Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1915
- Issue
- Heft 3 (15.1.1915)
- Date
- 1915-01-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 3. Die Wahrheit Seite 5. ihrer: Mitte bannen,; dann' herrscht auch . in ihren Kreisen Gerechtigkeit und Friede. Das Wort' des Psalmisten: „Und Wahrreit in seinem Herzen redet" (Ps. 15.) wird im Talmud dahin gedeutet,--daß selbst das, was man noch nicht ausgesprochen, sondern bloß im Gedanken beschlossen hat, streng gehalten werden muß., / S. Safra. ein hervorragender Lehrer der taldmudifchen Zeit,' war im Besitze eines kostbaren Edelsteines, den er zu veräußern beabsichtigte. Da kamen einige Kanflente und boten ihm fünf Münzen sür denselben an. Da er jedoch zehn Münzen verlangte, so ist vorläufig das Geschäft nicht zustande gekommen. Bald nachdem die Kanflente sich entfernt hätten, faßte R. Safra den Entschluß, den Edelstein ihnen, wenn sie wieder kommen werden, sür den Preis von fünf Münzen zu überlassen. Am anderen Morgen besuchten die Kanfleme abermals dem frommen Rabbi, in einer Stunde, da er gerade das Morgengebet verrichtete. „Nun, wie habt Ihr euch entschlossen, seid Ihr geneigt das Geschäft abznmachen, war ihre erste Frage. R. Safra aber schwieg. „Gnt", riefen Sie ihm zu. „Ihr braucht uns nicht zu grnllen, wir geben euch noch zwei Münzen zu. R. Safra aber schwieg noch .immer. Wenn Ihr nicht anders wollt, so geben wir Euch die verlangten zehn Münzen." Inzwischen hatte der edle Rabbi sein Gebet beendet und sodann begrüßte er frenndlichst seine Gäste und sagte: „Meine Herren! Ich war, wie Ihr wohl beim Hereinkommen gesehen haben dürftet, im Gebete vertieft, daher schwieg ich, um mich nicht in meiner Andacht stören zu lassen. Was nun das Geschäft betrifft, so habe ich mich bereits gestern, bald nach eurem Fortgehen entschlossen, Euren mir gebotenen Preis zn akzeptieren, daher ich durchaus nicht mehr als fünf Münzen für den Edelstein nehmen kann, nehmen darf. (Maccoth 24. B. Batr. 88.) Und so ließen sich noch zahlreiche talmudische Stellen ansühren, in welchen die Wahrheit als die Hauptstütze der Welt und die Wahrheitsliebe als die höchste Tugend bezeichnet werden. „Das Siegel unseres Gottes ist Wahrheit." (Sabb. 64,) Die Wahrheit besteht. Lüge vergeht, (ibid 104) Mit Recht rief daher der gottbegnadete redegewaltige Prophet Jesaias feinem hartgeprüften Volke zu: „Sind alle deine Kinder in der Lehre Gottes wohl unterrichtet, sind sie für die ewigen Wahrheiten ger göttlichen Religion erglüht, bann herrscht der tiefste F r i e d e in ihrer Mitte und Neid, Mißgunst, Haß und Zerklüftung können in ihren Kreisen nicht Platz greisen. : ■ . (Fortsetzung folgt.) Der Weltkrieg und die Dibel. ' In der Urania sprach Samstag, den 9. Jänner 1915 Oberrabbiner Dr. Moritz Gü bemann über das Thema „Der Weltkrieg und die Bibel." „Als das höchste, erstrebenswerteste Gut", so führte der Vortragende einleitend ans, „wird in der Bibel der Friede bezeichnet. Aber auch dem Kriege hat dieses Buch voll ewiger Wahrheit seine sittliche, geradezu seine göttliche Bedeutung zngewiesen." An dem biblischen Beispiel des Zweikampfes zwischen David und dem Riesen Goliath zeigte nun Dr. Güdemann den heiligen^ inneren Wert eines Kampfes, denn der kleine Hirtenknabe tritt mit einem Jdeah das ihn ättsfüllt, iiiit der Gottesidee vor den Frevler hin, um ihn zu bezwingen.' Rußland spiele im jetzigen Kriege die Rolle des Riesen Goliath- 'der die Keime und Blüten alles Edlen und Erhabenen^ zertreten und die altgerühmte Kultur Dentschlands und unserer Monarchie'Mit seiner ungeschlachten Massigkeit erdrücken wolle. Und Frankreich und England haben' sich nicht'-gescheut.^ ihren:-HltMrbten - Ruhm, die: Protagonisten dey-FHHeit! und .HüHqnität,!gu--.sein-,'!lschnöde, preiszügebm mtd^'häbch.'Pch.'ckst,>dem.'Prototyp derMeaküow züfammeys getchk^Mex''MilM-MMnen,. - daß .sich bei - dem ■; Knuchfe gegen den finsteren Riefen, bei den Erfolgen der Zenträtmächte wieder der Kriegsgeist der Bibel, der für eine große Idee kämpft, offenbart! Dieser Geist waltet in unseren gemeinsamen Heeren und erhebt sie riesenhaft selbst über den nordischen Riesen. So unvergleichlich kämpft und stirbt man nur sür eine Idee. . Nun ließ der Vortragende auf das Beispiel eines Zweikampfes das eines Krieges folgen, in dem derselbe Geist sich offenbart. Die Makkabäer haben diesen Geist bekundet und dadurch die Besiegung des Usurpators Antiochus Ephiphanes und so ein neues Morgenrot der Freiheit nnd Selbständigkeit des jüdischen Volkes herbeigeführt. Und so sehen wir jetzt dieses Spiel in Deutschland und in unsrer Monarchie in einem von Königsmördern und ihren Beschützern aufgezwungenen Krieg wiederholt. Von Hans zn Hans pstanzt sich die Feuersänle der Kriegsbegeisteruug, der Kriegsfürsorge und der Opferwilligkeit fort und so dunkel der Weltkrieg ist, so ist er doch ein Lichtmeer der edelsten Herzensknndgebnngen. Wenn uns das alte Lehrbuch der Menschheit zeigt, wie ein rechter Krieg anssehen muß. so belehrt die Bibel uns auch, was sie unter einem rechten Frieden versteht. „Ich habe versucht", so schloß Dr. Güdemann. „Ihnen den großen Spiegel der Bibel vorzahalten, der die Erscheinungen der Weltgeschichte verdeutlichend znrückwirft und auch den fürchterlichen Weltkrieg unserer Tage kommentiert. „Es gibt einen Golt, der richtet ans Erden". So ist das letzte Wort der Bibel ein Trostwort. Und so will auch ich mit der tröstlichen Hoffnung schließen: Möge durch den Sieg nnd im Sinne Dentschlands und Oesterreich-Ungarns dem Weltkriege bald ein Weltfriede folgen." Der Vortrag wurde von der zahlreichen Zuhörerschaft mit großem Beifall ausgenommen. Konstitinermrg des Wiener Knttns norstnndes. In der unter Vorsitz des Präsidenten Dr. Alfred Stern am 6. Jänner 1915 stattgefuudeuen Plenarsitzung des Wiener Kultnsvorstaudes fanden die Neuwahlen der beiden Bize- Präsidenten und der Mitglieder des Vertreter-Kollegiums statt. Zum I. Vize-Präsidenten wurde mit 22 von 23 abgegebenen Stimmen Herr Dr. Gustav Kohn neuerdings wiedergewählt. Der Vize-Präsident Dr. Kohn dankte für diese neuerliche Vertranenskundgebung und verweist darauf, daß es gerade 30 Jahre sind, seitdem er dem Kultnsvorstande angehöre. Es erfülle ihn mit besonderer Genugtuung, daß es seiner Initiative gelungen fei, im abgelaufeuen ereignisreichen Jahre Notstandsaktionen ins Leben zn rufen, welche ein günstiges Resultat zeitigten und das Budget der Knltitsgemeinde wenigstens teilweise entlasten. Er werde anch weiterhin bestrebt sein, feine Arbeitskraft dem Wohle der Gemeinde ja widmen. (Beifall.) Zum II. Vize-Präsidenten wird mit 23 von 24 abgegebenen Stimmen, Herr Hofrat Dr. Benjamin Rappaport wiedergewählt. Vize-Präsident Hvfrat Dr. Rappaport dankt der Plenarversammlung für die neuerliche Wahl und glaubt unter Hinweis auf seine bisherige Wirksamkeit, die er auch fürderhin fortsetzen wolle, von der Entwicklung eines neue,» Programmes absehen zn dürfen. Bei der hierauf vorgenommenen Wahl von 8 Mitgliedern des Vertreter-Kollegiums erscheinen als wiedergewählk. die Herren Salo Cohn, kaif, Rat Siegm. Kauders. Dr. Leopold Kohn, Wilhelm Kuffner, k. 1 Universitäts- Po fessor Dr. Josef P o l l a k, Dr. Markus Spitzer, kaii. Rat Adolf Schrämet. Als achtes Mitglied wird Herr Dr»: Fslix>. K a tz-a.n gewählt, der jedoch mit dem Ausdrucke heWchstmODankes für die Vertranenskundgebung erklärt.