Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1915-03-26 · Heft 13 (26.3.1915) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 13 (26.3.1915)
Date
1915-03-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3062972-3063862-3063875--09521-3076780
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 13. Die Wahrheit Seite 3. „Die Erfahrungen des Krieges haben uns die feindliche Stellung der jüdischen Bevölkerung Polens, Galiziens und der Bukowina deutlich gezeigt." Im angezogenen russischen Armeebefehle werden die Hauern, ja die ganze Bevö lkernng, so weit sie nicht jüdisch ist, in den von den Russen besetzten österreichischen Landesteilen als RussoPhilen, also als Staatsverräter. mit den Worten: „mit uns sympathisierenden Bevölkerung" denunziert, aber ausschließlich von den Inden werden für jeden „gefangenen SPionjuden" und für jeden „seitens der Oesterreicher oder Reichsdeutschen einer Strafe unterworfenen friedlichen Bewohner" (merkwürdige Bezeichnung von Landesverrätern) zwei Geiseln für ihre Loyalität und Grausamkeit der Ortsbevölkerung gegenüber gehängt". In einem anderen vom österreichischen Kriegspressequartier veröffentlichten russischen Armeebefehle von Nowo- Georgiewsk wird konstatiert, daß die Deutschen unter den russischen Inden „teilweise uneigennützige Spione" gefunden haben, weil dieselben „in einem Siege der Deutschen ihre „Errettung vom Zaren joche und von der Unterdrückung durch die Polen" erblicken. Ja, will die russische Heeresleitung etwa dadurch Patriotismus bei den Inden anslösen, wenn eine russischjüdische Mutter oder Gattin ihren im Felde verwundeten Sohn oder Gatten deshalb nicht im Spitale besuchen darf, weil er in einer Stadt liegt, die außerhalb des gesetzlich z u l ä s s i g e n A n f e n t h a l t s r a y o n s liegt? Auch ein Kind fühlt sich schließlich zu einem grausamen Rabenvater nicht hingezogen und ein solcher ist der russisch-jüdischen Bevölkernng gegenüber der v o l k s v e r h e tz e n d e, k o r r n mp i e r e n d e und barbarische Zarismus. In Rußland geht die Judenverfolgung von der Regierung ans und die von Natur gute und die Gerechtigkeit liebende russische Bauernbevölkerung wird von ihr systematisch verhetzt und verroht. Die unmenschlichen Judenmorde, die frechen Räubereien und Brandschatzungen, die viehischen Vergewaltigungen an Frauen und Mädchen, welche die russische Soldateska in Galizien und in der Bukowina beging, sind zum größten Teile ins Schnldbuch des Zarismus zu buchen. Die gegenwärtige russische Regierung und Heeresleitung versucht aber nicht nur empörende Begriffsumkehrungen im Belange der Moral zu bewerkstelligen, sondern sie versucht es auch die feigsten und niedrigsten Kriegsmelhoden als zulässig zu erklären. Im letzten russischen Feldzüge gab es Krieger in feindlichen Monturen, in Zivilkleidern, ja sogar in Frauenkleidern! Es gab russische Armeebefehle, welche anordneten, bei Stürmen gegen den Feind friedliche Bewohner, ja sogar Frauen und Kinder als Schild vor sich herzntreiben und die letzthin bekauntgewordene, den Oesterreichern angekündigte „Abschiebung von 1500 jüdischen Familien über die russische Linie hinaus zu den österr.-ungarischen Truppen" war ja auch nilr ein svlch neuartiger spezifisch russischer Kampsversuch. In den letztens russischen Armeebefehlen hat übrigens Bileam wieder einmal^gesegnet. statt geflucht. Die Russen finden im Feindesland kei n e j üd is chen Berrät e r, sondern nur treue Patrioten. In diesem Belange können die Juden die Kronzeugenschaft der zarischen Bestie akzeptieren. Ja, sie sind die eingefleischtesten Feinde des zarischen Barbarismus, Die zarische Bestie wütet aber nicht allein gegen die Juden, sondern sie fungiert auch als Würger aller Volksrechte und aller nichtrussischen Nationen. Sie hat im Laufe der Zeit gar viele Gegner auch im engeren Reiche erworben und der Zar traut sich buchstäblich nur unter übergroßer Bewachung auf die Gusse. Viele Millionen Menschen sehen gegenwärtig den wichtigsten und unabweislichsten Enderfolg des Weltkrieges in der Niederwerfung des mens chheitsschändenden Zarismus, denn ein Sieg des Zartyrannen über seine Gegner, was die gütige Vorsehung verhüten möge, würde die Menschheit ins finsterste Mittelalter znrückschleudern. Nur dann, wenn die zarische Tyrannei fällt, erscheint der drückendste Alp von der Menschheit genommen, nur dann erscheinen auch alle slavischen Völker von ihren ärgsten Sklavenbanden errettet, nur dann können auch die momentan leider mit ihr verbundenen Nationen vom Alpdruck genesen, den die russischen Heeresmassen bei ihnen hervorgebracht haben. Nur dann können sie von ihrem schandebringenden, entsetzlichen Bündnisirrtnm geheilt werden und eine Annäherung von Volk zu Volk kann erfolgen, die einen dauernden und heilbringenden Weltfrieden einleitet. Die Ueberzahl und die rohe Gewalt allein werden, so Gott will, auch diesmal nicht die Entscheidung verbürgen. R. L. Das Glend der rnffifche« Inden. Berlin/.24. März. Dem „Berliner Tageblatt" wird aus Bukarest geschrieben: Während eines sieben Monate langen Aufenthaltes in Rußland, von wo ich soeben zurückgekehrt bin, hatte ich Gelegenheit, mich von der entsetzlichen Lage der Inden in den den Kriegsschauplätzen benachbarten Gebieten zu überzeugen. Am schlimmsten ist es natürlich auf dem Kriegsschauplatz in Polen selbst. Ans den morastigen Straßen des Landes sieht man lange Züge von Greisen. Frauen und Kindern. Sie werden von den russischen Truppen auf ihrem Rückzug vor

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.