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Die Wahrheit · 1914-12-18 · Heft 47 (18.12.1914) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1914
Issue
Heft 47 (18.12.1914)
Date
1914-12-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 47. Die Wahrheit Seite 5. eure Frauen, damit ihr von der Vorsehung mit irdischen Gütern gesegnet werdet". Das Weib beleidigen, kränken und beschimpfen wird (B. Mez. 59) als eine schwere Sünde bezeichnet, die nicht ungestraft bleibt. R. Elieser iagte: Der Altar selbst lost sich in Tränen aus, nm das Unglück dessen zu beweinen, der die erste Frau verstößt. (Sanhedr. 22.) R. Avira sagte: Der Mann nähre sich von mäßiger Ko st, begnüge sich mit einfachen prnnklosen Kleidern, suche aber das ersparte Geld zum Nutzen und F r o m m e » seines Weibes und seiner Kinder zu verwenden. (Chul. 84,) Der Frau mehr als dem Manne bat der Allgntige einen großen Teil seiner göttlichen Verheißung Vorbehalten, indem sie die Kinder zum Studium der Thora anhält und dem Manne zu religiösen und humanen Handlungen Anlaß gibt. (Berach. 17.) R. Chia b. Abba hatte ein böses zank s n ch t i g e s Weib, das ihm viel Herzleid verursachte. Nichtsdestowenigerwar er bei jeder Gelegenheit bemüht, seiner sonst so religiösen und frommen Fran allerlei Aufmerksamkeiten zu schenken. Als ihm einer ieiner Freunde einmal verwnnderungsvoll zurief: „Aber wozu soviel Artigkeiten und Ausmerksamkeiten einem z a n ksüchtigen Weibe? entgegnete er: die Frauen verdienen schon deshalb besonders geschätzt zu werden, weil sie die Kinder religiös erziehen und die Männer von der Sünde abhalten. Wie tief er jedoch die ihm von seiner Fran verursachten Kränkungen empfunden haben mochte, beweist der Segen, den er seinem Neffen R. Abba, als dieser von ihm Abschied nahm, mitgegeben: „Gott möge dich vor etwas Bittererem als dein Tod, nämlich vor einem bösen Weibe schützen. Wie also fromme, würdige, treuherzige Frauen, die sich nm Politik wenig kümmern und unausgesetzt bestrebt sind, ihr Haus in Ordnung zu halten, die Kinder religiös zu erziehen und überhaupt wohltätig im Kreise der menschlichen Gesellschaft zu wirken, die Hauptstütze der Welt bilden, zur Erhaltung des Friedens, zur Förderung des Wohlstandes wesentlich beitragen, im selben Maße können böse, zank-, streit- und habsüchtige Weiber, die in die Politik recht tätig eingreisen, sich erkühnen Nationen zu hetzen, Kriege anzufachen und Throne zu erschüttern, heillosen Schaden in der Welt anrichten, die herrlichsten Paradiese in öde Wüsteneien verwandeln. Solche Weiber werden, wie der Dichter sagt, zuweilen Hyänen. Diese können aber nur dann unschädlich gemacht werden, wenn Männer ihnen entgegentreten, die mit Löwenmut kämpfen mit) mit Nerven aus Stahl und Eisen ausgerüstet dastehen. Die Deutschen wie die Oesterreicher und Ungarn kämpfen tatsächlich seit viereinhalb Monaten, und zwar für eine sehr gerechte Sache mit einem Löwenmute sondergleichen, daher es ihnen bis nun mit göttlicher Hilfe gelang, ihre ihnen an Zahl weit überlegenen Feinde glänzend abzuweisen und hunderttausende gefangen zu nehmen. Möge der allgntige und allgerechte Gott ihnen weiter beistehen! Fr. fin* den inneren Frieden. Auch demjenigen antisemitischen Organ, das den Bestrebungen nach Anfrechterhaltung des Burgfriedens in Deutschland den zähesten Wiederstand entgegengesetzt Hai, dem „Hammer", ist jetzt Zurückhaltung zur Pflicht gemacht worden. In seiner Nr. 298 fiubet sich nämlich folgende Erklärung: „Eine Anzahl Zuschriften, die sich mit Beobachtungen über das Verhalten der Israeliten im Kriege befassen, können wir vorläufig nicht abdruckeu, da von den Behörden strenge Weisung ergangen ist, während des Krieges jede Polemik gegen die Inden zu unterlassen. ... d Aber die nächste Nummer enthält schon zahlreiche Beiträge, die mit der behördlichen strengen Weisung nicht m Einklang zu bringen sind. Eine Schrift von Adolf Bartels, betitelt „Der Siegespreis", ist von dem Generalkommando des IX. Armeekorps verboten worden. In wohltuendem Gegensätze zu den Treibereien der „dentschvolkischen" Störenfriede ist die große rechtsstehende Presse nach wie vor redlich bemüht, für den inneren Frieden zu wirken. So bringt die „Deutsche Tageszeitung" vom 14. November ans der Feder ihres Chefredakteurs, des Reichsratsabgeordneten Dr. Oertel, einen Artikel „Feldgottesdienste", dem wir folgende Stellen entnehmen: „Eins sind sie alle, die hier mitbeten vor Gott, den Gerechten, getreten sind: eins Offiziere und Soldaten, eins Katholiken und Evangelische, eins Christen und Juden. Was sich sonst zwischen die Bekenner der Religionen und Konfessionen drängte, das ist jetzt weit znrückgetreten. Die Katholiken lassen sich's nicht nehmen, an den evangelischen Gottesdiensten sich zu beteiligen und die Evangelischen bleiben den katholischen nicht fern. Die tiefe machtvolle Empfindung, daß alle Glieder eines Volkes sind, daß aller Herzen von denselben Sorgen bewegt werden, daß sie alle mit ihrem Sehnen und Beten einen Gott und eine Heimat suchen, hat alles andere znrückgedräugt. Wir haben zu unserer besonderen Freude vernommen, daß auch jüdische Soldaten gern an den christlichen Gottesdiensten teilnehmen, soweit nicht für sie besondere Feiern veranstaltet werden können. In der „Köln. Zeitung" lasen wir jüngst den Bericht über eine solche besondere jüdische Feier. Wie dort das gemeinsame Gebet mit seiner Wucht und Kraft geschildert wurde, hat auf uns tiefen Eindruck gemacht. Das ist ja mit die erhebendste Erscheinung in diesem gewaltigen Völkerringen, daß der neu erwachte, vertiefte und verinnerlichte Gottesglanbe alle wieder in seinen Bann zwingt. Und dieser Glaube wie er in den Gottesdiensten zutage tritt, trägt nicht das Gepräge der Oberflächlichkeit, auch nicht das der Augst, sondern das des ehrlichen Empfundenseins." An dem Feuergeist der alttestamentlicheu Propheten entzündet sich auch jetzt wieder in weiten christlichen Kreisen die Begeisterung für den Freiheitskamps. Die Donnerstimme des Buches der Bücher packt gewaltig die Geister. In den allwöchentlichen Kriegsandachten der „Krenzzeitnng" wird fast regelmäßig auf den Heldengeist der großen Männer des Alten Testaments zurückgegriffen. Und in einer dieser Andachten, die den Kriegstaten der Inden, insbesondere dem Kampfe nm Jericho, gewidmet ist, heißt es z. B.: „Welch ein Anblick für Freund nnd Feind dieser Zug Israels nm die Stadt her! Ihr Sturmangriff war ihr Gebet! Des Führers Geist ward des Volkes Geist. Sie hielten sich an den. den sie nicht sahen, als sehen sie ihn! Jst's nicht derselbe Glaube, derselbe Heldengeist, der heute in unfern Heerführern und Armeen im Felde lebt?" Desgleichen lesen wir in der Münchener „Allgemein. Rundschau", dem wissenschaftlichen Hanptorgan des deutschen Katholizismus: „Auf dem Ambos der sittlichen Kraft wird jene Fahnentreue gehämmert, die auch beim letzten Kommando „zum Sturm Gewehr rechts" an die Fahne des Regiments sich anschwört mit dem Treuschwur der Makkabäer: „Das sei ferne, daß wir vor ihnen davonlaufen; wenn unsere Stunde geschlagen, so wollen wir sterben für unsere Brüder, in Kraft (1. Mak. 9,10)." Am Schluffe des oben erwähnten Artikels des Organs des Bundes der Landwirte heißt es: „Mögen die kämpfenden Scharen immer zu solchen Gottesdiensten zusammen treten, mögen sie ans ihnen die Kraft des Kämpfens, des Durchhaltens uiib des Siegens schöpfen! Möge jeder Teilnehmer am Gottesdienste ans ihm etwas mit hinausnehmen, nicht nur in die Schlacht und vielleicht in das Grab, sondern auch, falls ihm die Heimkehr beschieden ist, in das Leben des friedlichen Alltags!" Diesem Wunsche können wir uns nur von ganzem Herzen anschließen.

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