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Die Wahrheit · 1915-02-26 · Heft 9 (26.2.1915) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 9 (26.2.1915)
Date
1915-02-26
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 9. Die Wahrheit. Leite 9. meines Mannes, Gott habe ihn selig, der ein höchst idealer -Lehrer war." Und ohne meine Abweisung oder Zusage abzuwarten, -erzählte das alte Mütterchen ganz glücklich und frendestrahlend weiter: „Es war am Vorabend des letzten Rosch-Haschonoh- Festes. Ich hatte alles vorbereitet, als wäre er, mein Mann. -Gott habe ihn selig, noch am Leben. Ich speiste ganz vergnügt, verrichtete mein Gebet und ging in stimmungsvoller Erwartung eines hochwichtigenTraumgesichtes zu Bette. Der Schlaf kam bald und mit ihm der Traum. Es schien mir, daß ich mich in einem umfriedeten Rechteck befinde, in dessen vier Ecken je ein Pumpbrnunen stand. Ich ging zu einem Brunnen und wollte Wasser schöpfen, aber dasselbe war trübe. Auch das Wasser der zweiten Quelle war ungenießbar. In der dritten und vierten Zisterne war es zwar sehr klar, aber eine unsichtbare Macht verhinderte mich, anch nur einen Tropfen zn erhallen. Mißmutig suchte ich den Ansgang, den ich anch fand. Aber kaum trat ich einen Schritt weiter, da stand vor mir auf trockener Erde ein Kahn, in dem sieben schöne Franengestalten in prächtigen weißen Seidenkleidern saßen. Als ich sie ansprechen wollte, erwachte ich mit einem Gefühle größter Beklemmung. Mein Herz schlug so stark, als wollte es zu pochen anfhöreu. Verschiedene fürchterliche Gedanken durchschwirrten mein armes Gehirn und mit unsäglichen Seelenqnalen wälzte ich mich auf meiner Lagerstätte, bis sich Gott meiner erbarmte und ich wieder entschlief. Da schien es mir, ich weile in großer Gesellschaft, die mich auslachte, daß ich Trübsinn blase. Ich will mich rechtfertigen und erzähle meinen Traum und gebe demselben folgende Deutung: Die vier Brunnen wären die vier Fakultäten der Universität und die sieben Franengestalten wären die sieben Künste. Alle leiden sie durch den Krieg und ich sollte nicht traurig sein? Ans diese meine Deutung ertönte in der Höhe helles Lachen und als ich anfschante, da sah ich die sieben schönen Frauen an der Seite von sieben Männern — es waren deutsche Prinzen. Die Umfriedung war verschwunden. Die Ebene des Rechteckes wurde zur Höhe, die vier Brunnen verwandelten sich in eine tiefe wasserlose Zisterne, in der ein Mann in Gala stand, es war Poincarä — und auf dem znr Höhe führenden Wege bewegte sich langsam und majestätisch ein Hofwagen, in dem zwei gekrönte Häupter saßen, es war unser teurer Monarch und der deutsche Kaiser. Sie hielten in den Händen eine offene Rolle, auf deren gelbem Grund mit großen schwarzen Buchstaben: „Sieg" geschrieben war. Als ich erwachte, war ich beruhigt und überzeugt, daß wir bis gegen Anfang September 1915 die Feinde zuversichtlich besiegen werden, denn in meinem Tranmbilde sah ich nicht undeutliche dämmernde Schatten, sondern lebenswahre Gestalten. Ich bitte Sie daher, Herr Lehrer," schloß das alte Mütterchen, fast in befehlendem Tone, „machen Sie nicht viel Geschichten und schreiben Sie das, was Sie soeben gehört haben, ohne literarische Schnörkeln und Arabesken den Zeitungen, die es gewiß als gutes Prognostikon für das Jahr 1915 veröffentlichen werden." Uerschiedene Nachrichten. Wie». Freitag, den 5. März 1915, Predigt im Tempel, VIII., Neudeggergasse 12. Wien. (Predig t.) Freitag, den 26. Februar 1915 abends Kndet im Gemeindetempel, XXI., Holzmeistergasse 12 eine Predigt statt. Wien. Samstag, den 6. März d. I. findet beim Hauptgottesdienste im Tempel in der Seitenstettengasse die Barmizwa des Kon» firmenden Siegmund Z e l l n i k, Sohn des Chordirigenten Herrn Josef Z e l l n i k, statt. Wien. (Bortrag aus jüdischer Geschichte, Literatur und Kultur.) Donnerstag, den 4. März 1915, */,8Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architektenvereines, 1., Eschenbachgasse 9, ein Vortrag des Herrn Dr. Max G r u n w a l d Itatt. Thema: „Der Weltfriedensgedanke Alt-Israels und der gegenwärtige Weltkrieg". Eintritt frei — ohne Karten. Vien. (Vorträge in der Toynbeehalle, XX., Denisgafie 33. JosefineMendl-Wohlsahrtshans). Freitag, den 26. Februar: Bibelvortrag von Herrn S. R o s n e r. Samstag, den 27. Februar: Mnsikanfführung, veranstaltet von Frau Gesangmeisterin F n»k- Freund. Sonntag, den 28. Februar: Knderjause, Beginn 4 Uhr. Montag, den 1. März: „Der Krieg und die Bibel", Bortrag von Rabbiner Dr. Max Bach. Diensrag, den 2. März: „Wie entsteht eine Leitung?) Bortrag von Dr. Fr. Fisch l. Mittwoch, den 3. März: Mnsikanfführung. Mitwirkende: Fräulein Käthe Paschkus (Gesang), Herr S. Holzer (Geige). Donnerstag, den 4. März: Bortrag, veranstaltet vom „Jllgeildbund". Wie». Primarius Dr. Julius Z a p p e r t ist zum k. k. außerordenllicheil Unlversirätsproseffor ernannt worden. Wien. Erherzog Franz Salvaror har als Proteklorstellvertreter des Roten Kreuzes dem Loerkanlvr der Wiener Knliusgemeinde, Don Fuchs, da» Ebrenzeichen zweiter Klaffe vom Roten Kreuze verliehe». Wien. Ueber Beraulaffunz des Vereines zur Abwehr des Antisemitismus wird Dienstag, den 2. Mürz. l. I., abends halb acht Uhr. im Festsaale des Hotel Post, I., Fleischmarkt 24, (Eingang Drachengaffe 1) der bekannte Geschichtsforscher, Herr Professor Dr. Mayer- Balaban ans Lemberg, über das Thema: „Wie iverden Ritnalmärchen gemacht?" sprechen. Enicnrr frei, Gäste bestens willkommen. Mffach - Meleitung der „Weiblichen Mrsorge" in Wien. Aufruf! Den jüdischen Armen Wiens, insbesondere den Flüchtlingen ans den vom Feinde besttzren Gebieten, droht eine ernste Gefahr. Während die Menge der zn erzeugenden Mazzorh in diesem Kriegsjahre mir Rücksicht auf die allgemeine Brotverfvrgnng einer gesetzlichen Beschräilkuiig unterliegt, wird die Nachfrage durch den Zustrom der streng rituell lebeiiden Flüchtlinge sich um ein Vielfaches steigern. Diese Armen, deren Hanprnahrungsmirrel das übrige Jahr hindurch das Brot bildet, wären, wen» inchr rechtzeitig für einen Ersatz gesorgt wird, dem Verhungern preisgegeben. Das Schicksal von mehr als 40.000 jüdischen Seelen steht ans dem Spiele! Um der verhängnisvollen Wirkung des Mazzothmangels nach Möglichkeit vorzubeugen, hac der Unterzeichnete Ansschuß beschlossen, für diese Notleidenden während des Pessach-Festes statt des enlsallenden Brotes eine Kartoffelverteilnng und -Ansspeisung eillznrichteil. Zur Durchführung dieses Beichlnffes sind aber erhebliche Geldmittel erforderlich, und bei der starken Inanspruchnahme aller öffentlichen Stellen sind wir zur Aufbringung der Kosten unseres Unternehmens auf private Beihilfe angewiesen. Wir wenden nus deshalb an alle mitleidigen Herzen mit der eindringlichen Bitte, unser Werk nach Kräften durch einen Geldbeitrag zn unterstützeil. In Anbetracht der Wichtigkeit und Dringlichkeit unserer Bitte erhoffen wir von den Becmögenden reichliche Uilterstütznug; wir machen jedoch ausdrücklich darauf aufmerksam, daß wir auch die kleinste Gabe willkommen heißen. Genügt doch schon ans dem von uns gewählten Wege eine Krone, uni drei Menschen drei Tage lang Vor Hunger zu bewahren! Jeder Menschenfreund laffe sich unseren Rat zn Herzen gehen! Die Hausbesitzer und -Jnsvekcoren in allen Flüchrlingsbezirken Wiens, namentlich im II. und XX. Bezirk und in der Prarergegend, werden gebeten, unS für die Zeit vom 26. März bis 8. April geeignete Räume sowohl für die Verteilung roher als zur Verabreichung gekochter Kartoffeln zur Verfügung zu stellen. Gütige Spenden nehmen entgegen: „Weibliche Fürsorge, Wien, I., S ch o t t e n g a f s e 10 und Frau Rabbiner Dr. G r u lt w a l d, W i e n, II., Ferdinandsstraße 23. Charlotte Freifrau v. Königswarter Ehrenpräffdentin. Für den Arbeitsausschuß der „Weiblichen Fürsorge": Regine U llm a nn Sophie G r n n s e l d Margarethe Grnnwald Hermine K a d l s ch Helene K n r a ir d a Roa Schur Klotilde Benedikt. Die Frauen: Rabbiner Dr. A b e l e s (HI.), Dr. Jenny Adler (Jsr. Volksküche), Rabbiner Dr. Adele Bach (XVI.), Rabbiner Doktor Bauer (VIII.), Jda Berliner, Thekla B l e ch - M e r v i n, Doktor Blech (Krankenpflege), Dr. B i x (Boskowitzer), Helene Deutsch (Greisiunenfürsorge), Fräulein Rosa Deutsch. Anna D o n r e l ch (Flüchtlingsjam'e), Rabbiner Dr. Dobrinsky (V.I.), Rabbiner Dr. Feuchrwang (Gähriuger Franenverein), Jda F» g d o r (Zuflucht), Direktor Fischer (Kmdervewahranstalr), Emmy Fischler- L a n d e i » (Jnbilänmsansipeisnng). Dr. F r i s ch a u e t (Kinderhort). Henriette Grünwald (Floridsdorf). Goldschmidt (Llaollsiks hadath , Oberrabbiner Dr. Güde man», Herr Profeffor Krauß,

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