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Die Wahrheit · 1915-03-26 · Heft 13 (26.3.1915) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 13 (26.3.1915)
Date
1915-03-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Nr. 13. Die Wavrhett neue Welt «nd Zeit geschaffen und über Vylkerschicksale aiff Jahrhunderte hinaus entschiede». Ein großes Ringen, eine ernst-heilige Zeit, in der jeder aus seinem Posten auszuharren hat. Tiefe Nacht ist über uns hereingebrochen, von der die Frage gilt: Ns. mscktane? Wodurch ist diese lange Nacht von allen übrigen verschieden? Bitternis über Bitternis. Prüfung über Prüfung ist gekommen, mehr denn je spürt es ein Zeder, daß Gotl uns auf unsere Zuversicht und Festigkeit prüft, auf jenen unerschütterlichen Gkgubeir, der nufere Ahnen in den schwersten Zeilen aufrecht erhielt und Huch uns stählt und festigt in diesen nervenaufpeitschenden Leidenszeiten, die namentlich unsere galizischen Brüder so furchtbar treffen, Leiden, wie sie zn Hadrians Zeiten oder unter den Schrecken der Inquisition nicht ärger waren. Wer die Grausamkeiten der russischen Horden in Galizien und der Bukowina in Ostpreußen und Kaukasus liest, muß vom tiefsten Abscheu erfüllt werden ob solcher Bestialitäten, solcher Verworfenheit gegenüber Wehrlosen. Wahrlich die Leiden Aegyptens waren nichts gegen diese, die Qualen aller Jahrhunderte sind damit kaum zu vergleichen! Doch wir rufen mit dem Agadisten: Gelobt fei der Ewige, der uns des Lebens Lehre gegeben und uns mit diesem Panzer der Gottesliebe und Gottesfurcht umhegte! Diese Schutzlehre wahrt uns nach Verlust von Hab' und Gut vor moralischem Untergange und geistiger Erschöpfung und leitet uns hinüber in bessere Zeiten. Wie trifft es doch zn, das Gotteswort an Abraham: „Sie werden sie drücken und quälen, aber auch das Volk, welches sie bedrückt, werde ich richten!" So wird hoffentlich Gottes Gericht auch diese Horde» und Frevler treffen und das unschuldig vergoffene Blut von Kindern, Frauen, Greisen und Krüppeln, strenge sühnen. Wie Aegypten Plage auf Plage traf, bis das Volk das Strafgericht Gottes erkannte, wie zn allen Zeiten Gottes ausgleichende Gerechtigkeit waltete, so wird es auch hier geschehen, Zeichen und Wunder wird Gott üben wie zu allen Zeiten und rechtfertigen das Vertrauen in seine Vorsehung und Führung! Dieses Glaubens sind wir sicher und gewiß! Eine finstere Nacht ist um uns ausgebrochen, doch ein strahlender Freiheitsmorgen wird kommen. Kamo maalos towos! Wie viel Wohltaten hat uns Gott im Laufe der Jahrhunderte erwiesen! Wie hat er stets uns, der Menschheit, sein Wirken gezeigt und wie erweist er sich uns jetzt als mächtigster Hort! Tod und Verderben halten furchtbare Ernte rings um uns, doch des Kriegers wie des daheim Schaffenden feste unerschütterliche Zuversicht ist und bleibt unser Gott, dieser Fels unseres Heils, zu dem wir stets uns wenden. Wenn die Kugeln sausen und einschlagen und aus tausend Schlünden Verderben und Untergang kommen, da fühlt jeder Gottes Nähe, Gottes Gericht und Leitung. Wenn der Heldenkrieger verhaucht, da ist sein letzter Gedanken bei den Seinen, bei Eltern, Gattin und Kindern, die für ihn beten und gleich ihm auf die Gnade des ewigen Richters bauen. In allen Prüfungen ist Gott unser Licht und unsere Freude, um uns finstere Nacht, in uns Gottes Licht und die sichere Erwartung der Befreiung von Leid und Elend. Wir fühlen beim Lesen der Agada die inhaltsschweren Worte: „Sie verbitterten ihr Leben mit aller Mühe im Felde". Ja, unsere braven Streiter haben alle Bitterkeit des Feldlebens, der Kälte und Entbehrungen zu bestehen und opferfreudig, mit seltener Hingebung tun sie es gern. Bachomer uwilwenim. In lehmigen Schützengräben feiern unsere heldenmütigen Glanbensbrüder ihren Seder und gedenken tief erschüttert gleich uns der herrlichen Worte: „In allen Zeiten betrachte, sich der Mensch so, als ob er selbst aus Aegyptens Elend gezogen wäre! Lasset Euch nur von unseren .wackeren Brüdern des Krieges Leiden und Läuterung erzählen, von seinen Schrecken und erhebenden Augenblicken, damit Ihr diesen Satz voll würdigen könnt! Und Ihr, wackere Streiter, erfüllet der Schrift Befehl als gehorsame Krieger: Du sollst es deinem Sohne künden! Mit unseren Vätern, Erfolgen und Siegen hat auch uns der Ewige von Feindesgewalt erlöst, um uns das Land zu geben, das er unseren Vätern zugeschworen. Wir hoffen zuversichtlich auf die Wiedereroberuug des Landes, wo unsere Brüder kämpfen, um der Väter Scholle vom Feinde zu säubern und den Kindern »ich Enkeln es in neuer Herrlichkeit zn geben! Mögen sie auch unserer Brüder Heim und Herd zerstört und alles weggeführt haben, Gott wird es uns wieder geben und die Schale seines Zornes über diejenigen ansgießen, die sein Recht gebrochen, sein Wort mißachtet nnd feine Gesetze mit Füßen getreten haben! Neues Leben wird ans den Ruinen blühen, manches Faule. Haltlose .wird schwinden und nur das Wertvolle, Hohe sich mächtig im Volke, in der Welt erheben »ad. neue, größere Werte schaffen. Gram su letowo. Auch dieser Krieg wird mit all' seinem Unglücke, Leid und Tränen uns zum Heile gereichen, Werte von großer Bedeutung schaffen und vieles nmgestalten. Dieses Ringen hat ungeahnte Kräfte entwickelt und freigemacht, diese Zeit hat an uns die Arbeit von Jahren getan und uns zn hohen Werken der Liebe und edelster Menschlichkeit und Öpserwilligkeit aufgernfen und bereit gefunden. Wir lesen am Peßachfeste das hohe Lied der Liebe und Treue, und in diesen Tagen wollen wir es anstimmön, das hohe Lied edler Menschlichkeit; an diesem Frühlingsfeste, da die Natur von Winters Leiden und Fesseln befreit wird, wollen auch wir auf einen neuen Freiheitsfrühling hoffen, der aus Winters Eis und Külte in milderer Zeiten Glanz uns hinüberführt! Wir wollen Gott preisen als den wahren Befreier, der uns allen wieder Freiheit und Glück nach schweren Leiden bringen wird! Dajemi, zufrieden wollen wir mit allem sein, was Gott uns schickt. So lasset uns das Fest unserer Befreiung feiern: an uns stets zn arbeiten, von Leichtsinn. Eitelkeit und allem Tand uns aufznschwingen zn ernstem Leben, wahrer Pflichterfüllung und inniger Freude an Gottes anfwachender Natur sich offenbarender Herrlichkeit. Zn Hause und im Felde, soll des Ewigen Wort stets Herz und Geist erquicken nnd im festen Vertrauen ans seine Hilfe lasset uns mit unseren Mitbürgern um Kaiser nnd Vaterland zusammenschließen und unseres heißgeliebten Jnbelherrschers Wort: „Viribus unitis“ erfüllen. Wir wollen ein einig Volk von Brüdern sein und so gemeinsam ein Bsssaob leossid, eine künftige große Freiheitszeit durch Arbeit und Pflichttreue sicherstellen. Böhm.-Krumau, Nisan 5675. Prof. Dr. L. H i r s ch. Tnt nichts, der Jude wird verbrannt. Unter obiger Aufschrift brachte das Wiener Montagblatt „Der Morgen" letzthin ein wahrhaft treffendes Bild über die barbarischen russischen Armeebefehle gegen die Inden in den von den Russen besetzten Landesteilen Galiziens und in der Bukowina. Großfürst Nikolaijewitsch, hoch zn Roß, spricht über zwei galizische Inden, die ihre Landsleute nicht verraten wollen/ mit folgenden Worten das Todesurteil aus: „Was, ihr wollt euer Vaterland nicht verraten? An den Galgen mit euch!" Im Hintergründe sind aber russophile Bauern abgebildet, die den eingedrnngenen Feinden; Brot und Salz entgegenbringen. Der russische Zarismus, der die Inden in Rußland seit Jahrzehnten schon unter barbarische Ausnahmsgesetze stellt, sie ihrer Rechte beraubt, ans ihren Heimsitzen vertreibt und Judenpogrome hervorruft und begünstigt, in denen sie ihrer Habe nnd häufig auch ihres Lebens beraubt werden, dieselben aber trotzdem von der Steuer an Gut und Blut nicht enthebt, heischt von den russischen Juden trotzalledem hingebenden Patriotismus! Ueber die tatsächliche Rnsfeufeindlichkeit aller Inden beklagt sich ein solch teuflischer russischer Armeebefehl, der am 15. März l. I. vom österreichischen Kriegspressequartier veröffentlicht wurde, mit folgenden Worten:

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