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Die Wahrheit · 1915-05-14 · Heft 19 (14.5.1915) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 19 (14.5.1915)
Date
1915-05-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 19. Die Wahrheit Gerte L. zu dem siebenbürgischen Honvedinfauterieregiment, das unter dem Kommando des heldenmütigen Dberstlentnanls von Gz. steht. Die Herren Halipleute Z. und L. empfingen mich herzlich. Von der gewaltigen Stimmung im Felde gepackt, bat ich den terrn Hanptmann Z.. eine Ansprache an unsere wackeren vnveds halten zu dürfen, ich betonte, daß ich, wenn auch Rabbiner, keine konfessionelle Anspielung in meiner Ansprache mache. Der Herr Hanptmann nahm meine Bille freudig entgegen und ließ die Mannschaften antreten. In fünf Minuten umringten mich Hunderte meiner braven ungarischen Brüder, wackere Hvnveds. lind als ich in ihre treuen Augen blickte, da wallte in mir die Kraft meines Lebensprinzips aufs neue mit jugendlicher Stärke auf: die mittelalterlichen Schranken der Vorurteile, die den Menschen vom Menschen trennen, sollen und müssen niedergerissen werden! Wir. Kinder eines Vaterlandes, Kinder derselben Erde, müssen einander in brüderlicher Liebe zugetan sein! Ich sprach zu den wackeren siebenbürgischen Hvnveds, so wie es mir mein übervolles Herz zusiüsierte. Es war ein Gottesdienst des Menschen für Meirichen. Ihm wohnte auch Herr Hanptmann A. v. T. bei; als ich geendet hatte, lud er mich ein, auch an seine Leute einige Worte zu richten; seine Leute lagen in beit Schützengräben. Wir wunderten hin zu ihnen über Felsenklippen und Klüfte, auf schmalen unwegsamen Pfaden und erreichtet! ans einem Höhepunkt der Karpathen unser Ziel. Der Herr Hanptmann war sichtlich gerührt, daß seine Soldaten, die er abgöttisch liebt, an einem so schönen Sonntag Worte der heiligen Liebe hören werden. Es kamen die Kämpfer aus den Schützengräben, die, die des Ungarischen Mächtig sind. Es grollten die Geschütze, es zischten und sausten die Geschosse, die Gewehre knallten dazu, denn die Russen lagen etwa 200 Schritte von uns und ich und meine kämpfenden Brüder standen jetzt etwa sünszehn Schritte hinter dem Schützengraben. Wir alle empfanden die Nähe des mächtigen, einzigen Gottes! Keiner von uns dachte wohl au das kurze, stille, winzige Menschenleben, denn alle fühlten wir, daß unser heiliger Kamps, den wir für das Wohl und Gedeihen unseres Vaterlandes kämpfen, durch die schöpferische Gnade Gottes ein großes, mächtiges, in Brüderlichkeit erstarktes Ungarn zeitigen wird. Ich sprach mit nener Begeisterung. Dann noch ein Händedruck mit den Tapferen und Treuen, uub wir zogen uns in die Wohnung des Herrn Hanptmanns zurück, die eben auch tun* eine t'n die Erde gegrabene Höhle ist. Hier bekam ich zur Erinnerung an diesen mir ttNvergeßlichen Nachmittag ein Ehrengeschenk: ein russisches Gewehr mit Patronentasche und Patronen. Dann geleitete mich mein liebenswürdiger Wirt eine weite Strecke zu meinem Ausgangspunkte zurück. Es war schvlt sternenhelle Nacht, als ich von ihm Abschied nahm. Das kriegerische Ehrengeschenk ehrt in erster Reihe den liebenswürdigen Spender. Ich werde es dem ungarischen jüdischen Kriegsmusenm übergeben. Die Erinnerung an diese Stunden werden in meinem Herzen für immer weiterleiten!" Gin Tagesbefehl des russischen Oeneralijfimns. Die Warschauer Telegraphenagentnr meldet: Der Generalissimus erließ folgenden Tagesbefehl: „Unsere Kriegserfahrung hat uns die feindliche Gesinnung der jüdischen Bevölkerung in Galizien, der Bukowina und in Polen zur Genüge kennen gelehrt. Nach jedmaliger Umgruppierung unserer Streitkräfte infolge Truppenverschiebnng oder Räumung irgendeiner Ortschaft, die in Feindeshände fiel, hat die loyale und unparteiische Bevölkerung schwere Strafen zu erleiden, die durch jüdische Dennnziationen verursacht werden. Um nun die arme Bevölkerung künftighin vor jüdischer an der ganzen Kriegsfiottt getriebener Spionage in Schutz zu nehmen, beschloß der höchste Befehlshaber der russischen Armee, sämtliche Inden ans den jeweiligen Kriegsgebieten zu entfernen. Sobald russische Truppen eine Ortschaft besetzen. muß sie sofort von Juden gerämnt werden; Wohlhabende werben als Kriegsgelßeln ins Innere Rußlands, vorläufigin das Konzentrationslager in Kiew, verschickt. Vor allererst sollen aber Besitzer von wertvollen Immobilien, Rabbiner überhaupt eiustutzreiche Leute sestgenommen und deportiert werden. Den großen Massen der jüdischen Bevölkerung sei bekanntzngeberi, daß all die Berschärsnugsmaßregelu als Folge der von ihnen getriebenen Spionage zu betrachten seien und daß für alle Repressalien Juden verantwortlich bleiben. Die nichljüdische Bevölkerung soll erfahren, daß obige Verordnungen nach mehrmonatigen Erfahrungen getroffen werden, nachdem über alle Zweifel festgestellt wurde, daß Inden in großem Maßstabe Spionage ansüben und für Andersgläubige nicht die geringste Sympathie hegen. Vorläufig dürfen Inden ans manchen Ortschaften ans linke Djneprnfer abtransportiert werden." Gin Slimmnutzsbttb aus Unffisch- Psten. Der bekannte Berliner Maler, Herr Hermann Struck, der vor kurzem eine Reise nach Russisch-Polen gemacht hat. stellt uns folgenden, für die Stimmung der dortigen Bevölkerung sehr charakteristischen Brief ans Russisch-Polen zur Verfügung : .... 21. März 1915. .Viel habe ich von den Mördern gelitten. Fast jede Nacht klopften sie an unsere Tür, nm Fürchterliches zn begehen. Deshalb ging ich nach Lodz. Bet der Belagerung Lodzs war ich in der Stadt. Ich hatte viel mit meiner Familie ausznstehen. Wir haben hungern müssen, denn es war nirgends etwas zu bekommen. Die hntigrigen russischen Soldaten hatten alles anfgegessen; sie entnahmen bei den Juden alles, was sie fanden. Es ist mir unmöglich, all die Leiden, die wir während drei Wochen zn ertragen hatten, zn beschreiben. Der Hunger war sehr groß. Ein Bauer hatte Kartoffeln zn verkaufen, und wir Jtlden kauften sie bei ihm am Sonnabend und trugen sie selbst nach Hanse. Bon dein Wenigen, was lch zu essen hatte, mußte ich noch meiner Mutter und Geschwistern abgeben, die alles während des Krieges verloren hatten. Als ich zu meiner Mutter kam. etkannte sie mich nicht und ich habe fürchterlich geweint. . . . So dauerte die entsetzliche Lage drei Wochen, bis die Deutschen die Stadt Lodz besetzt haben. Als die Deutschen in die Stadt kamen, so wurden sogleich die Geschäfte geöffnet, mau hat sofort Brot gebacken und es wurde uns etwas leichter. Wir hatten feine Angst mehr, daß die Russen uns unser Brot rauben werden. Ich selbst habe es gesehen, wie ein russischer Soldat einen armen Inden, der Brot trug, geschlagen hat und das Brot ihm wegnahm. Ich habe bis jetzt nicht den hundertsten Teil der Schrecken beschrieben, die wir erlebten. Ich fuhr daun nach .... und öffnete meinen ärmlichen Laden, der schon von früher her durch den Boykott der Polen ruiniert war. Gott möge »ns Inden vor oeu mörderischen Russen hüten und beschützen!" Da« amerikanische KebensmMetschU Die Regierung der Vereinigten Staaten hat ihren Dampfer „Vulkan" dem „Amerikanisch-jüdischen Hilfskomitee" und dem „Provisorischen Hilfskomitee für allgemeine zionistische Angelegenheiten" zur Verfügung gestellt, um Lebensulittel für die notleidende Bevölkerung nach Palästina zu bringen. Der „Vulkan" ist am 13. Marz ausgesahreii. An Bord des Schiffes befanden sich mit der Vollmacht zur zweckentsprechenden Verteilung der Lebensmittel die Repräsentanten der beiden Komitees, die Herren Louis H. L e v i n e und Dr. S.Levin- E pst ein. Die Regierung der Bereinigten Staaten sowohl

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