Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1914
- Issue
- Heft 48 (25.12.1914)
- Date
- 1914-12-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4. Die Wahrheit Rr. 48. die Erben des großen Weltreiches sein wollten. Jeder einzelne glaubte, aus einen Teil jenes Reiches, welches er erobern geholfen habe, Anspruch erheben zu dürfen. Infolgedessen entstanden blutige Kämpfe, Als vor hundert Jahren Napoleon I. erschien und ein großes Weltreich gründen wollte, da hatte er infolge seines Heldenmutes und ungewöhnlichen Scharsinnes die ganze Welt nicht nur in Angst, Schrecken und Furcht, sondern auch in Staunen und Verwunderung versetz!. Und das Ende war — Untergang! „Wenn die Flamme selbst die Zeder ergreift, wie soll sich das Mop vor Vernichtung schützen?" Und dennoch hat der moskowitische Despot mutwillig es gewagt, die Welt in Brand zu setzen, um die Monarchie zertrümmern, das Deutsche Reich in seinem Grundfesten ei> schlittern, die Kultur zerstören und jede Art Freiheit im Keime schon ersticken zu können. Mit welchelm Rechte aber, so wird mau wohl fragen, durfte der kleine Gernegroß es überhaupt wagen, so kühn aufzutreten und große Weltmächte herausznfordern? Hatte er etwa Ursache, auf die großen Schlachten, die er n i e gewonnen, oder etwa aus das ererbte große Weltreich, das nur durch Zufälligkeiten entstanden, stolz zu sein? „Rußland", so heißt es in Nr. 18076 der N. Fr. Pr., „hat seit der Schlacht bei Knnnersdorf gegen Friedrich den Großen, seit einem Siege, der nur durch den Eingriff der österreichischen Reiterei unter Laudon errungen werden konnte, sich militärisch gegen europäische Mächte jenseits des Balkans fast niemals durchgesetzt. Ausnahmen sind kleinere Erfolge von Suworow. in den. Feldzügen mit dem Erzherzog Karl nach der französischen Revolution und der Untergang der großen Armee nach dem Brande von Moskau auf dem Rückzüge, wobei jedoch Napoleon weit mehr durch Frost und Schnee überwunden worden ist als durch die Feldherren des Zaren. Rußland hat sich gegen europäische Heere nur unter der Gunst besonderer Zufälligkeiten oder durch die Hilfe von Verbündeten widerstandsfähig gezeigt." Wenn dessenungeachtet der moskowitische Amalek sich erkühnte, einen Weltkrieg, desgleichen seit der Schöpfung der Welt nicht vorgekommen, heranfznbeschwören, so geschah dies einzig und allein aus dem Grunde, weil es ihm durch ein feingesponnenes Netz von List, Schlauheit und Jntriguen gelungen ist, zwei große Kulturvölker, England und Frankreich — elftere» beabsichtigte bei dieser Gelegenheit seine unbezähmbare Habsucht, letzteres seine grenzenlose Rachsucht (Revanche) zu befriedigen — für seine gottverwünschten Zwecke zu gewinnen. Der arme Russe aber hat sich trotz seines vermeintlichen Scharfsinnes stark verrechnet, denn en chochmo rc., alle Klugheit, Weisheit und Geistesschärfe erwiesen sich als bloße Chimäre, als leere, hohle, nichtssagende Phrasen, wenn diese Mittel angewendet werden neged Adonai gegen den Göttlichen zu handeln. Der moskowitische Amalek hat vergessen, daß der himmlische Vater uicht nur der Lenker aller menschlichen Geschicke, sondern auch der größte unüberwindlichste Schlachtenlenker sei, der den Stolz und Hochmut des über viele Millionen Sklaven verfügenden Despoten bricht und den von ihm in grausamer Weise Verfolgten Kraft und Heldenmut verleiht, damit sie ihre ihnen an Zahl weit überlegenen Feinde überwältigen und besiegen können. Nun beginnt es aber etwas heller zu werden, die eigenen Völker des kleinen Gernegroß fangen an, die Augen zn öffnen und einzusehen, daß sie verführt, verleitet, belogen und betrogen geworden, daß durch die panslavistischen Jntrignen die Blüte der Völker vernichtet und Millionen Existenzen zerstört wurden, ohne daß es den Russen bis jetzt gelungen wäre, ihr augestrebtes Ziel, in Wien und Berlin sieggekrönt einzumarfchieren, zn erreichen. Ja es beginnt zu dämmern und selbst die Engländer nnd Franzosen werden von Angst und Bangen ergriffen, auch sie schauen nicht mehr wie vordem heiteren Sinnes und frohen Mutes der Zukunft entgegen, denn oj leroscho weoj lisokciieno, „wehe dem Frevler und wehe denen, die sich mit ihm verbündet haben". Hoffen wir. daß es am Ende doch den heldenmütigen Heeren der zwei verbündeten Kaiserreiche, die nicht in den Kampf gezogen, um Angriffs-, sondern um Verteidignügskriege zu führen, mit der göttlichen Hilfe gelingen werde, den Panslavistischen Amalek unschädlich zu machen, die Welt von dieser furchtbaren Geißel zu befreien. „Gott selbst führt ja Krieg mit Amalek von Geschlecht zu Geschlecht." Fr. Was mir gelitten . . . Schilderungen aus der Zeit der ersten Rnsseninvasioil in Czernowitz. Die Inden sind zu ewigem Leideil geboren. Das ist ein altes Sprichwort, ein altes Wahrwort.Michts aber vermochte das Leiden der B u k o w i u a e r Juden unerträglicher zu gestalten, als die russische Gefahr. Kaum eine Stünde von der feindlichen Grenze entfernt,, wurden wir gleich nach erfolgtem Kriegsausbruch von jenseits des Pruth bedroht und am 2. September war die schöne'Landeshauptstadt Czernowitz bereits in ein russisches Kriegslager verwandelt. Die zn Pferd und zu Fuß einmarschierten Truppengattungen nahmen vor dem Rathaus Aufstellung, der Kommandant hielt eine Ansprache, die uns alle erschaudern machte, und die russische Wirtschaft begann. Für uns Inden war es immerhin ein Trost, daß der Bürgermeister, unser allverehrter Doktor Weisselberg er, in Amt und Würde belassen wurde. Waren doch außer ihm nur wenige im öffentlichen Leben stehende Inden in Czernowitz zurückgeblieben, während die Bevölkerung fast vollzählig daheim blieb. Allerdings würden die schwachen Kräfte Dr. Weisselbergers und seiner Amtsgenossen kaum ausgereicht haben, um uns vor Raub, Mord und Plünderung zn schützen, wenn nicht der greise griechisch-orientalische Erzbischof Dr. v. Repta seine rechte Hand über uns gehalten hätte. Dieser' edle Kirchenfürst bat den General mit stehender Stimme, das Leben aller Bewohner der Stadt zu schonen, da er rücksichtlich der Nation und Konfession keine Unterschiede kenne, alle, alle seien seine Kinder. Und als die maßlose Kriegskontribntion von 600.000 Rubel gefordert wurde, da legte er den Russen nahe, daß eine solche Summe seitens der armen Bevölkerung in der. angesetzten Dauer von 24 Stunden unmöglich aufgebracht werden könne. Seiner Fürbitte gelang, es denn.auch, die Kriegskoutribution auf 300.000 L herabzusetzeu, zu welcher Summe er selbst seine Krone und alles kirchliche Gold und Silber beistellte. Es war rührend zuzuschauen, wie sogar die Aermsten der Armen ihren letzten Heller, ihr letztes Schmuckstück, ihre Eheringe dem Moloch opferten, um aus den Händen der Barbaren schadlos herauszukommen. Hieß es doch, daß die Nichteinbringung des Geldes die schrecklichsten Folgen nach sich ziehen werde! Aber selbst einen russischen General beschleichen mitunter menschliche Regungen, denn als er sich von der Opferwilligkeit der Bevölkerung überzeugte, da ordnete er die Rückgabe der abgelieferten Gelder nnd Wertgegenstände an, nicht ohne zuvor darauf aufmerksam zu machen, daß ihiu auch sonst hinreichende Gewaltmittel zur Verfügung stehen, um die Bevölkerung zum Gehorsam zu zwingen. Einige Tage lebten wir wieder ruhig, bis eines Tages — es war am 14. September — der Gouverneur Evreinow in die Stadt einzog nnd im Gebäude der Landesregierung seinen ständigen Sitz anfschlng. Seine.Tätigkeit begann damit, daß er schon in der Nacht ans den 15. September den Bürgermeister und einige andere Persönlichkeiten als Geisel gefangen nehmen und' nach Rußland deportieren ließ, was namentlich unter den Inden große Bestürzung auslöste. Tatsächlich wurde tagsdaranf ein jndenfeiudliches Regime inauguriert mit allen Schikanen und Härten, wie sie in Rußland üblich sind. Ein Gesittnttngslnmp erhielt den Bürgermeisterstnhl, die Bnrgerwehr - wurde abgeschaffr und an deren Stelle eine Sicherheitswache kreiert, die sich ans dem im Kecker internier! gewesenen nnd von den Russen entlassenen Diebsgesindel nnd Verbrechertum rekrutierte. Das jüdische Element wurde vo» der Gemeindeverwaltung gänzlich ansgeschaltet und die. JudenL Verfolgungen setzten mit elementarer Gewalt - ein. Jüdische Verkäufer, die früher ihre Standplätze am Ringplatz zn Hallen