Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1914
- Issue
- Heft 42 (13.11.1914)
- Date
- 1914-11-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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' ' ' ' rette 6 Die Wahrheit Nr. 42 Gme Deputation der Pester ifrael. Religionsgemeinde bei Erzherzogin! Auguste. j Der Vorstand der Pester israelitischen Religionsgemeinde beschloß seinerzeit, eine wertvolle ans Gold und Silber angesertigte Thoraschmuckgarnimr der „Gold für Eisen"-Aktion des Angustefonds für rasche Hilfe zu schenken und der hohen Protektorin des Angustefonds Erzherzogin Angnste einen antiken kunstvoll gearbeiteten silbernen Tempelbecher mit Untertasse zu überreichen. Zn diesem Behufe wurde nun die Deputation des Vorstandes der Religionsgemeinde von der Erzherzogin empfangen. Mitglieder der Deputation waren: Rabbiner Dr. Elias Adler, der im Festornat erschienen war, Gemeindepräsident Ludwig Adler. Vizepräsident Dr. Moriz Stiller, der Vorsteher Hofrat Sigmund L. Breitner und die Vorstände Stadtrepräsentanten Dr. Wihelm Grauer und Dr. Böla Feleki. Die Führung der Deputation hatte Gräfin Alexander Lönyay übernommen. Die Deputation wurde vom Hofrat Adolf v. Libits nach den Appartements der Erzherzogin geleitet. Erzherzogin Auguste trug beim Empfang das blaue Kleid einer Oberin der Pflegerinnen voni roten Kreuz mit der weißen Kopfbinde. Nachdem Gräfin Lönyay der hohen Frau den Präsidenten der Religionsgemeinde Ludwig Adler vorgestellt halte, hielt dieser folgende Ansprache: Ew. kaiserliche und königliche Hoheit! In inniger Verehrung und tiefster Ergebenheit erlauben wir uns, vor Ew. k. u. k. Hoheit mit der Bitte zu erscheinen, Ew. k. u. k. mögen geruhen, eine Spende der Pester israelitischen Religionsgemeinde für den Anguste-Fonds entgegennehmen zu wollen. Es ist der Schmuck unserer heiligen Gesetzesrolle, und die andächtigen Gefühle so vieler Gläubigen, die dieses Heiligtum begleiten, mögen segnend aus den Angnste-Fonds wirken. Gestatten Ew. k. n. k. Hoheit auch, daß wir einen alten Becher überrrichen als Zeichen unserer Verehrung und tiefsten Dankbarkeit für die edle Menschenliebe, mit der sich Ew. k. u. k. Hoheit in diesen schweren Zeiten der leidenden Menschheit annehmen. Redner schloß mit einem Elsen ans die Erzherzogin, in das die Anwesenden einstimmten. Hierauf hielt Rabbiner Dr. Adler an die Erzherzogin ein schwungvolle Ansprache, in der er die hohe Frau als Schutzengel pries, der in diesen historischen Tagen so viele Tränen trocknet. Se. Hochwürdeu sprach hierauf in hebräischer Sprache den Segen, den die hohe Frau sichtlich ergriffen anhörte. Die Erzherzogin dankte herzlich sowohl im Namen des Fonds als im eigenen Namen für die Spenden der israelitischen Gemeinde. Die hohe Frau zeichnete sodann jeden der anwesenden Herren mit einer Ansprache ans und begab sich hierauf in einen anstoßenden Saal, wo die Kunstgegenstände auf einem Ttfch aufgestellt waren. Die Erzherzogin besichtigte mit großem Interesse die beiden Kronenaufsätze, das Brustschild und den Torazeiger und ließ sich von Rabbiner Dr. Adler die Bedeutung dieser Gegenstände erklären. Der Becher, den die Gemeinde der Erzherzogin spendete, ist in Silber getrieben. Der Deckel trägt an der Spitze die Zehugebote, die Tasse hingegen die Aufschrift: „Zum Andenken an die historischen Tage, dem Schutzengel der verwundeten Soldaten und leidenden Frauen, der Schutzfrau Ungarns. Im November 1914. Die Pester israelitische Religionsgemeinde". Die Erzherzogin erkundigte sich bei dem Präsidenten Herrn Adler eingehend über die isr. Wohltätigkeitsinstitutionen und entließ sodann die Deputation in huldvollster Weise. Wie wir hören, werden die kostbaren Tempelgeräte nicht wie die übrigen Schmnckgegenstände eingeschmolze». Ein hervorragender Kunstkenner hat sich nämlich bereit erklärt, diese Meisterstücke der Goldarbeiter- und Modellierknnst weit über den Metallwert einzulöseu, wodurch dem „Gold für Eisen"-Fouds ein namhafter Betrag zukommen wird. Der hiesige Gemeindevorstand hat sämtliche jüdischen Gemeinden des Ungarlandes anfgefordert, ihrem Beispiele zu folgen und einen Teil ihrer Tempelgeräte dem Angustefonds zu opfern, wir sind davon überzeugt, daß alle Gemeinden des Landes sich liebevollst beeilen werden, dieser Aufforderung nachzukommen, denn das jüdische Herz hat sich in schweren Zeiten stets opfermütig gezeigt und wahrlich heute kann niemand edler handeln, als wenn er seine Schätze zur Linderung von Not und Elend spendet. RnstischeGreuellaten. Von einem Augenzeugen wird die Schilderung eines russischen Pogroms in folgender Weise im Jargon gegeben: Teiere Brider, Bnei Awrohom, Jizchok und Jaakob! Gewiß ist euch nicht wissentlich die Mördereien, was das russische Militär tun zu de Inden, die russische Untertaner in Peulen bei die Kriegszeit. Mit herzzerreisende Leiden und mit bittere Träreü veröffentlich ich eich a Geschichte, was selbst beigewohnt habe. Das hat passirt in Bieznn Plocker Gonbernie Rnssisch-Penlen, was solches hat nicht passirt vor mittelalter Johreu. Der Kommandeur von russisch Militär, was ist gerade gewesen in Bieznn, hat den 16. Oktober gerufen den Rabbiner und fragt ihm, far ivos beten nicht das jüdische Volk, daß der russischer König soll glitten in diese Krieg mit Deitschland? Dann war die Antwort von Rabbiner, daß Juden russische Untertauer beten für sein Glick, sowie sei geboten sinten: „Weliawe mispallel bisclilaumoh schel malclms". Und die Inden sinten untertänig und sinten getrei seier König. Nach ein langweiltigen Disput hat der Rabbiner ihm aufgeklärt, as das is nor falsche Beschuldigung, was unsere Feinde sagen auf uns. Und der Rabbiner hat Abschied genummen und zu Hanse gegangen. Schabbos den 17. hat der Rabbiner weiter betnmmen a Befehl, er soll knmmen zu den Kommandeur, und so wie der Rabbiner geknmmen ist in Wohnung von Kommandeur, dann hat man den Rabbiner mit tyrannische und mörderische Kläppen a halbe Stunde geschlogen und er is ohnmächtig zu sein Hans gekummen und ist davon sterblich krank. Denselben Tag hat man 9 Inden in Gefängnis eingesperrt. Sonntag d. 18. hat man weiter 10 Jitden vornehmste und angesehene Leute von Stadt in a zweites Gefängnis eingesperrt und der Kommandeur befohlen hat. daß alle jüdische Männer von 10 Jahr an sollen die Wohnnngen verlassen, wenn aber welcher jüdischer Mann sein Haus nicht verlassen wird, dann wird man die 10 Männer von Gefängnis totschlagen, denn sei dafir verantwortllich sinten. Und alle jüdische Männer haben die Wohnnngen verlassen, dann hat der Kommandeur befohlen sein Militär, as man soll die jüdischen Männer von die Stadt heraustreiben und das russische Militär aus Pferde haben die Juden geschlagen unbarmherzig mit mörderische Kläppen und sei getrieben 10 Kilometer von Stadt bis aDorf; hat man sei in a Scheune eingesperrt beisammen 249 Manu und das Militär hat sei gehitet, as sei sollen kein Speis essen und trinken nicht bekommen, auch zu menschliche Bedürfnisse hat man sei nicht gelaßt, und das Militär hat gesagt, daß die Inden wird man verbrennen.. Sowie die Männer haben die Stadt verlaßt, hat der Kommandeur sein Befehl herausgegeben, daß die jüdische Vermögen ist frei gu räubern. Das Militär hat das jüdische Gut geräubert, auch hat das das Militär die jüdische Frauen und Mädchen geschändet. Dann sinten die Frauen zu den Teich geloffen, sich zu tränken, in Wasser areinwerfen und sei sinten voll Schande gerettet geworden. Auch ist ein jüdisches Hans abgesondert gewesen von katholische Häuser, hat das Militär das Hans verbrennt und nicht zugelaßt, zu retten. Noch viel solche Mördereien haben fei getan was es ist nicht auf den Papier herauszngeben. Sonntag 2 Uhr bei Nacht ist das