Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1915
- Issue
- Heft 3 (15.1.1915)
- Date
- 1915-01-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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’Jir- 3. Die Wahrheit Seite 7. Wahrheit sind sie von Grund aus verschieden. Die andere» kämpfen, römisch zu reden, pro aris at que focis für Haus und Herd. Für die Religion zu kämpfen, war.neu. Nicht um irgend welche sinnlichen Güter, nicht um Haus und Hof, nicht einmal nms Leben schließlich handelt es sich, denn zwar mit Anspannung aller geistigen und leiblichen Kräfte, mit unvergleichlichem Mut und unerhörter Tapferkeit wird gestritten, aber mitten im härtesten Kriege strecken die Kämpfer die Waffen und bieten ihr Leben dar, um den Sabbath nicht Ln entweihen, die höchste sittliche Kraft der Hingebung an die Idee und der Aufopferung für sie. Später treten an die Stelle der Kämpfer die Märtyrer. Rom hat die Todesstrafe auf das Studium der heiligen Schriften und ans die Erfüllung ihrer wichtigsten Gebote gesetzt und eine ganze Schar von Männern erleidet dieselbe. Ungebrochenen Mutes gehen sie in den Tod. willig geben sie das Leben hin, wenn sein einzig wahrer Inhalt ans ihm verschwinden soll. Ja, sie finden die wahre, die letzte, höchste Erfüllung des Lebens i» dieser einen Tat, es für die Religion hinzugeben. Sterbend auf dem Scheiterhaufen preist Äkiba ben Josef sein Geschick, daß es ihm vergönnt sei, das Gebot, „Du sollst deinen Gott lieben mit deinem ganzen Herzen, deinem ganzen Vermögen und deiner ganzen Seele" jetzt erst vollkommen zn erfüllen, denn, mit deiner ganzen Seele, das heiße, auch wenn du sie hingeben mußt! Die Liebe zn Gott ist ihm eben nicht einzelnes Gebot, sie ist der wahre Gehalt des menschlichen Lebens, um sie zn bewähren gibt er sein Leben freudig dahin. Selbst der Laie ist begeistert und ergriffen, wenn er die Uebersetznng des Pentateuch in seiner mounmentalen Größe verfolgt. Wie in die zitternden, heißen Lüfte die Fata Morgana mit zartem Stift ihre geheimnisvollen leuchtenden Bilder malt und wie Sphärenmusik das ferne Brausen einer frohen Zukunft zu unserem Ohre dringt, durchlebt er träumend wachenden Auges die Ereignisse auf heiligem Boden. Da sind sie alle, die uns so lieb gewordenen, trauten biblischen Gestalten der Jungfrauen in Israel, welche den Siegesgesang anstimmten, der Patriarchen. Propheten, Helden und Könige mit ihren Freuden und Leiden. Plastisch tritt die Gestalt des alttestamentarischen Hirten hervor, der in fruchtbaren Tälern friedlich seine Schafe weidet, bis an ihn das Gotteswort ergeht und er, ein Gesalbter des Herrn, an der Spitze seines Volkes königlich seines Amtes waltet. Ich habe nie im Leben einen stärkeren seelischen und künstlerischen Eindruck empfangen, als im geistigen Weiterleben dieses gewaltigen kosmischen Aufbaues bis zur höchsten Vollendung. Alles schreit hier nach Raum, zur Entfaltung nach Luft und Wärme, nach Liebe. Verblüffend tritt einem in allem die starke künstlerische Begabung der Volksseele entgegen, der Trieb zur Schönheit. Ein Nomadenvolk, dessen Männer die Weisheit eines Homer besaßen. König Salomo, der Dichter des Schir Haschirim, des glühenden Hirtengedichtes orientalischer Liebe, spricht zur Einweihung des Tempels folgende Worte an die Versammlung: „Denn mag wohl Gott in Wahrheit wohnen auf der Erde? Siehe, die Himmel und der Himmel Himmel können dich nicht fassen, gar nnn dieses Hans, das ich gebauet." Allenthalben ist in diesem Leben klassischen Altertumes die Majestät des sittlich-religiösen Gottesgedankens vorherrschend, stets siegt der Theismus über alles Weihrauchduftende Si.tuereizen. g(oto Verschiedene Nachrichten. UUett. Freitag, den 15. Jänner l. I. Predigt im Tempel .IX., Müüuergaffe (Grüne Thorgasse). Wiett.: (Freitäga be u d-Bortrag im Beth-Ham i dr asch ä l mpd-Th o r a, II., Malzgasse 16.) Auch Frauen zugänglich. Am 28. Käpper l. J.^ halb 8 Uhr abends: Herr Wolf Happenheim: ^Äer Kneg und die Juden«. Wie«. Donnerstag, den 21. Jänner 1815 Vortrag des Herrn Rabbiners Dr. Max G r n » w a l d im Festsaale; des In» genienr- und Architekten-Bereines, I.. Eichenbachgqffe 9, präzise halb 8 Uhr abends, über das Thema: „P a t r i o t i s m u s i ,i der B i b e l". Wie» (Kurse i n d e r T o y n b e e h a l l e.) Am 18. d. M. beginnen in der Toynbeehalle (XX.. Denisgaffe 33) vier Knrse über Stenographie und deutsche Sprache. Alles Nähere besagt die Ankündigung in der Anstalt. Wien. (Po r tr ä g e iiu d e r T o y n b e e h a l le, XX., Denisgaffe 33). Freitag, den 15. Jänner: Bibelvortrag, Retigionslehrer Löw- Vogel. Samstag den 16. Jänner: Mnsikaussührung. Frl. Emma Heim (Gesang), Frl. Bertha Jahn (Klavier). Herr Stojan ow i cz (Geige). Sonntag, den 17. Jänner: Bortrag des Rabbiners Dr. M. Rosen m a » n, Mittwoch, den 20. Jänner : Dr. Eduard Kaufmann. Vorlesung aus seiner Novellensammlnng „Die Flüchtlinge." Donnerstag, den 21. Jänner. Vortragsreihe der „Sozialvädagogischeu Gesellschaft." VI. Dr. Heinrich Keller. Kinderarzt: „Das bürgerliche und prolerarische Großstadtkmd." . Vien. Zugunsten des Roten Halbmondes imb des Rote» Kreuzes gab Professor Joses Snlzer vorige Woche ein Konzert, das mit der von ihm komponierten Sulrairshymne und den Bolkshymnen der verbündeten Kaiserreiche stuninnngsvoll eingeleitet wurde. Snizer wurde in dreifacher künstlerischer Eigenschafc gefeiert: als Komvonist. als Dirigent und als Meister am Cello. Kammersängerin Getrude Förstel und Herr Alexander Nosalewicz von der Bolksoper entzückten das Publiknin mit ihren künstlerisch hochwertigen Vorträgen und stürmisch uinjnbelt wurde Alfred Grünfeld, der unvergleichliche Lyriker am Klavier. Ein gemischter Chor und das Tonkünstlerorchestei; uurer Leitung des Proseffors Snlzer und Konzertdirektors Nilms wirkten verdienstlich mit. Wien. Eine kurze Todesanzeige lenkt meine Ansmerksamkeit aus den Namen eines gütigen Mannes, in deffen Eigenart es lag. die tragische Geste und das große Abschiednehmen von dem bunten Spiel des Lebens zu verschmähen. In tiesster Zurückgezogenheit starb Herr Dr. phil. Benjamin Feilbogeil, Ravbiner und Retigionslehrer, in hohem Patriarchenclter, tief betrauert von seiner Gatt-u und fürsorglichen Lebensgefährtin, umgeben von rrauerildeil Kindern und Enkeln. Es war dem verdienstvollen Manne vergönnt, noch bei Lebzeiten die volle Würdigung seines Lebenswerkes zn erfahren. In seinem großen Familienkreise nahte man sich in Ehrfurcht und Liebe dem Tusknlnm des stillen feinfühligen Gelehrten, diesem Morenn, deffen Lebensideal die Majestät des sittlich religiösen Gottesgedankens bildere. Sowie im alten Israel die Kinder Jakobs, um das Sterbelager ihres Barers versailllnelt. deffen Segen empfingen, so mag der würdige Greis, ergeben in den Willen seines Gottes, die Erde verlaffen haben. „Sein Andenken sei gesegnet!" F. Wilhelm.! Wie«. Es war ein Akt der Pietät, wenn in öffentlichen Bor-! trägen nnserer geistigen Größen gedacht wird, anch eines Mannes nicht zn vergessen, der einst zn den Füßen des großen mährisch-schlesischen Landesrabbiners Markus Benedikt s. A. iaß und nnrer anderem seinerzeit in dem „Iippurim" zn Prag Worte liiniger Dankbarkeit seinem großen Meister gewidmet hat. Professor Mor. Antscherl enlwars beim legten popnlärwisseiischaftllchen Vortrage im Bet- Hamidrasch „Talmud Thora". II., Malzgasse, am 9. Jänner, ein Lebensbild dieses dankbaren Schülers und späteren, langjährigen Seelsorgers der stattlichen jüdischen Gemeinde Strako nitz im Piseker Kreise in Böhmen, des gelehrten Rabbiners Israel F ü r t h, Rabbi Jfferl Fürth genannt, der vor 40 Jahren in seiner Gemeinde, am 8. Tebet 5635, irach 43 jähriger segensreicher Tätigkeit seine sanften Augen für immer schloß. Sehr illtereffailt ist die Lebeilsgeschichce dieses Mannes, der am 5. März 1802 zu Kalledei in Böhmen seinen frommen Eltern geboren wurde. Frühzeitig begann er „Thora zu lernen", bis er 1819 nach der Stadt seiner Sehnsucht und dem Sitz seiner talmndischeu Gelehrsamkeit. nach Nckolsbnrg in Mähren, zum unvergeßlichen Landesrabbiner R. Mordechai Beuet kam, besinn Lieblingsschüler er dis 1824 war n»d deffen wiffenschaftliche Aufsätze er als jüdischer Kalligraph niederschreiben durste. Noch zwei Jahre arbeitete Israel F n r r h m Prag in Inda cis und in Prosangegenständen und führte 1829 seine fromme Garlin heim, an deren Seite er über 43 Jahre glücklich lebte und dabei sorgte er väterlich für seine Gemeinde, in der er voil 1841 an bis zn seinem Tode segensreich wirkte. In M. E. Scern's „Kochbe Jizcbak“ begegnen w:r häufig Rabbiner Fürth's poetischen und prosaischen hebräischen Arbeiten, die schönsten hebräischen Grabinschriften auf dem Strakonitzer „Guten Ort" haben den Verewigten znm Autor und die zwei Teile „Lebssris Israel^. die 1872 von ihm in Prag erschienen sind, bilden ein wertvolles Andenken an den gelehrte» und wahrhaft inenschensrenudlichett Rabbi Israel Fürth, der auch von Sr. Majestät unserem Kaiser für seine Verdienste dekoriert wurde. — Segen irnd Ehre seinem Andenken. Lndapest. Ein galizischer Rabbiner, der vor den Ruffen nach Budapest flüchtete, erzählte die haarsträubende Tatsache, daß in seiner Gemeinde die durch ihn verborgenen 104 Thorarollen von den Kosakenhorden zerrissen und dann zn Asche verbrannt wurden. Die russischen Offiziere hatten ihre teuflische Lust beim Anblick der lodernden Flammen. Sie wehrten nicht das Zerstörungswerk der ruchlosen Bande und nahmen somit Teil an dem Schandwerk, das zum Himmel schreit. Und Mr. Zangivill erwartet, durch Grey bestrickt, von dieser Horde unser