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Die Wahrheit · 1915-04-09 · Heft 14 (9.4.1915) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 14 (9.4.1915)
Date
1915-04-09
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 15 Ungefähr 100.000 Seelen haben tut September 1306 Frankreich verlassen; nnter diesen Exulanten befand sich attch R. Aron b. Zerach mit seiner Familie, der Estelle, eine damals sehr bedeutende Gemeinde in Navarra, zu seinem neuen Domizil gewählt hatte. Hier wurde ihm 1310 sein Sohn Menachem geboren, dem er, wie seinen übrigen Söhnen, frühzeitig die Pforten der jüdischen Wissenschaft erschließen und in allen Fächern einen gründlichen Unterricht erteilen ließ. Achtzehn Jahre später jedoch, nämlich 1328, erlitt die Familie des Aron b. Zerach daselbst ein trauriges Ende. Ein Franziskaner, tiamens Pedro Olligoyen, stachelte den Pöbel gegen die Juden aus, und da die Navarraensen damals ohnedies über die Inden erbittert waren, weil man ihnen v o r g a b, daß die Juden ihrett Bestrebungen, sich von Frankreich losznretßen, heimlich entgegenarbeiten, so genügte die leiseste Anregung von außen, um loszuschlagen. Racheschnanbend und wutentbrannt überfielen dte von dem Franziskanermönch aufgestachelten nnd angefeuerten Esteller die armen, verleumdeten nnd verdächtigten Juden am 5. März 1328 und mordeten nach Herzettslttst unter dem Geschrei: „Tod den Juden oder ihre Bekehrung." Aron b. Zerach, seine Frau und vier Söhne fanden an diesem verhängnisvollen Tage ebenfalls den Märtyrertod. Menachem, den die Barbaren gleichfalls niedergestreckt hatten, lag besinnungslos, schwer verwundet, unter den Leichen bis zur Mitternachtsstunde, allein eilt edler Ritter, der ein Freund der Familie b. Zerachs war, nahm sich seiner mitleidsvoll an, reichte ihm Labung und ließ ihn in seinem Hanse pflegen, bis er sich vollständig erholt hatte. Sodann setzte Menachem seine talmudischen Studien unter der umsichtsvollen Leitung seines Lehrers Josua Jbn Schoabib fort und bezog später die Hochschule des berühmten R. Inda Ascheri in Toledo, wo er sich seiner eminenten Gelehrsamkeit wegen eines bedeutenden Rufes erfreute. In seinem vierzigsten Lebensjahre stand Menachem b. Zerach selber einer talmudischen Hochschule in Alkala vor. Allein auch hier war ihm nicht lange die ungestörte Ruhe gegönnt, denn als in Castilien der Bürgerkrieg ausbrach, wurde auch er von den wilden, blutgierigen Soldaten überfallen, beraubt und verwundet. Don Samuel Abravanel nahm sich seiner in edler, hochherziger Weise an, so daß er — dem bloß sein Haus, ein Stück Feld und die Bibliothek geblieben — sich da bald wieder erholen kottnte. Auf Empfehlung Samuel Abravanels wurde er von der Toledaner Gemeinde, die gerade das damals vakant gewordene Rabbineramt tteu besetzett wollte, zum religiösen Oberhaupte ernannt. Von seinen literarischen Schriften verdient besonders sein „Zeda laderech“ hervorgehoben zu werden. Und so könnten noch zahlreiche ähnliche, von Tyrannei nnd Barbarismus zeugende Fälle, die in früheren Zeiten in Frankreich vorgekommeu sind, angeführt werden. Was Wunder also, daß die jetzige französische Generation es nicht unter ihrer Würde hält, sich mit den russischen Kannibalen aufs innigste zu befreunden, zu verbünden, ihre Greneltaten zu beschönigen und zu verteidigen. Die jüdisch-polnischen Flüchtlinge hatten Heuer, wenn sie auch in Baracken wohnen müssen, wahrhaftig besottders Ursache, das Pessachfest in würdiger, weihevoller Weise ztt feiern, dem himmlischen Vater zu danken, daß es ihnen rechtzeitig gelungen sei, den Nachstellungen der moskowitischen Pogromhelden, diesett blutdürstigen Bestiett, entkommen zu sein nttd außerhalb Galiziens Zufluchtsstätten gefunden zu haben. Neben der Geschichte von Jezias Mizraim können sie ihren Kindern auch die von Jezias Galizien Webukowina erzählen und mit dem Rabbi in der Hagada ans» rufen: „Die göttliche Verheißung hielt uns und unsere Väter aufrecht, denn es hat nicht bloß einen gegeben, der sichs zur Lebensaufgabe gemacht, uns zu vernichten, sondern in jedem Zeitalter haben sich Barbaren ausgemacht, uns zu vertilgen, allein der Heilige, hochgelobt sei er, stand uns bei nnd befreite uns aus ihrer Gewalt." Möge tmtt der Allgütige auch jenen unserer Brüder, denen es nicht mehr möglich tvar, beit Ungetümen zu entrinnen, beistehen und sie ans dem Rachen dieser Barbaren in Bälde befreien, erlösen, überhaupt unser teures Vaterland bewahren, beschützen und die blutgierigen Feinde desselben empfindlich bestrafen, züchtigen und kampfunfähig, machen, auf daß sie es nie mehr wagen können, unser geliebtes Vaterland zn behelligen und zu belästigen. Das walte Gott! Dr. M. H. Fried län der. Uerschiedene Unchrichle» Wien. Wie eine Londoner Depesche meldet, ist dort Lord Rothschild gestorben. Nathanael Mayer Lord Rothschild, der am 8. November 1840 geboren war und somit ein Alter von nahezu 75 Jahren erreicht hat, war der Seniorchef des Londoner Hauses Rothschild und genoß nicht nur wegen seines großen Vermögens und der Position seines Bankhauses unter der Firma „N. M. Rothschild und Söhne in London" das größte Ansehen, sondern er hatte sich durch seine hervorragenden persönlichen Eigenschasten und seine im größten Stil geübte Wohltätigkeit einen ersten Platz in der englischen Gesellschaft zu schaffen verstanden. Laut testamentarischer Bestimmung seines Onkels Antony, der im Jahre 1876 starb, folgte er ihm in dessen Barvnetctznnd er wurde dann später — und zwar im Juni 1885 unter Königin Viktoria — der erste Lord jüdischer Abstammung und der erste Rothschild, dem die Würde eines Peers von England verliehen worden war. Lord Rothschild war durch viele Jahre Präsiden der isrnelitische» Hanptgemeinde in London. Außer den verwandtschaftlichen Beziehungen mit dem Wiener Hause Rothschild war Lord Rothschild auch in lebhaften geschäftlichen Relationen mit der österreichisch-ungarischen Monarchie. Der Verblichene stand an der Spitze großer Wohltätigkeitsinstitute in England und war unter anderem auch Präsident des englischen Roten Kreuzes. Für seine Verdienste in dieser Stellung war er erst kürzlich durch ein überaus schmeichelhaftes Handschreiben des Königs von England ausgezeichnet worden. Der älteste Sohn Lord Rothschilds, Lionel Walter, hat sich durch seine wissenschaftlichen Arbeiten einen Namen gemacht, ein zweiter Sohn, Charles, hat sich im Jahre 1907 in Wien mit Rozsika v. Wertheimstein vermählt. Die Brüder des Verblichenen, Alfred und Leopold, führen die Geschäfte des Londoner Hauses weiter. Wien. (Prediger Mannheimer-Stiftung.) Am 17. Oktober jedes Jahres gelangen die Zinsen des „Prediger Mannheimer-Vereines" zur Verteilung. Anspruch auf diese Unterstützung haben bedürftige Rabbiner, Prediger und Lehrer in Oesterreich-Ungarn,, welche dienstunfähig geworden sind, oder deren unversorgte und vermögenslose Witwen und Waisen. Die Bewerber müssen in einer Gemeinde durch eine Reihe von Jahren das Amt in würdiger Weise verwaltet haben. Die Würdigkeit und Bedürftigkeit der Bewerber, sowie die Dienstunfähigkeit sind nachzuweisen. Unbelegte oder mit Urkunden in fremden Sprachen belegte Gesuche werden nicht berücksichtigt. Ungestempelte Gesuche sind längstens bis am 30. Juni jedes Jahres unter der Adresse: „Vorstand des Prediger Maunheimer-Bereines" in Wien, I., Eßlinggaffe 7, zu übersenden. Wien. Bei dem am 1. Peffachtage im Leopoldstädter ^.Tempel abgehaltenen Festgottesdienst wurde dem allgemein verehrten 1. Vicepräsideuten der Kultnsgemeinde Landesschulrat Dr. Gustav K o h n anläßlich seines 75. Geburtstages eine spontane Ehrung bereitet. Nachdem Oberkantor M o r g e n st e r n in Begleitung des Gesamtchors einen selbstverfaßten Segensspruch meisterhaft vorgetragen hatte, hielt Rabbiner Dr. Max Grnnwald eine die vorzüglichen Charaktereigenschaften des Jubilars zeichnende Festrede. Landesschulrat Dr. Gustav K o h n war von der Ehrung tief gerührt nnd benützte auch diesen Anlaß, um. für wohltätige Zwecke Beträge zu spenden. Ueberaus zahlreich sind die Sympathiekundgebungen, die Herrn Dr. Gustav K o h n ans diesem Anlasse zngingen. Wien. In der Nacht von Dienstvg ans Mittwoch ist der Chefadministrator des „Neuen Wiener Tagblatt" Max Dukes im Alter von 64 Jahren gestorben. Dukes war der Begründer des Jnserateubureaus M. Dukes und kam vor etwa zehn Jahren zum „Neuen Wiener Tagblatt" als Chef der Administration. Bor zwei Jahren erfolgte auch seine Berufung in den Berwaltungsrat der „Steyrermühl". Er genoß wegen seiner hervorragenden Sachkenntnis begründetes Ansehen in den Kreisender Zeitungsadministratoreu und hat durch seine Gewandtheit viel znnl Erfolg nnd znm Aufschwünge des Jnseratenwesens beigetragen. Er hinterläßt eine Witwe und eine Tochter, die mit kaiserlichem Rat Emmerich L e ß n e r verheiratet ist. Wien. (Ka iserinElis ab etH-Lehrmädch en-n.Arb eite rinne u- He im) Am erste» Pefach-Abende fand im Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchennnd Arbeiterinnen-Heim eine erhebende Seder- Feier statt. An derselben nahmen nebst dem Präsidenten Herrn kais. Rat Regimentsarzt Dr. Krüger, dem Jnspektionsoffizier Herrn Oberleutnant Dr. Groß nnd einigen Borstandsdamensämtliche.Schützlinge des Heims sowie sämtliche im Heimspital befindlichen verwundeten und kranken jüdischen Soldaten teil. Nach Vortrag der. rituellen Gebete durch die Vorstandsmitglieder Herrn Josef May und Dr. Kanitz wurde sämtlichen Schützlingen nud Soldaten ein reichliches-

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