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Die Wahrheit · 1915-04-09 · Heft 14 (9.4.1915) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 14 (9.4.1915)
Date
1915-04-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 8. Die Wahrheit dir. 14 beschäftigt ist. Mein Honved-Gefreiter gab auch einige Schüsse ab, während ich mit dem Feldstecher die Wirkung beobachtete. Das Feuer der Russen gegen meine Schwarmlinie wurde Lebhafter. Schiffer war beunruhigt, daß ich in diesem lebhaften Feuer ungedeckt liege, kroch zu mir heran und stellte mit seinen beiden Händen eine Art Deckung vor mir her. Es ist das vielleicht eine Kleinigkeit, aber oft steckt anch in der so unbedeutend scheinenden Tatsache ein großer Schatz. Man muß nur forschen und nicht einfach darüber hinweggleiten. Im ganzen zweiten Feldbataillon, ich kann sogar sagen im ganzen Regiment war der „Nenmann-Jnde" eine allbekannte Figur. So nannte sich mein Honved Julius Neu mann. Im bürgerlichen Leben beschäftigte er sich hauptsächlich mit dem Pferdehaudel, deshalb verkaufte und kaufte er auch andere Dinge. Anläßlich eines langweiligen Aufenthaltes im Schützengraben sprach ich mit ihm. Es war von seinem Zivilbernf die Rede. „Bor dem Kriege", sagte er, „war ich Pferdehändler und Bräutigam". Er zeigte mir auch eine Photographie. Wahrhaftig er verstand sich auf alles. Er war selbst in den ärmsten Gegenden der Proviantlieferant meiner Kompagnie. Für unsere Küche verschaffte er Hühner, Gänse, Schweine, einmal sogar einen mächtigen Hirschen. Er verstand das Metzger- und Fleischhauergewerbe und konnte einen prächtigen Gänsebraten bereiten. Ich erinnere mich, daß er mir einmal auf meinem Beobachtnngsposten den duftigen, vorzüglich ansgebratenen Gänsebraten brachte und bot mir ihn mit den folgenden Worten an: „Herr Hanptmann, befehlen bitte einen vorzüglichen rituellen Braten!" Seinen Satz schloß er mit hebräischen Worten; er sprach anch diese Sprache. Wenn ich mit der galizischen Bevölkerung oder mit unseren russischen Gefangenen sprechen wollte, so rief ich nur den „Nenmann-Juden". Häufig lachten wir über seinen prächtigen Humor. In dem größten feindlichen Feuer, während der mühseligsten Märsche, half mir sein großartiges Gemüt meine Mannschaft in guter Stimmung zu erhalten. Reumann war mein Mann für alles. Ich schickte ihn in Patrouillen ans. er handhabte das Telephon meiner Kompagnie und ich nahm ihn als Boten. Im lebhaftesten feindlichen Feuer, jede Vorsicht außer acht lassend, vermittelte er zwischen mir und meinem Vorgesetzten Kommando Berichte oder umgekehrt Befehle. Wenn ich ihn energisch anschrie, er möge doch besser auf sich Acht geben und nicht so waghalsig sein, antwortete er: Bitte, Herr Hauptmann, meinetwegen nichts zu fürchten. Den Nenmann-Juden meidet die Granate." Einmal aber hätte sie ihn beinahe nicht gemieden; er kroch nämlich aus der Deckung hervor, um Aepfel zu holen. Kaum war er draußen, platzte über seinem Kopfe ein Schrapnell. In einer Sekunde war er in der nächsten Deckung und krähte wütend zu den Russen hinüber. Er krähte überhaupt sehr gerne und erzielte bei meiner Kompagnie immer eine große Wirkung. Wenn er müde wurde, blieb er einen Augenblick stehen, blies mächtig von sich und krähte nur noch lauter. Auch seinen Gefühlen gab er auf solche Weise Ausdruck. Bei einem Vordringen bekam meine Schwarmliuie starkes Jufanteriefeuer. Neumaun gab auch seinem Mißfallen durch ein in weinerlichem Tone hervorgebrachtes Krähen, womit er wie immer auch jetzt bei meinen Soldaten allgemeine Heiterkeit erweckte. Ein solcher Mensch ist im Kriege gar nicht abzuschätzen. Es fällt mir schwer, mich mit ihm so kurz zu beschäftigen, denn sehr, sehr viele Vorfälle knüpfen sich au seinen Namen. ..Unser Nenmann-Jnde" ist ein interessanter und wertvoller Mensch. _ Kais. Kat Jonas Weil. Der Vizepräsident der Börse für landwirtschaftliche Produkte, kaiserlicher Rat Jonas Weil, ist am 31. März infolge eines Herzschlages plötzlich aus dem Leben geschieden. Der Verblichene war eine der bedeutendsten und angesehensten Persönlichkeiten der österreichischen Handelswelt und galt vermöge seiner profunden. Fachkenntnisse und seiner hervorragenden kaufmännischen Qualitäten als eine Koryphäe in allen Fragen der landwirtschaftlichen Produktion. Kaiserlicher Rat Jonas Weil gehörte anch durch eine Reihe von Jahren dem Vorstände der Wiener Knltnsgemeinde an und auch in dieser Körperschaft wurde sein vornehmer, edler Charakter, sein reiches Wissen und seine unermüdliche Arbeitskraft geschätzt und anerkannt. Seine persönliche Liebenswürdigkeit vermied wohl gerne Konflikte, aber den großen und prinzipiellen Fragen, die in der Kultnsgemeiude im Laufe der Jahre anftanchten, ging er nicht aus dem Wege, sondern vertrat immer mit offenem Freimut seinen Standpunkt, wenn auch derselbe von der Meinung anderer abwich. Das Andenken au seine Wirksamkeit wird auch hier ein dauerndes sein. Ungemein zahlreich war die Teilnahme am Leichenbegängnisse, das Freitag, den 2. April vom Trauerhause, I., Nenthorgasse 2, stattfand. Die Witwe Frau Rosa Weil mit ihren Kindern und den übrigen Familienmitgliedern umstanden den Metallsarg, der die Leiche barg. Die Zufahrt .der Trauergäste hatte schon um halb 10 Uhr begonnen. Es hatten sich unter anderen eingefnnden: Eisenbahnminister Dr. Freiherr v. Förster und Ackerbanminister Dr. Zucker, die Sektionschefs Präsident der Donandampfschiffahrtsgesellschaft Dr. Franz Ritter v. Schonka, Dr. Franz Müller und Dr. Seidler, als Abordnung der Abteilung XII des Kriegs- Ministeriums die Intendanten Franz Tichnrn und Heinrich Krug und Oberleutnant Stein, die Hofräte Dr. Maresch und Dr. Schlag, Sektionsrat Dr. Angerer, Ministerialselretär Dr. Rothe, der Präsident der israelitischen Knltnsgemeinde Dr. Alfred Stern mit den Vizepräsidenten Dr. Gustav Kohn und Hofrat Dr. Rappaport und den Vorstandsmitgliedern Dr. Josef Breuer, S. Brod, Dr. Jakob Ehrlich, Moritz B. Eisler, Architekt I. Gärtner, Professor Dr. S. Ehrmann, Ernst Hirsch, Emannel Hoffmann, Dr. Felix Katzan, Doktor- Leopold Kohn, Karl Lemberger, Professor Dr. Josef Pollak, Dr. Isidor Samnely. kais. Rat Adolf Schramek, Dr. Heinrich Schreiber, Eduard Schwarz, Kommerzialrat Leopold Simon, Samuel Steiner, Alois Weishnt und Max Zirner, Oberrabbiner Dr. Güdeinann, die Rabbiner Dr. Kaminka und Dr. Bauer, Religionsinspektor Dr. Kanitz. die Bethansvorstände Präsidentstellvertreter Dr. Markus Spitzer, Karl Freund, Theodor Kohn, Rudolf Kohn, Dr. E. Münz, kais. Rat Leopold Sachs v. Sachsenhall, kais. Rat Wilhelm, der Obmann des Tempelvereines für den JTV. und V. Bezirk Adolf Hofmann, der zweite Sekretär der Knltnsgemeinde Dr. Emil Adler, Amtschef Wilhelm Freistadt, Universitätsprofessor Dr. Ehrmann und Gemahlin, der Generalsekretär der k. k. Landwirtschaftsgesellschaft Regierungsrat Professor Häusler, der Vizepräsident der Niederösterreichischen Handelskammer kais. Rat Rudolf Kitschelt mit dem Sekretär Dr. Erich Pistor, der Präsident des niederösterreichischen Gewerbekammer Adolf Schiel, der Präsident der Börsekammer Otto v. Seybel mit den Vizepräsidenten Direktor Bernhard Popper und kais. Rat Samitel Steinhübl, der Prokurist des Bankhauses S. M. v. Rothschild Richard Bettelheim, die Bankdirektoren Adler, Dr. Hammerschlag, Herzfeld, Maximilian Kraus. Knx, Löwy, Dr. Schick und Stransky, von der Verkehrsbank Direktor Brüll und Rechtskonsulent Dr. Ernst Sachsel, in Vertretung des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft kais. Rat Leopold Langer, Reichsratsabgeoi dneter Dr. Ofner, der Direktor der Kriegsgetreidezentrale Dr. Reif, der Präsident des humanitären Vereines „Wien" (B'nai Brith) Dr. Max Eisenstädter, der Präsident des Humanitären Vereines „Eintracht" (B'nai Brith) Universitälsprofessor Dr. Wilhelm Roth mit vielen Mitgliedern der beiden Vereine, der Direktor des Baron Springerschen Waisenhauses Alexander Hecht, in Vertretung des Vereines der Fortschrittsfreunde die Herren Konstantin Noske und .Dr. Skrein sowie Schriftführer Löwenberg, für die Bezirks- Vertretung Leopoldstadt Bezirksvorsteherstellvertreter Klebinder und die Bezirksräte Philipp Bak und Dr. Bradv, Domänen-! direktor Glückstal, kais. Rat Dr. Arnold Ascher in Vertretung

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