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Die Wahrheit · 1914-11-27 · Heft 44 (27.11.1914) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1914
Issue
Heft 44 (27.11.1914)
Date
1914-11-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Die Wahrheit Nr. 44. Sombart behauptet aber dreist: „Das ganze deutsche Volk lst von einem einmütigen flammenden Hasse gegen England erfüllt und halte den Krieg nicht für beendet, ehe England zerschmettert und vor allem in seinem innersten Bewußttein gedemntigt und zu Füßen liegt." Die Nr. 315 (13. XI.) der „Arbeiter-Zeitung" reiht' Sombart deswegen mit .Necht in die Rubrik der „Kriegsgecken". Die zünftigen Diplomaten und die professionellen Kriegshetzer der Regierungspresie repräsentieren nirgends die wahre Bolksmeinung und deshalb darf man es nicht etwa dem englischen Volke in die Schuhe schieben, wenn der „Daily Telegraphe" schreibt: „Eine wohlgezielte Kugel gegen Enver Pascha würde die ganze internationale Lage sofort uinwätzen." So unangenehm auch alle Engländer den nun ausgebrochenen osmanischen Krieg finden mögen, vor solch verbrecherischen Methoden schreckt doch jeder anständige Brite zurück. Neben Berichten französischer, belgischer und russischer Greuel im Kriege findet man auch zahlreiche Berichte von Edelmut gegenüber den verwundeten Kriegsgefangenen. Uebrigens ist es nicht richtig, eine ganze Nation nach den Ausschreitungen im Kriege zu werten. Aach die reichsdentschen und österreichisch-ungarischen Einwohner sind nicht durchaus einwandfreie Engel und der Kultnreinfluß, den Franzosen und Engländer auf uns ansgeübt haben, darf auch jetzt nicht plötzlich in Abrede gestellt werden. Der Mnschik, wie der russische Bauer genannt wird, soll nach den Berichten russischer Schriftsteller und auch ausländischer Berichterstatter ein besonders guter Mensch sein, was auch wohl glaublich ist, weil sonst die Inden Rußlands, die dort bereits Jahrzehnte lang von der Regierung grausam und gehässig außer Gesetz gestellt werden, längst schon ausgerottet sein müßten. Wir Inden haben in diesem furchtbaren Kriege wohl ein Interesse, gegen den Zarismus und seine furchtbare Gewaltherrschaft zu kämpfen und die Hilfe Gottes gegen dieselbe herabzuflehen. Aus diesem Grunde muß sich leider unser Kampf auch gegen die mit dem russischen Staate Verbündeten richten, obgleich wir sicherlich gegen die französische oder englische Nation keinen alten Groll hegen. In die nun vielfach von der offiziellen Presse betriebene Anfachung des Volkshasses gegen alle Franzosen, Russen und Engländer dürfen sich aber vollbewnßte Juden nicht mit verstricken lassen, denn jeder Rassen- und Nationalitätenhaß grinst auch dem jüdischen Volke unheimlich entgegen. Jeder Volksbaß ist unmenschlich und ungerecht mit) nur geeignet, die messianische Zeit der Völkerverbrüderung und des ewigen Friedens, welche wir Juden trotz dieses grauenhaften Weltkrieges konsequent erhoffen, in unberechenbare Zeitfernen zn rücken, daher „Nieder mit allem tendenziösen Volkshasfe^'^') ___ - '.A. L. Zeichnung einer halben Million Kronen Kriegsanleihe durch die Wiener Israel. Knltnsgemeinde. (Ans der Plenarsitzung vom 19. November 1914.) Der Vorstand der Wiener israel. Knltnsgemeinde hielt am 19. d. M. eine Plenarsitzung ab, in welcher nahezu sämtliche Mitglieder des Vorstandes, anwesend waren. . In dieser Sitzung stellte Präsident Dr. Alfred Ster n namens des Verlreterkollegiums den folgenden Antrag: Es beschließt der Kultusvorstand, sich an der Kriegsanleihe durch Zeichnung der Summe von nom. X 500.000 zu beteiligen und mit der Durchführung der Angelegenheit - das Präsidium zu betrauen. Präsident Dr. Stern knüpfte an diesen Antrag die folgenden Bemerkungen: „Es sind nicht finanzielle und geschäftliche Erwägungen, welche uns bestimmen, diesen Antrag zu stellen, da die Finanzlage der Gemeinde derzeit überhaupt die Entriernng eines Geschäftes, den Erwerb von Wertpapieren unbedingt ausschließen würde." ' Nach einer eingehenden Schilderung der gegenwärtigen finanziellen Verhältnisse der Kultnsgemeinde schließt Doktor Srern seine Ausführungen: . „Wenn wir aber nichtsdestoweniger den Antrag aus Beteiligung an der Kriegsanleihe, n. zw. mit einer so bedeutenden Summe stellen, so leitet uns hiebei ausschließlich der Gedanke, daß wir mit Hintansetzung aller entgegentretenden Schwierigkeiten es als unsere patriotische Pflicht erachten, auch bei dieser Gelegenheit dem Ruse, welchen das Vaterland an alle seine Bürger richtet, Folge zu leisten. Wir haben gleich bei Ausbruch des Krieges unser Spital für die Verwnudetenpflege zur Verfügung gestellt, n. zw. 100 Mannschafts- und 10 Osfiziersbetten, die Unterbringung, Pflege, Wartung, ärztliche Behandlnng ohne jeden Anspruch auf Entgelt übernommen. Die schon bisher bekundete patriotische Haltung der Mitglieder unserer Gemeinde erweckt rn uns die Ueberzengung, daß wir im Sinne aller unserer Gemeindemitglieder handeln, wenn wir unserer patriotischen Empfindung, unserer patriotischen Pflicht entsprechend und ungeachtet der in den Verhältnissen und in der Finanzlage unserer Gemeinde obwaltenden Schwierigkeiten uns an der Kriegsanleihe mit einer Summe von einer halben Million Kronen beteiligen. Wir sind hierbei auch der Ueberzengung, daß diese Beteilnng der Wiener israel. Knltnsgemeinde als Beispiel voranleuchtend, ein Ansporn sein wird für alle Knltusgemeinden Oesterreichs, sich an der Zeichnung der Kriegsanleihe zu beteiligen." Der Antrag wurde einhellig znm Beschlüsse erhoben' Im Einlaufe befiilden sich: Ein Dankschreiben des Herrn k. k. Regierungsrates Prof. Dr. Wilhelm I e r u s a l e in für die Gratulation des Vorstandes anläßlich der Feier seines 60. Geburtsfestes. Dankschreiben der Frau Paula Ulrich Edlen von Trenkheim für die Widmung eines Ehrengrabes sowie für die Teilnahme des Vorstandes beim Leichenbegängnisse ihres Gatten, des Herrn k. n. k. Generalmajors Heinrich Ulrich Edler von Trenkheim s. A. Dankschreiben der Fran Regine Bettelheim für die Teilnahme des Vorstandes beim Leichenbegängnisse ihres Gatten, des Herrn Gottlieb Bettelheim s. A. und für die Tranerkrmdgebung der Schätznngskommission. Dankschreiben des Israel. Synagogen-Vereines „Beth Israel" für die Kondolenz des Vorstandes anläßlich des Ablebens seines Obmannes Herrn Ignatz Jölles s. A, Dankschreiben für die Zuweisung von je. K 1000 mi das Knegssürsorgeamt des k. n. k. Kriegsministerimns, an den Hilfsfond für Witwen und Waisen der gesamten bewaffneten Macht, an . die Oesterr. Gesellschaft vom Roten Kreuz und an das Kriegshilfsbnro des k. k. Ministeriums des Innern ans den anläßlich der hohen Feiertage gewidmeten Tempelsp.mden, zusammen X 4000. Dankschreiben des Rittmeisters im 6. Dragoner-Regiment Bela Ritter von Eisenstein für die außerordentliche gute Pflege, die ihm während seines zweimonatlichen Aufenthaltes im Spitale der israel. Knltnsgemeinde (Reservespital Nr. 8) zuteil wurde. Dankschreiben des Herrn Primarins Prof. Dr. Otto Zuckerkand! für die Gratulation des Vorstandes anläßlich seiner Ernennung znm Oberstabsarzt. An Spenden sind eingelanfen: Von den Kindern der Fran Rosalie Riesz, s. A, anläßlich des Ableben ihrer Mutter: für das Altersversorgungs- Hans, die Armenanstalt. Blindeninstitut, Chewra Kadischa, Franenverein, Israel. Kinderbewahranstalt. Mädchen-Unterstützungsverein, Taubstnmmeniustitnt, Theresien-Kreuzerverein, Israel. Volksküche je X 300, zusammen X 3000. Vom Präsidium der „Kinde rschütz-und Re t tungs g esellschüft in Wien für die Galrzische Hilfsaktion X 300. Unter

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