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Die Wahrheit · 1914-11-27 · Heft 44 (27.11.1914) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1914
Issue
Heft 44 (27.11.1914)
Date
1914-11-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Rebafttoii »nd Sldministration: Wirn. LI , Nvliaragasie 27 r»lsvtzou: Stedaktion 65VS/1V. 8i>ml,ustralion Lgsg U, S. k. SKrrr. BoNsvartafia' Schtck-Koino Sir. 100.918. InLerate: Dl- Dieriliat gejvaltcne «ouvareille-Z-ii- 26 Heller. nakhängige Hertfchnft für Mische Interessen. Neruns-pret»: Glttizltihrig.K U. - Snlbiiibvia. U 7 Für iM-.lljiiibviu ... Kl Erscheint jeden Ar ei tag. ft-iic Vln?limb: ■ »donn-lil-»,«- liub rZnlertionr. iettÖB« nnd in Wien zahlbar und klagbar. Motto: „Das Siegel Glottes ist Wahrheit!“ 'MuiijlilOriu.8 ’JIl.irf li »lilOfl ad-r I» iirc*. Ur. 44. Wien. 27. November lt*14. Inhalt: Gegen die tendenziöse Schürnng des National- und Völkerhasses. — Zeichnung einer halben Million Kronen durch die Wiener israel. Kultnsgeineittde. — Russische Barbaren. — Sind wir Wiener oder Oesterreicher? — Generalversammlung der A. I. K. O. — Kriegesprüche. — Verschiedene Nachrichten. Aviso! Die geehrten Herren Abonnenten werden ersucht, die restlichen Abonnementsbeträge umgehend einsendeu zu wollen. Gegen dietendenpöse Schürnng des Uationaliliitennnd USlkerhaffes. Es ist wohl begreiflich, wenn das ungeheure Massenunglück, das der gegenwärtige, unübersehbare Weltkrieg über die ganze Menschheit verhängt, unbeschreiblichen Zorn und Groll gegen die gewissenlosen Urheber desselben auslöst. König Peter von Serbien z. B., welcher den Meuchelmord als zulässige Kampfart einznbürgern suchte, oder der blutige nnd tyrannische Zar aller Reußen, in dessen Angen das Menschenfleisch wertlos ist, wenn es gilt, seinen ungezügelten Herrscherlüsten zu fröhuen, hat mit Recht blutigen und unsühnbaren Haß vieler Millionen Menschen ans sich gezogen. Auch die die Geschicke ihres Vaterlandes leitenden und mit herostratischem Mute ausgestatteten Männer in Frankreich und England, wie der französische Präsident Poiucarrs und König Georg von England, der ebenbürtige Sohn seines ränkevollen Vaters Eduard, welcher bekanntlich aus Neid und Herrschsucht die berüchtigte „Einkreisung" Deutschlands und Oesterreich- Ungarns erfand und in die Wege leitete, genießen keineswegs die Liebe und Achtung der Bevölkerung in den nun mit Krieg überzogenen gegnerischen Staaten, weil letztere sich mit Recht den Umstand vor Augen hält, daß diese Herrscher keineswegs gezwungen waren, die Kriegsfurie über die Welt loszulassen. Es ist aber ein Grnndirrtum, wenn sich diese berechtigte Volkswut gegen die feindlichen Nationen richtet. Diese haben selbst in republikanischen oder konstitutionellmonarchischen Staaten keineswegs noch die Gewähr, daß der w a h r e M a s s e n Wille allezeit zum Ansdrucke gelange: Am wenigsten ist dies bekanntlich in Rußland und auch anderwärts in Kriegszeiten der Fall. / So lange nun der leider in solch gigantischem Maßstabe entfesselte Weltkrieg wütet, ist gegen den ehernen Schritt des''rücksichtslosen Mars nichts ernstlich einznweuden. ' ' '"Jedes der kämpfenden Völker' wendetnatürlich alle möglichen Anstrengungen ans, sein Land vor bleibendem Schaden zu bewahren, und die allgemeine Menschenliebe und Völkerverbrüderung muß vorläufig znrücktreten. VernünftigeMenschen wissen aber, daß ein solcher Weltkrieg nicht lange anhalten kann, weil sonst aller errnngener Wohlstand, alle mühsam erworbene Kultur und Gesittung bald ausbluten müßte. So sehr also der wilde Mars auch noch wütet, er wird bald das Schwert wieder in die Scheide stecken müssen und es ist daher unklug und nicht zu verantworten, dem künftigen Frieden Hindernisse in den Weg zu legen. Das tun aber jene gewissen Prediger des Volkshasses, jene tendenziösen Schürer der nationalen Bestie, gegen welche sich diese Zeilen richten. In Deutschland sucht man die Volkswut besonders gegen die englische Nation zu richten nnd die „Leipziger Neuesten Nachrichten" brachten in der ersten Hälfte d. M. unter dem Titel: „Der nackte Flieger" einen Bericht über einen englischen Fliegeroffizier, welcher von den Deutschen zu einer Notlandung gezwungen wurde und in dessen Flugzeug mau einen splitternackten deutschen Berwundeteu auffand, der vor Kälte und Fieber zitterte. Man wollte ihn durch diese bestialische Methode zwingen, die deutschen Artilleriestellungen zu verraten. Dem Autor der Erzählung schien es nicht genug, daß der englische Flieger nur erschossen wurde. Er schreibt: „Man hätte ihn, wie es einst Bismarck für die wortbrüchigen französischen Offiziere befahl, in einen Käfig stecken, über Deutschlands Jahrmärkte führen und dann mit ihm den Galgen schmücken sollen." Aber die Rache gegen den schuldigen e i u z e l n e n englischen Flieger genügt diesem feinfühligen Autor auch noch nicht. Er schreibt weiter: „O, England häuft einen ungeheuren Haß gegen sich auf. Und die Gluten dieses Hasses werden in Flammen schlagen und fressend nnd gierig sich auf dieses in alle Ewigkeit verdammte Volk stürzen. Oder lebt noch einer, ein einziger nur, in Deutschlands Grenzen (!), der nicht als das letzte und höchste Ziel die Vernichtung dieses gleißnerischen Krämervolkes erkennt?" (!!) Aufsehen erregte nach dieser Richtung auch der bekannte Professor Werner Sombart, welcher vor einigen Jahren den Inden alle Idealität absprach, durch .seine niedrige und gehässiige Wertung der kleineren gegnerischen Nationen.. Die Japaner sind ihm gelehrige Halbaffen und Serben sowohl als Japaner lösen bei ihm nur das Gefühl des Widerwillens und Abscheues aus und „man beschmutzt ehrliche Waffen, wenn man mit solchen Völkern ficht".

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