Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1915
- Issue
- Heft 18 (7.5.1915)
- Date
- 1915-05-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Wahrheit Seite 7. Nr-. 18. Sowie'aber Mannheimer auf dem glotzen Schauplätze der öffeirtlicheu, staatlichen JtsstitütionÄl .'noch - immer^ der ' indische Seelsorger bleibt' und' als solcher sich betätigt, ebenso vernachlässigt er auch nie s.ine Pflichten als Garte und^Väter. Von Kremsier aus, wo er als' Deputierter weilt, schickt er seine Grüße nach Hanse seiner Gattin und seinen Kindern mnd spricht zu ihnen so liebevoll, zärtlich und fürsorglich als ob keine anderen Gedanken seinen Kopf und sein Herz : beschäftigten. Das Bild, welches uns Mannheimers Briefe selber vor Äugen führen, ist ungemein rührend und- bis ins Innerste der Seele ergreifend. Denn wir sehen hier den Volksvertreter und Deputierten, wie er fast Tag und Nacht arbeitet, sich anstrengt und abmüdet, um die Protokolle ansznarbeiten und die Paragraphe zu formulieren, die er dem Plenum des Hauses, welches ihn zu dessen Sekretär designiert chatte, vorlegeu darf und wie er da arbeitet voller Unruhe, Spannung nnd Aufregung, weil manche der zu behandelnden Paragraphe die vitalsten Interessen seines Volkes tangieren, die er also mit besonderer Vorsicht und Geschicklichkeit referieren muß, und hiebei noch geplagt wird von einem körperlichen Uebel, der Gicht, an der er seit langem schon laboriert und die ihm auch jetzt keine Rithe läßt und bei alledem, trotz solcher Anstrengung, trotz solcher Inanspruchnahme ringt er sich noch eine Stunde ab, um auch seinen Nächsten beruhigende Nachrichten zukommen zu lassen und seine zärtliche, väterliche Fürsorge ihnen znzuwenden. Wer vermag bei dieser Betrachtung ungerührt zu bleiben, wer kann dem erhabenen Gatten und Vater seine Bewunderung versagen! Kein Wunder also, wenn Mannheimer heiß geliebt wurde von seiner Familie, hochgeschätzt ivard von seinen Freunden, hochgeehrt und ausgezeichnet wurde von seiner Gemeinde und seinem Volke und auch anerkannt und gelobt worden ist von den staatlichen Behörden und hohen Würdenträgern. Der Name Mannheimer wird noch auch in der spätesten Zilkunft — gesegnet bleiben. Die Mge Hai lrnr;e Deine. Den vortrefflichen Artikel „Autisemitische Gelehrsamkeit" des gelehrten Herrn Professor Dr. Kahan in Nr. 16 der „Wahrheit" habe ich mit besonderem Interesse gelesen. Bezüglich des in demselben erwähnten Sprichwortes „Die Lüge hat kurze Beine" — unsere Weisen behaupten sogar, daß ihr überhaupt die Beine ganz fehlen, Scheker -en lo raglajim (Osiot de R. Akiba) — gestalte ich mir folgendes zu bemerken: Das Lebenselement des geborenen Lügners, bildet unstreitig die Lüge, mit der er steht und fällt. Selbstverständlich mnß er alle Hebel in Bewegung setzen, um der Lüg»', der allein er seine Existenz zu verdanken hat, die weiteste Verbreitung verschaffen zu können. Wie aber sie vorwärts bringen, wenn ihr die Beine fehlen? Dafür hat die moderne weit fortgeschrittene Technik gesorgt. Da für Menschen, denen die Beine, oder die Arme fehlen, künstliche Gliedmaßen verfertigt werden, so glaubt der Lügner auch für seine Lebensretlerin, die Lüge, von der modernen Technik Gebrauch machen zu können. Mit künstlichen Beinen wäre ihr wohl nicht geholfen, da sie mit solchen nicht weil fortkommen könnte, sondern er versieht sie mit künstlichen Flügeln of haschomajim jolich es hakaul — feindliche Llüger sorgen dafür, daß alle möglichen rein ans der Luft gegriffenen Lügen, Märchen und Ersindnngen in die weite Welt dringen. Menschen gegen Menschen hetzen, aufregen, erbittern und zum Kampfe anfstacheln. Allein alle Bemühungen und Bestrebungen der Lügner bleiben am Ende doch wirkungslos, denn Eures meerez tizmoch, die Wahrheit sprießt von der Erde hervor, wezedek ■mischomajim nischkof und die Gerechtigkeit der Allerhöchsten blickt hinab; beide, die Wahrheit und Gerechtigkeit, erfassen die in der Luft flatternden Lügen, stürzen sie tief Lu Boden hinab, wo sie wie Seifenblasen zerplatzen. Der Lügner, Heuchlet und Frömmler kann wohl einige Zeit in weiter Ferne sein Unwesen treiben» am Ende gibt es ja überall Leute mit gesundem Menschenverstände, die den Schleicher dnrchblicken, ihn entlarven, nnd das Handwerk ihm legein Kuscbta koi' Scbikero lau koi. Die Wahrheit besteht, die Lüge vergeht. Beri tas. Die Dorgefchichle des Krieges. Die Unterwelt hielt wie alljährlich Die Generalversammlung ab; (Wahrscheinlich ist sie unentbehrlich Auch in des Satans weitem Stab.) Der Andrang zu dem Fegefeuer, Dort, wo das Sitzungszimmer war. War diesmal grade ungeheuer. Wie selten noch in einem Jahr. Viel Teufelvolk in Uniformen, Gespensterfrau'n in Höllenpracht Mit Federbnsch von Rieseuformen, Wie sie der Belzebub erdacht. . . Der Satan, strotzend ganz von Golde, Mit Krön' nnd Szepter, war auch da; Daun Furien, Nixen nnd Kobolde, Mit ihnen anch Frau Cholera. Die Drachenmäuler spieen Gluten Und sie beleuchteten den Saal. Lichtipendeud lohten Schwefelfluten: Hell waren Vorraum nnd Portal. Es drängten Teufel mit Chroniken Heran sich an den grünen Tisch Und aus den Dynamitfabriken Kam Eisensplitter an anch frisch. — Die Tagung in dem Fegefeuer. Galt sonst der Unterwelt als Fest; Der Obmann war ein Ungeheuer Und Referentin tvar Frau Pest. Der Präsident — nach Geisterweise — Erhob sich und die Glocke schwang, Da ward zu Satans Ehr' und Preise Gebracht ein röchelnder Höllensang. Mit Grinsen und mit Koboldgeste Ergriff der Obmann drauf das Wortk „Ich grüße euch, liebwerte Gäste, Euch Frauen und Herren nnd so fort; Gemeldet sei zum Referate Die allergnädigste Frau Pest!" Frau Pest: „Verehrtest«: im Rate, Seid alle mir gegrüßt aufs Best'! Des Standes Interessen hegen. An uns tritt diese ernste Pflicht; Und alles wollen wir erwägen, Daß nicht die Macht znsammeubricht. Mit der die Menschen kraftvoll ringen Für die sie stellen Heer um Heer... Es soll den Menschen nicht gelingen Zn bannen uns aus Land und Meer. Es werderr Cholerabazillen Dem Tod geweiht in blauer Luft, Auch weiß man schon mit festem Willen Die Pest zu rufen in die Gruft. Und lassen reifen wir die Blüten, Die sorgsam pflegt der ..Geist der Zeit", Dann lebt bald unser Reich in Mythen Und nimmermehr in Wirklichkeit! . . .