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Die Wahrheit · 1915-05-07 · Heft 18 (7.5.1915) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 18 (7.5.1915)
Date
1915-05-07
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Nr. 18 Die Wahrheit Chasonus, bringen. Welch ethischen Wert solche Werke besitzen braucht nicht erörtert zu werden. Sie wirken nicht durch Melodie oder kunstvollen Satz, sondern lediglich durch jenen altjüdischeu Stil, der sich in vielen Gemeinden aller Welt von Generation auf Generation vererbt hat. Alle Autoren haben sich bei ihrer Niederschrift von dem dogmatischen Satze leiten lassen, den I. Mölln, genannt Maharil, schon vor 1427 ausgestellt hatte: Es darf kein Herkommen in einer Gemeinde geändert werden, anch bezüglich einer Melodie. Solche Denkmäler chasanischer Kunst gleichen dem erhabenen unberührten Lobgesang der Natur zu Ehren ihres Schöpfers, für die Kantoren, die noch Träger ihres Gottesdienstes sind, bleiben sie für immer Kleinodien. Jede kritische Bemerkung über die Art des Chasonus in all den Werken wäre einseitig, denn wer wollte entscheiden, welcher Stil, welche Melodie die richtige ist? Keine einzige Singweise, kein Steiger ist für alle Welt kanonisiert. Zn seiner großen Agende sagt L. Wolff sehr treffend: Ein tüchtiger Chase» in Aschkenes . ist noch lauge keiner in Polen und das polnische Chasonus läßt den Deutschen kalt, ja, er verpönt es. Wie auf anderen Gebieten der Kunst, heißt es auch hier: „81mm. cuique“! Bei den tausendfach verschiedenen Ansichten über dieses Thema ist die Wahrung eines selbständigen Gesichtspunktes kaum möglich. Die Erscheinungen auf diesem Gebiete sondern sich in zwei Gattungen; die eine bringt nebst mehrstimmigen Gesängen Traditionsrezitative, während die andere in großer Vollständigkeit das Chasonus des ganzen Jahres enthält, somit für den amtierenden, wie für den in sein Amt erst eiuzuführenden Kantor, gleich wichtig erscheint. Bon den bedeutendsten Autoren solcher Werke seien hier genannt: Deutsch-Breslau, Weiutranb - Königsberg, Weintraub-Frankfurt a. M., Friedmann-Berlin. Löwenstamm- Müuchen, Rosenhanpt-Nürnberg. Lachmann-Hürben, Baer- Gothenburg, Wodak-Göding, Rubin-Prag, Heller-Brünn, Bachmaun-Budapest, Grünzweig-Arad, Kartschmaroff-Kanisza, Sonntag-Temesvar, Bauer, Löwit-Wien, A. B. Birnbaum- Czenstochan, Gerowitsch-Rostow am Don, Nanmburg-Paris, Cohen Linaru-Bnkarest, Schorr und Baum-New-Iork. Mögen sich auch weiter gediegene Fachmänner finden, die an dem auzustrebenden Ziele unserer chasanischeu Wissenschaft Mitarbeiten. Nur ans der Summe einer großen, gemeinsamen Arbeit könnte sich ein „Chasanisches Jdealwerk" herauskristallisiereu. Singer- Kattowitz. Verschiedene Nachrichten. Die«. (Hietziuger. F r a u e u v e r e i» zum Schutze armer, verlassener Kinder.) Die IX. ordentliche Generalversammlung findet au» 11. Mai im Saale des „Wissenschaftlichen Klubs" m Wien, VL Dreihufeisengafle Nr. 1 (beim Getreidemarkt) statt. Tagesordnung: 1. Verlesung und Genehmigung des Protokolls der achten ordentlichen Generalversammlung; 2. Rechenschaft-- und Kaffenbericht; 3. Namensänderung; 4. Vorstandswahlen; 5. Vortrag des Herrn Direktor Dr. S. Krenbergcr: „Die Fürsorge für Kriegswaiseu". Beginn halb 8 Uhr abends. Nach der Generalversammlung gesellige Zusammenkunft im „Wemgartl": Wie«. (Zweiter I u u g j ü d i s ch e r Abend.) Die jüdische „Wiener Morgen-Zeitung" veranstaltet am 15. Mai den 2. Jungjüdischen Abend unter der Leitung des Herrn I. A. Lonbetzky. Zur Ausführung gelangt aus der jüdischen Bühne Wien, H. Taborstraße 12 „Familie Z w i" von D. P i n s k y. Das Remerträgnis wird zu Gunsten der ueugegrüudeten jüdischen Lesehalle in Wien zufiießen. Karten ä K 3.—, 2.—, 1.40 und —.80 sind erhältlich in der Redaktion der jüdischen „Wiener Morgen-Zeitung", II. Taborstraße 52b, Buchhandlung Löwit. I. Rotenturmstraße 22 und an der Tageskassa der jüdischen Bühne. Mähr.-Kroma«. Am 23. April d. I. verschied hier der von seinen Kollegen hochgeschätzte Kantor Samuel L a g o d z i n s k y im 67. Lebensjahre. Derselbe war ein treuer Beamter, von der Gemeinde geschätzt und geachtet. Trotz seines Leidens fungierte Kantor Lagodziusky noch Freitag, den 23. April, beim Gottesdienste. In derselben Nacht verschied er, umgeben von seinen geliebten Angehörigen. Bei dem am 26. April stattgefundenen Leichenbegängnifie jmigierten der Rabbiner und der Kantor aus Kanitz. Unter den Anwesenden war anch der Obcrkantor ans Mißlitz. Lemberg. Um die Russen von der Verantwortung für die galizischen Judeuhetzeu remznwajchen, wälzt die „Nowoje Wremja", indem sie die Tatsache der Judenhetzen selbst eingesieht, die Schuld daran den polnischen Legionären zm Sie behauptet nämlich, daß Legionäre unter Simnlitrnng von Verwundungen im Lemberg er Krankenhäusern Zuflucht gesucht hätten und daun von polnischen Aerzten aus den Spitälern entlassen worden seien, woraus sie vernicht Hätte», einen regelrechten Aufstand hervorzurufen. Sie hätten Waffen ansgeteilt und Maschinengewehre in den Häusern gegenüber den Kasernen aufgestellt. Das alles soll.nach der Phantasie der ,/Nowoje Wremja" unter de» Augen der Russen in Lemberg geschehen sein! Und das soll den Grund für die Jndenhetzen abgegeben haben. In Lemberg verfährt jetzt die Polizei ganz nach Kiewer Muster. Es werden täglich und nächtlich „Oblawas" veranstaltet und Razzias abgehalten nach ortsfremden Juden. Die „Uebeltäter" werden verhaftet und zusammen mit Schwerverbrechern nach der Heimat abgeschoben. Nach , amtlicher Bekanntmachung sind an einem Tage 21 fremde Inden verhaftet worden. Berlin. Professor Dr. Abraham Berliner, der Nestor der Wiffenscdaft des Judentums, ist am 22. Avril in nahezu vollendetem 83. Lebensjahre heimgegängen. Sein reiches literarisches Leben stellr ihn würdig au die Seite von Leopold Zunz und Moritz Steinschneider. Von den vielen Werken, mit denen er die Literatur bereichert hat, seien hier nur folgende erwähnt: Die Raschi-Ansgabe, „Persönliche Beziehungen zwischen Inden und Christen im Mittelalrer",- „Targnm Onkelos" mit Unterstützung der Berliner Akademie der Wissenschaften, „Geschichte der Inden in Rom", „Ans dem Leben der deutschen Inden im Mittelalter" und „Randbemerkungen zum täglichen Gebetbuch der Indens. Eine Fortsetzung dieses epochalen Buches gelangte am 80. Geburtstag des Gelehrten zur Ausgabe. B. stammte ans Obersitzko (Pr. Posen), war zuerst Prediger in Armswalde (als Nachfolger des verstorbenen Rabbiner Dr. P. Neustadt, der von A. nach Kolberg berufen wurde), ging dann nach Berlin, wo er zunächst Stistslehrer wurde, bis ihn Rabbiner Dr. Jsr. Hildesheimer an sein neubegründetes Rabbiner-Seminar berief. Die Regierung verliest ihm den Professortitel, um die Berliner philosophische Fakultät ernannte ihn zum Ehrendoktor. Ehrenvoll ist der Nus, den ihm seine dankbaren Hörer widmen. Ein Gelehrter, dem die Geschichte und Literatur des Judentums aus den verschiedensten Gebieten unendlich viel verdankt^ war er zugleich ein trefflicher Lehrer, der seine Jünger in das rechte Verständnis des jüdischen Schrifttums einzuführen und sie durch liebevolle Anleitung zn selbständigen wissenschaftlichen Arbeiten anzuregen verstand. Aus all seinen Veröffentlichungen sprach die begeisterte Liebe zum Judentum, zn dessen besten Söhnen er gehörte. Mit seiner liebenden Fürsorge begleitete er alle seine Schüler ans ihrem Lebensweg. Sein Andenken wird allen, die zn seinen Füßen sitzen durften/ unvergeßlich sein. Eine Trauerfeier fand am Beerdigungstage mittags in der Synagoge in der Artilleriestraße statt, deren Gemeinde Adas Jisroel er als Repräsentations-Vorstand leitete. Vorstand und Repräsentanten, sowie das Kollegium des Seminars waren vollzählig erschienen. Die Gedächtnisrede hielt Rabbiner Dr. Meier Hildesheimer. Dann gedachte der Rektor Dr. H o f s m a n n des Verstorbenenals bedeutenden Wissenschaftlers und Lehrers. Darauf wurde die Leiche nach dem Friedhof der Gemeinde, Falkenberger Chaussee in Weißensee,, zur Beisetzung überführt. Am Grabe sprachen noch Rabbiner Dr. Munk nnst- Oberrabbiuer Dr. Lerne r-Altona. Literatur Predigten und Vorträge von Rabbiner Dr. Ansbacher, Heilbronn. Grundsätze der jüdischen Lebeusauschauung in populärer Form behandelt. 1 Mark. Für 7 recht bescheidene Predigten ein etwas zu pompöser Titel. Aber das wäre das Wenigste, was wir an dem Büchlein anszusetzen hätten. Biel schlimmer ist, daß der Berfasier sich auf Gebiete begibt, die ihm gänzlich fremd zu sein scheinen. So zeigt er in seiner Ausführung über die Willensfreiheit, daß er diesem Problein ganz, verständnislos gegenübersteht. Ist ihm doch der Umstand, daß zwei Brüder, wie Jakob und Esan, verschieden an Anlage und Charakter sinh, ein genügelider Beweis für die menschliche Willen-- sreiheil! Demnach sind Kant und Schopenhauer die reinsten Waisenknaben gewesen! Die talmudische Sage vom Oelkrüglein der Makkabäer ist dem Verfasser schon deswegen eine h i st o r i s ch e Begebenheit, weil das Chauukkafest — acht Tage gefeiert wird, anstatt sieben Tage wie Peffach und Snkkaus (so beim Vf. statt Snkkoth). Er weiß: also nicht, daß nach dem 2. Buch der Makkabäer (I, 9. 18) das Chanukkafest als Nachfeier des Lanbhütteufestes gedacht war, wobei man den ZsNsrnüii-^issrslili-Tag mitzählte. Vonj einem wunderbaren Oelkrüglein wissen weder die Makkabäer-Bücher Hnoch Josephus etwas zu erzählen. Trotzdem wünschen wir dem Büchlein recht viel,' Käufer, da der Reinertrag zum Teil für die durch den Krieg Betroffenen bestimmt ist. Prof. Dr. Kahan, Znaim. Austritte uns dem Judentum. Grün bäum Elsa, Kontoristin, geb. 12. Juni 1889 in Wien. II., Tandelmarktgasse 19. May Richard, Dr. Regimentsarzt, geb. 18. Jänner 1887 in Wien^ Y., Margarethenstraße 102.

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