nathan Strauß 50.000 Dollar, das Provisorische Komiete für allgemeine zionistische Angelegenheiten 25.000 Dollar, das Amerikanisch-jüdische Hilfskomitee 26.000 Dollar, Jakob H. Schiff 25.000 Dollar. Die Tatsache, daß eines der größten Kohlenschiffe wie der „Vulkan" vou seiten der amerikanischen Regierung zur Verfügung gestellt wurde, ist dem persönlichen Eingreifen des Staatssekretärs Bryan zu verdanken. Da keine Schiffahrtsgesellschaft die unsichere Fahrt nach Palästina riskieren wollte, waren die Komitees gezwungen, allein 75.000 Dollar zu sammeln, um die Expeditionskosten und die Kosten der Versicherung zu decken. Diese Kosten mußten bewilligt werden, da kein einziges der momentan freien Regiernngsschiffe für die umfangreiche Ladung Raum genug zur Verfügung hatte. Im letzten Augenblick hat nun das Marineministerium in Washington dem Komitee mitgeteilt, daß es in Anbetracht der wichtigen, menschenfreundlichen Aktion Order gegeben habe, ihren Dampfer „Vulkan", der schon für eine andere Reise bestimmt war, wieder auszuladen, um so die unentgeltliche Beförderung der Waren nach Palästina zu ermöglichen. Die gesamte amerikanische Presse begrüßt die humaueHandlung der Regierung. Der Krieg und die Indenfrage. Das Exekutivkomitee der Südafrikanischen Zionistenföderation hat auf seiner letzten Tagung folgende Resolutionen beschlossen: 1. Die Exekutive der Südafrikanischen Zionistenföderation, welche mehr als hundert zionistische Vereine vertritt, ist der Meinung, daß eine einzigartige Gelegenheit zur Wahrnehmung der Rechte der Juden sich bei den Friedensverhandlungeu nach Beendigung des Krieges bieten wird und daß die größten Anstrengungen zur Sicherung dieser Rechte gemacht werden müssen. 2. Es erscheint dringend geboten, eine vereinigte jüdische Aktion einzuleiten, um die Forderungen der bürgerlichen, politischen und religiösen Gleichberechtigung der Juden für, diejenigen Lander zu formulieren, wo sie noch nicht besteht. 3. Eine vereinigte Aktion soll unternommen werden, um eine öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina zu erlangen. 4. Allen Zionistischen Föderationen soll dringend auf die Notwendigkeit hingewieseu werden, mit anderen jüdischen Körperschaften znsammenzuarbeiten, um eine Zentralkörperschaft zu schaffen, welche für die obenerwähnten Ziele wirken soll; sie sollen dafür sorgen, daß in dieser zentralen Körperschaft die Z i o n i st i s ch e Organisation in angemessener Weise vertreten ist. _ Die Schlange und der Derteumder. (E i u S p i e g e l für dieFein.de d e r M o n a r ch i e): Warum wird gewöhnlich der Verleumder mit der Schlange verglichen? Hierüber geben uns Talmud und Midrasch Aufschluß. Böse Menschen, die nie ein wahres Wort sprechen, nie einen ernsten Gedanken fassen, sondern unausgesetzt, wie die Serben, Japaner und Engländer, bestrebt sind, würdige, unschuldige Menschen, selbst wenn sie ihre größten Wohltäter lvaren, hinterrücks zu verleumden, zu verdächtigen, zu mißkreditiereu. werden deshalb mit der Schlange verglichen, weil sie, wie jene, schleichend ihr Glft verbreiten und heillosen Schaden in der Welt anrichten. Im Talmud und Midrasch wird diese Behauptung durch folgende Fabel illustriert: Emst stellten die wilden Tiere folgende Fragen an die Schlange: „Welchen Nutzen erringst du durch den Stich, mittels dessen du Menschen nud Tiere tötlich verwundest? Der Löwe, der Wolf und sonstige Raubtiere würgen, um ihren Hunger zu stillen. Welchen Genuß aber verschafft dir dein Blutdurst?" Die Schlange eutgegnete: Warum wendet ihr euch gerade an mich, ihr könnt doch dieselbe Frage auch an gewisse Menschen, nämlich an die Verleumder richten." Ferner fragten die Tiere die Schlange: „Woher mag es kommen, daß dn den ganzen Körper vergiftest, während du doch nur ein Glied verwundest?" „Geht hist", erwiderte die Schlange, „und stellt diese Frage an den Verleumder; dieser spricht hier Böses und in weiter Ferne richtet seine Lästerzunge Verheerungen an." usw. Endlich wurde die Schlange noch gefragt: „Warum hältst dn dich zwischen den Zäunen auf?" Und sie antwortete: „Weil ich die Umzäunung der sittlichen Weltordnnng durchbrochen habe." (Taanit 8. Jalknt Kohelet.) Nicht ohne tieferen Sinn sagen unsere Weisen: „Die Lüge hat keine Beine", weil der böswillige Verleumder nur dann sein Handwerk eine zeitlang betreiben kann, wenn er, wie die giftige Schlange, auf dem Bauche schleicht, sich vor den einflußreichen Machthabern duckt, krümmt und beugt und alle möglichen Mittel anwendet, bis es ihm endlich gelingt, sie durch seine süßen, heuchlerischen Redensarten zu berücken und zu bestricken und zu furchtbaren, menschenverfolgenden, menschenbedrückenden Taten auzuregeu, anzueifern und anzufeuern. B e r i t a s. Christliche Talmndirliersetzttttgen. Seit einigen Jahren bildet der Talmud Gegenstand der Ueversetznug und Forschung von seiten der christlichen Theologen. Diese Tatsache könnte den Anschein erwecken, als ob die Nentestamentler, welche bis mm sich geflissentlich vom Studium der talmudifchen Literatur fernhielten und sich ..:xi ___ 1^....^ .. v»... ss den Talmud zu umringen beginnen. 3« vielem ftalle, )o sollte man glauben, müßten die hochgelahrten Professoren von ihrer Kanzel herabsteigen und sich Aufschluß über den Talmud und dessen Gedankengang bei den Inden holen, da letztere während vieler Jahrhunderte sich mit dem Talmud befaßten und ihn als kostbares Kleinod durch so viele Stürme und Scheiterhanfen mit sich trugen. Doch dem ist nicht so. Ein Professor muß allwissend sein, und kaum beginnt er den Talmud mit Hilfe eines Dutzend von Wörterbüchern zu „lesen", so dünkt er sich in seinem Eigendünkel bereits befugt, über den Talmud em Urteil zu fällen und dicke Bände „wissenschaftlicher" Werke über ihn zu veröffentlichen. So und nur so ist es zu erklären, daß in der letzten Zeit eine Flut von talmudifchen Schriften über uns hereinbrach, die teils als Uebersetzungen und Erläuterungen, teils als Forschnngen auf den Büchermarkt traten. Nun drängt sich die Frage auf: Wird die talmndische Literatur durch diese „wissenschaftlichen" Arbeiten bereichert? Besteht nicht vielmehr das Verdienst einer solchen Arbeit, daß sie die früheren Jrrtümer um. Beträchtliches vermehrt? Da bewähren sich leider die geschichtlich gewordenen Worte des Prof. Dr. Dawid Kaufmann, daß „die Arbeit der Jahrtausende, die ein ganzes Volk für seine Literatur in beispielloser Hingebung geleistet hat, in den Wind geschlagen wird, als käme es nur darauf an, daß jeder sich auf eigene Faust lächerlich mache und die Aera der Unwissenheit von neuem gezählt werde". Als Dante durch die Straßen von Verona ging, da zeigte die Menge auf ihn und flüsterte: „Dieser da war in der Hölle." Ja, in der Hölle muß man fein, so glaubt der gesunde Menschenverstand, um sie beschreiben zu können; in die tiefen Schichten der talmudifchen Literatur einzudringen, halten es die geehrten Professoren nicht für die Mühe wert. '

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.