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Die Wahrheit · 1914-11-06 · Heft 41 (6.11.1914) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1914
Issue
Heft 41 (6.11.1914)
Date
1914-11-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Die Wahrheit Nr- 41 Sinne, gehabt, als sie nach der Geburt Jesu fragten: Wo ist der neugeborne König der Juden? — Abel es meint, der Jude habe sich selbst nicht Jude, sondern Jsraelite genannt. Nun aber sagt Jesus, den Abel es ja als Juden reklamiert, das Heil kommt von d e n Juden! Das steht nun fest: Wenn jemand wie Ta ei t ns und Cicero, von den Inden mit Haß . und Verachtung sprach, so meinte er durchaus nicht den N a m e n Jude sondern eben die Inden, die sich ja selber in der Sprache des Landes Judaei, Inden, niemals aber, außer im Hebräischen, Jsraelitai nannten. Im Hebräischen allerdings ist die.Bezeichnung Israel häufiger, weil die Rabbinen gern den Sprachgebrauch der Bibel nachahmten, sie schrieben und redeten gern nron dp bv so wie geschrieben steht. Dieselbe Erscheinung gewahren wir noch jetzt bei den 6 Millionen Juden des Ostens. Im Hebräischen nennen sie sich gewöhnlich Israel, in ihrer Umgangsprache aber kennen sie den Ausdruck Israelit gar nicht, sondern nur Inden (Juden)! Auch die Juden des Westens kannten bis vor kurzem die Benennung Israelit nicht. Ein Moses M e u d e l s o h n sprach nur von Inden. Einem L e s s i n g ist es nie eingefallen, die Inden Israeliten zu nennen! Er wollte vielmehr die Juden sowohl als auch den Namen Jude zu Ehren bringen. Und als dies nicht so schnell gelingen wollte, kam jemand auf den Gedanken, den verächtlichen Namen Jude mit I s r a e l i t e zu vertauschen, als ob die Verächtlichkeit am Namen und nicht vielmehr am Träger des Namens haftete! Denn es unterliegt doch wohl keinem Zweifel, daß, wenn die Inden des Mittelalters sich nicht Juden, sondern Israeliten genannt hätten, eben der Name Israelit ein Schimpfname geworden wäre! Dem selbstbewußten Inden aber ist der Name Jude ein Ehrenname und er protestiert mit Recht gegen die Benennung Israelit, weil sie stillschweigend eine Beschimpfung des e hrl i ch e n jü d i s ch e n Namens in sich sch l ieß t! Eine fudische Kaserne. Um von den lästigen militärischen Einquartierungen enthoben zu sein, denen die au der ungarischen Grenze gelegene und häufig von Durchzügen und Einfällen heimgesnchte Gemeinde Ung.-Brod unlerworfen war, beschloß der Vorstand im Jahre 1851, eine Kaserne zu bauen, in welcher 60 Mann samt den Offizieren uutergebracht werden können! Da sich aber kein geeigneter Bauplatz fand, wurde das Hansanteil meines Vaters um 50 Gulden jährlich gepachtet und mit den anderen der Gemeinde gehörenden Teilen des Hauses verbunden. Es stammte vom Großvater mütterlicherseits, dem Rabb.-Afs. R. Simson Frankl, dem Urgroßvater des Rabb. P. Frankl in Berlin. Oberhalb des Einganges, auf der Stirnseite trug es in einem viereckigen, schwarzen Felde eine hebräische Inschrift, deren Inhalt mir nicht mehr erinnerlich ist. Drei Zimmer wurden zu ebener Erde für die Mannschaft mit Strohsäcken belegt und ebensoviele Zimmer im ersten Stocke für die Chargen eingerichtet. Die Kaserne wurde auch dazu verwendet, die einheimischen tauglichen Rekruten, welche sich früher durch die jährliche Einzahlung von 7% Gulden Kopfgeld vom Militärdienste loskaufen konnten, in den Hofräumen einznexerziereu. Auch 50 Gemeindemitglieder, welche eine Nationalgarde zur Bewachung der Jndengasse bildete, hielten dort ihre Uebungeu ab. Doch waren es zumeist auswärtige Militärpflichtige, darunter jüdische Soldaten aus Galizien, welche in die Kaserne einlogiert wurden. Sie gehörten durchschnittlich der ärmeren Volksklasse an und mußten mit ihrer minimalen Löhnung ihr Auskommen finden. Die ans einem Zimmer bestehende Wohnung meiner Eltern war durch den Flur mit der Kaserne verbunden und diente den. Soldaten als Kantine. Die jüdischen beteten in einer rückwärtigen Kammer und genossen dort rituelle Kost, um sich nicht dem Gespötte der Kameraden auszusetzen. In der vormärzlichen Zeit war;es mit der Gleichberechtigung auch beim Heere schlecht bestellt. Viele Mißhandlungen mußte der Jude über sich ergehen lassen. Beschwerden hätten sein Los noch verschlimmert. Nur meiner Mutter klagte er sein Leid, dem sie zuweilen durch ihre Fürbitte beim Vorgesetzten abhalf. Täglich kochte sie. Tee für einen kranken jüdischen Soldaten aus Nikolsburg, den man für einen Simulanten hielt, bis er seinem Leiden erlag. Der erste Stock war durch einen Gang, den man mit Lebensgefahr betrat, mit einem Lehrzimmer für den Talmud verbunden. Doch wurden wir durch die Waffenübnngen im Schulhofe abgelenkt. Die Soldaten lachten unter den Fenstern, über die gesangähnlichen Vorträge der Talmndlehrer. Kurz, Kollisionen waren unvermeidlich und es zeigte sich, daß Schwert und, Buch —Soifa wesafra — sich nicht vereinen. Ich sah in diesem meinen Gebnrtshause meinen künftigen Beruf vorgezeichnet. Ich war Rabbiner und Feldprediger in der Militär- und Schnlstadt Kremsier. Mit dem lateinischen Sprichwort: „Wenn die Waffen klirren, schweigen die Musen" (Gesetze) stimmt ein talmudischer Spruch überein. „Entweder Schwert oder Buch". Diesem jedoch widerspricht ein anderer: „Das Schwert und das Buch kamen vereint vom Sinai." Als R. Hirsch Roth, der Schwiegersohn des R. Moses Perls. dem ich täglich Psalmen vorlas, das Rabbinat in Üng.-Brod antrat, organisierte er eine vierklassige Volksschule und beanspruchte zu diesem Zwecke die jüdische Kaserne, deren Erhaltung ohnehin kostspielig war und die verwahrlost aussah, weil die Schäden nicht ansgebessert wurden. Roth, der gewesene Honvedoffizier, eine imposante Erscheinung, ein Mann voll Energie und Talkraft, setzte es dnrch, daß die Kaserne in eine Schule nmgewandelt wurde. Er hat ein tüchtiges, mannhaftes Geschlecht großgezogen, an dem sich das Psalmenwort bewährt: Wie Pfeile in der Hand des Helden, so sind die Kinder der Jugend. Ein prachtvolles Schnlhaus ziert jetzt die Stätte, auf der einst die jüdische Kaserne stand. Fr. Gr. Prophezeiungen. . Es ist doch merkwürdig, daß immer, wenn Kriege aus - brechen, hüben wie drüben> in jüdischen wie in nichtjüdischen Kreisen, ans Männer hingewieseu wird, die angeblich infolge höherer Aspiration, schon vor Jahrhunderten oder gar vor Jahrtausenden es prophezeit haben, daß diese Kriege in diesem oder jenem Jahre ansbrechen, wobei die Einen siegen, die Anderen starke Verluste erleiden werden. Von jüdischer Seite wird zumeist der heilige „Svhar" als Quelle dieser Weissagungen bezeichnet, obwohl es in Fachkreisen allgemein bekannt ist, daß Moses ben Schentob ans Leon, der in der zweiten Hälfte des XIII. Jahrhunderts geblüht und sich, eisrigst. mit der Mystik beschäftigt hatte, der eigentliche Schöpfer des „Sohar" war, dem man fälschlich als Produkt des großen, in der Jndenheit hochverehrten TanaitenR. Simon ben Jochai verösientlichte, um hiedurch diesem Schriftwerke für alle Zeiten die allgemeine Anerkennung und Verehrung sichern zu können. Auch das Jahr 1648 wurde mit Berufung auf den „Sohar" als Messiasjahr bezeichnet, tatsächlich aber war es das unglücklichste Jahr der armen Inden in Polen. Zunz schreibt hierüber: „Das Jahr.1648, ein Friedensjahr für Mitteleuropa, ein Freiheitsjahr für. England, ein Christnsjahr nach den .Verheißungen Piere de la fons, ein M e s s i a sjahr nach dem Sohar, wurde ein Unglücksjahr für die Juden in Polen und Ukraine. Die Kosaken und ihre.. Verbündeten, die unter Bogdan Chmelnitzki gegen Polen Krieg führten, verwüsteten die Städte und erschlugen alle Juden, die sich nicht retten konnten, oft mit erfinderischer Grausamkeit. Daß Haar sträubt sich bei den Beschreibungen; die Qualen übertreffen die des Mittelalters, die Anzahl der Opfer hält der vom Jahre 1348 . die Wage: die Zerstörung der Gemeinden erinnert an den Hadrianischen Krieg. Viele

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