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Die Wahrheit · 1915-05-07 · Heft 18 (7.5.1915) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 18 (7.5.1915)
Date
1915-05-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite & Die Wahrheit. Nr. 18. Wo seid ihr nun, ihr Geisterhelden? WaL haltet ihr Erschöpft die Mast O eilt herbei, um Euch zu mekdÜi, ' Herbei aus Hütte pud Palast! Wir müssen uns zum Kampf äufraffeu. Für jeden gilt die gleiche Pflicht, Wir wollen Tenfelwürdiges schaffen, Begründen neu der Geister Reich!. Es lebe Satan, unser Meister! Und nieder mit dem Menschenvolk! Je grausamer wir sind, je dreister, Je sicherer winkt uns Erfolg!" Es folgt ein stürmisch Applaudieren, Beglückwünscht ward die Rednerin; Nun hörte man ein Disputieren, Ein Kommentieren der Rede Sinn . . . Doch bald hob auf sich von dem Throne Des Satans mächtige Gestalt Und sprach mit Bosheit und mit Hohne: „Es schwand fürwahr uns die Gewalt! Uns aber darf der Mut nicht sinken Und nicht erlahmen unser Fleiß, Solange Satans Augen winken. Solange jejn ^brz zu schlagen weiß! Ich Hab den Plan schon längst ersonnen Und dieser reift von Tag zu Tag; Za, ist das Hölleuwerk begonnen, Dann, Freunde, geht es Schlag auf Schlag-: Hört! Menschen stehn in meinem Solde, Die ihre Seel' verschrieben mir. Ja, wirken kann man viel mit Golde! — Doch hört, was ich erzähle hier: Ein Völkchen lebt in Balkanländern Das ist des Teufels ganz und gar Mit seinen Fahnen, seinen Bändern Und mit ihm zur Seite steht ein Zar ... Das Völkchen mordet eigne Fürsten, Es achtet nicht der Fremden auch, Nach Menschenblut neigt hin sein Dürsten Und seine Lust nach Pulverrauch. Nun wird die Erde bald erdröhnen, Die Welt bald stehn in hellem Brand, Ein Morden wirdS von Erdensöhneu. In Blut soll schwimmen Kies und Sand! Und von der Menschheit letzter Horde Bleibt nur ein winzig Heiner Rest Und was zurnckbleibt nach dem Morde, Erbeuten Cholera und Pest! Nun wird des Satans Reich sich weiten, Erstarken mehr denn ehedem. Es kommen Freunde, besfre Zeiten: Bald steckt derMensch iuSumpfundLehm! Und wie besessen von dem Wahne Erscholl's uach Teufelsbranch: Hurra! Es leb' das Völkchen am Balkane, Mit ihm der Satan auch! Hurra! hurra! hurra! A r m i n Wilkowitsch. Die Ehrenrettung der Kibel. (Eine Fried ensb et rach tu ng zur Kriegszeit) Es kann dem denkenden Beobachter auf literaturhistorischem Gebiete nicht entgangen sein, daß in neuerer Zeit in der deutschen Literatur in der modernen, seit zwei bis drei Jahrzehnten in Europa herrschenden antisemitistischen Strömung, von den Kriegsverhältnissen abgesehen, eine Gegenströmung eingetreten ist. Das bekundet sich insbesondereim Wiederanflcheü des. Interesses für das Alte. Testame.ru in katholischen wie in protestantischen Kreisen, hie bereits geradezu überraschende, früher voll Niemandem geahnte literarische Resultate zu Tage 'gefördert; eine Rühtigkeit, die die literarische Tätigkeit Indischer Bibelforscher in neuerer Zeit zu übertreffen scheint. Das Üebersetzen der hebräischen Bibel ins Deutsche, das früher die Grundlage des Unter* richtes in den jüdischen Schnlen bildete, hat fast anfgehorr infolgedessen auch das Interesse jüdischer Kreise für die biblische Literatur. Dagegen wächst das Interesse in christlichen Fachkreisen in letzter Zeit immermehr. Wir wollen in dieser Richtung auf die Arbeit des Prof. Eduard König, in Bonn namentlich „Die Poesien des Alten Testamentes" 1907, ferner auf die von Prof. Haupt in Baltimore ausgehende Regenbogenbibel, dann ans die von Kautsch in Halle und Dr. Lambach in Fulda „Anserwählte Schriften des Alten Testamentes" Hinweisen. Als Einzelarbeiten auf diesem Gebiete seien erwähnt: von Rudolf Kittel in Leipzig „Alttestamentarische Studien", E. Sellins in Berlin „Biblische Urgeschichte", E. H. Cornells in Breslau „Einleitung in dre Bücher des Alten Testamentes", W. Staerks „Die Entstehung, des Alten Testamentes", Buddes „Die altisraelitische Religion" etc. etc. Alle diese Arbeiten christlicher Bibelforscher datieren: ans neuester Zeit, sind von hohem wissenschaftlichen Werte,, die dem unbefangenen deutschen Forschergeiste alle Ehre machen. Hiebei können wir auch die seit dem Jahre 190fr von Fiebig veranstaltete und jährlich fortgesetzte Sammlung von auserwählten Schriften der Mischnatraktate nichtunerwähnt lassen. Das sind für Jedermann greifbare literarische Erschein nungen, also konkrete Beweise unserer Behauptung. Aber es liegen für diese unsere Behauptung, die vielleicht manchem jüdischen Leser kühn, wenn nicht unglaublich erscheinen mag, auch wir möchten sagen, atmosphärische Lichterscheinnngen für die neue Weltenwendung vor, die nicht für Jedermann kenntlich sind. So z. B. zeigen die neuen Ausgaben der deutschen Klassiker in dieser Richtung ein ganz anderes Bild wie die älteren. Während in letzteren z. B. bezüglich Goethe alle dessen Arbeiten, die das Alte Testament betreffen, gewiß, nicht unabsichtlich ausgeschaltet waren, bringen die neueren Goethe-Ausgaben z. B. die des Bibliografischen Institutes oder die von Hesse zur Ueberraschnng aller Welt nicht nur eine kritische Besprechung des „Hohen Liedes Salomons" sondern auch eine prosaische Uebersetzung dieses Liedes, soww auch Salomons Fabeldichtung von der Zeder bis zum Jsop, dann auch eine streng kritische auf einem sorgfältigen Stndinm des Pentateuch beruhende Abhandlung über die Wanderung Israels durch die Wüste, die Goethe aber unter genauer Anführung der einzelnen Bibelstationen nicht 40 Jahre sondern bloß zwei Jahre dauern läßt. Während die antisemitischen Matadore zu Gunsten ihrer neuen Heilslehre sich mit Vorliebe auf Goethe berufen, erfährt jetzt die Welt^ daß der deutsche Dichterfürst sich auch mit dem Alten Testament,, das die Antisemiten als das „Gift von Inda" bezeichneten,. eingehend beschäftigte und zwar auf Grunddes Studiums des hebräischen Urtextes, da er bei der Herder das hebräische gründlich kennen gelernt hatte, daß also der deutsche Dichterfürst sich mit dem verfluchten Hebräischen abgegeben hat^ Ja es ergibt sich daraus, daß Goethe seinem Meisterwerk Faust auch Grundgedanken des alltestamentarischen Hiob zu Grunde gelegt hat. Diese Tatsache ist gewiß überraschend. Als eine solche allgemeine Lufterscheinung kann auch die vom verblichenen Papste Pius V. 1911 durchgeführte Brevierreform angesehen werden, da diese im wesenlichen doch nur eine Reform des Psalterinms, das ist Psalmenordnung für die Kleriker betrifft und die Psalmen doch einen wesentlichen Teil des Alten Testamentes bilden. Insbesondere überraschend ist aber die Tatsache, daß selbst in Oesterreich seit neuerer Zeit auf römisch-katholischer Seite eine rührige Tätigkeit auf dem Gebiete der Bibelforschnng sich entwickelt. Prof. P. Nivard Schlögl in Wien^

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