Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1914
- Issue
- Heft 42 (13.11.1914)
- Date
- 1914-11-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 42. Die Wahrheit Seite 5. Menscheu. Infolgedessen wurden sie, besonders die Franzosen, lange Zeit sehr respektiert. Der sranzösische Einfluß machte sich überall geltend. Französische Sprache wurde auch außerhalb Frankreichs besonders bevorzugt. Französischer Kunstsinn, französische Formschönheit, wie überhaupt französische Moden mannigfacher Art standen in fast allen Ländern Europas Eingang. Ebenso wurde auch England als ein freisinniges Kulturvolk verehrt. Als jedoch vor vier Dezennien die ,,-G roß e N a t i o n" im Deutsch-französischen Kriege geschlagen und gleichzeitig das Deutsche Reich gegründet wurde, haben sowohl die Franzosen als die Engländer ihre Gesinnung geändert. Die Erfteren waren furchtbar verbittert über die Verluste, die sie erlitten und die Letzteren über den mächtigen Aufschwung, den das Deutsche Reich nicht blos auf dem Lande, sondern auch auf der See genommen. „Revanche" war die Parole der Franzosen und „Einkreisung" die der Engländer. Nun wurden so lange Beratungen abgehalten bis mau auf die Idee gekommen ist, sich dem moskowitischen Despoten in die Anne zu werfen, damit er als dritter im Bunde, für Geld imb gute Worte ihnen zu Hilfe komme und wesentlich dazu beilrage das Deutsche Reich wie die altehrwürdige österr. nng. Monarchie zu zertrümmern. Väterchen begrüßte diesen Antrag umsomehr mit Freuden, als er ohnedies schon seit langer Zeit gegen die Monarchie nichts Gutes im Schilde führte. Und diesen drei verbündeten Großmächten ist es leider zu verdanken, daß die ganze Welt in Brand gesetzt wurde. Welch heillosen Schaden aber dieser Krieg, den das Weltgericht ewig verdammen wird, angerichtet! Abgesehen davon, daß die Verluste aller Feinde der verbündeten Kaiserreiche schon jetzt ans eine Million an Toten, Gefangenen und Verwundeten geschätzt werden, hat die Verwilderung unter den Menschen furchtbar große Dimensionen angenommen. Die Russen wie die Franzosen und Belgier haben bei vielen Gelegenheiten Greneltaten scheußlicher Art verübt, wie es die uralten Heideu in den Zeiten vor der Offenbarung am Sinai nicht schlimmer tun konnten. Vor Mattau Thora war die Welt eutgöttert, die Völker alle — die Patriarchen und deren Nachkommen ausgenommen — stöhnten dem Götzendienste, Väter gaben dem Moloch zu Ehren ihre eigenen Kinder dem Feuertvde preis, mit einem Worte, die Menschen waren verroht, vertiert, die Geister wahnumnachtet und die Herzen bildeten den Sitz wilder zügelloser Begierden. Der Psalmist schildert die Zustände der damaligen Zeit in folgenden Worten: Nemogim erez mechol joschweho. „Es bebte und zitterte, es wankte und schwankte die Erde und alle ihre Bewohner, es drohte ein Chaos hereinzubrechen und alles zu vernichten, onochi tikanti Amudelio selo. (Fortsetzung folgt.) Erzherzog Fron; Salvator im Spitol der Wiener Knllnsgemeinde. . Dienstag, den 10. d. M. mittag erschien der Generalinspektor des Freiwilligen Hilssvereines Erzherzog Franz Salvator im Rothschildspital auf dem Währingergürtel, um die von der Israelitischen Knltusgemeinde Wien dem Roten Kreuz für verwundete Offiziere und Mannschaften zur Verfügung gestellten Räume des in dem Krankenhause unterg ebrachteu Reservespitals Nr. 8 zu besichtigen. Erzherzog Franz Salvator, der in Begleitung seines Obersthostueisters Baron L eder er, des Kanzleivorstehers Major v. Briuzey und Leutnants Thonet gekommen war, wurde im Vestibül des. Spitales, nachdem der Juspektionsoffizier Leutnant in der-Reserve des 12. Dragonerregimentes Brady Meldung erstattethatte, vom Präsidenten der Israelitischen Knltusgemeiude Dr. Alfred Stern ehrfurchtsvoll begrüßt. Doktor- Stern dankte-dem Erzherzog für die Auszeichnung des hohen Besuches und-teilte mit,/daß die israelitische Kultusgemeinde unmittelbar nach dem Ansbruch des Krieges beschlossen habe, das Spital der Gemeinde dem Roten Kreuz zur Verfügung zu stellen, und daß 110 Betten für verwundete Ossziere und Mannschaften ohne Unterschied der Nationalität und Konfession bereitgestellt wurden. Als sich im Laufe der Zeit höhere Erfordernisse ergaben und das Kriegsministerium sich bereit erklärte, den Kostenersatz zn bestreiten, beschloß die Knltusgemeinde, auf diesen Kvstenersatz zu verzichten und für dix vollkommen unentgeltliche Verpflegung, ärztliche Behandlung und Wartung der Verwundeten auch bei einem größeren Belag ganz ans ihren eigenen Mitteln aufznkvmmen. Die Israelitische Knllnsgemeinde habe es auch, so führte der Präsident ans, als ihre selbstverständliche patriotische Pflicht erachtet, nicht nur dieses Spiral, sondern auch die Räume aller anderen von der Kiillusgimeinde subveuliouierlen jüdischen Wohltätigkeitsanttalten für die Verwnndetenpflege zur Verfügung zu stellen. Der Erzherzog nahm diese Mitteilungen mit wiederholten Anerkennungen für den patriotischen Sinn der Kliltirsgemeinde entgegen und ließ sich hierauf die zu seiner Begrüßung Erschienenen vorstellen. Zn derselben hatten sich außer dem Präsidenten Dr. Stern eingefuilden: der Vizepräsident der Israelitischen Knltusgemeinde Landesschulrat Dr. Gustav Kohr, Vrnsteher Emannel Hoffmaun, der erste Sekretär kaiserlicher Rar Doktor- Lieben, die Primarärzte Direktor Tr. Karl Fleischlii mm, Oberstabsarzt Professor Dr. Otto Zuckerkand!. Professor Tr. Ludwig Braun, Dozent Dr. Robert Breuer mit den Aerzten und Aerztiunen des Spitals, den Doktoren Necker, Bauer, Louis Kareis, Frieda Bauer, Schütz, Me na sie, Deutsch. Nobinsohn und Glaß; ferner Verwalter Dr. Kora nyi. die Oberin des Kaiserin Elisabeth-Pflegerinneninstilnles Frau Emma Levy, Oberoffizial Popper und Offizial Groß. Außer den Bernfspflegerinnen die Damen Jda und Klara Adler. Dr. Bing, Stephanie Bachrach, Lili Breitmanu, Grete Broch, Elie Bnnzl, Alice Eisler. Rosa Koranyi, Mitzi Reif, Steffl Strauß, Irene Teichtuer, Dr. Wengraf, Emma Werner und Rosa Wittlin. Unter Führung des Direktors Dr. Fleifchmann und der Primarärzte begab sich hierauf der Erzherzog in die Krankensäle und besichtigte die Operalions- und Sterilisarionsräume sowie die Laboratorien und Wirtichaftsräume und äußerte sich in überaus lobenden Worten der Anerkennung für die musterhafte Einrichtung des Spitals und die zweckmäßige Behandlung und Pflege der Patienten. Erzherzog Franz Salvator erkundigte sich bei vielen Verwnudeleu, Offizieren und Mannschaften in den verschiedenen Idiomen der Monarchie nach ihrem Befinden und den Gefechten, die sie mitgemacht hatten, und äußerte seine lebhafte Befriedigung über ihre fortschreitende Besserung. Besonders lange unterhielt sich der Erzherzog mit dem mit einer schweren Schußverletzung operierten Adjntanten des vierten Dentschmeisterbataillons Oberleutnant Gustav Grimm von Szepes-Etel var. Der Offizier, dem Professor Zuckerkandl durch eine kuustvolle plastische Operation das Leben gerettet hat, ist für sein tapferes Verhalten vor einigen Tagen mit dem Signum laudis am Bande des Militärverdienstkreuzes ausgezeichnet worden. Der Erzherzog sagte dem Offizier, er freue sich, zn hören, daß die Dentschmeister sowohl auf dem nördlichen als auch auf dem südlichen Kriegsschauplatz Hervorragendes geleistet hatten, und wünschte ihm baldige Genesung. Auf seinem Rundgang zeichnete der Erzherzog die Oberin des Kaiserin Elisabeth-Institutes für jüdische Keankeupflegerinnen, Frau Emma Levy. durch eine Ansprache aus und freute sich zn hören, daß sechs Schwefle r n dieses Institutes in Z a w i d o v i c e und in T u z l a in M i l i t ä r s p i t ä l e r n tätig sind. Der Erzherzog gab beim Abschiede seiner Freude darüber Ausdruck, daß die jüdische Knltusgemeinde in so freigebiger Weise das schöne Spital dem patriotischen Zwecke zu Verfügung gestellt habe, und versprach, dem Kaiser darüber Bericht zu erstatten. 'S LH»»».W» uarcfTj.nai»: