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Die Wahrheit · 1915-01-08 · Heft 2 (8.1.1915) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1915
Issue
Heft 2 (8.1.1915)
Date
1915-01-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 2. Die Wahrheit Seite 7. oft gesagt, daß Zeitmigsreklame in einer anständigen Form nicht nur für jeden Künstler zulässig, sondern sogar notwendig sei; allein er fertigte mich immer sehr rasck mit zornigen Worten ab. Sv oft er mir auf seinem Schaffens- Gebiet irgendeine vertrauliche Mitteilung machte, schickte er die Worte voraus: „Das ist für den Neffen, nicht für den Journalisten bestimmt." Dabei blickte er mich mit seinen großen Augen scharf an, wie wenn er einen Widerspruch -erwartete. Ich kannte ihn aber genau und habe diese seine ^Wünsche, immer respektiert. Goldmärk war ein wai infühlender. allem Schönen zugewandter Mensch. Ein Künstler, der sich alles buchstäblich antodidaktisch angeeignet hati Er besaß ein unglaublich großes 'Gehirn. Denn nur so war es möglich, daß er jene Höhe erreichte, zn der er eben emporklomm. Bis in die letzten Tage seines Lebens interessierte er ffch für alles, was in der Welt vorging. Bei seiner unerhörten Gründlichkeit studierte er znm Beispiel jetzt ganz genau alle Landkarten und operierte in Gemeinschaft mit mir wie in einem Operationsbnreau des Generalstabes. Er hatte für alles in der Welt das größte Interesse und warf sich auf alle Gegenstände mit einem wahren Feuereifer. Dann ruhte er nicht eher, bis er jede Materie vollkommen erschöpft und durchforscht hatte. Gin ehemaliger antisemitischer Reichstags - Abgeordneter «der einen gefallenen indischen Krieger. Herr I. Samuelsohn in Burgdorf (Hannover), der ben Heldentod zweier Söhne zu beklagen hat, erhielt von dem Kompaguieführer des einen folgendes Schreiben: Sehr geehrter Herr Samuelsohn! Leider muß ich Ihnen die traurige Mitteilung machen, daß Ihr Sohn, Unterossizier Martin Samuelsohn, gefallen ist. Wir lagen im Schützengraben. Wir hatten etwa zwei Stunden das Feuer aus zwei englischen Schiffsgeschützen ausznhalten; da schlug etwa um ^5 Uhr ein Volltreffer in den Unterstand, in dem sich Ihr Sohn befand, der sofort getötet wurde. Er hat demnach einen leichten Tod gehabt. Ich selbst lag nicht weit von Ihrem Sohne in einem Laufgraben unter einem Berg Erde begraben; ich wäre verloren gewesen, wenn nicht Soldaten meiner Kompagnie mich sofort ausgegraben hätten. Ich hätte Ihnen schön gestern geschrieben, aber infolge dieser Nervenerschütterung war ich gestern unfähig zn schreiben. Nun kann ich Ihnen, nein, muß ich Ihnen noch znm Trost sagen, daß Ihr Sohn den Heldentod fürs Vaterland in völliger Seelenruhe gestorben ist. Er war einer der tapfersten und brauchbarsten Unteroffiziere. Er hat oft auf gefährlichen Patronillengäugen d e m T o d e lachend i ii s Angesicht gesch au t. Ich wollte ihm das Eiserne ,K r e u z verschaffen und hatte es schon meinem Vizeseldwebel Hornbostel am Abend vorher gesagt. Wahrscheinlich hat Ihr Sohn davon noch vor seinem Tode erfahren. Ans Ihren Sohn können Sie stolz sein. Wir haben ihn am selben Abend zur letzten Ruhe gebettet. Ich kann aber diesen Brief nicht schließen, ohne Ihnen die Versicherung zn geben, daß der Verlust Ihres tapferen Sohnes mir persönlich ganz .außerordentlich nahe gegangen ist. Mit dieser Versicherung bin ich Ihr ergebener (gez.) V i e t m e y e r, Hanptmann und Kompagnieführer der 10. Kampagnie des Infanterie- Regiments Nr. 77." Für uns hat der Brief insofern ein ganz besonderes Interesse, als der Briefschreiber der ehemalige antisemitische Re i ch s t a g s abg e o r d ne t e für Walde ck - P y r tti o ii t, Amtsgerichtsrat V ietmeyer, ist. Sein Mandat ist im vorigen Jahre kassiert worden und ans D.. Naumann übergegangen. — Darf man hoffen, daß Herr Vietmeher später den Verunglimpfungen der jüdischen Soldaten durch seine Parteigenossen entgegentreten wird? Kerschiedene Nachrichten. Vien. Freitag, den 8. d. M. abends findet im Tempel XXL, Holzmeistergaffe 12, eine Predigt statt. Wien. (Freitagabend-Vortrag im Beth-Ha» midrasch „Talmud-Thora, £E., Malzgaffe 16.) Auch Frauen zugänglich. Am 3. Jänner l. I.. halb 8 Uhr abends: Prof. Mor. Antscherl Über „R. Israel Fürth, ein Schüler des berühmten Landrabbiners Mordechai Bener's s. A." Vien. (Bo r tr ä g e i n der T o y n b e e h a l le, XX., Denisgaffe 33). Freitag, den 3. Jänner: Blbelvortrag, Religionslehrer Löw-Vogel. Samstag, den 9. Jänner: Mnsikausführung. geleitet von Klavierkünstlerin Frl. Hist. Sonntag, den 10. Jänner: Bortrag des Rechtsanwaltes Dr. Josef Jerusalem: „Der Krieg und das Recht". Mittwoch, den 13. Jänner: Carl Co lbert, Vorlesung aus seinem Buche „Morgendämmerung". Donnerstag, de» 14. Jänner Bortrag der Lehrerin Frl. Hedw'g Braun: „Der Einfluß des Krieges aus die Erziehung". Wien. (B o r t r a g aus jüdischer Geschichte, Lite» r a t"n r und K n l t n r.) Donnersrag den 14. Jänner 1915, */»8 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architekcenvereines I., Eichenbachgaffe 9, ein Vortrag des Herrn Oberrabbiners Pros. Dr. H. P. Cbajes ans Triest statt. Thema: „In Alexandrien — vor zweitausend Jahren". Eintritt frei — ohne Karten. Wien. (Hilfsaktion der Israelitischen Allianz z u W i e n zugunsten der Flüchtlinge aus Galizien.) (Vierter Spendenansweis.) Der Israelitischen Allianz zu Wien sind zu den Kosten der von ihr für die galzischen Flüchtlinge eittgeieiteten Hilfsaktion folgende weitere Spenden zngegangen: Sammlung Galizifch» Jüdischer Vereine in Nordamerika (B. Gordon, Walhalla N. I. 2 Pfund Sterling, Relief Committee of the Federation oi Bnkowinian and Galician Jews 1000 Pfund Sterling. Dembitzer I. M. B. S. 150 Pfund Sterling, Relief Committee of the United Societies os Lemberg 400 Pfund Sterling, I. Solotwiner KcankennnterstütznngS» verein in N. Jork 100 Pfund Sterling. Lancuter Untecstütznugsverem in N. Jork 100 Pfund Sterling, Kollekte der Jda Fleischhacker in Al quippa Pa. 57.25 Pfund Sterling, Gustav Pollack 15 Pund Sterling, zusammen 1824.25 Pfund Sterling) X 10.124, Hilfskomitee für galizische Flüchtlinge in Brünn als Beitrag zur Chanukaiveude der Israelitischen Allianz für Barackenlager, darin enthalten X 500 als Spende des Statthalters von Mähren, Exzellenz Dr. Oktavian Regner. Frh. v. Bleyleben X 3000, Killlusgemeinde Esseg 1500, Max Wolf in Raab (durch Frau Minna Pick) 400, Karl Schütz, k. k. Kommerzialrat 300, Theodor Reirlinger (durch Kultusgemeinde Wien) 250, Familie P. anläßlich einer frohen Feier (durch Herrn N. Perles) 250, Heinrich Pollak 200, Richard Stein 150, Helene Kurth 100, Josefine Adler 100. Albert Fciedmann (durch Kulrusgemernde Wien) 100, Salomon Tauber in Mistet (II. Sveude) 80, Josef Klein 50, F. H. in Wien 50. Ludwig Czerweuka, Bankdirektor in Linz 50, Jaques Karpeles (durch Kultnsgemeinde Wien) 30. Lotti Srorch in Tobrrschau (dreimal je 10 X) 30, Max Löwy in Napagedl 25. Albert Osznann in Kaposvar 20, Anton Beck 20, Herman Engel (III. Rare) 10, Moriz Perles, k. u. k. Hof» buchhandlnng 9 40, zusammen X 16.848 M samt dem bereits ausge» wieseuen Sammlungsergebniffe X 103.25650 und X 1000 österr. Rente. Weitere Geld- und Naturalspenden werden im Bnrean der Israelitischen Allianz, II., Untere Donaunraße 33 dankend enrgegengenommen. Geldsendungen können auch durch die (Poftsparkassa Scheckkonro Nr. 3152) übermittelt werden. Wien. Im Saal der Literaturfreunde I., Postgasse Nr. 13, findet Sonntag den 10. Januar 1915 zu Gunsten stellenloser Handelsangeftellter eine Vorlesung Friedrich Porges (Eigene aktuelle vorwiegend heitere Dichtungen) statt. Milwirkend: Alexander Jaray. Saaleröffnung halb 7 Uhr. Beginn 7 Uhr abends. Eintrittskarten zu X 2.—, 1.— und —.50 sind erhältlich: Im Büro des Jüdischen Haudluugsgehilfen- Berbandes H. Obere Donaustraße 65 (von 8—9 Uhr abends), in der Buchhandlung Löwit I., Rorenturmstraße 22 (Stehplätze zn X —.30 nur an der Abendkaffa). Ueberzahlungen werden dankend entgegengenommen und öffentlich quittiert. Wien. (M u s i k s ch u l e u Kaiser.) Bei den eben stattgefnndenen k. k. Mnsikstaatsprüsungen wurden folgende Kandidaten der Mnsikschnlen Kaiser approbiert n. zw. für Klavier: Albrecht Luise (Wels), Bick V ktoria, Duimich Mathilde (Fiume), Heger Marie (Eisenerz), Hrdl eka Leopoldine, Kcoczek Anna (Bielitz), Linzinger Johanna (Linz), Musil Adolfine, Oswald Viktoria, Steiner Anna (Urfahr), Török Margit (Kevevüra), Willcrr Anna (Friedland), Ehrw. S. Zupan Athalina (Sarajewo); für Violine: Bnrkard Andrea, Horwüth Blanca. Im gailzeu wurden bisher 401 Kandidaten der Anstalt (teilweise „mir Auszeichnung") staatlich approbiert. Linz. (E r ö f f n n n g s g o t t e s d i e n st im K r i e g s gefangene n-L a g e r zu Liuz.) Das k. u. k. Militärkommando in Innsbruck stellte an die Kultusgemeinde in Linz das Ersuchen, für die religiösen Bedürfnisse der Kriegsgefangenen in Oberösterreich Vorsorge zu treffen. In Erfüllung dieses Ansuchens setzte sich der Vorstand mit dem Kommandanten der einzelnen Barackenlager ins Einvernehmen, stellte die nötigen Tempelgeräte bei und es fand am Freitag, den 1. Jänner d. I., abends 4 Uhr, im Gefangenenlager zu Linz der Eröffnungsgottesdienst statt. Hiezu war der Kommandant Oberstleutenant Weiß v. Uellög mit dem gesamten Offiziers- und Unteroffizierskorps

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