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Die Wahrheit · 1915-02-12 · Heft 7 (12.2.1915) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 7 (12.2.1915)
Date
1915-02-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Lelir 6_Die; MayrvM’Jfr. %■< Lrts.rabbiners. R. Tobias Levit, brachten? ihn seine:-Eltf.ru zu die von M-. A. Tischler gegründete Schule, welche <zrtüch fi'mf Zähren mit grundlegende» talmudischen -Kenut- Riffen verließ. Mit großerDankbarkeit gedenkt Weiß noch -als Achzigjähriger des ausgezeichueteli. Lehrers -dieser Schule, der, eiu früherer Kaufmann, ohne pädagogische Byrb.ild.uug» in dem von ihm notgedrungen ergriffenen, Lehrberufe große Geschicklichkeit bekundete und glänzende Erfolge erzielte» Neben Talmud wurden Bibel mit Mendelsohnncher. Heberfetzung, Hebräische Grauunatik nach Benzew eifrig gelernt und auch etwas Mathematik, namentlich zur Kenntnis des jüdische» Kalenderwesens, betrieben. Ja den profanen Fächern Wurde er täglich durch zwei Stunden von einem besonderen Lehrer unterwiesen, ohne merkliche Fortschritte zu machen. Um die Fähigkeiten des hoffnungsvollen Knaben zur vollen Entwicklung zu bringen, beschlossen die Eltern, einen Lehrer ins Haus zu: nehmen, mit der Aufgabe, sich ausschließlich ihrem Kinde zu widmen und fanden einen solchen in der Person des vielseitig gebildeten Wolf Mühlrad. Der Unterricht dieses Mannes vermochte jedoch nicht den Knaben zu fesseln, hauptsächlich deshalb, weil er mehr auf ein gedächtnismäßiges Aneignen von Meinungen der Dezisoren als auf eine scharfsinnige Behandlung des talmudischen Materiales gerichtet war und an ihn, den Schüler, zu hohe Anforderungen stellte. Ueüerüies wurde in dem Knaben, mit der Erlauguug der erforderlichen Reife, der Wunsch rege, eine der jeschibofch, deren es in Mähren fast in jeder jüdischen Gemeinde gab, zu beziehen. Die besuchtesten Jeschiboth jener Zeit waren die von Eibenschitz. Boskowitz und Trebitsch. Da sich die Eltern nicht entschließen konnten, den zarten Knaben in die Fremde ziehen zu lassen, überredeten sie ihn zunächst die Jeschiboh der Heimatsgemeinde, an deren Spitze der scharfsinnige Rabbiner Josef Feilbogen stand, zu besuchen. Aber schon nach einigen Monaten begab sich der junge Bachur mit Zustimmung der Eltern nach Trebitsch, wo er im Hause des erst seit kurzer Zeit dort fungierenden Rabbiners Chajim Josef Pollak ein zweites Vaterhaus fand. Mit großer Fürsorge überwachte dieser Mann, der in den Schriften des Cicero und Seneeca ebenso Bescheid wußte, wie im Kodex der Sabbathvorschriften, die Studien seines Zöglings und bestrebte sich, ihn in jeder Hinsicht zu fördern. So mußte der Knabe dreimal wöchentlich in Gegenwart des Lehrers hebräische Stilübungen sorvohl in Prosa als auch in Poesie anfertigen und eignete sich mit der Zeit eine formvollendete Ansdrncksweise seiner Gedanken in hebräischer Sprache an. Entgegen der damals im Schwünge stehenden Populistischen Methode, weckte der Lehrer in dem Schüler den Sinn für das gerade und nüchterne Erfassen des Talmuds. Mit Wehmut verzeichnet es Weiß im hohen Alter, daß er nicht länger im Hause dieses seines Freundes und Lehrers blieb, dem er so vielfache Belehrung und Anregung verdankt. Im Alter von 1b Jahren ging Weiß nach Eisenstadt, wo sich um den aus Mähren stammenden Rabbi Jizchak Mosche Perls eine zahlreiche Jüngerschar, zumeist aus Ungarn, gesammelt hatten Die Verpönnng jedes profanen Wissens und der pilpulistische Geist unter den Bachurim waren für Weiß Erscheinungen, mit welchen er sich nicht befreunden tonnte. Wiewohl feine Studien durch den Rabbiner, der hinsichtlich der pilpulistischen Lehrweise von den Rabbinern Ungarns eine Attsnahme bildete und auch weit davon entfernt war, ein Feind profanen Wissens zu sein, günstig beeinflußt wurden, sah er sich dennoch durch das Beispiel mehrerer Kollegen veranlaßt, Elsenstadt zu verlassen. Der weithin gedrungene Ruf der Jeschibah zu Nikolsburg unter der Leitung des Rabbi Nachum Trebitsch zog ihn an und so begab er sich mit leeren Taschen-aber voller Ideale dahin, ohne seinen Eltern davon Mitteilung zu machen. Dem Aufenthalte in Nckolsbürg verdankt Weiß die wertvollr Anregung, sich mit dem jerufalemitischen Talmud eingehenderzu befassen wobei er _ deffeu Bedeutüüg für die kritische Betrachtung des babylonischen Talmuds würdigen.lernte. Nach zweijährigem Aufenthalte; in Molshurg zwam ihp ein Kotzfleiden.k das §r sich infolge^ geistiger Ueberailstrellgullgznzyg. zur/RiWhr ins .Elteruhallst Pp»! ha an wnrhen, er.isich,qnsdrücht,' Hie Bücher seine Wrer. . Mit-großem-Eifey.studierte er^ie Merke Rap.apprts, -Krpchmals -und Zunz,,.,-die. nunmehr./emy Richtnng bestimmten. Tadttludische Studien füllten den größten Teil feiner.Zerr aus, - die . übrige Zeit s loidmele er - anderen Wissenszweigen.. Allmählich begann txr;, sich,- schriflstellerifch zu betätigen und trab mit den größten Gelehrten, dieser Zeitfo mit Josef Saul Nathanfvn, Rabbiner in Lemberg,, in brieflichen Verkehr, der durch mehrere Jahre anhielt. Durchdrei Jahre (1827—1830) stand er selbst in seiner-E Heimatgemeinde einer Jeschibah vor, die später, wie auch andere in Mähren einging.-Im Jahre 1858 kam W'iß »lach Wien und fand in der großen Druckerei Samarskl uiiö' Dilmarsch als Korrektor Anstellung. Nach etrva einem Jahre wurde er in dem von Dr. Jellinek gegründeten Beth-Hamidrasch als Lektor berufen, »vomil eine lange Periode seiner segensreichen Lehrtätigkeit begann. Eine beträchtliche Zahl hervorragender Rabbiner und Prediger großer Ge»neil»0en zählt zuseinen Schülern. In der Behandlungsweise des Talmud schlägt.Weiß die freie kritische Methode ein und schrickt zuweilen nicht davor zurück, eine Lefeart als unrichtig zu erklären. Im allgemeinen warnt er davor, talmndifche Änsiprüche mit modernen Begriffen und Anschannngen.zu interpretieren und. in ihnen etwas zu suchen, »vas der Denkart der Alte» ferne lag. Ein Feind jeder schroffen und rücksichtslosen Polemik, schont er seine Gegner auch dann, »venu er ihren Ansichten entgegentreten zu müssen glaubte. „Es gibt kein Buch", pflegte er zu sagen, „aus dem »vir nicht auch etlvas Gutes lernen könnten, dieses Gute versöhnt uns mit den im Buche enthaltenen Jrrtümern". Das Hauptwerk Weiß ist sein „Dor dor wedorschow“ (Geschichte der jüdischen Tradition in fünf Bänden), Im Jahre 1862 erschien seine Ausgabe des Sifra mit dem Kommentare des Rabed und eigenen Anmerkungen und Stellennachweisen unter dem Titel „Massoneth hatalmud“, 1865 folgte die Alis gäbe der Mechiltha mit dem Kommentar Middoth Sofriln. Vom Jahre 1881 au gab er i»n Vereine mit feinem Kollegen Lektor Friedmaun die Monatsschrift Beth-Talmud Heralts, welche den Forschungen auf talmndischem Gebiete gewidmet war und viele wertvolle Arbeiten von ihm selbst enthält. Zahlreiche Aufsätze voll Weiß erschienen in den Zeitschriften Kochbe Jizchak, Hamagid, Haaffif und im Bikkurinl von Keller. Anmerkungen (Hagaboth) zu mehreren Traktaten des Talmud, Biographien über Raschi, Maimonides, R. Tam und andere kleine Schriften legen Zeugnis ab nicht nur von seiner immensen Gelehrsamkeit und seinem großen Fleiße, sondern auch von seinem eifrigen Bestreben, die Kenntnis der talmudischen Literatur zu fördern und zu verbreiten. Weiß starb, 90 Jahre alt, am 30. Mai (26. Isar) 1905 in Wien. Helle Punkte. Als vor ungefähr 68 Jahren — nämlich in einer Zeit der Hungersnot — der damalige Proßnitzer Rabbiner Hirsch B. Fasset es gewagt hatte, zu behaupten, daß in einer, so schweren, sorgen- und kummervollen Zeit ausnahmsweise, der Genuß von Hülsenfrüchten am Pessachfefte gestattet sei, welch ein gewaltiger Sturm erhob sich da gegen ihn, wie haben die Eiferer gegen diesen Ketzer gewettert und gezettert, als ob es sich um die Einführung einer radikalen,, das Judentum in. seinen Grundfesten erschütterten Reform gehandelt hätte. Wenn, damals selbst R. Josua b. Chananja, R. Jehnda Nesia und wie andere Tenaim und Amoraim, die /redlich bemüht waren, dem Volke im Interesse der Reljgiou das . Gesetz soviel als, möglich zu erleichtern, aufgestanden wären und dem verketzerten Rabbi fast -eigepflichteh

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