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Die Wahrheit · 1915-04-09 · Heft 14 (9.4.1915) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 14 (9.4.1915)
Date
1915-04-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 14. Die Wahrheit Seite 5. und wurde bald die rechte Hand seines Zugskommandanten bei dieser schweren Arbeit. Einmal hatte ich auch persönlich Gelegenheit, die Vorzüglichkeit meines braven Unterosfiziers kennen zu lernen. Es war noch am 23. August vorigen Jahres, in Galizien, als ich mit meiner Feldkompagnie znr Nachhut kommandiert wurde. Zwischen mich und die Hanpttrnppe reihte sich der Proviantzug des Regimentes und einige Geschützmnnitionswagen. So lange das Regiment auf künstlichen Straßen maschierte, kam auch der Zng ungehindert vorwärts. Bei einer Gemeinde jedoch verließ unsere Truppe die vorzügliche Landstraße und betrat die wegen ihrer Unbrauchbarkeit bekannten sandigen galizischen Wege. Der Zug blieb bald stecken. Nachdem ich die nötigen Beobachtnngs- und Sicherungspatronillen ansgesandt hatte, galoppierte ich persönlich nach vorne, um mich zu überzeugen, was den Zug am Weiterkommen hindert. Vorne angelangt, sehe ich, daß der Weg über einen auf beiden Seiten steilen Bach führt, in dessen Schlamm gleich der erste Wagen bis zur Deichsel versunken steht, neben ihm im Wasser Gefreiter Wolf mit zwei Honved ohne Werzeugausrüstnng. Sie schoben den Wagen. Eben wollte ich befehlen, daß man noch ein paar Pferde Vorspannen möge, als neben mir schon der nachfolgende Fuhrmann seine Pferde nach vorne führt. Dies hat, mir zuvorkommend, Gefreiter W o lf angeordnet. Die vier Pferde und drei Mann haben das erste Fuhrwerk mit großer Mühe auf die andere Seite hinübergebracht. Behufs Ebnung der Straße habe ich einige Soldaten in die naheliegenden Häuser um Hanen ansgeschickt. Als diese ankamen, hat mein eifriger Unteroffizier auch eine Haue ergriffen und half an der Ausbesserung des Weges. Vier Wagen sind schließlich über den Bach gekommen. Diese habe ich dem Kommando des Gefreiten Wolf unterstellt, indem ich ihm auch eine entsprechende Zahl Soldaten zuteilte und ihn gleichzeitig über die einzuhaltende Wegrichtung orientierte. Während ich den anderen Teil des Zuges auf einem anderen Umweg, aber einer immerhin besseren Straße dem Regimente nachführte, schritt Gefreiter Wolf mit seinen Wagen über Hügel und Wälder durch ununterbrochene Hindernisse nur schwer vorwärts. Oftmals mußten alle die Wagen vorwärtsschieben. Bei Eintritt der Finsternis, kaum zwei Stunden vom Marschziel, ordnete er in der Nähe eines kleinen Waldes, mit Rücksicht auf die Erschöpfung von Mann und Pferde, eine Ruhepause an. Der umsichtige, geschickte Unteroffizier vergaß auch nicht an die erforderliche Sicherung. Er entsandte in das Wäldchen eine horchende Patrouille, damit er nicht etwa von der feindlichen Kavallerie überrascht werde. Er selbst blieb die ganze Nacht wach, seine Vorsicht war auch korrekt und sehr notwendig. Beim Morgengrauen meldeten ihm seine beobachtenden Soldaten das Herannahen zweier feindlicher Reiter. Gefreiter Wolf mahnte die Zivilfuhrleute mit großer Energie und Gefaßtheit znr Ruhe, kommandierte seine kleine Abteilung hinter die Wagen und ordnete das Feuer auf die russischen Reiter an, welche sofort abbogen und davon ritten. So brachte mein braver, tapferer, energischer Unteroffizier die vier Wagen noch vor dem Abmarsch in das Nachtquartier des Regimentes ein. Gefreiter Eugen N e u h a u s e r hat sich in mehreren Fällen als tapferer und geschickter Patronillenkommandant ausgezeichnet und ist ein glänzendes Beispiel der Anhänglichkeit zum Vorgesetzten und seiner Unterstützung selbst um den Preis des Lebens. Wenn ich an meine Mannschaft die Frage richtete, wer sich freiwillig znr Patrouille melde, trat mein Gefreiter Neuhauser selbst nach dem ermüdendsten Marsche sofort vor. Einmal wurde meine Kompagnie zur Geschützde.ckung befohlen. Einer meiner beobachtenden Honveds hat auf dem seitlichen Terrain schwächere feindliche Kavallerie gemeldet. Da das Terrain mit Gesträuch und Bäumen besetzt war, habe ich gleichzeitig mehrere Patrouillen ausgeschickt. Der freiwillig gemeldete Kommandant einer dieser Patrouillen war der Honved-Gefreite Neu ha ns er, dessen Patrouille auch gefeuert hat. Die hierauf folgenden mehrtägigen Gefechte machten mir es jedoch unmöglich, mich über die oben bezeichnete Tätigkeit des genannten Gefreiten zu informiren. Ausführlich möchte ich jedoch hier beschreiben, wie er sich bemüht, hat, mich als Schwerverwundeteu in Sicherheit zu bringen. Meine heldenmütige Kompagnie kämpfte gegen eine in einem Gutshofe sich eingenistete russische Infanterie. Nachdem uns später gelang, den Gntshof anznzünden, hatten wir ihn im Sturme genommen. Wir nahmen hinter den brennenden Häusern Stellung und nahmen die Russen unter starkes Feuer. Bei dieser Gelegenheit bekam ich zwei Verwundungen hintereinander. Zn meiner Hilfe krochen der Zugsführer S a r y — er wurde später Feldwebel — und Gefreiter Neuhauser in sehr heftigem Znfanteriefeuer an mich heran und verbanden mich, wie es eben ging. Zugsführer S a r y, der bei dieser Gelegenheit Zugskommandanl war, kehrte nach Vollendung des Notverbandes zu seiner Schwarmlinie zurück, neben mir blieb bloß Gefreiter Neuhanser. Er rief hierauf einen Soldaten herbei und beide hoben mich und schleppten mich mitten durch die rnssischen Geschoße hinter die brennenden Häuser. In meinen qualvollen Schmerzen und in der Ueberzengnng, daß meine Wunden tödlich seien — meine Lunge war auch durchschossen — befahl ich schwer hervorstöhnend: „Legt mich nieder, Jungens, Ihr quält euch auch so umsonst mit mir!" Ich sehe noch jetzt die traurigen Angen des N e u h a n s e r vor mir und ich höre gewissermaßen wie er sagt: „Ach wo werden wir Sie niederlegen, Herr Hanptmann, Sie verbluten ja. wenn wir Sie hier lassen!" Das Gewicht meines Körpers, die furchtbare Hitze, welche in dem brennenden Gutshofe herrschte und die Aufregung hat meine braven zwei Soldaten so sehr erschöpft, daß sie mich nicht weiterschleppen konnten und mich unter einem Baume niederlegten. Der Honved blieb bei mir, während der Gefreite um Hilfe ging. Bald kehrte er mit anderen zwei Soldaten zurück. Nun hoben mich die vier auf und eilten mit mir aus dem brennenden Gutshofe hinaus. Hinter demselben gelangten wir abermals in feindlichen Feuerbereich, ja sogar in ein Kreuzfeuer. Stark Pfiffen die Kugeln um uns hernm. Bald erhielt ich auch die dritte Wunde: Durch meinen rechten Fuß ging ein Geschoß durch. Abermals befahl ich, daß sie mich sofort niederlegen mögen, da sonst auch sie verwundet würden. „Nein, Herr Hanptmann. hier lassen wir Sie nicht, selbst wenn es uns das Leben kosten sollte!" war die bestimmte und entschlossene Antwort des Honved-Gefreiten Engen Ne uh unser. Einige Augenblicke nach diesem Zwiegespräche wurde der brave, tapfere Unteroffizier und noch zwei meiner heldenmütigen Soldaten verwundet. So brachten Neuhauser und andere drei tapfere Soldaten mich erst ans der Schwarmlinie, dann aus dem brennenden Gutshof und ans dem fchrechlichen Kreuzfeuer der Russen. Ueber meinen dritten Soldaten jüdischen Glaubens, muß ich mich im Tone der Anerkennung äußern. Sein Pflichtbewußtsein geht aus dem nachfolgenden hervor: Emmerich Schiffer, jetzt bereits Zugsführer, war etwas schwacher Konstitution. Sein Raseurberuf hat seinen Körper nicht gestählt Während der Mobilisierung habe ich ihn öfter von der Beschäftigung befreit, damit er sich ansrnhe. Einmal ließ ich ihn mir kommen und sagte ihm, daß ich ihn mit Rücksicht auf seine schwache körperliche Verfassung znr Versetzung in ein Ersatzbataillon in Vorschlag bringe. Dies entsprach jedoch seiner Ambition nicht, er bat mich vielmehr, ihn in meiner Feldkompagnie zu belassen, er werde schon so stark werden, um die Kriegsstrapazen zu ertragen. Und so war es auch. Er ertrug gut den Marsch und zwar unter allen Umständen pflichtbervußt. Noch eines muß ich von ihm erzählen. Anläßlich eines Treffens legte ich mich in der Schwarmlinie gerade neben ihm hin. Die russischen Kugeln schlugen dicht um uns ein. Ich befahl das Eingraben. Weder der links von mir liegende Honved. noch Gefreiter Schiffer hatten Jnfauteriefchaufeln und so mußten wir geduldig warten, bis wir in den Besitz solcher kamen. Der Honved feuerte natürlich wie jeder, der nicht mit der Herstellung der Deckung

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