Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1915
- Issue
- Heft 5 (29.1.1915)
- Date
- 1915-01-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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öeilt 6. Die Wahrheit Nr. 5 der Kaiser zum Beirat des Neichskriegsministeriums mit dem Titel eines Superintendenten. Während seiner Professur bekleidete Szeberiny viermal das Amt eines Dekans. In seinem Buche „Vorträge über Glauben und Geschichte deS Christentums" weht der Geist milder, versöhnlicher Richtung und theologischen Freisinns. In weiteren Kreisen Wiens, besonders in der Studentenschaft, erregten seine Vorlesungen über „Fausts Verhältnis zum Christentum" und seine am 27. November 1886 im großen Saale der Universität gehaltene Festrede zur fünsundzwanzigjährigen Jubelfeier des StudentenkrankenVereines als Gedenkrede ans den Gründer Professor v. Oppolzer Aussehen. Von den Studenten hochverehrt, wirkte Dr. Szeberiny bis an die Grenze, die das Gesetz aufstellt, an der evangelischen Fakultät. Sein Rücktritt wurde tief bedauert. Dr. Szeberiny nahm immer Anlaß, im Geiste edester Menschenliebe, zu wirken und vorbildlich zu leben. Durch seine tiefgründigen Studien der alten Schriften war er dem Jndentume überaus nahegekommen und er bewies demselben stets das größte uneigennützige Wohlwollen. Durch den gleich einer geistigen Pest sich ansbreitenden Antisemitismus wurde er aufs tiefste aufgewühlt, weshalb er mit Vergnügen in die Leitung des von Baron Suttner 1892 gegründeten Unterzeichneten Vereines eintrat, dessen Präsidium er 1907 übernahm. Anläßlich der Vorträge in demselben wirkte er oft, trotz seiner 83 Jahre, begeisternd durch seine gehaltvollen Ansprachen und Dankesworte, insbesonders an jenem denkwürdigen 18. März 1908, an dem über Veranlassung dieses Vereines eine große öffentliche Versammlung im Sofiensaale stattfand, um nach einem Referate des verstorbenen Rechtsanwaltes Dr. Friedr. E l b o g e n Protest zu erheben gegen das an Leop. Hilsner begangene Justizverbrechen. Er legte da gewissermaßen sein ganzes Glaubensbekenntnis, welchem er Zeit seines Lebens treu geblieben, in den Appell an die Versammelten nieder, „zil leben für etwas Allgemeines, Ewiges, Ideales, denn nur dadurch werde die Menschlichkeit gefördert und nur in der Menschheit, Menschlichkeit offenbare sich das Göttliche, die alles tragende, alles aufopfernde Liebe". — Diesem Programm gemäß gestaltete er sein eigenes Leben, sein Familiensinn war geradezu ein idealer und niemand konnte sich im Gespräche mit ihm eines tiefen Eindrucks eutschlagen. Sein innerer Wert fand die richtige hohe Schätzung in den zahreichen Glückwunschschreiben die ihm anläßlich des Eintrittes in das 90. Lebensjahr zugekommen waren, sowie in den überaus warm gehaltenen Beileidsschreiben anläßlich seines Verscheidens, sowohl der Israelitischen Kultusgemeinde, wie der Oesterreichisch-Jsraelitischen Allianz. — Ehre seinem Andenken! Verein zur Abwehr des Antisemitismus. Zum 23. Todestage Salomo« Sulzers. Ein poetischer Verehrer S. Sulzers schrieb einst an seinem Geburtstage: „Sangesfürst, zu deines Volkes Ruhm geboren. Uns zum Glanze warst du von Gott erkoren; Lorbeerkränze alle Welt dir winde Zn des Geburtsfestes Angebinde, Edelmütig war dein stetes Streben, Ruhmvoll wird dein Name ewig leben! So sei es denn auch mir gestattet, daß ich dem Heros jüdischer Sangeskunst, der scharf ausgeprägten Persönlichkeit Salomon Sulzers anläßlich des 26. Todestages einige Gedenkzeileu widme: Salomon Sulzer — welch eine Fülle von Klang liegt in diesem unvergeßlichen Namen — starb, nachdem er 56 Jahre in Wien als Oberkantor gewirkt, im Alter von 86 Jahren am 17. Jänner 1890; seine Leiche wurde im Stadttempel, der Stätte seiner Wirksamkeit, vor der heiligen Buudeslade aufgebahrt. Von dort fand am 20. Jänner das Leichenbegängnis statt. Dem Altmeister Sulzer wurde gegenüber der Zeremonienhalle ein Ehrengrab am Zentralsriedhose votiert und für ewige Zeiten ist sein Name in der Haskara für alle Wiener Gotteshäuser der Kultusgemeinde ausgenommen. Sämtliche Kantoren Amerikas ließen dem Andenken an den Komponisten des „Schir Zion" eine goldene Medaille prägen und hielten feierliche Trauergottesdienste. Am 5. Mai 1901 fand an einem Donnerstag iin Mnsikvereiussaale in Wien eine musikalische Gedenkfeier zum 109. Geburtstage Salomon Sulzers statt. Der Vorstand der Knltusgemeinde hielt eine Gedächtnissitzung zu Ehren S. Sulzers ab, wobei des Sängers Oelgemälde nach einer Rede des. Vorsitzenden enthüllt wurde. Aber auch die Heimatsgemeiude Hohenems. Sulzers Geburtsort, ehrte ihr geniales Ortskind. Die Christen, indem sie die Straße um die Synagoge bis zum „Snlzerhause" Sulzergasse nannten und ebenso die israel. Kultusgemeinde in Hohenems, welche in einer Nische beim Ausgange in die Chorgallerie der Synagoge die Baste Salzers für alle Zeiten aufstellen ließ. Salomon Sulzer, dem ein Franz Schubert, Liszt, Randhartinger, Erzbischof Ladislaus Pyrker von Erlau, letzterer, welcher den Text zur Allmacht schrieb, die Schubert vertonte und Sulzer so herrlich sang, sie alle verehrten das Genie, sowie Sulzer als Professor des Konservatoriums bedeutende Schüler, wie Sontheim, Angelo Nenmann, Radwaner, Robitschek rc. ansbildete Der Komponist des „Schir Zion" war eine Zierde Israels und der Wiener Kultnsgemeinde, sein Werk wird stets in wunderbarer Renaissance zu seinen begeisterten Jüngern sprechen. Prof. Emil Fränkel. Jüdisches Kriegsarchiv. I ü d i s ch e M i t b ü r g e r! Der gegenwärtige Weltkrieg ist sicherlich ein Markstein auf dem Entwicklungswege der Menschheit. Auch wir Inden machen darin keine Ausnahme. Wir stehen vor großen Wendungen unseres Schicksals. Zum Guten oder zum Bösen, je nachdem wir uns der Situation gewachsen zeigen oder nicht. Es kann kein Zweifel mehr sein, daß alle Feinde und Neider der Judenschaft emsig an der Arbeit sind, um aus dem Kriege Material gegen uns zu sammeln, und daß sofort nach dem Kriege eine alles Dagewesene überbietende Agitation gegen uns einsetzen wird. Die Anzeichen hiefür sind vorhanden, denn schon jetzt setzt eine, an die niedrigsten Instinkte sich wendende Agitation ein. Dieser Gefahr gilt es zu begegnen. Und wir können es, weil wir uns in diesem Kriege über alle Erwartung hinaus bewährt haben. Nicht nur sind auf den Schlachtfeldern selbst hervorragende Leistungen von jüdischen Soldaten vollbracht worden, sondern es hat sich ganz besonders auch unsere rückhaltlose patriotische Treue als ein Faktor von wirklich ftaatserhaltendem Wert erwiesen. Aber die Tatsachen allein genügen nicht. Zu leicht entschwinden sie dem Gedächtnisse der Völker und Maßgebenden, umsomehr als unsere wühlenden Feinde darauf hinärbeiten, sie zu verdunkeln. Wir müssen sie daher für ewige Zeiten feststellen. Bis in die letzten Details müssen wir alle Vorkommnisse buchen, die unser Verhalten in diesem Kriege, sowie überhaupt gegen den Staat und das Verhalten aller Staatsfakloren gegen uns betreffen. Mit einem Worte, wenn wir in unserem Kampfe gegen das Uebelwollen und für unser volles Recht gerüstet feilt wollen, daun müssen wir das „Jüdische Kriegsarchiv" schaffen. Jüdische Mitbürger! Wir Gefertigte sind überzeugt, daß Sie die Notwendigkeit dieser Gründung eiusehen und wir dürfen daher auch hoffen, daß Sie uns helfen werden, sie.durchzuführen. Hiezu benötigen wir vor allem Ihren wertvollen Rat und gelegentlich für das Archiv bestimmte Mitteilungen.