Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1914-12-04 · Heft 45 (4.12.1914) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1914
Issue
Heft 45 (4.12.1914)
Date
1914-12-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3062972-3063725-3063770--09339-3076583
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seile 6 Die Wahrheit Nr. 45 Ein Major schreibt an einen Herrn, dessen Sohn das Eiserne Kreuz erhalten hat: . . ., den 2. 10. 14. Sehr geehrter Herr ... Es hat mich sehr gefreut, vom Vater meiner tapferen Gefechtsordonnanz einen Brief zu erhalten, und ich benutze gern die Gelegenheit, Ihnen meine herzlichsten Glückwünsche ansznsprechen. Es waren mir zwei Eiserne Kreuze für Unteroffiziere und Mannschaften übergeben worden. Eins erhielt mein Fahnenträger, der im Artilleriesetter verwundet, zunächst daran dachte, bei mir anznfragen, wem er die Fahne übergeben solle, dann die Uevergabe mir meldete, und nun erst bat, zum Verbinden anstreteu zu dürfen. Für das zweite Kreuz hätte ich keinen Würdigeren gesunden, als Ihren Sohn. Er hat in mehrstündigem feindlichen Artilleriefeuer von drei Seiten her am 8. 9. zwischen Le Chipal und la Folie (nordöstlich von St. Dis) wiederholt Meldungen an die Brigade überbracht und mußte dabei den Hexenkessel von Le Chipal durchschreiten, in dem es fürchterlich hagelte. Wie schwer das Feuer war, geht daraus hervor, daß ich an diesem Tage an Toten, Verwundeten und Vermißteit fast die Hälfte meines Bataillons verlor. Gar mancher hätte an Stelle Ihres Sohnes vielleicht mehr an sich selbst, als an die Meldungen gedacht. Er hat nicht in diesem, sondern auch in früheren Gefechten schon ein hohes Maß von Mut bewiesen, und darum freute es mich besonders, gerade ihm das Ehrenzeichen überreichen zu können. Ich hoffe und wünsche, daß Sie in nicht allznferner Zeit stolz an der Seite Ihres tapferen, mit der schönsten Auszeichnung, die es gibt, geschmückten Sohnes einherschreiten werden. Mit dem Wunsche, daß Ihr Sohn Ihnen auch fernerhin noch recht viel Freude bereiten möge, bin ich Euer Hochwohlgeboren ergebenster ....... Major, Reserve- Jnfanterie-Regiment Nr. . . . Den Heldentod fürs Vaterland starb Leo Weil, Eins." Freiw. ans Karlsrnhe-Mühlbnrg. Leib-Grenadier-Regiment Nr. 109. Der Brief, den die Eltern des Gefallenen aus diesem Anlaß vom Kompagnieführer erhielten, lautet: Sehr geehrter Herr Weil! Zu dem am 30. August erfolgten Tode Ihres Sohnes spreche ich Ihnen und Ihren Angehörigen mein aufrichtigstes Beileid aus. Möge das Bewußtsein, daß ihr Sohn den Heldentod für unser Vaterland gefunden hat, ein Trost für Sie fein. Wir alle der 9. Kompagnie werden das Andenken an Ihren Sohn stets in Ehren halten. Immer frisch und munter, stets interessiert und hilfbereit war er allen Kameraden ein Vorbild. Selbst schon verwundet, sah ich am Morgen des 30. Anglist noch, wie er nach dem Tode des Unteroffiziers das Kommando über den letzten geschlossenen Teil der Kompagnie übernahm und seinen Kameraden in der vordersten Linie Hilfe brachte. Für sein entschlossenes und mutiges Verhalten machte ich ihn noch dem Feldwebel namhaft, als einen der nächsten, der zur Auszeichnung mit dem Eisernen Kreuze vorgeschlagen werden soll. Nun hat ihn noch am gleichen Tage die feindliche Kugel hinweggerafft, wie so viele seiner Kameraden. Ich weiß nicht, ob er es noch erlebt hat, daß der feindliche Angriff abgeschlagen wurde. Für uns Ueberlebenden muß es jedenfalls ein Trost sein, daß er und seine Kameraden ihr Blut nicht umsonst vergossen haben. Nehmen Sie nochmals den Ausdruck meiner herzlichsten Anteilnahme an dem schweren Verlirste entgegen. Hochachtungsvoll .- Dr. v. Scholz Oberleutnant und Kompagnieführer." An den Bruder des auf dem Felde der Ehre gefallenen Kriegers Alfred Rosenau aus Schweinfurt schreibt sein Kompaguieführer, Leutnant H.: „Mit Wehmut gedenke ich meines guten Kameraden, dem man immer die Hingebung für das Wohl des Vaterlandes ansah und der sich immer vor den anderen durch Kameradschaftlichkeit und Tapferkeit hervortat. Sie dürfen nicht etwa glauben, daß Vorstehendes nur allgemeine Redensarten sind. Ich bin selbst nicht aktiver Offizier, sondern -Landwehroffizier, habe selbst Familie zu Hanse. Und was ich oben schrieb, ist meine vollste Ueberzengnng und kommt mir ans wehmutsvollem Herzen. Und doch muß ich mich wieder freiten, daß wir Deutschen solche Menschen in der Front haben. Ich weiß nicht, ob es Ihnen schon bekannt ist, daß ec feine Brille im Gefecht verloren hatte, trotzdem weiter mitmachte und sich dann mit einer zerbrochenen weiter dnrchhalf. Was das heißt, weiß ich selbst, da ich auch einen Klemmer trage. Er war einfach ein Soldat, wie er fein muß. Mögen Ihnen und Ihren werten Angehörigen das immer ein Trost sein." Der Referendar Engen Weitz ans Posen ist als Einj.- Freiw. des 12. Grenadier-Regiments auf dem östlichen Kriegsschauplatz gefallen, unmittelbar nachdem er mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden, und zwar persönlich von seinem Brigadekommaudeur, für seine Tat, die der Sohn selbst in seinem letzten Feldzngsbrief bescheiden als „kleine Verdienste" bezeichnet. Der Brigadekommaudeur'' teilte den Eltern des Gefallenen die Nachricht von dem Tode des Sohnes in einem sehr herzlich gehaltenen Beileidsschreiben mit, in dem es n. a. heißt: „Nicht minder als durch seine Tüchtigkeit trat er durch seine menschlichen Eigenschaften hervor, die ihm aller Herzen gewannen; ich persönlich habe ihn wie einen Sohn lieb gewonnen und werde ihm über das Grab hinaus ein treues Andenken bewahren." Und der Hauptmann des Gefallenen schreibt: „Sein Andenken wird in der Kompagnie in Ehren gehalten werden; er starb in braver Pflichterfüllung." Ans Anlaß des Todes des Berliner Arztes Dr. Heinrich Barth, eines Sohnes des kürzlich dahingeschiedenen Professors Dr. Jacob Barth, veröffentlicht die Familie des Gefallenen zwei Briefe, die von den Vorgesetzten des jungen Arztes au seine Eltern gerichtet wurden. Der eine lautet: B..18. Oktober 1914. Sehr geehrter Herr Professor! Zn meinem aufrichtigen Bedauern muß ich Ihnen initteilen, daß Ihr Herr Sohn Heinrich, der meiner Kompagnie als Arzt zugeteilt war, heute den Tod für das Vaterland erlitten hat. Wir Offiziere der Kompagnie betrauern mit Jhnett in tiefem Kummer den schmerzlichen Verlust eines vorzüglichen Menschen, der uns in der kurzen aber schweren und großen Zeit ein lieber Kamerad und tüchtiger Helfer geworden war. Mit hoher Begeisterung für seinen Beruf hat er seine Kenntnisse oft und segensreich zum Wohle der Soldaten, angewendet, bei allen Gefechten der Kompagnie ohne Rücksicht auf seine Person nur seine Pflicht im Äuge gehabt und oft im feindlichen Feuer furchtlos ansgehalten und sich betätigt. Die Möglichkeit, ihn zum Ritter des Eisernen Kreuzes in Vorschlag zu bringen, war mir eine ebenso große Freude, als es für ihn ein Stolz war, diese von ihm wohlverdiente, hohe Auszeichnung zu tragen. Heute Morgen hat ihn ein tückisches Artilleriegeschoß ereilt Und seinem Leben ein schnelles Ziel gesetzt. Mit meinem Burschen zusammen und in meiner unmittelbaren Nähe ist er gefallen und möge es Ihnen ein kleiner Trost sein, daß sein plötzlicher Tod ihm jedes Leiden erspart hat.. In einem Garten. .. haben wir ihn heute nachmittag im Beisein eines Feldgeistlichen beerdigt. Die Mannschaften der Kompagnie, von denen viele seine fürsorgende Hand 'empfunden haben, gaben ihm das letzte Geleit, während draußen noch die Geschütze der Schlacht donnerten. . Sein Andenken wird in der Geschichte des 1. Garde-Pionnier- Regiments. als das eines Helden und tüchtigen Mannes fortlebeu und in Ehren gehalten werden und sein Name auf der Kriegertafel prangen, wenn. wir .mit Gottes Hilfe diesen Krieg beendet haben.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.