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Die Wahrheit · 1915-02-05 · Heft 6 (5.2.1915) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 6 (5.2.1915)
Date
1915-02-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 6. Die Wahrheit Seite 5. wurden mehrere Gelehrte um ihre Gutachten ersucht, und zwar die beiden Direktoren der Rabbiuersemiuare in Berlin und Wien, die Professoren H o f f m a n n und Schwa r z, und Prof. K a h l e in Gießen. Da aber die Gutachten verschieden ausfielen, so ersuchte das Gericht den Geheimrat Prof. Kittel in Leipzig, ein O b e r g u t a ch l e n abzugeben und dieses ist jetzt unter dem Tuel: „I n d e n f e i n d s ch a f l oder Gotteslästerung?" bei Otto Wigand. Leipzig, erschienen. In diesem Obergntachten bezeichnet Kittel den F r i t s ch als einen Mann von k i n d l i ch e r U n w i s s e n h e i t (51), dem die volle wissenschaftliche nnd moralische Zurechnungsfähigkeit adgeht (74), kurz als einen Mann von i u t e l l e k k n e l l e m und m o r a l i s ch e m D e f e k t (77/8). Seine Behauptungen bezeichnet Kittel als übertrieben und verzerrt, als U n w a h r h e i t e n nnd bewußte Lügen (52). Somit könnten tvir mit diesem Gutachten zufrieden sein, trotzdem Fritsch die Unverschämtheit hat, mit ihm noch zu prahlen, da er nuf Grund desselben sreigesprvchen wurde. Aber Kittel hat über unsere Religion so viele unwahre Behauptungen ausgestellt, daß sie nicht unwidersprochen bleiben dürfen, namentlich wegen seiner großen Autorität und des wissenschaftlichen Ernstes, mit dem er seine Behauptungen vorträgt. Für Kittel wie für seine Gesinnungsgenossen unter den protestantischen Theologen steht es fest, daß I a h w e mit einem Stamme HWH zusammenhättgt, der im A r a b i s ch e n das „Wehen", auch das „Wetter" bezeichnet und somit auf einen altsemitischen W e l t e r g v t t hindeulel (29). Nur ist es geradezu unbegreiflich, warum die Israeliten gerade zum Arabischen greifen mußten, um ihren Gort zu bezeichnen. Noch unbegreiflicher aber ist es, was sich so ein A m o s, ein I e s a j a, ein I e r e m i a bei ihren triumphierenden Ausrufen: „I a h w e ist sein Na m e", wohl gedacht haben mögen! Etwa Wehen. Wetter ist sein Name?! Oder etwa bei Jahwe Z e b a o l, Wetter der H e e rscharetl, Wehen der Heerscharen? Um solche Kleinigkeiten kümmert sich ein protestantischer Theologe nicht. Ihm genügt es, dem Gotte Israels einen niedrigen, abstoßenden Ursprung angedichtei zu haben, um ihn dann zum Nationalgvtt des jüdiicheu Volkes zu stempeln. Daß aber auch Jesus den Gott des alten Testaulentes den Gott der Juden als seinen Gott, als seinen Vater im Himmel bezeichnet, daß er nirgends den Versuch macht, seine Auffassung von Gott als verschieden von der des Alten Testamentes hinzustellen — das übersieht wohlweislich der protestantische Theologe! Nun aber verhält sich die Sache ganz anders. Jahwe ist nicht arabischen, sondern hrbräischen Ursprungs, denn H W H heißt im Hebräischen wie H I H s e i n und Jahwe ist eine regelrechte Nominalbildnng und heißt: der ins Dasein Rufende der Schöpfer! Daher ruft Jahwe dem Moses zu, als dieser wegen seiner mangelhasten Sprache sich weigerte, die Sendung zu übernehmen: „Wer hat denn dem Menschen den Mund gemacht — nicht etwa ich, Jahwe (der Schöpfer)?" Das Bekenntnis Israels und des Judentums ist nur von hier ans verständlich: „Jahwe (der Schöpfer der Welt) ist unser Gott". — Wie kann da Kittel behaupten, Jahwe sei Israels Na t io n a l g o t t (34 n. sonst.)? Etwa wenn die Deutschen sagen: Unser Gott wird uns helfen, so meinen sie den N a t i o n a l g o t t der Deutschen? Aber Kittel bringt Beweise, nnd d i e wollen wir uns einmal ansehen. Im.Exodus 4, 22 heißt es: Also, spricht Jahwe: Mein erstgeborener Sohn ist Israel. (Kittels Zusatz „bevorrechteter" hat gar keine Berechtigung!) — Diese Worte besagen dem schlichten Verstand folgendes: Gott, der alle Menschen geschaffen hat, nennt alle Völker seine Söhne, nur Israel ist der erstgeborene Sohn, weil es sich zuerst in ein kindliches Verhältnis zu Gott gestellt hat. Die andern Völker kommen aber mit der Zeit auch in dieses Verhältnis, wie es ja im Alten Testament unzählige Male ausgesprochen ist. Woher nimmt also Kittel die Parteilichkeit Jahwes (34)? Sehr verwunderlich ist Kittels Aeußernng, daß der Gedanke vom Nacioualgott nach dem Erlöschen der Prophetie seine Anferstehnng feiert, während er als Belege dafür Stellen ans Jesaja und Sacharin anführt — sind diese keine Propheten? Und tvas sagen die Belege? Daß Gott Israel Glanz verleihen und seine Kinder bestrafen wird. Also, wenn die Deutschen den Zorn Gottes ans ihre grausamen, bestialtschen Feinde herabfleheu, so ist Gott — der Nationalgott der Deutschen! So will es die protestantische Theologie! .... Es ist überhaupt kaum glaublich wie hier harmlose Aeußerungen itnd Redensarten dazu benutzt werden, um dem Gotte Israels, wenigstens in der B o l k s r e l i g i o n. wie sich Kittel ausdrückt, Beschränktheit und sittliche Mängel auzudichten! — Der Krieg der Ammoniten fiel in das Land Israels ein, weil Israel, als es ans Aegypten zog. den Ammoniten Land entrissen hätte. Darauf läßt ihm I e f t a sagen: Israel habe nicht den Ammoniten und nicht den Moablten. sondern dem Emori das Land genommen. Und fügt mit köstlicher Ironie hinzu: Jahwe, der Gott Israels, hat den Emori vor seinem Volke Israel verdrängt — und nun willst du sein Erbe antreien? O nein! Besitze du nur. was dir dein Gott K e in o >' ch in Besitz gibt. Was aber Jahwe, unser Gott, uns gegeben, das wollen!v i r besitzen? (Richter 11,24) — Ans dieser Stelle folgert Kittel. Jahwe und Kemoich gelten hier einander gleich! (31.) Da wäre mau wahrhaftig geneigt, auszurufeu: 0 sarrata. simplicitas! Verstehen denn diese Herren gar keinen Spaß? . . . Ferner: David spricht zu Saul, der ihn verfolgt: Und nun höre doch mein Herr, o König, die Worte seines Dieners. Wenn Jahtve dich gegen mich gereizt hat, s o möge er ein Opfer riechen. Wenn aber Menschenkinder, so mögen sie verflucht sein vor Jahive. da sie mich heute fortjageii, daß ich mich im Besitze (Gebiet?) Jahwes nicht anfhalten kann und so (gleichsam) sprechen: gehe! diene fremden Göttern! (1 Sam. 26, 19.) Aus dieser Stelle zieht Kittel zwei schwerwiegende Folgerungen, die aber bei Licht besehen sich als Trugschlüsse erweisen. — Aus den Worten: so möge er ein Opfer riechen (Kittel schreibt: so l a s s e m a u i h n Opfer riechen!) schließt Kittel: Jahwe fragt nicht n a ch g nt und bös, sondern u a ch O p f e r d u f t nnd Gaben (33) — also Jahwe steht sittlich auf derselben Stufe etwa wie — ein russischer Beamter! Hat also der Antisemiteiihüuprling nicht recht — Jahwe der Jndengvtl ist unsittlich? Und muß sich nicht Jesus seines Vaters im Himmel schämen? — Und doch ist die Sache ganz harmlos. Es wird nur der echt jüdischen Anschauung Ausdruck gegeben, daß man Gott danken müsse, auch iveun er uns Böses zufügt, den Dank aber stattete man damals ab, durch — Opfer! Ans den Worten aber: gehe, diene fremden Göttern! schließt Kittel, daß Jahive nur Gott in seinem Lande sei, er sei nur der Nativnalgott Israels; draußen muß mau schon anderen Göttern dienen! Man bedeilke: Jahive ist mit den Erzvätern in Mesopotamien, im Philisterland. in Aegypten, mit den Propheten in Phönizien, Assyrien, Babylonien. Aber wenn David zu den Philistern geht, so muß er Götzendienst treiben! Ist es nicht widersinnig? Aber es war gewiß nicht so schlimm gemeint. Es war eben eine Hyperbel, wie so viele andere in der heiligen Schrift. Eiu Beispiel nur. Die israelitischen Aufseher in Aegypten machen Moses und Ahron Vorwürfe, daß sie sie bei Pharao und seinen Dienern verhaßt gemacht nnd ihnen e i n S ch w e r t in die Hand legten, u m sie z u erschlage n. (Ex. 5, 21.) Waren Moses und Ahron wirklich so heimtückisch grausam? Stellen sich, als wollten sie Befreiung bringen und drücken den Feinden das mordende Schwert in die Hand! Glaubt Kittel daran? Erwürbe wahrlich dasselbe Recht dazu habe», wie zu seiner Folgerung aus Davids Worten! . . . Und doch ist Kittel von seiner Unfehlbarkeit so überzeugt,! daß er die jüdischen Gelehrten, die anderer Meinung sind, j wie die Schulbuben abkanzelt. —

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