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Die Wahrheit · 1914-11-20 · Heft 43 (20.11.1914) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1914
Issue
Heft 43 (20.11.1914)
Date
1914-11-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 43. Die Wahrheit Seite 7. Wie int christlichen, ist auch im jüdischen Gottesdienst, zu einer gewissen Zeit der a capella Gesang ans seiner bevorzugten Stellung'durch Einführung ber Orgel etwas verdrängt worden; trotzdem wirkt er noch immer mit dem vornehmsten Klangmaterial, gegen das kein Instrument, auch nicht die Orgel an Schönheit anfkommen kann: „mit der menschllchen Stimme". Ueber die Orgel als Kiicheninstnlment bifferier-en die Ansichten bei Christen, wie Inden, zu aller Zeit in schroffer Art. So wurden die in den Abteien Frankreichs zuerst eingestellten Orgeln, nur bei gewissen Festlichleiten gespielt, während jede Mitwirkung beim Gottesdienst untersagt war (siehe MabilloN. Annalen des Klosters Fecamp). Selbst in neuerer Zeit ist die Orgel beim christlichen Chvralgesang. bezüglich Vor- oder Zwischenspielen stark ausgeschaltet worden. Große Kämpfe entfachte die Orgelsrage in jüdischen Gemeinden. Bei einer Enquete über die Einführung der Orgel in Wien gab einer der bedeutendsten ^Religions-Philosophen das für die österr. Metropole entscheidende Urteil ab: „Bei einem Instrumente, dessen Klänge Hinmordung tausender unserer Vorfahren begleitete, rfeu w i r niemals beten.-" Nicht lange daraus erschien zu Berlin das epochale Werk „Juden und Judentum" von Prof. Steinthal, der die Einführung der Orgel auf Seite .272 seines Werkes mit folgenden Worten begrüßt: „Mit der Orgel können wir die alten Nignnim treu wiedergeben, die Orgel singt, was ehemals der Meschaurer oder Baß, und dem Chasen bleibt was des Chasen ist — das „Wort"; die Orgel hat llus das alte Chasonns wiedergegeben. Wer die „Awaudo“ mit Orgel gehört hat, möchte sie niemals mehr ohne dieselbe höreu. Aehnliche Begeisterung fand ich in den Briefen Prof.. Steinthals an meinen Vater in Wien. Nach mancher Version war die Orgel bei den Jrlden bereits vor Christi Geburt, nach anderen ist dieses Instrument zweifellos ■■un npm Daß die Orgel zum überhaupt ersten Male bei den Christen in Italien (Rom) zum Gottesdienst verwendet wurde, ist unrichtig, da in Bayern schon Mitte des 9. Jahrhunderts Kirchen-Orgeln uachzuweisen sind, in .Italien erst am Ende desselben Jahrhunderts. In dem Werke „Miscellan Lib. II von B a l u z i i" wird ein Brief vom Papst Johann VIH. zitiert, der den Bischof von Freising (Bayern) um Entsendung von Orgelbauern und Orgelspielern nach Italien bittet, da auch dort die Orgel als Kircheniustrument eingeführt werden soll. Wiederholt wurde bewiesen, daß der Kirchengesang aus dem jüdischen Kultus in den katholischen überging, da die ersten Christengemeinden mosaische Gebete und Zeremonien beibehielten (T e r t u l l i a n Apologet.) Auch N e a n d e r (Geschichte der christlichen Religion) und Fr. Delitsch (Kommentar zum Psalter) bekräftigen diese Tatsache. R v n s s e a u auch ©re gorovins behaupten dagegen, daß die ältesten päpstlichen Saugesmeister, die musikalische Tradition des Heidentums, in sich aufnahmen. K i e s e w e t t e r entdeckte bei den ersten Christen „kunstlosen - Naturgesang") Am b ros wieder bestreitet entschieden, daß der Gesang der ersten Christen, eine Fortsetzung des „hebräisch-davidischen^ sei, trotzdem nachgewiesen ist, daß in den ersten bethlehemlschen Klöstern, fünfmal des Tages „hebräisch" gesungen wurde, also mit dem „Tempel-Kultus" keineswegs aufgeräumt war.) Erwähnenswert sind noch gewisse Anordnungen. der) päpstlichen Siugschule (Sixtinische Kapelle) zu Rom; bei dem „rnodrrs responsorius“ antwortete der Chor dem ^prä-osntor^ (Vorsänger) zunächst mit dem Amen, später mit dem Wiederholen gewisser Endsätze aus den Psalmen. Wie der pn bei den a'nniVrr. hatte der „präcentor“ seinen erhöhten Platz in der Mttte des Chores (siehe Enseb. histor. eccl. II 17). Ans.den wenigen Beispielen ist zu ersehen, daß die Entwicklung'christlicher, wie jüdischer Gottesdienst-Musik augenfällige-Parallelen anfzuweisen hat, die -Historiker aber in ihren Ansichten darüber stark differieren. Deshalb scheint-es mir zweifelhaft, ob diese „Zehn Gebote" ohne weitere einschneidende Aeilderungen für uns in Frage lommen könnten. S i n g e r-Kattowitz. Hilfsaktion der Israelitische» Allianz zu Wien zugnnste n der Ftü ch t!inge aus Ga lizien. . (Dritte Spendenliste). Der Israelitischen Allianz zu Wien sind zu den Kosten der von ihr für die galizischen.Flüchtlinge eingeleiteten Hilfsaktion folgende weitere Spenden zugegangen: Oberrabbiner Professor Dr. H. P^ Chajes L 3000 ans einer Sammlung in Triest, Israelitische Knltusgemeinde Agram (I. Rate) 3000, Anonym durch Herrn Notar Doktor I. Rainert 600. Israelitische Kultusgemeinde Marienbad (Tempelspeuden) 206, Jsraeluische Knltusgemelude Lvschitz (Sammlung: B. Hirsch, Dr. L. Goldreich in Muglitz je 30, Sammlung bei der Chewra - Sude 14.30, M. Ehrlich in Müglitz 9. S. Motyches, E. Kuöpflmacher, I. Günzig je 5, Joses Groß 4, A. Günzig 3. I. Fischer. Emil Langer, Siegfried Ekstein, Joies Ekstein, Dr. B. Ekstein je 2, S. Springer, S. Weiß. B. Drücker, Dr. P. Günzig. B. Weiß je 1) zusammen 120.30, Dr. Alfred Berger (II. Rate) 100, ..Heimkehr" 100, Frau Minna P-.ck 100, kaif. Rat Jonas Weil 100, Alfred Kohn 50. PH. Benedikt (Karlsbad) 30, H. Reif 20. N. Sperling 10, Panline Leeb 2. zusammen L 7438.30, samt dem bereits ansgewieseuen Sammlimgsergebnisse zusammen L 86.408'10 und K 1000 Oesterr. Rente. Natnralspenden (Wäsche. Kteldnngsstücke. Decken, Kotzen, Bestecke, Schulbücher rc. sendeten ein: Frau Kreilisheimer, Frau Gisela Herz. Herr Max Pappenheim, Josef Diamant, Frau Rosa Jerusalem, Kinder Dr. Lrfcsis, Fräulein N. Brichta, S. Heit, Firma Schostal & Härtlein. Weitere Geld- und Natnralspenden werden im Bureau der Israelitischen Allianz. II.. Uut. Donauftraße 33 dankend entgegengenommen. Geldsendungen können auch durch die Postsparkassa (Scheckkonto Nr. 8152) übermittelt werden. Zweiter Speudenansweis. Dem Verein „Machsike hadath" sind zur Ausspeifnng galizischer Flüchtlinge nachstehende Spenden zugegangen: Herr Michel Benies Wien K 200, Sammlung für Talmud Thora 100, S. Sparer Wien 40, Hermann Sporer Wien 20. Dr. S. R. Landau Wien 20, N. & S. Steiner Wien 20, Hirsch & Huber Schwechat 20, Hermann Axelrad Wien 20, Inda Freilich Lemberg 20, Elias Dinner Wien 10. Filipp Knltnsvorstand Lemberg 10, Jos. Gastfreund, Ing. Wien 10, Simche Kleinmann Nen-Sandez 10, Heinig Feigenstock Wien 5. Frau Betti Liebster Wien 10, Simon Sternberg Wien 6, Isidor Wortsmann Wien 6, Mina Fabri Wien 5, Jacob Beckmann Wien 4, Alex Dembitzer Wieliczka 2. zusammen 538, hiezu ansgewiesen 1291. Summe K 1829. Verschiedene Nachrichten Wie». Seine Majestät der Kaiser hat Herrn Oberkantor Philipp Kläger den Titel eines Kaiserlichen Rares verliehen. Oberkantor Kläger war bis 1. Jnli d. I. im Tempel des IX. Bezirkes im Amte und erfreute sich allgemeiner Wertschätzung und Verehrung. Anläßlich seines freiwillig, gegen den Willen des Vorstandes, erfolgten Rücktrittes ans dem Amte wurde Kan. Rat Kläger znm Ehreumitgliede des Tempelvereines ernannt. Gewiß ein Vorbild für manche israel. Gemeinde und für viele Gemeindefnnktionäre. D:e Auszeichnung wird auch in den Kollegenkreisen des Ausgezeichneten mit großer Befriedigung ausgenommen. Wie«. Sonntag, den 15. d. M., 10 Uhr vormittags, fand die feierliche Eniweihung einer herrlichen Schöpfung, des im XX. Bezirke, Denisgasse 33 von Herrn Heinrich M e n d l znm Andenken an seine früh verblichene Gattin errichteten Wohlfahrtshauses statt, das bestimmt ist. zwei gleichfalls edle Institutionen des Hnmanitätsvereines B. B. „Eintracht" u. zw. die Kinderhorte und die Toynbeehalle in seinen Räumen anfznnehmen. Die Einweihung des Hanfes vollzog sich durch gleichzeitige Eröffnung der Kinderhorte. Anwesend waren: Der I. Vizepräsident der Kultusgemeinde Landesschulrat Dr. Gustav Kohn,

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