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Die Wahrheit · 1915-02-26 · Heft 9 (26.2.1915) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 9 (26.2.1915)
Date
1915-02-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seile 4. Die Wahrheit Nr. 9. Nachdem das Schriftstück auf die gegenteiligen Verletzungen des Völkerrechtes durch England hinweist, die auch vor wirtschaftlicher Schädigung der neutralen Staaten nicht zurückschreckt, wenn sie dadurch Deutschlands Bevölkerung dem Hunger preiszngeben hofft, fährt die Denkschrift, fort: „D i e N e n t r a l e n haben d i e v ö I k e r r e ch t s w i d r i g e Unterbindung i h r e s H a n d e l s m i t D e n t s ch l a n d nicht zu verhindern vermocht. Die amerikanische Regierung hat zwar, wie Deutschland gern anerkennt, gegen das englische Verfahren Protest erhoben, aber trotz dieses Protestes und der Proteste der übrigen neutralen Regierungen hat England sich von dem eingeschlagenen Verfahren nicht abbringen lassen. Deutschland ist durch diese Sachlage nute r stillschweigender oder p r o t e st ie r e n d e r D ul düng der Neutralen von der überseeischen Zufuhr so gut wie abgeschnillen nnd zwar nicht nur hinsichtlich solcher Waren, die absolute Konterbande sind, sondern auch hinsichtlich solcher, die nach dem vor Kriegsausbruch allegemeiu anerkannten Recht nur relative Kriegskonterbande oder überhaupt keine Konterbande sind. England dagegen wird u n t e r D n l d n n g der neutralen Regierungen nicht nur mit solchen Waren versorgt, die keine oder nur relative Kriegskonterbande sind, von England aber gegenüber Deutschland als absolute Konterbande behandelt werden (Lebensmittel, industrielle Rohstoffe), sondern sogar mit Waren, die stets unzweifelhaft als absolute Konterbande gelten. Die deutsche Regierung glaubt insbesondere und mit größtem Nachdruck darauf Hinweisen zu müssen, daß ein auf viele Hunderte von Millionen Mark geschätzter Waffenhandel amerikanischer Lieferanten in i t Deutschlands Feinden besteht. Die deutsche Regierung gibt sich wohl Rechenschaft darüber, daß die A n sü b u n g v o n R e ch t e n u n d die Duldung von Unrecht seitens der Neutralen formell in deren Belieben steht und keinen formellen Neutralitätsbruch involviert (ausgezeichnet); sie hat infolgedessen den Vorwurf des formellen Neutralitätsbrnches nicht erhoben. Die deutsche Negierung kann aber gerade im Interesse voller Klarheit in den Beziehungen beider Länder nicht umhin hervorznheben, daß sie mit der gesamten öffentlichen Meinung Deutschlands sich dadurch schwer benachteiligt fühlt, daß die Neutralen in der Wahrung ihrer Rechte auf den völkerrechtlich legitimen Handel mit Deutschland bisher keine oder nur unbedeutende Erfolge erzielten, während sie von ihrem Rechte, den Konterbaudehandel mit England und unseren Feinden zu dulden, uneingeschränkten Gebrauch machen." Dem großen Krämer Onkel Sam ist sein Konterfei noch nie so treffend vorgehalten worden. Am Schluffe dieser Erklärung heißt es: „Sie (die deutsche Admiralität) wird dieses Seekriegsgebiet soweit wie irgend angängig durch Minen zu sperren und auch die feindlichen Handelsschiffe auf jede andere Weise zu vernichten suchen." Betreffs der neutralen Schiffahrt im Kriegsgebiete bemerkt die Proklama ion: „Die deutsche Regierung ihrerseits lehnt jede Verantwortung für solche Zufälle (Schädigung durch den Seekrieg) und deren Folgen a u sdrücklich ab". Das Schriftstück versichert schließlich, die deutschen Kriegsschiffe haben den Befehl, amerikanische Handelsschiffe tunlichst zn sch o uen und zu respektieren, empfiehlt aber, dieselben nur mit friedlicher Ladung zu befrachten und am englischen Kriegsschauplatz durch Konvoyiernng kenntlich zu machen. Falls die amerikanische Regierung die englische Regierung hiezu bestimmen könnte, die Londoner Seekriegsrechtserklärnug zu beachten und Deutschland die legitime Zufuhr von Lebensmitteln und mdustriellen Rohprodukten zu ermöglichen, wolle auch die deutsche Regierung wieder zu einer humaneren Kriegführung zurückkehren, da sie zu den angekündigten rücksichtslosen Kriegsmaßuahmen nur unter dem stärksten Zwange der nationalen Selbst erhalt» ng greifen mußte. Die europäischen Zentralstaaten sind über die gegenwärtige Haltung Noi-darnerikas ebenso enttäuscht, wie im letzten Herbste Über die plötzlich rnssenfrenndliche Haltung der Japaner. Nilr war die japanische Haltung keineswegs durch Angstvor den Russen, sondern durch höchst egoistische Motive herbeigeführt worden, was die Russen heute schon zu ihrem Mißvergnügen erkennen, aber der sonst sehr selbstbewußte Onkel Sam scheint von der englischen Seemacht in Wahrheit eine heillose Angst zn verspüren. Greift aber nun der tapfere Deutsche nur fest zn, erschüttert er den bisherigen Größenwahn Englands empfindlich und offensichtlich, dann wird die Meinung Nordamerikas über Englands Seemacht ebenso rasch geändert werden, wie die Meinung der russischen Welt über Japan. Die Ausschreibung riesiger Belohnungen für Vernichter deutscher Unterseebote und die Bedrohung ihrer Mannschaften mit der Behandlung als Mörder seitens Englands sind keineswegs geeignet, die öffentliche Meinung über die Regierung Englands zn erhöhen, sondern sie enthüllen nur drastisch die heillose Angst und Verzweiflung der Engländer. Diese Angst ist nun umso berechtigter, weil in den letzten Wochen durch die tapferen deutschen Kriegstaten Deutschlands und Oesterreich-Ungarns in Ostpreußen und in der Bukowina, welche Länder bereits rnssenfrei sind, auch die Hoffnung der Entente vor der bezwingenden Macht der „russischen Dampfwalze" gründlich zerstört wurde. Auch die tapferen Osmanen werden Russen und Engländern bereits sehr unangenehm nnd auch der chinesische Riese scheint aus seinem tausendjährigen Schlafe erwachen zu wollen. Bedenkt man, daß nach einer letzthin bekannt gewordenen Veröffentlichung die Anzahl der im Weltkriege bisher getöteten, verwundeten, erkrankten nnd gefangenen Soldaten alter kriegführenden Mächte zusammen bereits 11,000.000 Mann übersteigt, bedenkt man, daß die nach diesem entsetzlichen Wiuterfeldznge Heimkehrenden einen erschrecklich hohen Prozentsatz von Siechen aufweisen werden, bedenkt man, welche Millionenschäden der Weltkrieg bisher schon geschlagen hat, daun darf man wohl darauf hoffen, daß der Kriegswahnsinn nun doch bald enden muß. Sind auch die Verluste unserer Gegner (Russen 4,000.000. FranzoseWWWWWWWW^WWH größer als die der mittelenropäW^^DMDMIW^WM so ist die fernere Verfolgung des bestialischen Grundsatzes „Wie du mir, so ich dir", auf keinen Fall mehr lange möglich. Die Ranbvereinignng der Entente muß wohl schon einseheu, daß ihr verbrecherisches Kriegsnnternehmen verunglückt sei und die vernünftigeren Franzosen und Engländer, welche sich sofort ihrer Bnndesgenossenschaft mit dem barbarischen Zarenreiche schämten, müssen wohl bald auch vom National-Chanvinismns genesen. Trägt dann der verderbliche Weltkrieg dazu bei, auch in Rußland die Macht des Zarismus zn brechen, dann wird ein billiger Friedensschlnß von Volk zu Volk möglich. Die Inden Europas waren im letzten Weltkriege mit wenigen Ausnahmen mit ihren Sympathien nnd ihrer Tatkraft auf Seile Deutschlands nnd Oesterreich-Ungarns. Die Million Inden in New-Aork machte davon kein Geheimnis und die russischen, galizischen nnd Bnkowinaer Inden wurden deshalb von der russischen Soldateska fürchterlich behandelt. Nach diesem Kriege haben die Reichsdeutschen nnd Oesterreich-Ungarn die heilige Pflicht, diese bewiesene Treue voll zu belohnen: „Wie du mir, so ich dir!" R. L. Gin offener Kries an den rnfstsche» Minister des Aenßern Safonow Wien, 19. Februar. Der österreichische Abgeordnete Heinrich Reizes veröffentlicht den folgenden offenen Brief an den russischen Minister des Aenßern Safonow:

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