Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1915
- Issue
- Heft 3 (15.1.1915)
- Date
- 1915-01-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. Dir Wnvrtzeit Nr. 3 «üt Rücksicht auf feine anderwertige Inanspruchnahme, so insbesonders bei der Allianz, die Wahl in das Vertreter- Kollegium zu seinem Bedauern nicht annehmen zu können. * * * Im Einlaufe der Plenarsitzung befinden sich: Ein Dankschreiben des Herrn Bezirksrates Philipp Back für die Gratulation des Vorstandes anläßlich seiner Auszeichnung. Dankschreiben des Herrn Dr. Moritz Schnepp, Obmann des Tempelvereines „Chewra Beth Harfilah", für die Gratulation des Vorstandes zu seinem 70. Geburtstage. Dankschreiben des Herrn Philipp Kläger für die Gratulation des Vorstandes anläßlich seiner Ernennung zum kaiserlichen Rat. Dankschreiben des Herrn Offiziale der israel. Knltusgemeinde Herrn Edmund Fried, für die Gratulation des Vorstandes anläßlich seiner Promotion znm Doktor der Rechte.' Dankschreiben der Frau Mi na Halpern für die Kondolenz des Vorstandes anläßlich des Ablebens ihres Gatten, des ehemaligen Vorsteher der israel. Kultnsgemeinde, Herrn Dr. Anselm Halpern s. A. . Dankschreiben des Herrn Kultusvorstehers kais. Rates Jonas Weil für die Gratulation des Vorstandes anläßlich der Vermählung seiner Tochter. Frau Ella Z i r n e r - Z w i eb a ck. Gattin des Herrn Kommerzialrates Alexander Zirner, hat wie alljährlich sechzig arme israel. Waisenmädchen bekleidet und außerdem mit einem Barbetrage beschenkt. Dankschreiben des Herrn Richard Lieben für die Kondolenz des Vorstandes anläßlich, des Hinscheidens seiner Gattin, der Frau Josefine Lieben s. A. Dankschreiben der Frau Ida Diamant, für die Beileidskuudgebnug des Vorstandes aus Anlaß des Hinscheidens ihres Bruders, des Herrn Ludwig Stiaßuy s. A. Zuschrift des k. u. k. Feldrabbiners Dr. Ludwig G o - linski betreffend das von der israel. Kultnsgemeinde Wien herausgegebene „Gebetbuch für israel. Soldaten im Kriege". Dankschreiben des Herrn Kultusvorstehers Prof. Dr. S. Ehrmann für die Glückwünsche des Vorstandes anläßlich seines 60. Geburtstages. Karl Goldmark. Einer der größten Komponisten nnserer Zeit, zugleich eine der interessantesten Erscheinungen der „Nach-Wagner'schen Epoche", ist mit Karl Gold mark, der 1832 in Kesthely (Ungarn) als Sohn des jüdischen Kantors Rüben Goldmark geboren wurde, dahingegangen. Selten ist über Art und Inhalt von Musikwerken eines Komponisten so viel pro und kontra debattiert worden, als über Goldmarks Arbeiten. Der Hergang einer Meinungsentwicklung über ihn hat merkwürdige Phasen durchgemacht, 1)ie größte Sensation aber erreicht, als vor einigen Jahren in einer Wiener Zeitschrift des Meisters »Musikalisches Credo" erschien. Wir behaupten, daß nur der Goldmarks Eigenart voll und ganz verstehen kann, der die Sphäre seines Elternhcurses kennt und jene archaistisch-jüdischen Tonfolgen versteht, die Goldmark in seine Werke oft hineinzaubert. Wie Weber melodische Liebhabereien, Mendelssohn pikant-harmonische Wendungen, Spohr große Chromatik, Schumann RhDthmns, Chchrin-Figurationen bringt, so finden wir in Goldmarks Opern. Liedern nnd auch Instrumental-Werke» oft einen gewissen. Stil »alt-jüdischer Sangesweise", der sich nicht nur in der exorbitanten Tonart selbst, sondern auch in einer gesteigerten oder verminderten rythmischrn Bewegung dokumentierte WieeinstRnbinstei« -in seiner Oper „Die Makkabäer" den Gesang von Joarim und Benjamin „Adonai Adonai" (Phrygische Tonart'mit Plagal-Cadenz) einer Tempelweise entnommen hat, so dürfte auch Goldmark manche Wendung in seiner „Saba" von Chasanim gehört haben. Neben der älteren Wagnerschen Form und der Goldmark eigenen träumerisch - schwermütigen Gefühlsaussprache ist es eben ganz besonders das „jüdische Element", welches als Charakteristikum dieser Oper hervortritt; dies haben die beiden bedeutenden Wiener Kritiker, Hanslick nnd Helm, in ihren Premiere-Rezensionen über die „Königin von Saba" besonders hervorgehoben. Wer also diesen jüdischen Stil genau kennt, wird bald all jene Stellen, oft nur 5—6 Töne, heransfinden, ans denen das Erbgeichenk jüdischer Abkunft durchblitzt, und es ist ein ganz eigener Reiz, bei mancher Wendung zu beobachten, wie ein scharfes Kunstgefühl. vielleicht ilnbewnßt einen Kampf gegen diese angeborene Liebhaberei führt. Wir denken hier vorzugsweise an die Dsa-Noll-Stelle beim Einzüge der Königin, die so echt jüdisch sortschreitet nnd schließlich ans der L8-I)iir-Basis eines be.- kannten „Steigers" endet. Aehnliche Fioritnren zeigen die Lieder „Fata Morgana", op. 37 und „Im Walde", op. 11. Merkwürdigerweise tritt in keiner anderen Oper das jüdische Idiom auch mir andentend hervor, in der „Saba" scheint das Milien den Komponisten inspiriert zu haben, freilich hat keine der anderen Opern auch nur annäherungsweise den Erfolg der „Saba" erzielt. Neben den großen Opern „Merlin", „Heimchen am Herd" und „Wintermärchen" möchten wir aus den zahllosen Orchester-Werken besonders die Saknutala-Oilverture, op. 13, hervorheben. die in ihrer fesselnden Eigenart sozusagen die Welt erobert hat. Diese Musi! steht nicht etwa in descriplivem Verhältnis zu der indischen Sage, nimmt wohl in ihrem Aufbau die poetische Anregung, vielleicht auch Lokalfarbe an. Noch seien als Meisterwerke erwähnt: Die Violin- Suite, op. 11, die II. Symphonie, op. 35, und „Ländliche Hochzeit", op. 26. Von den Klavierwerken die stilvollen „Georginen", op. 52. ans der großen Zahl der Lieder, „Die Quelle" und „Nachtigall". Karl Goldmark hat mit seinen Werken sich unvergängliche Denksteine gesetzt. Der Musik-Forscher hat es bereits mit ehernem Griffel verzeichnet, daß der Jude Karl Goldmark einer der würdigsten Epigonen Richard Wagners war; daß aber dieser große Meister bis an sein Ende Jude war, j wollen w i r mit goldenen Lettern verzeichnen. Oberkantor Singer — Kattowitz. Religiöse Betrachtungen Aufgeschlossen liegt vor uns das reiche Erbe der Vergangenheit. Aus der Geschichte sprechen für uns die erhabenen Geister der Heroen jüdischen Volkstnmes. vom Werden und Vergehen der Völker, von tiefem Denken der Geister des Altertums, von heißen Glanbenskympsen und dem Sehnem nach den heiligsten Gütern, dem forschenden Ringen um das Verstehen der Weltseele. Alles, was die Menschheit getan, gedacht, gewonnen und gewesen, liegt wie durch einen Zanberbann in den Seiten des Buches der Bücher, dem Pentateuch,- beschlossen. Hier liegt die Ilrkrast, die alte Heimaterde, ohne die wir ein haltloser Schemen wären. So wie. dem Baume der Wurzel ballen Erde gelassen werden muß, soll er ans neuem Standort kraftvoll weiter gedeihen, so können auch: wir nur in fremden Landen ragend anfwachsen, wenn wir .den Wnrzelballeu mitgebracht haben und zäh an ihm fest-- halten als dem ureigensten und stärksten. Kräftebringer, den Wnrzelballeu — die Religion! In den Kämpfen, welche die Inden gegen Griechen und Römer für ihre Unabhängigkeit geführt haben, offeühärt sich der Kern ihrer LebensanschauungL Auf den ersten Blick scheine» die Kämpfe denen anderer Völker gleich zn sein; in