Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1914
- Issue
- Heft 46 (11.12.1914)
- Date
- 1914-12-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 46. Die Wahrheit Seite 7. malig das ganze Volk der Nengriechen an diese Ausdrucksweise gewöhnt haben. So stelle ich. es mir vor, daß man im . vornehmen Ton heute noch im Neugriechischen „Hebräer" sagt. Nun hat aber das byzantinische Wesen zwei große Länder Europas nachhaltig beeinflußt. Italien, das politischlange zu Byzanz gehört hatte und wo eben deshalb der Angehörige unseres Volkes stets nur „Ebreo" genannt wird, ferner das große russische Reich, das seine Religion und Kultur bekanntlich von Byzanz empsangeu hatte; daher amtlich und in gutem Tone auch hier „Hebräer" und nicht „Jude". In Spanien und in Frankreich werden, soviel ich weiß, beide Ausdrücke unterschiedlos gebraucht. In Deutschland aber und in vielen slavischen Ländern wie auch in Ungarn, wiegt „Jude" beziehungsweise dessen Derivat vor, doch erst im späteren Mittelalter, denn noch in den Gesetzen der Merowinger und Karolinger wird vorzugsweise „Hebräer" gebraucht und man geht nicht viel fehl, wenn man hierin den Einfluß der spätrömischen Gesetzgebung erblickt. _ Der Sprachgebrauch der orientalischen Völker, der Araber, der Perser, der Türken, der Mongolen und Chinesen müßte erst nntersncht werden. Worein für unenlgetttichen Arbeitsnachweis. Wien, II., Taborstraße 59. Samstag, den 28. November d. I. hat im Vereinslokale des Jiraelitischen Hnmanitäts-Vereines „B'ilä: B'cith" die XV. ordentliche Generalversammlung dieses Vereines stattgesnnden, die folgenden Verlauf hatte: Der Vorsitzende, H>rr Dr. Bela Tanssig, begrüßt, nachdem er die ordnungsmäßige Einberufung, sowie die Beschlußfähigkeit derGeuerakversammluug konstatiert hatte, die zahlreich erschienenen Bereinsmitglieder und Gäste, namentlich Herrn kaiserl. Rat Jouas Weil als den zur Generalversammlnttg delegierten Vertreter der Israelitischen Knltusgemeinde, ferner den Präsidenten des Verbandes der Oesterreichischen Vereine „B'uai' B'rith", Herrn Professor Dr. Salomon Ehrmann, die Vertreter der israelitischen Hnmaniiäts-Bereine „B'uai B'rith Eintracht" Herrn Hugo Tugendhat, die Vertreter des „Vereines zur Unterstützung israelitischer Handwerker und Gewerbetreibender", die Herren Richard Petschek und Dir. Heinrich Glücksthal, sowie den Reichsratsabgeordneten Herrn Dr. Julius Ofner. Herrn Oberrabbiner Dr. M. Grunwald und Herrn Dr. S. Bloch. Die Herren Oberrabbiner Dr. M. Güdemann, Dr. D. Fenchtwaug, fernrr Dr. Wilhelm Ritter von Gntmann. Kommerzialrat Eduard Wiener, Karl Freund, Hugo Kadisch, Adolf Streicher, mehrere Mitglieder sowie Bnreanvürstand Joses Weisz haben ihr Fernbleiben entschiNdigt. Ans dem Jahresberichte, den der Obmann des Exekutivkomitees, Herr Moriz Sonnenschein, zur Verlesung bringt, gehr hervor, daß es trotz der nngünstigen Geschäfslage und der gegen Ende des Jahres durch den Kriegsausbruch verursachten, fast gänzlichen Stockung der Vermittlungstätigkeit möglich war 2851 Arbeitwerber männlichen und weiblichen Geschlechtes zn plazieren. Die. Zahl der Besucher an den Schaltern des Bureaus betrug 49629, die Zahl der Neuanmeldungen von Arbeitnehmern 8234. Im ganzen ftirö seit dem Bestände des Vereines 44.762 Vermittlungen durchgeführt worden. Am Beginne des Berichtsjahres ist der um die Interessen des Vereines hochverdiente Präsident Herr Kommerzialrat Eduard Wiener von diesem Ehrenamt« znrückgetreteil.eDer Vorstand gab seinem lebhaften Bedauern über' diesen Entschluß des Herrn Kommerzialrates Wiener, sowie seinem Dankefür. dessen selbstlose-und eifrige Tätigkeit im Sitzungs- Protokolle. Ausdruck. Die Bersammlnng. schloß sich dieser Kundgebung vollinhaltlich an. Der Vorstand wählte den bisherigen Obmanir des Exekutivkomitees, Herrn Dr. Beläi Tanssig, zum Vorsitzenden und an dessen Stelle Herrn Moriz Sonnenschein zum Obmann des Exekutivkomitees. ' _ "1- Nachdem der L>christsührer, ^Herr.Drv Gustav Langstein, die statistischen Tabellen über die LandeszngehÜrigkeit, das Geschlecht und Alter, sowie den Familienstand der angemeldeten Arbeitwerber verlesen und der Kassier, Herr Eduard Schwarz, den.Gebahrnngsausweis und Rechnungsabschluß zum Vortrag gebracht hatte, bringt der Vorsitzende den Bericht ‘ und den Gebahrnngsaüsweis zur Abstimmung. Beide werden einstimmig genehmigt. - - - Herr kaiserl. Rat Jonas Weil spricht, dem Vorstände des Vereines den Dank und die volle Anerkennung -des Kultusvorstaudes für seine beispielgebende Tätigkeit ans und/ be'glückwünschr den Bereinsvorstand zu seinem für die Verhältnisse im, abgelanseneu Berichtsjahre nicht hoch genug zu schätzenden Erfolge. Herr kaiserl. Rät Weil versichert den Vereinsvorstand der ferneren kräftigen^Unterstütznug des Kultnsvorstalides. Herr Rudolf Kohn zollt dem Veceinsvorstande für seine aufopferungsvolle, ersprießliche Tätigkeit^ im Arbeitsnachweise seine vollste Anerkeimnng »nö spricht für dessen weitere Entwicklung die besten Wünsche aus. - , Herr Professor Dr. Ehrmann begrüßc die neugewählte Leitung des Vereines und gibt der Hoffnung Ansdruck, daß sie un Arbeitsnachweis zweckdienliche, segensreiche Leistungen vollbringen wird. Bei den hieraus vorgenommenen Wahlen werden die statutengemäß ansscheidenden Vorstandsmitglieder, die Herren kaiserl. Rat Jacques. Feitler, Ludwig Herz und Joses Reumann mit Stimmeneinhelligkeit wiedergewählt. In seinem Schlußworte betont der Vorsitzende die immer fühlbarer hervortretende Not des Tages, welche mehr den» je die soziale Tätigkeit des Vereines nötig macht. Dieser Not entgegenziltreten und dieselbe nach Möglichkeit zn verhüten sei die wicht'gste Ausgabe des Arbeitsnachweises. Mit einem eindringlichen Appell an die Bersainmlnnz, den Arbeitsnachweis auch in Znknnfr durch finanzielle Mittel, sowie durch Zuführung von Arbeitsgelegenheit zn unterstützen, schließt der Vorsitzende mit warmen Dankesworten an die Erschienenen die Sitzung. Verschiedene Nachrichten. Wien. Fceirag, den 11. d. ist im Temvel, IX., Müllnergasse (Grüne Thorgasse) der Abendgottesdienst mit einer Predigt des Rabbiners Dr. Athnr Schwarz verbunden. Samstag abend um halb fünf Uhr findet daselbst ein feierliches Anzünden des ersten Channkalichtes durch Ersten Kantor Mayerovitsch statt. Wien. (Borträge in derToynbeehalle, XX., Denisgasse 33). Freitag, den H. Dezember: B beloortrag. Samstag, den 12. Dezember: Mnsikausführnng, Gesangsmeisterin Frau Funk- Freund. Sonntag, den 13. Dezember: Ingenieur Paul Bellak: „Die Luftschiffahrt im Kriege" (Lichtbilder.) Mittwoch, den 16. Dezember: Chanukaseier. (Oberkantor N e n m a « ii und Rabbiner Doktor Baue r., Freitag den 18. Dezember: Bibelvortrag. Wien. Freitagabend -Bortrag im „Bethamidrasch Talmud Thora" H. Malzgaffe 16, am 11. d. M. halb 8 abends: Herr M. H ö n i g s b e e r über: „Kriege und Epochen in der jüdischen Beschicht e". Wien. (Vortrag ans jüd. Geschichte, Literatnr n n d K u 11 n r.) Donnerstag, den 17. Dezember 1914, 1/a8 Uhr abends, findet im Festsaale des'Jngenieur- und Architektenvereines, I.. Eschendachgaffe 9, ein Vortrag des Herrn Heinrich Z) o r k-S t e i n e r, Schriftsteller, über Studien und Skizzen vom Kriege statt. Eintritt frei. Wien. (Jüdischer Handlungsgehilfe n-V e r b a n d, Ortsgruppe Wie n.) Dienstag, den 15. d. M., 3 Uhr abends, findet im Bereinslokale,II.,Obere Donansiraße65, eine Vorlesung eigener Satiren durch Herrn Elias Rubin statt. Gäste willkommen. Wien. Zn dem großen patriotischen Konzert des Oberkantors Don Fuchs, das am 17. Dezember l. I. stattfindet, schreibt man uns von befreundeter Steite: Es war ein lobens- und ankennenswertec Gedanke des Oberkantors Don Fuchs, die Erinnernng an die Hrldenzeit unserer Vorfahren, wie sie das Challukasest alljährlich uns bringt, diesmal der großen Zeit entsprechend, die wir durchleben, mit humanitärsn und patriotischen Bestrebungen zu verknüpfen nnd so dieses Konzert einem Ziele zuznsühren, dessen volles Gelingen der Herzenswunsch aller sein sollte. In diesem Sinne vornehmlich möchte sch an alle Inden Wiens appellieren. Heute handelt es sich in erster Linie darum, den verwundeten Soldaten so rasch und so ausgiebig als möglich zu helfen, die armen Flüchtlinge ans Galizien und der Bukowina nach Kräften zn unterstützen. Diesem edlen Zwecke ist das Reinerträgnis dieser Makkabäerfeier gewidmet. Diese Appellation richtet sich aber nicht bloß an die ständig in Wien lebenden Inden. Auch jene Glücklichen unter den Unglücklichen ans den evakuierten Ländern, deren Mittel ihnen Not, Sorge und Elend ferne halten, mögen eingedenk sein ihrer Landsleute, die in Kummer schlafen gehen und in Not nnd Sorge erwachen. Jeder einzelne von uns muß erkennen und suhlen, daß er als Mensch, als Jude, als Patriot verpflichtet ist, nach Kräften hier zn Helsen. Wie konzentrische Kreise Haben diese Verpflichtnngssphären einen gemeinsamen Mittelpunkt, das Wohl des Vaterlandes. Diesem Ziele im weiteren Sinne ist auch diese Feier gewidmet. Besuchet sie! Wien. Am 29. v. M. fand die Beerdigung des Herrn Markus Schreiber, Eigentümer der Wiener N1L2 Bäckerei im XV. Bezirk, eine» Schülers des berühmten Preßburger Oberrabbiuers Schreiber, unter zahlreicher Beteiligung statt. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Doktor I. M. Bach hielt dem Heimgegangenen einen ergreifenden Nachruf, in der er deffen schlichtes Wesen, frommes und mildtätiges Wirken, den wahrhaften „Jsch Jehndi" in dem Verstorbene» schilderte. Der Bethaus- Verein ll'Ndr JTTU8, dessen langjähriges Mitglied Herr Markus Schreiber gewesen ist, war durch dein Obmann Herr Wilhelm Brody. der Obmann-Stellvertreter Ignaz Lichtmeß und andere Vorstandsmitglieder vertreten und ließ durch den Kantor am Grabe einen Q’Om vortrageu, woraus die beiden Söhne das Kadisch-Gebet verrichteten. Die Witwe des im 79. Lebensjahr Verstorbenen ist die Tochter des Kittseer Rabbiners Maier Abeles s. A. Wie«. Montag, den 7.-8. M. ist der gewesene Obmann und Ehrenmitglied des Tempelvereines im XIX. Bezirk Herr Julius Lederer nach längerer Krankheit im 76. Lebensjahre verschieden. Der Verblichene, der sich um den Tempelverein Und insbesondere anläßlich