Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1914
- Issue
- Heft 46 (11.12.1914)
- Date
- 1914-12-11
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 46. der Erbauung des neuen Gotteshauses große Verdienste erworben hat, erfreute sich der höchsten Wertschätzung; der weitesten Kreise. Das Leichenbegängnis fand Mittwoch den 9. d. M. unter großer Teilnahme vom Tempelgebäude, Dollinergasie 3, auf dem Döblinger Friedhofe statt. - Trebitsch. Montag, den 30. November starb hier Herr Josef Taussig, ein Bruder des in Wien durch seine Herzensgute noch unvergesieneu Hofrates Sigmund Taussig. Der Verstorbene gehörte durch lange Jahre dem hiesigen Knltnsausschnsie an, bekleidete viele gesellschaftliche Ehrenstellen und warfast 10 Jahre Präses unserer Kultus-, gemeinde. Seme Herzensgüte, seine Gerechtigkeit, und Hilfsbereitschaft für jedermann war allgemein bekannt. Das Begräbnis, welches am 2. Dezember stattfand, gestaltete sich durch die Teilnahme aller Bevölkernugsschichten, aller Behörden. Vereine und Schulen sowie der benachbarten Kultusgemeinden zu einer imposanten Trauerkundgebung. Im Trauerhause verabschiedete sich unser Herr Rabbiner Doktor I. Stössler, nach Absingung der vorgeschriebenen Tranergebete durch Herrn Kantor M. Kurzweil, in rührender Weise von dem Verblichener?, der ihm ein aufrichtiger FreNild war. Mitglieder des Ausschnsies der Chewra Kadischa und der Tempelverwaltung trugen abwechselnd den Sarg zu dem Leichenwagen, der den toten Präses zum Tempel brachte. Im Tempel fand die offizielle Trauerfeier der Kultusgemeinde statt. Die Tranergesänge wurden vom Herrn Oberkautor M. Goldenberg exekutiert. Den Nachruf hielt Rabbiner Doktor I. Stösiler. Kein Auge blieb tränenleer als der Prediger mit dem Weherufe spr Josef ist nicht mehr, begann und in einem Vergleiche mit dem biblischen Josef ein ergreifendes Bild des Verstorbenen/ seiner Tätigkeit und seines Strebens für die Knltusgemeiude entwarf, ihm dankte und seinem Nachfolger Trost verhieß in selbstloser Arbeit für unsere Gemeinde im Sinne und Geiste des Verblichenen. Hierauf wurde der Sarg aus dem Tempel nach dem Friedhofe gebracht. In der Zeremonienhalle, wo die Herren Kantoren M. Kurzweil und M. Goldenberg wechselweise die Fnnktionen versahen, sprach Herr Rabbiner Dr. I. Stösiler zum drittenmale und feierte den Verstorbenen als Privatmann unter besonderer Betonung seiner unterschiedlosen Hcrzensgüre. Bald darauf rollten die Schollen auf den Sarg und der Grabhügel wölbte sich über einen guten Menschen, der es mit seiner Gemeinde ehrlich gemeint und ihrer, wie wir vernehmen, auch im Tode nicht vergessen. Er ruhe in Frieden! 'b"t Trebitsch. Donnerstag, den 3. Dezember fand hier der patriotische Festgollesdicust anläßlich der 66. Wiederkehr des glorreichen Regierungsantrittes unseres aüverebrteu Kaisers statt, der im Hinblicke auf die schweren Kriegszeiten besonders erhebend verlief. Das Miuchagebet verrichtete Herr Oberkantor M. Goldenberg mit Chorasiistenz. Die Festrede des Herrn Rabbiners Dr. I. Stösiler war ein rhetorisches Meisterstück. Der Prediger feierte die B.erdieuste unseres Kaisers um die kulturelle Entwicklung Oesterreichs und fand geistreiche Parallelen zwischen dem im Wochenabschnitte erwähnten bevorstehenden Bruderkampfe Jakobs und Esaus, zwischen Jakobs Ringen mit dem Fürsten der Nacht und dem gegenwärtigen Kriege, in dem Oesterreich und seinem Verbündeten die Rolle des Gotteskämpfers Jakob gegen den mitternächtlichen, nordischen Esau znkäme. Der Ansgang werde auch ähnlich sein. Mit einem begeisternden Appell an alle, für Kaiser und Reich.das äußerste zu leisten, schloß die herrliche Festrede, die auf alle Anwesenden von. mächtigster Wirkung war. Hierauf rezitierte Herr Oberkantor M. Goldenberg einen Psalm. Mit einem für diesen Anlaß vom Herrn Rabbiner Tr. I. Stößler verfaßten, bei offener Bundeslade vorgelragenen Gebete und der Bolkshymue schloß die erhebende Feier, die dem Patriotismus unserer Gemeinde alle Ehre machte.' Prag. Am 29. November' wurde unter besonders zahlreicher Beteiligung ans den besten Kreisen Prags die Schriftstellerin Frau Babette Fried zu Grabe getragen. Se. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. W e i n e r hielt der .Verewigten einen ehrenden Nachruf und hob ihre Verdienste ums Judentum durch ihr literarisches Wirken, ihre besondere Geistes- und Herzensbildung und große Bescheidenheit hervor. Herr Oberkantor Grufchka versah die kantorale Funktion und blieb bei der Rede und den frommen Gebeten kein Auge trocken. Unter den Vereinen, die sich am Leichenbegängnisse beteiligten, wären die Delegierten des Klubs deutscher Schriststellennneu Prags, dem die Verewigte angehörte, deS Vereines reisender Kauflente etc. vertreten und waren auch sonst viele Tranergäste zu Ehren der Verewigten anwesend.- Ehre und Segen ihrem Andenken. M.; A. Jüdisches Museum, IL, Malzgaffe 16 (Straßenbahnlinie 6). Besuchsstunden: Samstag nnd Sonntag von 12 bis 1 Uhr bei freiem Entree. Vereine und Schulen auch zu anderen Zeilen gegen vorherige Verständigung mit dem Bnrean. Während der Sommermonate (Juli Und August) bleibt das Museum geschloffen. Aleratrn. Irr schwerer Zeit. Zwei Predigten über den Krieg von Dr. M. Rosen mann, Rabbiner und Prediger der israel. Kultnsgemeinde in Wien. (Alf. Höldcr, k. u. ,k. Hof- ,und Universitäts-Buchhändler, 1914.) Der bestbekannte Bersasier hat mit der .Veröffentlichung vorliegender zwei Predigten eine kleine, aber hinreichende Probe gegeben, um ln ihm auch den gelehrten, trefflichen Kauzelredner zu erkennen, denn aus beiden Predigten, die erste ist zu Kol-Mickre, 7 die zweite am Schlnßfest gehalten — wehr tief religiöses Empfinden und ein warmer, patriotischer Geist entgegen. Beide Reden, gleich an Gedankentiefe, - rhetorischem Aufbau nnd an eleganter Diktion/ sind reich -durchzogen von biblischen Sätzen und agadischen Erzählungen, die alle eine sehr schöne, tiefsinnige Deutung nnd Erklärung finden. Man wird dieselben mit wahrem Interesse lesen nnd in s ch w e r e r Z e i t, in der wir jetzt leben, daraus Seelenstärknng. Erhebung und hoffnungsvollste Zuversicht gewinnen. Darum seien diese Reden den weitesten Kreisen des großen Publikums zur Lektüre wärmstens empfohlen und die Bemerkung beigesügt, daß das Reinerträgnis in löblicher Weise den Zwecken der Kriegsfürsyrge zufließt. Druck und Ausstattung sind auf das eleganteste besorgt und der berühmten Hölderschen Verlags-Buchhandlung — wo das Heftchen erschienen ist — überaus würdig. Möge dasselbe — wie es dies nach jeder Richtung verdient -^-7 die größte Verbreitung, volle. Beachtung nnd Würdigung finden und damit ein patriotisch-humaner Zweck gefördert werden. ’ Wien. - Dr. H. P 0 llak. Werzeilijnrs der Werliorüenen vom 29. November bis inklusive 5. Dezember 1914. Regine Frankl, ftäbti Lehrerin, 60 I. Bernhard Löwenherz, Res.-Tit.-Korporal des 30. Jnf.-Reg., 34 I. Rosa Friedlieb, Private, 82 I. Henriette Sokal geb. Stroh, Advokacensgattui, 75 I. Markus Schreiber, Geflügelhäudler, 78 I. Paul Nosenblum. Musiklehrerssohn, 2 I. Henriette Blumenfeld, Private, 66 I. Baruch Lindenbaum, Gntsanteilbesitzer, 43 I. Berthold Weinberger, gew. Kansmanil, 61 I. Samuel Israel Schwarcz. Reservekadett, 24 I. Regine Rosenfeld, ohne Berns, 74 I. Ailna Tonelles, 65 I. Josefine Brosau, Pfründnerm, 74 I. Rosa Spielmann, ohne Berns, 67 I. Ivel Aßkenasi, Kaufmamissohn. 6 I. Markus Neudörfer, Privatier. 77 I. Irene. Siegel, Fabrikaiiteustochter, 5 Monate. Laura Bloch, Jilstitutsiuhaberiii, 49 I. Sarah Eltes, Kaufmailusgattin, 34 I. Maje Josefa Müller, Kaufmaunstochter, 21 Monate. Joses Keßler, Fleischhanermerster, 35 I. Samuel Singer, Kanfmaiin. 57 I. Brandel Rosenfeld, Privat, 71 I. Zäzilie Horn geb. Ratzersdorfer. Privat, 75 I. Josefine Husser geb. Stedry, Eiseiibahiibeamtenswilwe, 87 I. Abraham Joses Ssaß. 48 I.' Salomon Peretz, Privat, 74 I. Hermann Pleß, gew. Reisender, 70 I. Filipp Götzl, Kanfuiann, 73 I. Betty Kohut,' Jnkasiantensgattin. 56 I. Nische König geb. Händler, Agentensfrau, 70 I. . Laura Derscköwitz, Reisendenstochter, 6 I. Anna Schatzberger, Privat, 44 I. Moritz Frankfurther, Lederhändler, 66 I. Theresia Meisel geb. Pollak. Privat, 81 I. Elka Breiudl Offe geb. Moldau, 55 I. Bernhard Oesterreicher, Privatier, 57 I. Frieda Glvzik, Schrelderg'ehilsenstochter,,4 I. Doktor Jakob Zuckermann, f: k. Generalstabsarzt i. R., 68 I. Eduard Ritn-rinaun, Oberlandesgcrichtsrat, .61 I. Aron Menschel, Schüler, 14 I. Klara Bernstein, Kanfmannsgattin, 23 I. Oskar Schick, Kommis, 29 I. Michael Haber, Schneidermeister, 33 I. Wilhelm Falndi, Kaufmann. 66 I. Karl Edelstein. Beamter, 56 I. Joses Demb. Kaufmannssohn, 4 I. Rifka Pessl Landau, 50 I. Chaim Oberfeld, Kanfmannj 56 I, Benno Freistadt, Kaufmann, 39 I. Ilona Herlinger, Privat, 27 I. Josef Weiß, Maler, 66 I. Max Reich, Reisender, 67 I. Mendel Leib Beutel, Infanterist des 36. Ländw.-J.-R., 30 I. . - , MW Aviso! Nunmehr hat die unter der Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner 8. Fürst des Vereines Adas Jisroel (Schiffschul) stehende Koscher-Selchwarenfabrik und Fieiscliverschleiss G. m. b. H. auch ihre Selchwarenfabrik im XX. Bezirke, Klosterneuburgerstrasse 60, eröffnet und gelangen die in erstklassiger Qualität hergestellten Wurst- und Selchwaren zum prompten Verkäufe. Am 20. Dezember wird auch die Selchwarenniederlage, II. Bezirk, Obere Donaustrasse 91, eröffnet. Dieselbe verspricht, eine Sehenswürdigkeit Wiens zu werden, auf welche wir das P. T. Publikum schon heilte höflichst aufmerksam zu machen uns erlauben