Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1915
- Issue
- Heft 17 (30.4.1915)
- Date
- 1915-04-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Die Wahrheit •)t- 17 Sette 6 Heer aufzmlehmeu uub sie zu gewichtigen Gemeindeämtern zu berufen, welche einen scharfen Blick, einen klaren Geist und einen starken Willen erforderlich machten. Die Römer konnten sich aber auch keine besseren und nützlicheren Bürger als die Inden wünschen, die ihnen überall, bei der Organifation des Verkehres nnd der Z i v i l i f i e r u u g n e n e r Gebiete behilflich waren. Den römischen Adlern folgte sowohl der jüdische Krieger als auch der j ü d i s che Kult n rs o l d a t. Die Römer, die Kräfte der Inden als Knltnrpioniere ernennend, riefen jedesmal, wenn es sich um neu erworbene Gebiete, die nach der Eroberung fast ganz entvölkert waren, handelte, die Juden herbei, ihnen die Wiederbelebung des Landes, die Erzeugung neuer und schöner Kultur übertragend. Was die Juden ans solchen brachliegenden Gebieten gemacht, das weiß die Geschichte zu erzählen. Zum Teile verwandelten sie sich in blühende Gärten, Handel nnd Gewerbe entwickele« sich und an dem Aufschwünge des geistigen Lebens haben die Inden keinen geringen Anteil gehabt. Wollen wir ein Bild von dem Verkehre gewinnen, welchen die Inden mit den den Römern unterworfenen Völker» unterhielten, io fällt dies bei dem Dunkel der alten Ueberliefernngen etwas schwer. Wir wissen ans der Geschichte nur, daß sie den Bedürfnissen des nationalen und internationalen Verkehres dienten, z. B. den Austausch der land» wirtschaftlichen Produkte der ackerbatttreibenden Germanen mit der zivilisierten Welt vermittelten und dieser dafür einen Anteil an den Genüssen des hochentwickelten römischen Knlturlebens sicherten. Doch beschränkten sie sich keineswegs ans diesen Zwischenhandel, sie wurden vielmehr selbst Produzenten. betrieben selbst Ackerbau und sicher auch Industrie der verschiedensten Art. namentlich in den Gegenständen, die den germanischen Völkerschaften ein notwendiges Bedürfnis geworden waren. So übten die Inden im Römerreiche auf die allgemeine Knltnrentwicklung einen belebenden Einfluß. Im Sturme fast hatte die Intelligenz der Schützlinge Eäsars ihnen im römischen Reiche einen Ehrenplatz erobert und ihr durchaus solides Leben, ihr Fernbleiben vom schwelgerischen Treiben der römischen Welt, ihre Rechtschaflenheit im Verkehre und last not lsast ihre z u r S t a a t en g r ü n d u n g vorzüglich befähigten Eigenschaften erwarben ihnen auch die Achtung nnd die Wertschätzung aller Volkskreiie, in denen sie sich zu bewegen halten. Diese hochgeachtete Stellung, deren die Inden im heidnisch-römischen Reiche sie erfreuten, sie währte bis zur E rstarknng des Christeutumes, denn schon die ersten christlichen Kaiser, namentlich Konstantin, zeigten eine feindselige Haltung ihren jüdischen Untertanen gegenüber, und so waren sie in dem Lande, dem sie ihren besten Kräfte gelvidmet, für dessen Wohlergehen sie wie die eigentlichen Römer Gut und Blut eingesetzt, Geduldete und Geächtete geworden. Peinliche Sjrneu in einer Kertiner Synagoge. Auf Einladung des Syuagogenvereiues in Charlottenburg, Fafaueustxaße, sollte die bekannte Schauspielerin Hedwig Wangel, ehemals Mitglied der Reinhardtschen Bühileu, in der Synagoge eine Vorlesung ans dem Alte« Testament halten. Sie las jedoch nicht aus dem Alten Testament, sondern aus dem Neuen Testament vor. Die Zuhörerschaft, die zum großen Teile ans Inden bestand, wurde von großer Unruhe ergriffen. Diese Unruhe teilte sich auch der Vortragenden mit und stau weiterzulesen, hielt Hedwig Mangel eine freie Rede, in der sie zrim Christentum anfforderte. Es kam zu großen Tumnltszenen, die nur dadurch eil, Ende fanden, daß einer der Au wesenden die Geistesgegenwart befaß, die .-Orgel mit den lautesten Tönen erschallen zu lassen. Der Vorsitzende des Syuagogenvereines wird wegen dieses Vorfalles seine Stelle niederlegeu. Von anderer Seite wird mitgeteilt, daß gegen Hedwig Mangel die Anzeige wegen ReligionSstörnng erstattet werden soll. Freilich würde eine solche Anzeige wenig Sinn haben. Denn Mangel, die schon seinerzeit durch ihren plötzlichen Abgang von der Bühne von sich reden machte, ist eine höchst exzentrische Frau. Die Synagoge in der Fasanenstraße ist eine der neueren Synagogen Berlins und sehr reich ansgestaltet. Ihre Vertäfelung stammt ans den kaiserlichen Schamottewerken nnd der Kaiser selbst besuchte seinerzeit anläßlich der Einweihung die Synagoge, begleitet von seinem Flügeladjntanten. Der Synagogenverein und insbesondere die Synagoge wird von dem Großindustriellen Simon, der sich bekanntlich der Freundschaft des deutschen Kaisers erfreut, am meisten gefördert. Die größte Schuld an dem geschilderten peinlichen Vorfälle trägt unbedingt die Synagogenverwaltnng, da selbst in so' außergewöhnlichen Zeiten, in benen wir jetzt leben, die Bestimmung der Synagoge nicht vergessen werden darf und es ist auf das schwerste zu tadeln, wenn sie, wie in dem vorliegenden Falle, zu anderen als gottesdienstlichen Zwecken verwendet wird. Gegen die Inden in der russischen Armer. Das Blatt „Rjetsch" wendet sich gegen einen Artikel des echtrnfsischen Blattes „Semtschina", worin angeraten wird, sämtliche Inden aus der russischen Armee zu entfernen, weil sie Verräter und Feiglinge feieu und der Armee mehr Schaden als Nutzen brächten. Wenn sie schon im Lande schädlich seien, könnten sie noch weniger au der Front nützen, wo sie die russischen Truppen demoralisieren nnd eine regierungsfeindliche Propaganda treiben. „Rjetsch" fragt, wie derartige Aenßernngen möglich seien, denn dann hätte ja Deutschland recht mit seiner Erklärung, daß es die unterdrückten Nationalitäten befreien wolle. Auch in Deutschland nnd Frankreich gebe es antisemitische Blätter, aber solche Auslassungen seien dort undenkbar. Wo bleibe die russische Zensur, die solchen Blättern eine derartige Schreibweise gestatte? Die wirklichen Verräter des Vaterlandes seien die echtrussischen Leute. Kriegsfpriiche. in. Wenn dein Feind hungert, gib ihm Brot zu essen. (Spr. 25, 21.*) Wenn dein Hasser fällt, freue dich nicht. (28, 17.) Schlechte Wage, Unrecht üben, ziehen Krieg nach sich. (Deut. 25, 14, 17.) Der König Hlskia zeigte den babylonischen Gesandten ein Schwert, welches das andere verzehrt. Sain ochol sain. (Syuh. 11.) Nicht immer erringen die Helden den Sieg. (Koheleth.) Die Soldaten fühlen den Krieg, der Sieg aber wird den Heerführern zugeschrieben. Der Krieg ist eine wandernde Plage, welche selbst die an ihm nicht beteiligten Völker in Mitleidenschaft zieht. Chereb scbel Sckolaum. Eine Frau darf nicht mit den Waffen des Mannes in den Krieg ziehen. (Dent. 22. 5. Nasir 8.) Während des Pflichlkrieges wurde der Genuß von unreinen Tieren erlaubt. (Chnlin.) Das von feindlichen Räubern geplünderte Gut darf nicht gekauft werden, weil sein Eigentümer das Besitzrecht nicht anfgegeben hat. Dieses Gesetz (Sikarikon, Dolchmänner) wurde im letzten jüdischen Kriege allsgehoben, weil die Eigen- *) Krieg und Brot haben im Hebräischen eine gleiche Wurzel, Lechem, Nicht. 5. 8, inan kämpfte um das tägliche Brot. Spr. 30, 8. Wer für heute Brot genug hat mtb für morgen sorgt, den nennt der Talmud kleinmütig.