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Die Wahrheit · 1915-02-26 · Heft 9 (26.2.1915) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 9 (26.2.1915)
Date
1915-02-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 9. Krüger mit dem Sekretär Dr. M. Löwy, das Wohltätigkeitsamt der israelitischen Kultnsgemeinde Herrn Amtsleiter Rudolf Kraus, das Franenhilfskomitee im Kriege für den II. Bezirk, die Präsidentin Frau Adele Hirschenhauser mit den Damen Negierungsrat Nenmann und Marie Steiner, die Zentralstelle für weibliche Fürsorge Frau Klothilde Benedikt und Frau Dr. Stein, das Damenkomitee des Vereines Kurfürsorge Frau Gisela Weiß, die Sozialpädagogische Gesellschaft ihren Obmann Herrn Oberlehrer Schmiedel, der Verband der Mittelschulprofessoren ihren Vorstand Herrn Professor Dr. Max Hnß, der Kaiser Franz Josefs-Kinderhort seine Präsidentin Frau Charlotte Frischauer mit den Vorstandsdamen Jenny Goldstein und Elise von Singer-Bach, die Kmderbewahranstalt ihren Direktor Max Fischer, der humanitäre Verein „Die Brüder" den Präsidenten Heinrich Weiner mit Herrn Lehrer Faltitschek, die „Treue" ihren Präsidenten Dr. Brünaner und Herrn Heinrich Korany, der Verein „Pestalozzi zur Fürsorge für verwahrloste Kinder" das Fräulein Petra Bellam. der humanitäre Verein „Kinderschntz" Gremialrat Emmerich Kanders. Ans dem interessanten Berichte des Präsidenten konnten wir entnehmen, daß der Verein in der Berichtsperiode 107.839 Miltagsmahle und 158.600 Nachtmahle verabfolgte. Im Jahre 1914 wurden 90 Kinder vollständig bekleidet; diese standen auch unter ständiger medizinischer und zahnärztlicher Aufsicht resp. Behandlung. Die Schützlinge des Vereines machten des öfteren Ausflüge und Exkursionen. Der Verein erhält die einzig in Wien bestehende Jngendlesehalle Wien, II., Große Sperlgasse 32, die sich eines zahlreichen Besuches stets erfreut. Außer dieser regelmäßigen Vereinstätigkeit entfaltete der Elternverein „Pestalozzi" seit Ausbruch des Krieges eine großzügige Ansspeiseaktion für die Kinder der Eingerückten und Arbeitslosen sowie der Flüchtlinge. Im Oktober vorigen Jahres eröffnete der Verein eine Kinderspeisehalle H., Große Sperlgasse 32, in welcher täglich 600 Kindern Mittagsmahl verabreicht wird. An dieses mit großem Beifall aufgenommene Referat knüpfte sich eine lebhafte Debatte voll des Lobes und der Anerkennung über die Tätigkeit des Vereines. Es sprachen: Abgeordneter Dr. Ofner, Landesschulrat Dr. Kohn, Bezirksschulrat Spitzer, Bezirksschulinspektor Professor Kanitz, Bezirksrat Dr. Brady, Direktor Karl Holzer, kais. Rat Dr. Krüger und die Damen: Charlotte Frischauer, Dr. Stein, Adele Hirschenhauser und Petra Bellam. Als letzter Redner Se. Ehrwürden Dr. Grunwald, der in kernigen Worten einen Rückblick und einen Ausblick über den Pestalozziverein entwarf. Alle Redner und Rednerinnen betonten die fast einzig von diesem Verein praktizierte Fürsorge für die Kinder. Nicht die Rolle des Wohltäters spielt der Verein, sondern er erzieht die Kinder strenge im Geiste Pestalozzis und sind die Leiter und Leiterinnen der einzelnen Sektionen nichts anderes als gute Eltern für die Kinder. Die Vertreter der ofsiziellen Korporationen versprachen dem Verein reichliche Unterstützungen zuzuwenden und baten auch die Privaten ihr Scherflem zum Ausbaue dieser guten Sache beizntragen. Nach einem Referate des Vizepräsidenten Herrn Josef Stern wurden für ihre besonderen Verdienste um die Kinderfürsorge Frau Rosa Werner und k. k. Polizeioberbezirksarzt Herr Dr. Nappaporl einstimmig zu Ehrenmitgliedern des Vereines ernannt. Die vorgenommenen Neuwahlen ergaben die einstimmige Wahl nachfolgender Damen und Herren: Präsident: Arnold Lemberger; Vizepräsidenten: Josef Stern, städt. Lehrer, Dr. Friedrich Welt; Schriftführer: Jakob Kohn, Oberlehrer; Schriflführerstellvertreter: Frieda Broch; Kassier: Leopold Richter, städt. Schulleiter; Kassierftellvertreter: Max Robitschek. Vorstandsmitglieder: Margarethe Grünwald, Clara Bocher, Amalie Koranyi, Laura Schapira, Jda Schönherz, Lilli Schwarzmaun, Dora Stein, Therese'-Weinmann, Rosa Werner, Medizinalrat B. Dr. Glattaner, Karl Holzer, Bürgerschuldirektor,' Michael Honig, Ernst Klebinder, Bezirksvorsteher-Stellv., Direktor- Richard Lissau, Alfred Menziles, Bernhard Schwarz, David Tänzer, Dr. Norbert Tischler. Aufsichtsrat: Bezirksrat Franz Günther, Armenrat Ferdinand Löwy, Bezirksrat Oberinspekor Josef Schlüsselberger. Mit Stolz kann der Verein auf diese seine Festver--- sammlung zurückblicken und ist anzunehmen, daß dieselbe mitdazu beitragen wird, neue Freunde nnd Gönner dem Vereine zuzuführen.;_ Gin Prognostik»» für das Jahr 1915. Von H. L. B. Ein altes Mütterchen, mit rundem, runzeligem Gesichte,- ans dem zwei sonnenhafte Augen unter einer fast schönen Stirn in die Welt blickten, hat mich vor Jahr nnd Tag, kennen gelernt und war mir — das Mütterchen hat es mir offen gestanden — so recht vom Herzen zugetan. So oft ich nun meinen Vortrag in der Toynbeehalle im XX. Bezirke beende und mich nach Hanse begebe, schließt sich das Mütterchen, das, Wind und Wetter trotzend, die Volksvorträge regelmäßig besucht, mir an und wir gehen, dies nnd jenes erörternd, eine lange Strecke Weges zusammen. Auch am letzten Freitag des Kriegsjahres 1914 befand ich mich in Gesellschaft dieser lieben Freundin. Aber diesmal wollte sich der Ton der Aufrichtigkeit in unserem Gespräch nicht einstellen. Immer wieder schaute sie mich mit vorwurfsvollen Blicken an und wollte ans keine meiner Bemerkungen reagieren. Ich glaubte anfangs sie wäre unwohl nnd erkundigte mich teilnahmsvoll nach ihrem Befinden. „Danke, danke bestens. Ich bin gottlob gesund," gab die liebe Alte mir zur Antwort. Dabei musterte sie mich mit ihren klugen Angen und ihr vorwurfsvoller Blick ließ mich erkennen, daß sie mit mir unzufrieden sei. Ohne viel Ueberlegnng fragte ich sie nach dem Grunde ihrer Unzufriedenheit. „Herr Lehrer", sprach sie „ich zürne Ihnen, weil Sie meiner Bitte, meinen schauderhaften Traum zu Beginn des Schuljahres 1913/14, den ich Ihnen seinerzeit erzählte, der Oeffentlichkeit übergeben, kein Gehör schenken wollten und mich damals mit den Worten abfertigten: „Träume sind Schäume." Ach, wie glücklich wäre ich nnd mit mir unzählige Menschenherzen, wenn Sie recht behalten hätten. Leider war mein Traum vom Massengrab und Weltbrand kein Schäum . . . Sie sah mich bei diesen Worten neuerdings an und nnanssprechliches Mitleid sprach ans ihren Augen, aus denen plötzlich die Tränen wie aus einer Quelle zu fließen begannen. Anfangs war ich ganz stutzig über das Gebaren meiner Freundin, denn ich konnte mich des Traumes, von dem sie sprach, gar nicht erinnern. Als aber ihr schmerzerfnllter Blick auf mir ruhte, da erinnerte ich mich, diesen Kassandrablick schon einmal gesehen zu haben und nach einigen Augenblicken angestrengten Denkens stand das ganze von der braven Alten erwähnte Traumbild vor meinem seelischen Auge. Sie hat also ein Jahr zuvor das Unglück Europas intuitiv im Traume gesehen. Um sie zu trösten, sagte ich, daß die Veröffentlichung einer solchen Hiobspost doch im Unheil nichts geändert hätte. Sie aber, in ihrer Treuherzigkeit und fast kindlichen Naivität meinte: „Doch, doch. Man kann Nichtwissen. Aber es ist vorüber und läßt sich nicht mehr ändern. Allein ich hätte heute ein ähnliches Anliegen an Sie," fuhr Sie heiter nnd mitteilsamer werdend fort, „aber diesmal dürfen Sie mein Tranmgesicht der Oeffentlichkeit nicht vorenthalten. Ich bin doch kein Lotterieweib. Ja, ich habe überhaupt "-keiner Träume persönlicher, sondern nur solche allgemeiner Natur, besonders zu Beginn des Schuljahresam- Geburtstage

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