Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1915
- Issue
- Heft 10 (5.3.1915)
- Date
- 1915-03-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Sette 6. Die Wahrheit Nr. 10 Mil dem Landsturm in Kubisch' Pole». Schilderungen eines Egerer Landsturmmannes. Herr K., ein jüdischer Landsturmmanu in Eger, der zu Beginn der Mobilisierung von der Militärbehörde zur Superarbitriernng vorgeschlagen und nur auf eigenes Verlangen in die Marschkompaguie eingereiht und nach dem nördlichen Kriegsschauplatz abtransportiert wurde, schilderte einem Mitarbeiter der „Egerer Zeitung" einiges ans seinem Kriegserlebuissen. Er versicherte, daß mau im Kriege tatsächlich keine parteilichen oder konfessionellen Unterschiede kennt, daß alle mit gleichem Heldenmut ihr Vaterland mit Todesverachtung verteidigen und den Feind zn vernichten trachten. Sie fragen nach meine Erlebnissen auf dem Schlachtfelde? Ich weiß wahrlich nicht, wo ich da beginnen und wo ich enden soll. Die Strapazen des Krieges sind für einen alten Landstürmler, der sechs Monate im Kugelregen stand, viel zu aufreibend, als daß er klaren Geistes von all seinen Erlebnissen der Reihe nach zu erzählen vermöchte. Wir Oesterreicher sind gute, ja ausgezeichnete Soldaten, zäh und ausdauernd bis zur Unmöglichkeit! Und nur solchen Kriegern winkt der Erfolg! Wir können wahrlich auch mit unseren Erfolgen zufrieden sein: der Russe, dem uns zu Überstuten und zu vernichten anfänglich ein leichtes Spiel dünkte, fühlte bereits oft und schmerzlich unsere Krallen in seinem Leibe. Der russische Bär knurrt vor Zorn, kühlt, wohin er kommt, an Wehrlosen sein Mütchen, kllrz er berstet ob seiner Ohnmacht. Sie würden gerne erfahren, wo wir überall herumgekommen sind? Ich darf als Soldat Ihnen die Namen der Orte nicht nennen. Es mag Ihnen genügen, wenn ich Ihnen sage, daß wir weit drinnen in Russisch-Polen waren. Wir kamen in Dörfer und Städte. Alles lag vor uns in jämmerlichem Zustande: zerschossen, verwüstet und fast entvölkert. Trotzdem sind wir auch vielen freudigen Gesichtern begegnet: die jüdische Bevölkerung, die in Russisch-Polen ein elendes Dasein fristet, empsing uns stets mit Freude, sie gab gab ihr letztes willig hin und klammerte sich an unsere Mäntel: „Werdet Ihr für immer hier bleiben? Wir warten auf den Sieg der Oesterreicher, wie ans das Erscheinen des Messias, denn nur Ihr könnt uns dem Rachen des Moskalen entreißen, nur Ihr könnt unserem Jammer ein Ende bereiten. Morgens und abends senden wir himmelwärts unsere Gebete für den Sieg des greisen Monarchen Franz Joseph und für die Befreiung unseres Volkes ans dem Zarenjoche, das härter und grausamer ist als die Sklaverei des alten Pharao!" Zn den fröhlichsten und. schönsten Episoden meiner Kriegszeit gehört auch der Einzug unserer reichsdentscheu Waffenbrüder in Krakau. Ihr Gesang und ihre Marschmusik waren herzerquickend. Alle Fenster taten sich ans, man jubelte ihnen zn, bewarf sie mit frischen Blumen. Man wußte nicht, wie man sie ehren sollte. Das sind aber auch Prachtmenschen; sie strömen Mut und Lebenslust von sich ans. W—tsch. Verschiedene Nachrichten Wien. Samstag, den 6. März, 1j2l Uhr abends, findet die Generalvesammlung des israel. Tempelvercines für die beiden Gemeiudebezirke Mariahilf ttlid Neubau im Zecemoniensaale, VI., Schmalzhofgasse 3, statt. Wien. Cheivca Kadischa, Wie u.) In der am 22. Februar 1915 stattgefundeuen Sitzung hat sich der Vorstand in folgender Weise konstituiert: Präsildent Salo Cohn, Vizepräsident jnr. und phil. Dr. Markus Spitzer, Kassaführer Salomon S i m o n, Schriftführer Carl L e m b e r g e r. Wien. (Verband der i s r. R e l i g i o n s l e h r e r a u d e n österr. Mittelschulen.) Am 23. Februar a. c. fand unter dem Vorsitze des Obmannes des Herrn Rabbiners Dr. M. R o s e u m a n u die zweite Ausschuß-Sitzung statt, in der über finanzielle Angelegenheiten des Verbandes berichtet wurde. H'erauf gelangte ein ans dem Kreise der galizischen Mittelschnllehrer an den Ausschuß gerichtetes Schreiben bezüglich Eröffnung eines Fortbildungskurses zur Verlesung, welche Anregung unter Beachtung der Kompetenz des Ausschusses sympathische Aufnahme fand. Wien. (@ i n liturgischer Vortragsabend.) Zum ersten Male fand ein solcher am 24. Februar d. I. in der Jüdischen Toynbeehalle im XX. Bez. statt und dürfen wir diesen zu den schönsten auf die breiten Zuhörermasseu aufs tiefste einwirkenden Veranstaltungen rechnen. Professor Moritz A n t s ch e r l, von dem, wie der Präses der Toynbeehalle in seiner Begrüßungsansprache hervorhob, die Idee dieses Vortragsabends ansging, sprach über die hohe Bedeutung unserer hebräische» Sprache beim öffentlichen Gottesdienste und erläuterte jedes einzelne Gebetstück, das sofort Oberkantor Morgenstern wundervoll und ergreifend zum Vortrage brachte. Zwei geniale Musiker, der vielgekanute Biolinlehrer Heinrich A n t s ch e r l und der Organist Herr Moritz Menzer, begleiteten — nach ihrem exzellenten Vortrage von David Poppers reizender Komposition als Einleitung dieses Abends — Herrn Oberkantor Morgenstern und dieser sang so unvergleichlich schön, daß alles aufs höchste begeistert wurde. Das große Auditorium, das den Vortragssaal bis zum letzten Platze füllte, lauschte mit ungewöhnlicher Spannung, und als am Schluffe der Vortragende den 21. Psalm erläuterte und ihn auf unfern erhabenen Kaiser auwendete und Oberkautor Morgenstern dieses Gebet vortrng, da gabs einen rauschenden Beifall und eine Begeisterung einzig iu ihrer Art. Mit der von den genannten trefflichen Musikern herrlich vorgetragenen Volkshymne schloß dieser liturgische Abend, dem außer dem Stammpublikum auch viele Ehrengäste aus nahen und fernen Bezirken beigewohut hatten und wurde allgemein der Wunsch nach ähnlichen Beranstaltnngen laut. Wien. Aus Anlaß der Wiederkehr des 50. Todestages des sel. Predigers Jsak Noah M a u u h e i m e r veranstaltet der Vorstand der israel. Kultusgemeinde eine Gedächtnisfeier, die Samstag, den 6. März 1915, 3/47 Uhr abends, int Gemeindetempel I., ©eiten» stettengasse 4, au der Stätte des langjährigen, segensreichen Wirkens Mannheimers, stattfindet. Die Gedenkrede hält Herr Oberrabbiuer Dr. Moriz G ü d e ui a n u Sonntag, den 7. März 1915, präzise halb 11 Uhr vormittags, findet die Versammlung am Grabe Mannheimers auf dem israel. Währinger Friedhofe statt. Sonntag, den 7. März 1915 präzise 12 Uhr mittags, öffentliche Plenarsitzung des Kultnsvorstandes im Sitzungssaale der israel. Knlrnsgemeinde, I., Seitenstetteugasse 4, II. Stock. Wien. Sonntag am 28. Februar l. I. wurden unter sehr großer Begleitung zwei hochachtbare erbgeseffene Währinger zn Grabe getragen, denen Herr Rabbiner Dr. Feuchtwang tiefempfundene Grabreden hielt, wobei erster Kantor Serebreuik den fhnagogalen Gesang mit gewohnter Meisterschaft zelebrierte. Der erste dieser Männer war der pensionierte Wiener Bolksschulnnd Religionslehrer der Wiener isr. Kultnsgemeinde H.rr Simon Weiß, der auf eine 45jährige Tätigkeit im Lehrberufe zurückolicken konilte, die er anfangs auch in Göding ausübre. Außer seiner Witwe, drei gutversorgten Söhnen und zwei unverheirateten Töchtern waren viele seiner Freunde, Kollegen und nahezu der ganze Währinger Tempelvorstand erschienen, denn der Verstorbene erfreute sich seines freundlichen und überaus gefälligen Wesens halber großer Beliebtheit. Außer dem Herrn Rabbiner sprachen noch Religionsnnterrichtsinspektor Dr. Kanitz an seinem Grabe und die städtische Volksschule in der er wirkte, spendete einen Grabkrauz. Der zweite Währinger, der gleich nachher unter gleicher Assistenz nnd sehr zahlreicher Begleitung zu Grabe gebracht wurde war Herr Winter, der Vater des Währinger Mitgliedes des dortigen Tempelvorstandes Herrn'Dr. Ignaz Winter. Herr Winter ernährte sich nnd seine zahlreiche Familie in früherer Zeit sehr mühselig durch seiner