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Die Wahrheit · 1915-03-05 · Heft 10 (5.3.1915) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 10 (5.3.1915)
Date
1915-03-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 9. Die Wahrheit Seite 7. Hände Arbeit als Schaffner einer größeren Transportlmternehmung und später als Revisor der „Oesterr. Onmibusgesellschaft" und kann .als leuchtendes Beispiel dafür gelten, wie auch ein armer Manu charakter- und ehrenvoll durchs Leben gehen kann. Beide Währinger .waren Muster von liebenden Familienvätern, bewährten ihre Frömmigkeit und hatten das 70. Lebensjahr überschritten. „Friede ihrer Asche!" R. L. Laden. (Purimspiel.) Am 28. Feber abends fand ans Anregung der beiden für humanitäre und Wohltätigkeitsbestrebungen nnermüdlichen Damen Laura S t ö > s e l und Louise Freiwillig im Hotel zumgoldenen Löwen ein „Pnrimspiel" statt, deffen Reinerirägnis zugunsten der Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina .gewidmet war. Der große Saal war von Besuchern voll besetzt und die musikalischen wie auch die dramatischen Leistungen waren aufs glänzendste dnrchgeführt. Die Mnsikpiecen, zum größcen Teil vom Musikdirektor Herrn D. Rubin herrührend, sangen mit großer Bravour die Töchter desselben Fran N. H o r o w i tz und Fräuleins Rubin, Der Chor, einstudiert und dirigiert von Fran Laura Stöss e l hat ebenfalls großen Beifall gefunden. Hierauf produzierten sich die Künstler Herr S e l i g s o h n (Cellovortrag) und Herr E cksi e i n ^Bivlin), deren Portrag mit Beifallrufen belohnt wurde. Nnn erfolgte das eigentliche Purimsviel: „Megillarh-Estec", versaßt von Dr. A. W e i s s e. Die Hauvtrollen spielten: Herr Gotthold Antscherl j den Dichter, Frl. Jnla K o h n Achaschwerosch, Therese G e s ch ü r -Ester, Sidonie Reich Mordechai und Martha Weiß den Engel der Megillah. deren Bortrag stürmischen Beifall anslöste. Auch die Nebenrollen : Erwin W y s ch e r als Haman (ein vielversprechendes Talent für .Komik), Ernst und Siegmnnd Reich als Bigsan und Seresch, Fräulein Zola Kracher als Hassach wurden beifällig anfgenommen. Dem Purimspiele folgten hebräische und deutsche Deklamationen von den Schülerinnen Henritte R a p a p o r t und Martha W e i ß, worauf vom ganzen Publikum die Volkshymne und „Heil Dir im Siegeskranze" abgesnngen wurde. Jüdische Bühne. Direktion M. L> i e g l e r. Regie S. Lerescn. j Hotel Stefanie, II., Taborstraße 12. Freitag, den 5. März „Die drei j Matunes", Operette in einem Prolog, drei Aufzügen und einem Epilog. i Samstag, den 6. März Goldfadens letztes Meisterwerk „Ben Ami".! Sonntag, den 7. und Montag, den 8. März zum erstenmale „Heim,! süße Heim", Lebensbild mit Gesang in vier Aufzügen von Libin.! Sonntag, den 7. März, nachmittags halb 4 Uhr, halbe Preise. \ „Chantsche in Amerika". Dienstag, den 9. März Gordin-Abend „Gott, j Mensch und Teufel". Mittwoch, den 10. März Verein Eines Wescholem i „Tochter Jerusalem". Donnerstag, den 11. März „Gabriet". In Vorbereitung „Malke Schwu" von Cb. Wols-thal. Aufruf r Unglückliche Flüchtlinge, die Hab und Gut verließen, um ihr nacktes Leben vor Vernichtung und brutaler Barbarei zu retten, sind in nuferer Knltusgemeinde. Die Nor und das E l e n d die s er Ar men spottet aller Beschreibung. Eine große Zahl der armen Flüchtlinge ist in defekten Kleidern und Schuhen der Unbill der Witterung preisgegeben und leidet große Kälte. Die ihnen gewährte monatliche Unterstützung im Betrage von 62 Heller pro Tag und Person, Leicht, infolge der horrenden Teuerung, k a n in hin, den H il u g e r z u st i l l e n. Das Osterfest, das Fe st der Befreiung, naht heran und diese gänzlich mittellosen Kriegsopfer sind nicht in der Lage, dieses Fest den rituellen Vorschriften gemäß zu begehen. Um die sich bittend entgegenstreckenden Hände dieser bedauernswerten melancholischen Gestalten nicht von uns zu weisen, wende ich mich denn in dieser Stunde der Not, da die Kräfte der hiesigen Gemeindemitglieder nicht genügen, an alle edlen Menschen, die ein Herz für fremdes Leid sich bewahrten, mit der höflichen Bitte, im Namen ber Nächstenliebe unsere B e str e b un g e n zu unterstütz esti, um diesen A e r m st e n das N o t d ü r f t i g st e zu gewähren, was bescheidenes Dasein erfordert. Möge ein jeder helfen, die Not unserer Brüder zn lindern, wöge ein jeder tun, was in seinen Kräften steht. Gütige Spenden sind zn richten an: Das Rabbinat der israel. Gemeinde zn M n i s ch e k bei Prag (Böhmen.) Aufruf r Das untengenaünte Komitee wurde zu Beginn des Krieges begründet und verdankt seinen Bestand der unermüdlichen Mühe einzelner arbeitswilliger und edler Menschen. Während dieser Zeit haben wir mehr als eine halbe Million Frühstücke ansgeteilt und Tausende und Abertausende unverschuldet in Not geratene Flüchtlinge — arme Frauen, hilfsbedürftige Kinder, Greise, Kranke und Hungernde — täglich gelabt. Wer eine .richttge Äorstelluirg won denl-Elerld dleser Unglücklichen haben will, der komme zn uns und schaue einmal der Fcühstückausteilung in unserem eigens dazu eingerichteten Lokale, IL, Schiffamtsgasse 20, zu. Nun stehen wir aber vor der traurigen Tatsache, keine Mittel mehr zu besitzen. So wenden wir uns denn in dieser schweren Zeit an den vielfach betätigten Wohlrätigkeitssinn der Bevölkerung mit der ebenso dringenden als höflichen Bitte, uns gütigst durch rascheste Zuwendung einer entsprechend großen Spende oder durch wöchentliche oder monatliche Beiträge die Möglichkeit zu bieten, die Akiion — wenigstens bis zum Eintritt der wärmeren Jahreszeit — fortsetzen zu können. Tausend Dank namens der unglückseligen Flüchtlinge im Vorhinein! Gütige Spenden wollen an den Obmann des Komitees, Bezirksrat Dr. Leopold B r a d y, Wien, II.. Praterstraße 24, gesandt werden. Interkonfessionelles Hilfskomitee znr Frühstücksnnd Jansenansspeisnng an Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina. Literatur. Der Arbeiter unter den Kriegsgesetzen. Als Hesc 6 des „Praktischen Führers durch die österreichische Gesetzgebung" ist nunmehr eine Broschüre unter dem Titel „Der Arbeiter unter den Kriegsgesetzen" erschienen. Zahlreiche Arbeiter, besonders aber die Eisenbahner, stehen jetzt nicht unter normalem Recht. Nicht Gewerbeordnung, nicht Arbeitsordnung, nicht Dienstordnung bestimmt jetzt ihre Rechte und Pflichten. An deren Stelle sind im wesentlichen Kriegsgesetze getreten, nämlich die kaiserliche Verordnung über den „staatlichen Schutz" und über die Ionderstellnng der Eisenbahner und Sch ffahrtsbed'.ensteten, ferner das Kriegsleistnngsgeietz. das sich wieder ans das Militärstrafgesetz und die militärischen Disziplinarvorschr:scen beruft. Doch deshalb sind die Arbeiter nicht vollständig rechtlos geworden. Allerdings sind ihre Rechte sehr eingeschränkt und ihre Pflichten erweitert. Es ist nun das höchste Interesse jedes Arbeiters nild jedes Eisenbahners, genau wissen, wie sein neuer Rechrszustand un einzelnen beschaffen ist und darüber unterrichtet ihn die neue Broichüre. Im ersten Kapitel stellt sie dar, was „staatlicher Schutz" bedeutet, im zweiten schildert sie die Rechtsstellung der Arbeiter in Unternehmungen, die unter dem Kriegsleistungsgesetz stehen, im dritten behandelt sie die Fabriken unter der Leitung von Osfizieren, im vierten erörtert sie die unmittelbare persönliche Dienstleistung — das ist besonders für die zahlreichen Arbeiter wichttg, die bei den Besestignilgsbamen beschäftigt sind — das fünfte Kapitel behandelt die Enthebung von der Landfturmvflicht, das sechste hat das Arbeicsverhältnis der Eisenbahner und Schiffahrtsbedlensteren zum Gegenstände. Bestellungen sind an die Wiener Volksbuch- Handlung, Wien, VI., Gnmpendorferstraße 18, unter Beifügung von 25 Hellern in Briefmarken pro Exemplar, zn richten. Gesucht wird. Elias P i l v e l. Reservist aus Tarnopol sucht seine Fran Anna Pilpel mit 4 Kindern. Liebe S o m m e r sucht ihre Mutter Chaje Sommer ans Zrary Zsikow (Galizien). Jette Chravliwe sucht ihre Eltern Salomon Chravliwe ans Srary Zsikow. Nähere Anhaltspunkte wolle man air die Borstehnng der israel. Kultn-gemeinde L nz a. d. Doiian gesälligst bekanntgeben. Molsitätitzkeitsaktion des Oesterr. »mg. Kantorenvereines in Wien. Infolge des Krieges befindet sich hier eine Anzahl Kantoren samt Familien als Flüchtlinge, welche, ihrer Existenz beraubt, der größten Not preisgegebeu sind. Der Vorstand des Oesterr.-nng. Kantorenvereines appelliert daher, als der berufene Vertreter des Ka n t o r e n st a n d e s, an das edle, echt jüdische Herz unserer Glanbensbrüder und bittet dieselben, für diese Unglücklichen, welche schon mit Rücksicht auf ihr heiliges Amt nicht in die traurige Lage versetzt werden sollen, nur Almosen zu betteln, eine gütige Unterstützung znr Linderung der Not dieser schwer betroffenen Familien frenndlichst widmen zn wollen. Für die bisher au nns gesandten Spenden sprechen wir den hochherzigen Spendern den tiefgefühltesten Dank ans. Die geehrten Herren Kollege» werden hofiichst ersucht, die Wohltätigkeitsaktion des „Oesterr.- ungar. Kantoren-Bereines" dadurch zn fordern und zu unterstützen, indem fie ihre Gemeinde» und Vereine auf unsere Aktion aufmerksam machen, eventuell — wie es bereits mehrere Kollegen getan — Sammlungen ernteite». Der Zweck ist wohl in unserem Aufrufe z» finden. Also, auf zur Tat!

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