Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1915
- Issue
- Heft 19 (14.5.1915)
- Date
- 1915-05-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Die W ' ' Die ^Rdischen StaytsbürM wefdey ^»üher^ Äk weitelM von ihnen geforderten Kriegsopfer ehenfö. tvisiighrisigkNs wjh bisher nnd sich auch im Felde ebenso belpMert- .wie 'sie es bereits mehr als neun drangreiche Monate lang taten. Geht es doch gegen den modernen Pharao, den barbarischen Zaren. Wohl werden die Judenfeinde auch nach dem Kriege nicht alle werden, denn die Jndenfeindschaft beruht auf vernunftlose R a s s e n i u st i n k t e und aus gemeinen Neid. Gegen so niedrige Gefühle kommen Vernunftgründe nicht auf und es ist kein Geheimnis, daß sie auch anständige und charaktervolle Inden eben deswegen hassen, weil sie keine Makel zeigen. Wenn ein Arier einem edlen Juden sagt: „Dn bist ja gar kein Jude, weil du edel bist", dann dokiliuentierl er damit eben seine Jndenfeindschaft, denn er schließt dadurch das Edle vom Judentume ans. Freilich wehren sich auch unter den Ariern trotz aller Verhetzungen der Judenfeinde die gerechten und vorurteilslosen Gemüter, die sich kein T für ein U machen lassen. Aber selbst die wütendsten Antisemiten können den glühenden Patriotismus der österreichisch-ungarischen Inden durch Tatsachen nicht in Abrede stellen und sogar die von den Indens feinden besonders gehaßten nnd verachteten Kaftanjndeu zogen dadurch die besondere Wnt der Russen ans sich, die die russische Heeresleitung z>t der grausamen Maßregel brachte, überall wo die russischen Heere anlangten, und zwar in Russisch- Pole,i ebenso wie in Galizien, alle Juden mit Weib und Kiud als der Rnssenseindschast verdächtig, ans ihren Heimsitzen zu vertreiben. Gar mancher Jude wurde während des letzten Krieges von der russischen Soldateska deswegen gehängt oder zu Tode gemartert, weil er sein Vaterland nicht verraten wollte. Kein jüdischer, österreich-ungarischer Soldat ging während des Kampfes freiwillig zum russischen Feinde über und die jüdischen Flüchtlinge ans Galizien und der Bukowina, die Märtyrer für ihr Vaterland geworden sind, richten wohl ihre vollen Haßgefühle gegen den brutalen Zarismus, sehen aber sehnsüchtig dem Tage entgegen, der ihnen die friedliche Rückkehr in ihr geliebtes Heim erlaubt. Die Lebensmittelvertenrer und betrügerischen Heereslieferauten befinden sich aber bekanntlich nicht nur unter den Juden allein, was die Judenhasser mit krampfhafter Beharrlichkeit behaupten, aber über die Habsucht der Nichtjndeu decken die Judenfeinde den Mantel der christlichen Liebe. Es ist wohl die Pflicht aller Staatsbürger, opferfreudig zu bleiben so lange dies das Vaterland heischt, aber die jüdischen Oesterreicher dürfen in diesem Belange umso weniger ermüden und erlahmen, als es gilt, den moskowitischen Zarismus, dieser Quelle der jüdischen Leiden, zu züchtigen und zu demütigen. Dies ist aber besonders für den aufrechten und für seine Stammesgeuosseu mitfühleudeu Juden aller Opfer nnd Lasten wert. Gelingt es de» tapferen deutschen und österreichischungarischen Heeren, den bändigenden Ring durch die Nase des moskowltischen Bären zu ziehen, dann erscheint uicht nur hie drohende Gefahr einer Versklavung Europas gebannt, sondern es kann daun auch die Erlösung der, wie Kundige versichern, von Natur guten, russischen Volksseele von der erstickenden und verderbenden Umklammerung des tyrannischen Zarismus beginnen. N. L. Das vierte Gebot. Natur und Sittengesetz fordern die Kindesliebe. Wo eine richtige Erziehung die Kinder im Gerste alljüdischen Familienlebens für das Leben heranbildet, wird diese Liebe im Laufe der Jahre immer nur inniger und zarter blühen und für die alternden Eltern jene Früchte reifen, die ihnen den Abend des schaffenden,? mühseligen Erdentages verschönen, Allerdings, da wo die Ellern die Kinder mit Fluch empfangen, da, wo dem Kinde das Elternsans nie ein Ort des Friedens und der wachenden, schirmenden Liebe wurde, ist nicht zu erwarten, daß aus der Distelsaat einst Rosen aufetstehen, ahrheit -- - Nr. 19. hier -werben die KinderAnklägern und -noch, so viel PDchchpser der Eltern vermögen . hie 7 tote Kindesliebe, die eine rauhe Hand im Keime erstickte, wicht mehr wachznrnfen. Wehe dem Kinde, das in der tobenden See des Lebens Schiffbruch erlitt und schntzsnchend in dieses Elternheim flüchtete; es ist heimatloser, wie der ärmste umherirrende Emigrant. Ueberschwang nach außen, .Gemütslosigkeit innerhalb der vier Wände, sind die traurigen Begleiterscheinungen dieser natürlichen Herzeusirrnng. Der jüdische Familiensinn, das ernste, strenge, reine nnd heilige Familienleben tvar stets unsere feste Burg, von deren Zinnen ans wir ans alle Völker, die uns belagerten, ruhig hinabblick.en. Jakob, der erhabene Patriarch, liegt auf seinem letzten Bette, ringshernm stehen seine zwölf Söhne, die zwölf herrlichen Stämme, deren Aeste und Zweige über die ganze Erde ansgebreitet sind. Der erhabene Greis fühlt sein irdisches Ende nahen, doch ehe er die Söhne um sich versammelt, um ihnen zu verkünden, was sich in späteren Tagen ereignen wird, tritt Josef mit seinen beiden Kindern Efraim nnd Mettasse zu ihm hin, um den letzten Segen des scheidenden Patriarchen zu empfangen. Und segnend.erhebt der Greis seine Hände und spricht: „Der Engel, der mich yat erlöset von allen Uebeln, er segne die Knaben, auf daß mein Name und der Name meiner Väter Abraham nnd Jsak auf ihnen ruhe." Ein Geschenk Gottes sind Kinder, singt der Psalmist. Diese sittliche Anschauung von den Kindern schuf jene jüdischen Väter und jene jüdischen Mütter, die alle Mühseligkeiten des Lebens ertrugen, um der Pflege, der Erhaltung und Erziehung ihrer Kinder willen. Der Talmud sagt: „Nehmet in acht die Kinder der Armen, denn aus ihrer Mitte gehen die Männer der Thora, die Männer des Geistes, die Männer der Wissenschaft hervor." Heinrich Pestalozzi, der Pädagog, befaßte sich in hervorragender Weise nsit dem Problem der Verbesserung häuslicher Erziehung. Besonders zur Hebung der ärmeren Volksklasse irng er viel bei, indem er durch Erziehung nnd Unterricht in der Begründung einfacher, der Entwicklung des jugendlichen Geistes angemessener Unterrichtsmethoden, eigene Schulen ins Leben rief. Das Prinzip der Unterrichtsmethode dieses Schulmannes war die Liebe, sie basierte in jener Herzensbildung, welche mit der Schablone nnd der Zuchtrute nichts gemein hat. „Ehre Vater und Mutter so lange du lebest" als gütiger Hinweis wie der kategorischeste Imperativ. . . In inniger Flamme bricht so die Kindesliebe hervor und mit ihr die Dankbarkeit, die Ehrfurcht, der Ehrgeiz, ein nützliches Mitglied der menschlichen Gesellschaft zu sein. Flora Wilhelm -- Frän kel, Feldpostbrief eines Honved-Feldrnliviners. Der einer königlich nngarischen Honvedinfanterietruppendivision zngeteilte Feldrqbbiner Dr. Adolf K e l e m e n ist Verfasser des folgenden stimmungsvollen Feldpostbriefes aus den Karpathen, den wir dem „Pester Lloyd" entnehmen: „Karpathens ron t, am 4. Mai 1915. Eine große Sehnsucht trieb mich hinaus ins blutige Feld, wo meine tapferen Brüder kämpfen. M>t eigenen Augen wollt' ich sie sehen, mit stummem Segen wollt' ich sie geleiten, die Helyenschaaren der Namenlosen, die mit todesverachtendem Mute, mit wunderbarer Seelenstärke für König und Vaterland alles; ihre Hoffnung, ihre Zukunft, ihre daheimgelassene Arbeit, ihre Pflichten im Frieden, ihr Leben opfern! Am 2. Mai, es war ein herrlicher Sonntagnachmittag, zog ich aus, um meine Brüder zu finden. Die Schönheiten des wuchtigen Karpathengebirges erfüllten mich mit einer heiligen Stimmung, die Landschaft wurde zu einem gigantischen Gotteshause. Ich kam mit meinem Führer, Herrn Leutnant