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Die Wahrheit · 1915-05-07 · Heft 18 (7.5.1915) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 18 (7.5.1915)
Date
1915-05-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Ni. 18. -.■ - - Die Wahrheit Seite 9. der durchs sein.Queues System bezüglich, der hebräischen .Metrik (1839) hmch feilt Ecclefiasticits (1901), sowie durch seine lateinische, und deutsche Uebersetznng des Hohen Liedes Salomons (1992) dann einzelner Psalmen und des ersten Teiles Jesaias in der katholischen Wochenschrift: »Gottesittlne" -sich einen Weltruf erworben, geht nun daran, eine großangelegte Bibelübersetzung beranszngeben und dieselbe mit den Psalmen zu eröffnen. Der Verlag des Orions versandte bereits einen Probeabdruck, wonach sich dieses Werk schon äußerlich als ein Prachtwerk darstellt. Daß dasselbe mit den Pialmen beginnt, ist leicht erklärlich, da der Antor bisher gerade diesem Bibelteile seine besondere Aufmerksamkeit hatte angedeihen lassen, dann weil die Psalmen gerade jetzt in der Kriegszeit bei den Kriegsandachten sehr oft zitiert werden und zum. Teile auch in die bisher veranstaltete offizielle .Kriegsliederansgabe ausgenommen wurden. Hiebei bleibe auch nicht unerwähnt, daß die vom Schreiber dieses zuerst in der »Israelitischen Wochenschrift für die Schweiz" in einer Artikelserie dann als Separatabdrnckerschienenen „Psalmistischen Studien" in katholischen Kreisen besonderen Anklang fanden, indem die meisten kirchlichen Würdenträger in Oesterreich- Ungarn, Bischöfe und Erzbischöfe, denen dieselbe zngesandt wurde, mit Anerkennung anfnahmen. Da es mir trotz meiner privaten Stellung infolge unserer gleichartigen Tätigkeit gegönnt ist, schon einige Jahre mit dem in öffentlicher Stellung wirkenden Autor in schriftlichem Verkehre zu stehen und meine 1911 erschienene metrisch gereimte Uebersetznng des Hohen Liedes Salomons »Das 'alttestamentliche Liebeslied der Welt" (Verlag I. Kansmau, Frankfurt a. Ai), auf dessen Anregung erfolgte nnd ihm auch dediziert ist, so schrieb er mir bei Einsendung des Anshangsbogens unter Anderem: „Ich kann Ihnen wohl sagen, daß ich diese dreißigjährige Arbeit oftmals betend verrichtet und mich freuen werde, wenn man die hebräische, das ist die alttestamentarische Bibel besser vestehen wird. Ich bin jetzt bei Kohelet, den mitunter auch jüdische Gelehrte ganz mißverstehen. (Auch der Brünner Rabbiner Dr. L. Levy hat im Jahre 1910 eine gründliche, allgemein anerkannte Arbeit über Kohelet erscheinen lassen. Anm. der Red.) Jene Partei, die das Alte Testament, weil jüdisch, mit Verachtung ansah, hat heute ziemlich abgewirtschaftet." So spricht sich ein katholischer Gelehrter bezüglich einer Partei ans, die den Judenhaß auf ihre Fahne geschrieben, die unter dem wissenschaftlich verbrämten Deckmantel „Antisemitismus" den Rassenhaß, den konfessionellen und nationalen Krieg zur Friedenszeit seit Jahrzehnten unter den europäischen Völkern systematisch gepredigt hat. Wir wollen hoffen, daß diese neue Gelehrtenarbeit ans biblistischem Gebiete manches .znr Beruhigung der Gemüter lind zur 'Aussöhnung der Gegensätze auf nationalem und konfessionellem Gebiete beitragen wird. Jedenfalls steht fest, daß gerade die von dieser Partei oft laut ausgesprochenen Verwünschungen des Alten Testamentes eine Gegenströmung hervorgeritfen und ein tieferes Interesse für das Studium derselben in gelehrten Kreisen geweckt hat, was zur Folge hatte, daß aus dem Gebiete der christlichen Bibelforschnng im letzten Jahrzehnte mehr geleistet wurde, als im ganzen früheren Jahrhundert. So hat sich auch hier der Spruch Goethes von „der Kraft, die unr das Böse will, aber dabei doch Gutes schafft" glänzend bewährt. Dr. M. Epstein, Brünn. Internationale wissenschaftliche Uereinignng israel. Kantoren. Ein schöner und vielverheißender Gedanke, die jüdischen Kantoren, unbehemmt durch staatliche Schranken zu gemeinsamer wissenschaftlicher Tätigkeit zu vereinigen, geht nunmehr der Verwirklichung entgegen. Mit zielbewllßter Energie alle Schwierigkeiten mit) Hemmnisse beseitigend, hat Oberkantor Simon Singer in Kattowitz die Vorarbeiten geleitet und ihm ist es in erster Reihe zu. danken, wenn trotz der gegenwärtigen ernsten Zeiten die Bildung, des Aktions-Komitees schon jetzt gelungen ist, dessen Zusammensetzung die vollste Gewähr für ersprießliche Arbeit bietet. Den Bericht des Aktions-Komitees veröffentlichen wir im Nachfolgenden: Bericht des Aktionskomitees. Das Aktionskomitee, mit Kollegen Singer an der Spitze, hat die letzten Wochen eine eifrige Tätigkeit entwickelt mld kann bereits sehr Erfreuliches berichten. Zrmächst hat Kollege Birnbaum-Königsberg, trotz seiner etwas angegriffenen Gesundheit, seine Mitarbeit zngesagt und seine berühmte Handschriften- und Drucksammlnng für Beremszlvecke zur Verfügung gestellt. Allch in Berlin haben zwei bedeutende Kollegen, Friedmann und Kalischer, das Borstandsmandat angenommen. Kollege Singer-Kattowitz, der die schwierige Leitung des Aktionskomitees übernahm, stellt seine über fünfzig Komponisten enthaltende Synagvgen-Mnsikbibliothek der Bereinigung zur Verfügung. In liebenswürdigster Weise haben ihre Mitarbeit zugesagt, die Kollegen: Bauer, Präsident des Oesterr.-nngar. Kantoren-Vereines, Dünnmauu, Löwib- Wien, ferner Professor Lazarns-Bndapest, Professor Kartschmaroff-Kanizsa, dann die Kollegen Tennenbaum- Stuttgart, Großkops - Frankfurt a. M., Linhardt - Hannover, Singer - Jnngbnnzlau, Singe, manu - Troppau, Goldstein- Steinamauger, ferner sind zirka 32 Vertreter des Auslandes gewählt worden, deren Namen nach Beruhigung der Lage genannt werden. Das Bereinsorgan, »Die Wahrheit" in Wien, bringt jeden zweiten Monat einen Separatbericht der Bereinigung. Alle Mitglieder werden gebeten, wissenschaftliche Aufsätze zu liefern. Die Rundschreiben mit chasanisch-wissenschaftlicheu Fragen werden in einigen Tagen ansgeschickt. Für das zu schaffende Kompendium wird ein Arbeitsausschuß eingesetzt, der die Vorarbeiten übernimmt. Die Vereinigung wird Wanderversammlnngen und wissenschaftliche Vorträge in verschiedenen Städten veranstalten, ferner wird die Einsetzung einer kantoralen »Sach» verständigen-Kommission" vorbereitet, für die eine staatliche Genehmigung angestrebt werden soll. Alle Zuschriften, auch Beiträge für das Bereinsorgan, sind an den Obmann des Aktionskomitees, Kollegen Singer- Kattowitz (Preußen), zu richten. Das Aktionskomitee, * * * Chasanische Werke. Die meisten Synagogen-Mnstkwerke neuester Zeit bewegen sich in Gedanken- und Formenkreisen, die längst abgeschlossen waren. Bei aller musikalischen Tüchtigkeit vieler dieser Autoren bleibt ihre Arbeit bei näherem Hinsehen bloße Nachtreterei von irgendeiner prominenten neuen Form, von einem noch nicht dagewesenen idealen Ziel, ist nichts zu merken. Fast überall die gutbekannte Darftellnngsweise eines Snlzers oder Lewandowskys. Wer eines dieser Werke kennt, der kennt sie alle. Was aber bei den Altmeistern ein warmer, durch richtige Verwendung der Mittel stets stilgerechter Ausdruck war, wird bei den Nachtretern zur Grimasse. Nirgends innere, selbständige, geistige Entwicklung, nirgends Vertiefung oder Erhebung. Ein moderner Synagogenkomponist, der er gewagt hätte, in die alte Form eine Bresche zu schlagen, um seiner Individualität den Weg ins Freie zu öffaen, ohne dem Sirenengesänge Snlzers oder Lewandowskys sein Ohr zu leihen, ist bis nun nicht erstanden. Aber eine ebenso bedenkliche wie bedauerliche Eigenschaft dokumentieren viele dieser oft pompösen Werke, das völlige Verleugnen des jüdische» Stiles. Unbedingt neigen wir der Ansicht vieler Fachmänner zu, die derartige Werke für völlig zwecklos halten und gegen das ungebührliche Auschwelleu dieser Literatur StellnnA nehmen. Anders verhält es sich mit jenen Werken der letzten Jahre, die lediglich die Knust des jüdischen Kantors, das

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