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Die Wahrheit · 1914-12-04 · Heft 45 (4.12.1914) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1914
Issue
Heft 45 (4.12.1914)
Date
1914-12-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
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M. 45. Die Wahrheit: Seite 7^ Die bei Ihrem Sohne Vorgefundenen Gegenstände, iowie seinen Koffer werde ich' an Sie schicken lassen, ebenso dMEisenl^Krenz, das anf Antrag der Familie belüssell wird. Ich versichere Sie, verehrter Herr Professor und Ihre Ängehörigen nochmals meiner herzlichen Teilnahme nnd Drücke Ihnen im aufrichtigen Mitgefühl die Hand. Ihr sehr ergebener Hart n n g, Hauptmann. In ebenfalls sehr warmen und ehrenden Worten gedachte der Generalarzt und Divisionsarzt der I. Garde-Jnf.- Division Heckmanu des Gefallenen. Testament eines gefallenen indischen OjKsiers. Durch die Blätter ging bereits die Nachricht, daß auf dem Kriegsschauplatz in Serbien am 20. Oktober d. I. Älfred K r a u s, Leutnant in der österreichischen Armee, den Heldentod gefunden hat. Vor wenigen Wochen noch-wurde ein ausführlicher Feldpostbrief des Verstorbenen veröffentlicht, \w dem er mit einer Schilderung des Lebens im Felde seinen warmherzigen Gefühlen für die jüdische Sache beredten Ausdruck gab. Nebenbei erzählte er, daß er gemeinsam mit jüdischen Kriegskameraden in bosnisch-jüdischen Gemeinden N.-F.-Feldbüchsen gefüllt habe. Nun wird dem Hanptbnreau des Jüdischen Nationalfvnds im Haag von dem Bruder des -Heimgegangenen berichtet, daß Leutnant Alfred Kraus te st a m e n t a r i s ch folgendes bestimmt hat: a) L 700.—für einen Alfred Kraus s. A.-Garteu im Oelbanmhaine des Vereins jüdischer Hochschüler Bar- Kochba, Prag (dessen Mitglied er war). b) K 500.— für den Dispositionsfonds obigen Vereines; falls der Dispositionsfonds ansgelöst werden sollte, ist die Lumme als einmalige Palästinareise-Stipendinm bestimmt. o) K 300.— für 12 Stück P. 2. D. C.-Aktieu, d) „ 100.— für das hebräische Schulwerk in Palästina, e) „100.— für das mikrobiologische Institut, f) ' „ 100.— für den Zentralfonds, g) „ 100.— für Landspende, h) „ 100.— für den jüdischen Turnverein „Maccabi" Prag (dessen Gründer der Verstorbene war), i) K 50.— dem Bolksverein „Theodor Herzl" in Trautenan, . . k) seine Büchereider jüdischen Universitätsbibliothek irr Jerusalem. h Der Weltkriegs hat schon jetzt in die Reihen der zionistischen Jugend beträchtliche Lücken gerissen. Die Blntvpfer, welche die jüdische Jugend auf allen Kriegsschauplätzen so zahlreich, darbringt, erhalten eine besondere Weihe durch die Treue, die jene Helden dem jüdischen Volke bis znm letzten Atemzuge bewahrt haben. Leutnant Alfred Kraus hat diese Anhänglichkeit an die jüdischen Ideale in besonders ergreifender Weise znm Ausdruck gebracht. Ehre seinem Andenken! Schriftstellerin Kabelte Fried. Unsere geschätzten Leser werden mit aufrichtiger Trauer die Kunde vernehmen vom Tode der unermüdlich dis noch vor wenigen Monaten arbeitenden geistig frischen und mit ihrer geschickten Feder das jüdische Gemeinde-,nnd Familienleben getreu zeichnenden Frau Babette Fried. geb. Freund — -auch unser Blatt brachte ihre Aufsätze die gerade einen Monat nach ihrem 64. Geburtstage in Präg-Wrfchowitz, umgeben von ihren sie liebevoll pflegenden Kindern, am 36. November d. I. sanft verschieb. Sie wurde am 26. Oktober 1850 zu Chyn , im Böhmermalde, wo ihr gelehrter Pater in, der damals noch bestandenen jüdischen Gemeinde das Rabbineramt versah, geboren und erhielt im Elternhause mit ihren zwei Brüdern eine sorgfältige Erziehung. Bon dort> als die Gemeinde schon zu klein geworden war, kam sie mit ihren Eltern nach Patzan in Böhmen, war eine Stütze ihrer Mutter in der Führung des Hauswesens nnd arbeitete in ihren freien Stunden unter Leitung des Vaters an ihrer jüdischen und literarischen Fortbildung bis sie in die Ehe trat. Die Kreisstadt Tabor wurde ihr neuer Wohnort, von wo sie daun mit ihrem frühzeitig kränklich gewordenen Gatten nnd ihren Kindern nach Prag übersiedelte. Im Alter von 45 Jahren mußte sie, um ihre Familie zu erhalten, zur Feder greifen. Die Versuche der schon lange vorher durch ihre geistvollen Briefe bewunderten angehenden Schrifitellerin gelangen vortrefflich, wurden im In- und Anslande gerne gelesen und als Frnchl ihrer schriftstellerischen Tätigkeit kann man über 100 Novellen und Erzählungen bezeichnen, die teils im Brandeisschen jüdischen Kalender in Prag alljährlich bis zum Jahre 5675 (1914/15) teils in der Prager Jüdischen Universalbivlivthek und in den Monacsblättern der Oefterr. isr. Union Wien oder in anderen größeren in- und ausländischen Zeitschriften erschienen sind. Alles was man von ihr liest, wie „Tausend nnd eine Nacht iu der Jeschiwa" oder den „Urbane Tokef“ usw. zeigt einen Reiz, wie ihn ihren geistigen Produkten einznhanchen, nur altserlesenen Schriftstellern, wie Leopold Kompert, dem größten Meister der Ghettoschilderungen, S. Kohn usw. gelltngen ist. Eine ihrer letzten Arbeiten benannt „Das Jahr" für unsere Jugend geschrieben und dem Andenken unseres unvergeßlichen Rabbiners Dr. Abraham Adolf Schmiedl gewidmet, liegt noch im Manuskript und sehen ihre zahlreichen Freunde nnd Freundinnen mit besonderem Interesse der Veröffentlichung dieser sehr interessanten Schrift für unsere Familie, und die Jugend, die geschmückt mit ihrem Bilde nnd mit ihrer Bio- ' graphie in nicht ferner Zeit erscheinen soll, mit Spannung entgegen. Allf der Rücksahrl von der Hygienischen Ausstellung in Dresden 1911 hatte der Unterzeichnete, begleitet von Gattin und Sohn, den besonderen Genuß, Fran Babette Fried im Kreise ihrer Familie in Prag persönlich kennen zu lernen und bleibt uns der empfangene Eindruck unvergeßlich. Ein Jahr vorher feierten die literarischen Kreise, besonders der Klub deutscher Schriftstellerinnen Prags, Babette Frieds, ihrer Kollegin, 60. Geburtstag. Die der Gefeierten ans diesem Anlaß zngekommenen verdienten Ehrungen taten ihr, der ungemein bescheidenen Fran nnd ihrer Familie besonders wohl. — So wird ihr Name fortleben und ihr Andenken ein gesegnetes bleiben. O. S. R. Moritz Antsch erl, Wien. Verschiedene Nachrichten. Wien. Anläßlich des Regierungsantrittes Sr. Majestät des Kaisers fand im Tempel der türkischen Gemeinde, Dienstag, den 1. Dezember l. I. ein erhebender Festgottesdienst statt. In Vertretung des Vorstandes sind die Herren Ehrenpräses Lico I. A d u t t, die Vorsteher Salamon D. Hassan nnd Lazar S u s s i it erschienen. Die Feier wurde mit einem Festpsalm vom Kantor und Dirigenten I. L ö w i t komponiert nnd dirigiert, ansgeführt. Oberkantor Bauer rezitierte das Kaisergebet. Rabbi P a p o hielt die Festrede. Wien. (Patriotisches Konzert.) Für das am 17. Dezember l. I. anläßlich der Channka-Feier im großen Konzerthans-Saale stattfindende große patriotische Konzert des Öberkantors Don Fuchs gibt sich schon jetzt ein außerordentliches Interesse im Publikum kund und sind wir heute bereits in der Lage, das Programm des Abends der großen Oeffentlichkeit bekanntzngeben. Programm: I. Teil. S. Sulzer (1804—1890) Psalm 111 für Solo, Chor und Orchester, instrumentiert von Joseph Sulzer.

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