Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1915
- Issue
- Heft 9 (26.2.1915)
- Date
- 1915-02-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9. Die Wahrheit Seite 7. bare Krieg aus, der von böswilligen, von Neid und Haß erfüllten Feinden unserem teuer» Vaterlande aufgezwungen wurde. Uebte schon naturgemäß dieser unheilvolle Krieg auf unser Vereinsleben. sowie auf alle Kreise der Bevölkerung seine nachteilige Wirkung aus, so traf unsern Verein, durch das am 6. August v. I., unverhofft eingetretene Ableben unseres vielverdienten, unvergeßlichen Obmannes G. Bettelheim noch ein herber Schlag, den derselbe nur schwer zu überwinden vermögen wird. Die zur Zeit der hohen Feiertage für die Erhaltung unserer Knltuseinrichtnngen alljährlich gemachten Spenden blieben zwar von jenen des Vorjahres nicht zurück, dafür aber hatten wir einen bedeutenden Ausfall bei den Mitgliedsbeiträgen, welche von K 3361.— auf K 2793.— znrückgegangen sind. Noch empfindlicher ist der Minderertrag der Tranungstaxen, die von L 10.200.— auf K 8490.— gesunken sind, somit ein Fehlbetrag gegen das Vorjahr von K 1710.— sich ergibt. Weiter ist unser Budget infolge der friedlichen Erledigung der Rabbiner- und Kantorfrage, trotz der mnnifizenten Unterstützung des löbl. Kultusvorstandes -enorm belastet worden, indem wir für die genannten Funktionäre einen Pensionsbetrag von K 9340.—, und zwar für den Rabbiner Herrn Dr. Gelbhans K 5500.— und finden Oberkanter Herrn Kläger K 3840.— als jährliche Pension ansznzahlen haben. Trotz dieser großen Belastung und des Rückganges ans den Mitgliedsbeiträgen und Trauungstaxen, war Ihr Vorstand bemüht, über die sich häufenden Schwierigkeiten hinwegzukommen und sowohl die dringend notwendig gewordene Renovierung des Gotteshauses vorzunehmen, als auch die erledigte Stelle eines Vereinsrabbiners mit einem tüchtigen, bochachtbaren und strebsamen Absolventen des Wiener Seminars zu besetzen, damit den Gläubigen das Wort Gottes wieder verkündet werde. Mit den Leistungen des im vorigen Jahre bestellten Kantors, waren sowohl die unseren Tempel besuchenden Vereinsmitglieder, als auch die zahlreichen Besucher ans dem Nichtmitgliederstande so erbaut und befriedigt, daß wir von einer weiteren Veränderung bis jetzt absehen konnten und mit der provisorischen Anstellung eines Aushilfskantors das Auslangen fanden. So schwere Aufgaben der Vereinsleitung harren, hofft dieselbe durch die Opserwilligkeit der Voreinsmitglieder und das Wohlwollen unserer Knltnsgemeinde, die es bis jetzt ermöglichten, unsere gottgefälligen Einrichtungen zu erhalten, auch künftighin ermöglichen wird, diese Aufgaben in einer unseres Gotteshauses würdigen Weise ausznführen. Auch im abgelanfenen Jahre hat der Tod eine Anzahl treuer Anhänger unserer Kultusvereinignng entrissen. Wir beklagen den herben Verlust unseres verdienstvollen Obmannes -Gottlieb Bettelheim, unserer langjährigen ehrenwerten Mitglieder Dr. James Klang, Emanuel Pollak und Hermann Fuchs. Wir alle werden den Heimgegangenen ein ehrendes dankbares Andenken bewahren. Wenn wir schließlich an die geehrte Generalversammlung den dringenden Appell richten, nach Tunlichkeit uns zu unterstützen und in Bekannten- und Freundeskreisen neue Mitglieder zu werben, damit es Ihrem Vorstände ermöglicht wird für die vielen Bedürfnisse unseres Gotteshauses und eines würdigen Kultus anfkommen zu können, hoffen wir mit Bestimmtheit einer neuen Aera der friedlichen Entwicklung unseres Vereines entgegensehen zu können, zur Ehre unseres Glaubens und zum Wohle der jüdischen Bevölkerung unseres Bezirkes." Ueber den Bericht entspann sich eine überaus angeregte Debatte. Herr Karl Schön wünschte einen häufigeren Kontakt der Mitglieder mit dem Vorstande, die Abhaltung der Generalversammlung in einem größeren Saale. Gleichzeitig gab er Anregungen, wie nach seinem Dafürhalten die Frequenz des «Gottesdienstes gehoben werden könnte. Herr Ignaz Glück verwies darauf, daß der Redner .LN der letzten Generalversammlung das gleiche Thema erörtert habe, und widerlegt, von der Versammlung mit allgemeiner Zustimmung aufgenommener Weise, die Ausführungen des Redners, die so gut gemeint sie auch sein dürften, derzeit nicht am Platze seien. Dr. Heinrich Schreiber beglückwünscht den Verein zu der im Einvernehmen mit der Knltnsgemeinde gelösten Rabbinerfrage und verwies, daß insbesondere in der jetzigen schweren Kriegszeit ein inniges und einträchtiges Zusammenwirken der Tempelvereine mit der Mnttergemeinde in höchsten Grade geboren sei, nm über die schweren Zeiten hinwegznkommen. Die temperamentvollen und geistreichen Worte des Redners wurden mit großem Beifalle anfgenommen. Herr Josef Steiner betont, daß die Werbung von neuen Mitgliedern nur dann Erfolg haben wird, wenn jedes einzelne Mitglied sich nach dieser Richtung betätigen wird. Kais. Rat Salamon Beer begrüßt den Verein namens des Tempelvereines im XIII. Bezirk. Dr. I. S. Bloch darrkl dem Vorsitzenden namens der jüdischen Presse für die freundliche Begrüßung und konstatiert mit Genugtuung gegenüber einer gegenteiligen Bemerkung eines Vorredners den zahlreichen Besuch der Versammlung. Schulrat Professor Dr. Weiß dankt dem Vorstande für seine außerordentliche Mühewaltung, und gibt die Anregung, daß die Predigten abweselnd am Freitag Abend und Samstag Vormittag abgehalten werden. Herr Kraus macht Vorschläge, in welcher Weise die Werbung von neuen Mitgliedern gefördert werden könnte. Der Vorsitzende reflektiert auf die gegebenen Anregungen und versichert, daß die'elbeu so weit möglich im Vorstände eingehender Beratung unterzogen werden. Ueber Antrag des Tr. Bloch wird hierauf, der Rechenschaftsbericht genehmigt und dem Vorstande das Absolntorinm erteilt. Bei den hierauf dnrch die Skrntatoren Alfred Waizner und Rudolf Forst dnrchgeführleu Wahlakte werden in den Vorstand gewählt die Herren: Dr. Wilhelm K n ö p f m a ch e r. Adolf Mose r, Kom.-Rat Alfred Winter, Josef Steiner, Ignaz Schulhof. In den Ausschuß die Herren: Ignaz G l ü ck, Leopold Hendl, Gerson K o r a l e k, Ludwig Lazar, Wilhelm Pappen heim, Fuchs, Dr. Adolf Steiner. Isidor T r e b i t s ch. Mit Dank an die Erschienenen schließt hierauf der Vorsitzende die Versammlung. Jubilimins - Uersammlung de» Gllernvereines „Peftnlozp". Am 21. Februar l. I. nachmittags fand im Saale der Börse für landwirtschaftliche Produkte unter zahlreicher Beteiligung der Mitglieder und offizieller Persönlichkeiten die zehnte Jahres-Hanptversammlung als Festversammlung des durch seine humanitären Werke bekannten Elternvereines ,. Pestalozzi" statt. Der Präsident, Herr Arnold Lemberger, begrüßte als Festgäste die Herren: Reichsratsabgeordnelen Dr. Julius Ofner, die Gemeinderäte Georg Emmerling, Sigmund Kodicek, Ernst Nenstadtel; die Bezirksräle Doktor Leopold Brady. Medizinalrat Dr. B. Glattaner, Franz Günther, Edmnnd Hoffmann und Oberinspektor Josef Schlüsselberger, Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Dr. Max Grnnwald samt Frau, Landesschulrat Dr. Gustav Kohu, Bezirksschulrat Dr. Markus Spitzer. Bezirksschulinspektor Professor Kanitz; die Ortsschulräte Professor Antscherl und Sprinzeles; den Obmann des Armeuiustitnles Franz Jnnghofer mit den Armenrälen Heller, Salo Lemberger und Ferdinand Löwy. Nachfolgende Körperschaften entsandten Delegierte: der Vorstand der israel. Knltnsgemeinde Herrn Doktor Winternitz, das Jugendfürsorgeamt der k. k. Polizeidirektion Herrn Polizeioberkommissär Dr. Emil Salkhoff, die Zentralstelle für Armenwesen Herrn kais. Rat Regimentsarzt Doktor