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Die Wahrheit · 1915-04-09 · Heft 14 (9.4.1915) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 14 (9.4.1915)
Date
1915-04-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 14. Die Wahrheit Seite 7. der Baron Hirsch-Stiftung, die kais. Räte Winkler, Alois Lemberger, Artur Leinberger, Wilhelm Nenber und Direktor Frendenverg. die Kommerzialräte Karl Sachsel (Prag), Grab, Leinkanf, E. M. Engel, Gottlieb Kantor. Max Schweiger, die Industriellen Leopold Lllrie, Julius Wolf, Ernst Götzl, Franz Katz und Theodor Schur, Bezirksrat Max Hiller, Finanzier Matthias v. Löbl. Kommerzialrat Winz, der Vize- , Präsident des Zionistischen Zentralvereines Josef H- Waltuch, Notar Dr. Julius Be» mann, die Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Adolf Ascher, Dr. Knöpfmacher, Dr. Albert Kuh. Doktor Julius Neumann, Dr. Josef Pick und Dr. Heinrich Stransky, die Gemeinderäte Dr. Ritter v. Dorn und Melcher, Präsidentin .FrauKadisch, Schriftsteller Dr. Moriz Löwy. Börseral Worlmaun, Bnchdrnckereibesitzer Alfred Waizner, Restaurateur Tonello, Abordnungen der Vereine „Adas Israel" und „Thora Es Chassim" unter der Führung des Obmannes Wolf Pappenheim. Die Börse für landwirtschaftliche Püodukte war vertreten durch: Börsekommissär Sektionsrat Alois Gerstenkorn und seinen Stellvertreter Dr. Hochdorf, die Vizepräsidenten Kommerzialrat Franz Marzy und Kommerzialrat Johann Brennig. den Kassenverwalter Kommerzialrat Moritz Kohn sowie durch viele Börseräte, den Generalsekretär Regiernngsrat Dr. Alexander Horovltz, die Beamten der administrativen und juridischen Abteilung und die Mitglieder des Schiedsgerichtes unter Führung des Präsidenten kaiserlichen und Kommerzialrates Karl Gibian. Dann waren zugegen Abordnungen des Berwaltungsrates und des Direktoriums der Oelindnstriegesellschaft, des Vereines zur Unterstützung Hilfsbedürftiger an der Wiener Börse für landwirtschaftliche Produkte, dessen Präsident und Ehrenmitglied Weil war, sowie Abordnungen zahlreicher anderer humanitärer Vereine. Nachdem Oberkantor Don Fuchs, begleitet von Kantor Jnrberger und dem Tempelchor, die Trauergesänge vorgetragen, wurde der Sarg ans den Döblinger Friedhof gebracht und dort zunächst in die Zeremonienhalle getragen. Dort wurden die üblichen Trauergebete verrichtet, worauf Rabbiner Dr. Feuchtwang die Gedächtnisrede hielt. Danach nahmen von dem Toten uoch Abschied : für die israelitische Knltusgemeinde Dr. Alfred Stern, für das Schiedsgericht und die Kammer der Börse sür landwirtschaftliche Produkte kaiserlicher und Kommerzialrat Karl Gibian. für die k. k. Landwirtschaftsgesellschaft Generalsekretär Regierungsrat Professor Häusler, sür den Oesterreichischen Zentralverein für Handel und Export landwirtschaftlicher Produkte Kommerzialrat Edmund Taussig, schließlich der Generalsekretär der Börse für landwirtschaftliche Produkte Regierungsrat Dr. Alexander Horovitz. Hierauf erfolgte die Beisetzung im eigenen Grabe. Ans dem Leben des K Menschen» t». Zerach. Gin Beitrag zur Geschichte der Juden in Frankreich. Vielleicht noch nie sind in einem Kriege die Völkerrechte in so bestialischer Weise verletzt worden, als in dem gegenwärtigen Weltbrande, den habgierige, herrsch- und rachsüchtige Machthaber mutwillig entzündet haben. Der russische Armeeoberkommandant hat einen auf die Vernichtung der Juden in den von den Russen besetzten Gegenden Polens und Galiziens zielenden Plan entworfen, den selbst ein Pharao nicht zustande gebracht hätte. Dieser wollte die edlen Kräfte der eingewanderten geistig begabten Hebräer für seine Interessen ausnützen, verdächtigte sie, indem er zu seinem Volke sprach: „Siehe, das Volk der Kinder Israels wird .zahlreicher und mächtiger als wir; wohlan denn! Wir müssen ihm durch List beikommen, sonst wird es zu groß und wenn -ein Krieg ansbrechen sollte, so wird es zu unseren Feinden übergehen und uns verraten" nsw. Es kam aber diesem Tyrannen doch nicht in den Sinn, diese Hebräer, die er ^ls „Verräter" verdächtigte, dem Henker auszuliefern- Der moderne russische Haman aber will seinem Urahn in Susan, dem Sprossen Amaleks, nachahmen und für alle Hebräer, die er in seiner Nähe in Verdacht hält, daß sie nicht ihm, sondern dem angestammten österreichischen Herrscher hause treu anhänglich seien, riesige Galgen errichten lassen, um sich am Anblick hängender Hebräer ergötzen zn können. Wahrlich, dieser große S ch l a ch t m e i st er har selbst den einstigen spanischen Großinquisitor Torqnemädo u. v. a. weit übertroffen. Das Traurige bei der Sache ist. daß die sogenannten Kulturvölker, Frankreich und England, mit diesem weltzerstörenden. kulturvernichtenden Rußland aufs innigste verbündet find. Wenn man jedoch in der Geschichte der Inden ein bischen Umschau hält, so gewinnt man die Üeberzeugung. daß die Kuliur der gegenwärtigen französischen Generation nichts anderes, als äußere Politur war. die ihr der russische Meister ans die leichteste Weise abkratzen konnte, denn die Ahnen der jetzigen Franzosen waren nicht viel besser, als die unverbesserlichen Russen. Zur Begründung dieser Behauptung möge folgende Episode dienen: Einer der hervorragendsten Schüler des berühmten R. Inda A'cheri in Toledo war R. Menachem b. Aron b. Zerach (ged. 1310. gest. 1385). Sem Vater R. Aron b. Zerach gegärte zu den französischen Exulanten, die am 10. Ab 1306 plötzlich auf Befehl des schlauen, geldgierigen König Philipp IV. des Schönen in Haft gebracht wurden, wo ihnen die sie überraschende, tiefbelrübende Mitteilung gemacht wurde, daß sie, bei Vermeidung der Todesstrafe, binnen Monatsfrist Frankreich unter Zurücklassung ihrer schwer erworbenen Güter zn verlassen haben, (Minchat Kanaot 100). Die Ursache dieser aller Völkerrechte hohnsprechenden Verfahrnngsweise soll folgende gewesen sein: Der deutsche Kaiser Albrecht, ein entschiedener Gegner Philipps, hatte von ihm — unter anderen an ihn gestellten Anforderungen — in apodiktischer Weise verlangt, ihm die französischen Inden als seine Untertanen, d. h. als seine Kammerknechte zuerkennen zu wollen, weil er als der eigentliche Nachfolger Vespasians, Titus und Karls des Großen betrachtet werden müsse. Hierauf legte Philipp diese Rechtsfrage seilten Rechtsgelehrten zur Entscheidung vor und als diese entschieden, daß der Kaiser dieses Hoheitsrecht über die Juden zn beanspruchen berechtigt sei, faßte er den Entschluß, die armen wehrlosen Juden seines Reiches ihres Vermögens zn berauben und sie nackt dem Kaiser Albrecht zn überschicken. In grausamster Weise wurden die Unglücklichen ihrer ganzen Habe beraubt. Man ließ ihnen nichts mehr als die Kleider, die sie am Leibe hatten. Ihr Gold, Silber, Edelsteine und sonstigen Kostbarkeiten, alles wurde ihnen entrissen und dem ranbsüchligen König Philipp zugeführt. Der Chronist Ottokar Hornek schildert diesen grauenhaften, von Tyrannei und Barbarei zeugenden Akt des Königs in folgenden Versen: „Und was Mann oder Weib Gewandes hatten am Leib, Das ließ man ihnen an. An andern Dingen, Gold, Silbervast, Fingerlein, Fürspann und was mochte sein, Daran echtes Silber war. Zusammen das nahm man los Und führte das spät und früh Dem Könige auf Wagen zu. Kleider und Perlgewand, Haltsgerät und was man fand. Das ward um Pfennig verkauft. Und wie viel Gut auch einer mochte haben. Nicht mehr mau ihm gab Bon aller seiner Hab' Als zwölf Tournays Zn seiner Ansreis."

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