Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1915-02-05 · Heft 6 (5.2.1915) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 6 (5.2.1915)
Date
1915-02-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3062972-3063862-3063868--09437-3076689
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 4. Die Wahrhell Nr. 6. Glieder, gibt es keine Unterschiede in ihren Rechten mehr, dann erst steht das Staatsganze fest im Frieden nnd im Kriege. Daml werden aber auch brutale Angriffsnnd Eroberungskriege, Wellverbindnngen zum Zwecke des gemeinsamen Raubes nicht mehr möglich werden, wie sich der gegenwärtige verderbliche Weltkrieg repräsentiert. Räumt man dem ganzen Volke die Mitberatnng nnd den entscheidenden Entschluß bei solch entscheidenden Aktionen ein. dann werden l«nr noch Defensivkriege möglich werden und die frechen Angreifer werden es sich reiflich überlegen, diese auf jeden Fall gewaltigen Defensivverbände heranszufordern. Dieses flüchtig entworfene Ziel einer bleibenden Stärkung der Staatsmacht kann aber nur dann erreicht werden, wenn dieselbe eben auf alle Glieder der Staatsgemeinschaft. gleichgiltig ob dieselben wirtschaftlich stark oder schwach sind, unter festen Gesetzen eine gleichmäßig f ch ü tz e n d e und beschirmende Wirkung äußert. Gelänge es, Gott behüte, dem tyrannischen Gewaltzaren, in diesem Weltkriege seine Gegner schließlich zu besiegen und unterzukriegen, dann gäbe es in Europa keine wahre, eigentliche Staatsgewalt mehr, sondern nur den persönlichen Tyrannenwillen. Alle Freunde der menschlichen Kultur und Freiheit, alle Anhänger der Ordnung und Gesetzlichlichkeit müssen daher im gegenwärtigen gewaltigen Bölkerringen ans der Seite der mitteleuropäischen Verbündeten stehen! Die Völker des weiten russischen Reiches haben sich leider mit wenigen Ausnahmen als Sklaven entpuppt, welche die Kraft und den Willen nicht aufbriugen, sich vom Zartyrannen als blinde Werkzeuge für feinen Despotismus und seiner Weltmachtgelüste noch länger mißbrauchen zu lassen. Mit der Unterwerfung der europäischen Zentralmächte fiele daher alle Gesetzlichkeit und alle Achtung der ewigen Menschenrechte weg, nicht allein im russischen Staatsgetriebe. Die beispiellose Tapferkeit und Selbstaufopferung in den ruhmvollen Reihen der Krieger Deutschlands und Oesterreich- Ungarns, welche den an Zahl und Kriegsvorbereitung mehrfach überlegenen Gegner nun schon durch sechs Monate nicht nur im Zaume halten, sondern ihn auch tapfer bedrängen, ist tvohl geeignet, über den schließlichen Ansgang dieses noch nie dagewesenen Völkerringens z» beruhigen! Kommen unsere glorreichen Krieger siegreich von den Schlachtfeldern heim, dann werden Volk und Regierung in den siegreichen Staaten wohl eifrig znsammenwirken, um einträchtig die Staatsgewalt zu heben und ans die tragfähigste und breiteste Grundlage zu stellen. Gebe Gott, daß dieses Ziel ans den Blutströmen entsprieße, die der schreckliche Weltkrieg hervorgerufen hat! Das viele Blut wäre aber nicht vergebens geflossen, wenn es die Völker Oesterreichs-Ungarns endlich zur Einsicht gebracht hätte, daß der alle schützende Staat eben nur durch v e reinte Kräfte nnd möglichste Zurückstellung egoistischer Bestrebungen ermöglicht wird. R. L. Die gali;ifchen Kriegsschäden. Die in Wien erscheinende Wochenschrift für polnische Interessen „Polen" stellt in ihrer letzten Nummer höchst aktuelle Betrachtungen über die Kriegsschäden, Verwüstungen und Verheerungen in Galizien an nnd an der Hand genauer statistischer Daten weist der Antor nach, daß vom ganzen Lande mit 78.500 Quadratkilometer und über 8 Millionen Einwohnern nunmehr 5000 Quadratkilometer mit 742.000 Einwohnern in Westgalizien durch den Krieg nicht direkt berührt wurden sowie, daß im Osten des Landes 18.000 Quadratkilometer mit 1,606.000 Einwohnern zwar schwer beschädigt, aber nicht devastiert, dagegen der übrige, weit größere Teil des Landes mit sohin 65.740 Quadratkilometer und 5.675.000 Einwohnern durch große Kriegsoperationen Vernichtungen und Verwüstungen seitens der ruchlosen, feindlichen Invasionen schwer heimgesucht nnd unwohnbar gemacht wurde. Nachdem der Verfasser das trostlose Bild in den grellsten Farben entworfen hat, empfiehlt er den berufenen Faktoren, die rascheste Vorbereitung nnd Anwendung von ausgiebigen Mitteln zum Wiederaufbau des dermalen verwüsteten Landes. Mlt Recht wird auf die seitens des preußischen Landtages ohne jede Debatte für das durch den jetzigen Krieg heimgesnchte ostprenßische Gebiet einstimmig votierten 400 Millionen Mark sowie ans die raschen und energischen Aktionen des Ministerpräsidenten Tißa in Nordungarn verwiesen. In gewisser Beziehung sind wohl auch seitens der berufenen galizischen Körperschaften manche Vorarbeiten in die Wege geleitet. Aber im Interesse der jüdischen Bevölkerung Galiziens, die nahezu eine Million Einwohner zählt nnd die vermöge ihrer Lage und ihrer Domizile allerwahrscheinlichst mit dem größten Anteile an den Schäden und Verwüstungen des Landes partizipiert, erscheint es dringendst geboten, ihre Vertreter zur Hilfsaktion heranznziehen. Wir haben bei ähnlichen Katastrophen, die das Land früher, wenn auch nicht in diesem riesigen Maße, betroffen haben, die Wahrnehmung gemacht, daß die jüdischen Petenten vielfach zurückgewiesen wurden und daß man über ihre Wünsche zur Tagesordnung überging. Es darf an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, daß unsere galizischen lokalen Behörden nicht alle das gehörige Verständnis für die Interessen der armen jüdischen Bevölkerung bekunden. Abgesehen von dem beengten, politischen Horizonte nnd dem kurzen lokalen Ausblicke so mancher politischer Organe, spielen öfters auch nationale Aspirationen bei ihren Amtswaltungen mit. Die schweren Kriegsereignifse, die unser Land heimgesncht, sollten nunmehr alle Klassen- und Raffenunterschiede aus der Welt verdrängen und es sollten alle Staatskinder mit vollem und gleichem Rechte behandelt werden, wie dieselben alle ihre Kräfte in gleicher Weise zur Verfügung stellten nnd noch stellen. Sache der jüdischen Abgeordneten und Vertreter ist es, ihre ganze Kraft nnd Energie zur vollen Berücksichtigung der jüdischen Wünsche einzusetzen. _Jost Perlberger. Zahme, der Indengott. Bon Prof. Dr. Kahan, Znaim. Der Eigenname Gottes in unserer heiligen Schrift besteht ans den vier Konsonanten I H W H, die seit dem Mittelalter, seitdem man nämlich angefangen hat, die hebräischen Texte mit Vokalen zu versehen, meistenteils mit solchen Vokalen verbunden sind, daß ein scheinbares Wort I e h o w a entsteht. An 290 Stellet! dagegen, nnd zwar jedesmal mit dem Worte Adonaj verbunden, sind Konsonanten I H W H mit Vokalen versehen, die ein Wort Jehowi schernbar ergeben. Beidemal aber ist es, wie gesagt, nur scheinbar der Fall. Weder Jehowa noch Jehowi ist je ein hebräisches Wort gewesen. Vielmehr sind die Vokale in ersterem Falle dem Worte Adonaj, im zweiten Falle aber dem Worte Elvhim entlehnt nnd wollen nur andeuten, daß an Stelle des unaussprechlichen heiligen Namens bald Adonaj. bald Elohim gesprochen werden soll. Irrtümlicherweise hat aber die christliche Kirche angenommen, Jehowa sei der Eigenname Gottes im Alten Testament nnd unter diesem gar nicht existierenden Worte den Gott Vater in der Dreieinigkeit verehrt. Nun hat aber die Wissenschaft den Irrtum anfgedeckt und gezeigt, daß die wahre Lesung des hebräischen Eigennamens Gottes I a h w e sei, und so muß natürlich die Kirche ihren Gott Vater unter dem Namen Jahwe anrnfen: er ist ebenso Christengott wie Judengott. Das hat aber den Antisemitenhäuptling Theodor Fritsch in Leipzig nicht gehindert, in zahlreichen Schriften Jahwe, den I n d e n g o t t, in unflätigster und gemeinster Weise zu beschimpfen, weswegen er auch vom Gericht wiederholt verurteilt wurde. Darauf schrieb er ein Buch „Mein Beweismaterial gegen Jahwe", um seine Beschimpfungen „wissenschaftlich" zu rechtfertigen. Wiederum unter Anklage gestellt,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.