Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1915
- Issue
- Heft 7 (12.2.1915)
- Date
- 1915-02-12
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 7. Die Wahrheit Seite 7. hätten, wahrlich die Eiferer wnrden keinen Ailst»nd genommen haben, auch gegen sie zn demonstrierest. Ich" könnte. diese Behauptung sogar durch historisch begründete Tatsachen bekräftigen. — Wie haben sich jedoch die Zeiten geändert! Jetzt im Kriegsjahre heißt es allgemein „daß hervorragende orthodoxe Rabbiner für diese schwere Kriegszeil den Genuß von Hülsenfrüchten an den kommenden Pessachtagen ohne weiters gestattet haben." — Immerhin verdient diese von Toleranz und Milde zeigende Erleichterung als ein Fortschritt bezeichnet zn werden. ■ Z. B. Kriegslprnch e. Ueber dem Bette des Königs David hieng eine Harfe, welche beim Anfbrechen der Morgenröte zn spielen anfing. Dadurch erwachte der König und ließ gleich die Bittsteller Dor si h. „Was ist euer Begehren", fragte er. „Dein Volk .Israel braucht Nahrung", antworteten sie. „Geht und ernährt euch einer vom andern", sagte der König. „Eitle Handvoll sättigt den Löwen nicht und eine Grube füllt sich nicht wieder Mit den einmal allsgegrabenen Erdschollen", so erwiderten sie. „Dann unternehmet Streisznge, ziehet in den Krieg der Selbsterhaltnug wegen." Berachoth. Pinchas, der Sohn Äairs, ging einst Kriegsgefangene ansznlösen. Ans dem Wege trat ihm ein reißender Strom hindernd entgegen. Er rief ihm einen Machtspruch zu: „Teile deine Wasser!" Dieser erwiderte: „Ich gehorche, um den Willen Gottes zn erfüllen, ganz so, wie du. Doch du bist dessen nicht gewiß, daß du dein Vorhaben anssühren wirst, während ich es bestimmt weiß". Darauf antwortete Pinchas: „Gerade weil ich freiwillig diese Aufgabe mir gewählt habe und weil ihre VollsührUttg zweifelhaft ist, stehe ich höher als du, mußt du mir weichen." Und der Strom teilte sich. Chulin. Wenn du siehst, daß Königreiche wider einander zum Kriege sich reizen lassen, dann hoffe auf die baldige Ankunft des Messias. Wer in den Krieg des Hauses David ausziehl, muß vorerst einen Scheidebrief seiner Frau schreiben. Kethnboth. Wer stärker ist, siegt. B. Batha. Die Frau trägt ihre Waffen bei (auf) sich. Sabbath. Entweder das Schwert oder das Buch. Das Schwert und das Buch kommen zusammen vereint -vom Himmel. Midr. Rabbah Betar. I n den Krieg ziehen die Rangsniedrigsten zuerst, ans dem Kriege die Rangshöchsten. ' Gott, die Krieger ailßerhalb deiner Mauern find ebenso gut deine Kinder, wie die innerhalb der Mauern Kämpfenden, Laß keinen Fluch in Erfüllung gehen, den einer gegen den anderen ausstoßt. Josephus. Fr. Gr. Verschiedene Nachrichten Wien. Freitag, den 19. Februar 1915, Predigt im Tempel "VHI., Neudeggergasse 12. Wie». Freitag, den 12. Februar 1915 5 Uhr abends Predigt im Tempel, IX., Mülluergasse Wien. (I s r. Tempel-Verein für M a r i a h i l f und N e n b a tt.) Freitag den 12. F.-bruar, Beginn des Gottesdienstes f> Uhr 15. Mm., Exhorte von Herrn Rabbiner Dr. I. D r o b i n s k y. Wien. (Bo r r r ä g e i n der T o y n b e e h a l le, XX., Denisgasse 33. Josefine Mendl-Wohlfahrtshans). Freitag, den 12. Februar: Bibelvortrag von Herr I. R o s n e r. Samscag, den 13. Februar: Mnsikanfführnng, veranstaltet von Fran Sophie Deutsch. Sonntag, den 14. Februar: „Der Krieg in der Geschichte der Inden." Borlrag von Prof. D. Tauber ans Lemberg I. Mittwoch, den 17. Februar: .„Der Ärieg in der Geschichte der Inden" 2. Bortrag von Prof. D. Täuber ans Lemberg. Donnerstag, den 16. Februar: Vortrag, veranstaltet voi» „Jngendbüud". . Wien. (Bor trag ans jüdischer Geschichte, Liter o t Ü V fi li d Kult» r.) Donnerstag, den 18. Februar 1915, */,8 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architekcenvereines, I., Eschtnbachgasse 9, ein Bortrag des Herrn Oberrabb. Dr. Ludwig B en e t i st n e r ans Ujpest Dozent an der Landes - Rabbinerschule in Bud.äpöst. statt. Thema: „Die Messiashoffnunz des Judentums" Mitttill fiei — ohne Karten. •: Wieu^ (Iosefstädter Temve l.) Die ordentliche General» Versammlung pro 1915 des Tempelbauvereines im -VIII. Bezirk der Stadt Wien^ findet am Sonntag, den 14. Februar d. I. präzise halb 11 Uhr vormittags, im Tempelgebäude VUl., Neudeggergasse 12 statte Gäste wilkommen. wie«. (Kl »derbekl ei düng.) In der Nummer 51 vom Jahre 1914 wurde berichtet, daß ans eurer von Charlotte Freifrau voll K ö n i g s w a r t e r als Ehcenvrästdeutin der „Weibl. Fürsorge u und Herrn Dr. Alfred Stern, Präsident der israel. Klütusqemeinde, eiNßeleiteten Sammlung 604 schulpflichtige Kinder von Flüchtlingen bekleidet wurden. N ichdem noch neue Beträge zn dieser Sammlung zuflossen, war es möglich weitere 60 Kinder von Flüchtlingen mit Kleidern, Mänteln und Schuhen anszustatten. Bei der jk bergabe der Kleider an die Kinder waren am 27. Jänner d. I. im Zeremoniensaale des Leopoldstädter Tempels erschienen: Charlotte Freifrau von Königswarter, Präsident Dr. Alfred Stern, kais. Rat Dr. Lieben. Amtsleiter Rudolf Kraus und Gemihlin, welch letzteren alle Arbeiten dieser Aktion dnrchgeführt haben. Herr Präsident Dr. Stern hielt an die Kinder eine Ansprache und crwähnre auch diesmil das hochherzige Wirke» der edlen Frau Baronin Königswarter. die er d:e schntzvacroni» für alle wohlcärigen Beranstaltnngen in der W.ener Kalrnsgemnnde nannte. Durch die Bekleidung von nah.'zn 700 Kindern haben d:e edlen Spender, die diese Sammlung bedachten, nicht nur die Kinder vor Kalre bewahrr, sondern dieselben auch der beschämenden Empfindung enthoben, sich vor ihren Mitschülern zucückgesetzt zu fühlen; dieies ethische Moment kann nicht hoch genug bewertet werden. Mit einem begeistert dargebrqchten dreimaligen Hoch auf unseren allgeliebten Monarchen schloß diese würdige Feier. Wie». (F l ü ch t l i n g s a n s k p - i s u n g.) Der Wiener Hainrnitäre Verband der galiziichen Flnch:lin,e hat am 7. d. M. eine Ansspeisehalle aus streng ritueller Basis, II.. Schiff niusgasse 20, unter Aufsicht des orthodoxen Wiener Rabb.nares für arme Flüchelinge aus Galizien und der Bukowina eröffnet. Durch diese Einrichtung ist nicht bloß den strenggläubigen Flüchtlingen Gelegenheit geboten, eine kräftige, warme Kost zu erhalten, sondern auch jeder ar.n: Flnchciing kann daselbst gegen Entrichtung von bloß 12 H.'lftr sich satt effen. Neben dieser Ausspeiseaktion wird der gedachte H.lfsverband seine bisherige Hilfsaktion durch Gewährung von Kleidern, Wäsche und Schuhen, durch Barilnterstütznngen an würdige Flüch:linge, durch Gewährung von nuentgeltlicher Rechtshilfe und ärztlicher Hilfe nach Tnnlichkeit aufrecht» erhalten. Damit all diesen Anforderungen ans die Diner iin Interesse der notleidenden Flüchtlinge nach jeder R.ch:nng entsvrvchni werden kann, appelliert der Verband an die hochherzigen Wohltäter, sich an dieser Hilfsaktion durch gütige Einsendung von Spenden (Scheckkonto Nr. 149.900) beteiligen zn wollen. Kleider, Wäsche und Schuhe beliebe man abzugeben im Berbandslokale, II., Novaragaffe 41. Für den Humanitären Galizischen Verband in Wien: Dr. Moritz K a Hane, Dr. Max I a c o b s o h n. Hof- und Gerichtsadvokat, Hof- und Gerichtsadvokat. Schriftführer. Obmann. Sade». Am verstoffenen Sonntag hatten wir in unserem Ziterarnr-Verein „Maunon'.des" einen iehr intereffanten, lehrreichen Abend. Professor Mor. Anrscherl an» Wien folgte unserer Einladung und svrach über das Wirken und die Werke des hochgelehrten Oberrabbmers Josef W e i s s e und über die jüdischen Poesien seines Sohnes Dr. Arnold Ä e > s s e, sel. Bruders des in Berlin rühmlichst wirkenden Rabbiners Dr. Samson Weiffe. Unser Gemeinde-Sitzungssaal war bis aufs letzte Plätzchen dicht besetzt und mit gespannter Anfmerksainkeit lauschte die Zuhörerschaft, unter ihr viele Honorariocen. dem Vortragenden, der von dem Vorsitzenden, Herrn Daniel, wärmstens begrüßt wurde. Ein reizender Knabe, Sohn deSHerrn Dr. Rappavort, erfreute das Publikum mit der Rezitation der „Thora", einer inhaltsreichen Dichtung des Vortragenden. Dieser Liceratnrabend darf als ein sehr gelungener bezeichnet werden und soll demnächst von einem besonderen Komitee Dr. Arnold Weisses „Meg.llas Esther", deren Krniist. llen alles während des genannten Vortrages begeisterte, zur vollständigen Aufiührnng hier gelangen. Hohenems. Am 30. Jänner wurde anläßlich des 25. Todestages Salomon Siilzers in der hiesigen Sy lagoge ein Reg nein abgehalten, bei welchem Herr Rabbiner Jinaz Hauser folgende Rede hielt: „Wir gedenken heure der dahingegangenen Seele des unsterblichen Meisters Professor Salomon Sulzer weil. Oberkantor in Wien, des Reformators der jüdischen Synagogenmusik, wie sie heute in fast allen jüdischen Gemeinden der Welt gepflegt wird. Zwar an den Früchren seines Wirkens lebt er, obgleich schon 25 Jahre die Erde das bedeckt, was sterblich an ihm war, unter uns weiter fort von Geschlecht zn Geschlecht und in dem Ruhmesglanz,, dessen Strahlen er nm seinen Geburtsort, um unsere Heimat sammeln geholfen, sonnen wir, die Nachgeborenen uns nur gar zu gern noch heute. Gedenktage wie der heutige üben einen ganz besonders mächtigen Einfluß ans auf unser Gemüt und als nnabweisliches Bedürfnis empfinden wir es, heute an dieser Srärte jeines einstigen Wirkens, des gottbegnadeten Mannes zn gedenken, der'die Musik des jüdischen Gebetes geschaffen und sie in nie geahnter Hoheit hat ertönen laffen. Wenn wir heute schweigen wollten, müßten da nicht die Steine reden? Aber ich täusche mich wohl nicht mit der Annahme, daß noch ein mächtigerer Antrieb uns diese Feier abgenötigt hat, als die Erinnerung an die Verdienste, die.Sulzer sich um diese Gottesgemeinde erworben. Der Wellenschlag feines : Wirkens hat: